Einzelbild herunterladen
 

„Dori hinter den wilden Kirschenstränchern haben sie gelagert, und dahinten bei den Haselbüschen standen die Pferde."

„Ah! Da muß ich hin, denn Ihr habt doch nicht die richtigen Augen, um zu sehen, wie viele Thiere eS gewesen sind!"

„Es waren sechsundzwanzig."

Wieder blickte er mich mit einer Geberde der Ueberraschung an.

„Sechsundzwanzig?" frug er ungläubig. „Woraus erkennt Ihr das?"

„Aus den Wolken jedenfalls nicht, sondern cm3 den Spuren, Sir", lachte ich. „Von diesen sechsund­zwanzig Pferden waren acht beschlagen und achtzehn unbeschlagen. Unter den Reitern befanden sich drei­undzwanzig Weiße und drei Indianer. Der Anführer der ganzen Truppe ist ein Weißer, welcher mit dem rechten Fuße hinkt; sein Pferd ist ein brauner Mu­stanghengst. Der Indianerhäuptling aber, der bei ihnen war, reitet einen Rapphengst, und ich glaube, daß er ein Sioux ist vom Stamme der Ogellallah."

Das Gesicht, welches der Dicke mir jetzt machte, läßt sich gar nicht beschreiben. Der Mund stand ihm vor Erstaunen offen und die Keinen Aeuglein blickten mich mit einem Ausdrucke an, als ob ich ein Ge­spenst sei.

— Der Reichskommissar v. Wißmann und der Chef in der ostafrikanischen Schutztruppe, Freiherr v. Gra- venreuth, sind am 28., Vormittags 8>/a Uhr, zu einem Besuche der Kruppschen Werke nach Essen abgereist.

* Bonn, 26. Sept. Bei der gestrigen Reichstags­ersatzwahl an Stelle des Centrumsabgeordneten Dr. Virnich wurde der Centrumskandidat Landgerichtsrath Spahn gewählt. Die Wahlbetheiligung war eine schwache, da die Liberalen keinen Kandidaten ausgestellt hatten. Die Sozialdemokraten erhielten gegenüber dem 20. Februar nur die Hläste ihrer damaligen Stimmen.

* Frankfurt, 26. Sept. Der Ausschuß des Ver­eins für Sozialpolitik hat in seiner heute Abend ab­gehaltenen Sitzung beschlossen, im nächsten Jahre einen internationalen sozialpolitischen Kongreß zur Berathung der Fragen des Arbeiterschutzes, des Ar- beitsvertrags u. s. w. zu berufen.

• München, 26. Sept. Die Besteiung der Lehrer vom niederen Kirchendienst ist in Bayern eine alte, auch jüngst in Landshut auf der bayerischen Lehrer- Versammlung vorgebrachte Forderung des Volksschul­lehrerstandes. Jetzt verlautet, daß in Regierungskreism alle Neigung bestehe, diesem Wunsche nachzukommen, und man int Kultusministerium auch mit den Vor­arbeiten hierzu thätig sei. Allerdings sei die Lösung der Frage nicht so einfach, weil nicht unerhebliche finan­zielle Schwierigkeiten hineinspielen; denn die Nutznießung von Grundstücken sei für die Lehrer vielfach nicht an die Lehrstelle, sondern an die Verpflichtung zum niederen Kirchendienste geknüpft. Doch hegt man die Hoffnung, die Angelegenhert allmählich, von Fall zu Fall, in's Reine zu bringen.

* Stuttgart, 25. Sept. Die letzte öffentliche Hauptversammlung des evangelischen Bundes nahm eine Resolufion „Reformation und soziale Frage" an, sowie einen Protest gegen die Rückberufung des Jesuiten­ordens und einen Protest gegen die von der Kob­lenzer Katholikenversammlung gefaßte Resolution über die Schulfrage. Es fanden außerdem Annahme die Resolutionen betreffend die Zustimmung und Unter­stützung des Verbandes der evangelischen Arbeiterver­eine, die Fürsorge, für die Bewahrung der Heran­wachsenden Jugend und die Unterstützung der evan­gelischen Heidenmission. Die Bündler halten Gott sei Dank durch ihre Proteste den Gang der Ereignisse nicht mehr auf.

* Eisenach, 28. Sept. Major von Wißmann wird, einer Einladung des Großherzogs von Sachsen- Weimar Folge leistend, nach seinem Aufenthalte in Köln auf der Wartburg eintreffen. Es werden ihn Frhr v. Gravenreuth und Dr. Bumiller begleiten.

„Ave Maria."

Reiseerlebnisse aus dem „wilden Westen" Nordamerikas von CarlMay. ,

(4. Fortsetzung.)

Während die anderen Paffagiere noch unnöthiger 'Weise in den Trümmern wühlten, hielt ich es für das Beste, mich einmal nach den Spuren der Railtroublers umzusehen. Das Terrain geigte eine offene, mit Gras -bewachsene und nur von wenigen Büschen unterbrochene Fläche. Ich ging eine ziemliche Strecke auf dem Geleise zurück und schlug sodann um die rechte Seite der Un- ■ glücksstelle einen Halbkreis, dessen Grundlinie von dem Bahnkörper gebildet wurde. Aus diese Weise konnte mir bei nur einiger Aufmerksamkeit Nichts entgehen.

In der Entfernung von vielleicht dreihundert .Schritten von der Unglücksstätte fand ich zwischen einigen Büschen das Gras niedergedrückt, als ob hier eine ziemliche Anzahl von Menschen gesesien hätte, und die noch im niebergebrücften Grase erkennbaren Spuren führten mich an eine zweite Stelle; wo man die Pferde angehobbelt*) hatte. Diesen Platz untersuchte ich sehr Sorgfältig, um die Anzahl und Beschaffenheit der Pferds kennen zu lernen; dann fetzte ich meine Forschung weiter fort.

Am Schienenwege traf ich mit meinem dicken Nach- t bar zusammen, welcher, wie ich erst jetzt bemerkte, den-

gesetz sür Volksschulen ist eine Zusammenstellung der Durchschnittsgehälter für Stadt- und Landlehrer recht bemerkenswerth. Die Dienstwohnungen oder Miethsentschädigungen können hierbei nicht in Betracht kommen, da diese jeweils den öttlichen Verhältnissen entsprechen sollen und also für das thatsächliche Ein­kommen ohne Einstuß sind. Das nackte Durchschnitts­gehalt betrug am 1. Mai 1886 in der Provinz Ost­preußen in den Städten 1062 Mk. (auf dem Lande 837 Mk.), Westpreußen 991 (806), Berlin 1675 (—), Brandenburg 1144 (992), Pommern 1211 (883), Posen 1027 (850), Schlesien 1243 (913), Sachsen 1138 (1054), W estfalen 1250 (1044), Rheinland 1365 (1049), Hohenzollern 1096 (845), Schleswig- Holstein 1321 (1107), Hannover 1189.(914), Hessen- Nassau 1373 Mk. (909). Der Unterschied zwischen dem Durchschnittsgehalt von Stadt- und Landlehrern ist demnach am größten in Hessen-Nassau (464 Mk.), am geringsten in Sachsen (84 Mk.), für Westfalen stellt sich derselbe auf 206, für die Rhein­provinz auf 316 Mark. Das Durchschnittsgehalt für den ganzen Staat beträgt in Städten 1279, auf dem Lande 954 Mk.; es ergibt sich also ein Unter­schied von 325 Mk. ober 25 Prozent. Dieser Unter­schieb wirb sich seit 1886 zu Gunsten der Lehrer auf dem Lande in merklicher Weise verringert haben, da die Alterszulagen auf dem Lande nirgendwo zurück­gezogen wurden. Auch die jüngste Erl>öhung der Älters- zulagen bis zu 500 Mark hat das Durchschnitts­gehalt in den Ort-n unter 10,000 Einwohnern ver­ändert.

* Saarbrücken, 27. Sept. Heber den Unglücksfall in der Königl. Steinkohlengrube Maybach des hiesi­gen Bezirks veröffentlicht der ,Staatsanzeiger' einen ausführlichen amtlichen Bericht. Danach erscheint es als ansgefchlossen, daß die Ursachen der Explosion auf Mängel in den Betriebs- Einrichtungen der Grube zurück­zuführen sind, wie auch bis jetzt kein Anhalt dazu vor­liegt, der Betriebsleitung eine etwaige Verschuldung an derselben beizumessen.

* Köln, 27. Septbr. Wißmann, der heute von Berlin mit Gravenreuth und Bumiller hier eingettoffen war, sprach in einer Versammlung engerer Kolonial­freunde vor dem ihm zu Ehren gegebenen Festmahle über Ostasrika. Ueber die eigene künftige Thätigkeit fei ihm noch nichts bekannt. Er plaidirte für ein Telegraphenkabel von Dar-es-Salaam über Saadani nach Panga und nach Mikindani. Das Hauptquartier fei von Sansibar nach Bagamoyo oder Dar-es-Salaam zu verlegen, beide Letztere seien leicht durch eine Eisen­bahn zu verbinden. Besonders wichtig seien Dampfer für die Seen, mit denen Sklaventransporte zu vereiteln feien; für jeden See ein Dampfer mit einem Geschütz.

selben Gedanken mit mir gehabt und die links von der Unglücksstelle gelegene Gegend abgesucht hatte. Er blickte verwundert auf und frug:

„Ihr hier, Sir? Was thut Ihr?"

„Das, was ein jeder Westmann thun wird, wenn er in eine ähnliche Lage kommt: ich suche nach den Spuren der Railtroublers."

„Ihr? Ah! Werdet auch viel finden! Das sind gescheidte Kerls gewesen, welche es verstanden haben, ihre Spuren wieder zu verwischen. Ich habe nicht das Mindeste entdeckt; was wird da so em Greenhorn finden, wie Ihr doch seid?"

„Vielleicht hat das „Greenhorn" bessere Augen gehabt als Ihr, Master", antwortete ich lächelnd. „Warum sucht Ihr hier auf der linken Seite nach Spuren? Ihr wollt ein alter, erfahrener Savannen­läufer sein und seht doch nicht, daß sich das Terrain hier rechts viel besser zu einem Lagerplatze und Ver­steck eignet als links da drüben, wo fast gar kein Buschwerk zu sehen ist."

Er blickte mir sichtlich überrascht in das Gesicht und meinte dann:

„Hm, diese Ansicht ist nicht übel! So ein Bücher­macher scheint doch zuweilen einen guten Gedanken zu haben. Habt Ihr Etwas gefunden?

„Sa."

„Was?"

Deutsches Keich.

Berlin, 27. September.

* Eine kaiserliche Proklamation, betreffend die Ein­führung des Jnvaliditäts - Versicherungs - Gesetzes soll Mitte Dezember ergehen.

* Die .Nordd. Allg. Ztg.' bezeichnet als Nachfolger Berdh's den Generallieutenant Kaltenborn-Stachau.

* Die Entscheidung über die staatsrechtliche Stellung der Insel Helgoland wird, wie es heißt, keineswegs hinausgeschoben werden, da schon dem näch­sten Reichstag Vorlagen über die Befestigung der Insel zugehen dürften. Bezüglich der inneren Ver­waltung der Jnfel dürfte das Provisorium noch länger fortbestehen; in dem Erwerb für das Reich aber ein Definitivum zu schaffen, werden in der nächsten Parla­mentssitzung sicherlich Vorlagen zu erwarten sein.

* Im Lauft der nächsten Woche wird der Abschluß schwebender Verhandlungen wegen Aufnahme von An­leihen für das Reich, sowie für den preußischen Staat erwartet.

* Der neue nordamerikanische Zolltarif (Mac Kinley- Bill) tritt bereits am 6. Oktober in Kraft.

* Der Entwurf einer Landgemeinde - Ordnung, welcher dem preußischen Landtage bei seinem Zusammen­tritt zugehen wird, ist bereits fertiggestellt. — Die Reform der Landgemeindeordnung beschäftigte auch den in Frankfurt a. M. versammelten Verein der Sozialpolitik, in welchem Abgeordneter Sombart vom geschichtlichen und Oberpräsident a. D. von Ernsthausen vom gesetzgeberischen Standpunkte aus Vorträge hielten.

* Die Gehaltserhöhung für die Premierlieutenants nnd Hauptleute zweiter Klaffe und für die Civilbeamten der TarifKasse 3 soll einer hiesigen Korrespondenz zufolge dem Reichstage wieder zuzemuthet werden.

* Der ,Reichsanzeiger' erklärt den Vorwurf eines Theiles der Presfe, daß zu den Erhebungen in Be­tteff der Gewerbeordnungs-Novelle zwar Handels­kammern und Arbeitgeberverbände, nicht aber Arbeiter­vereine befragt worden feien, für unbegründet und verweist auf die Circularverfügung vom 6. Juli, die es dem Ermeffen der höheren Verwaltungsbehörde Überläßt, außer den Gewerberäthen, Landräthen, Kom­munalbehörden und Handelskammern auch die Vereine von Arbeitgebern und Arbeitern zu hören, wo eine nähere Kenntniß der Verhältnisse bei diesen voraus- zusetzen fei. Es folgt der Wortlaut der gedachten Ver­fügung.

* Im Hinblick auf das angekündigte Dotattous-

Dienstag, den 30. September 1890.

.3

uldaer Zeitung

Druck u. Berlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.

Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.