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JM 222.

Freitag, den 26. September 1890.

17. Jahrgang

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Fuldaer Zeitung

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(1. Fortsetzung.)

Was mich betrifft, so war ich zwar nicht ein West­mann in des Wortes vollständiger Bedeutung, doch hatte ich das Jägerleben schon auch ein Wenig kennen gelernt, konnte mich auf meine gute Konstitution ver­lassen und, was die Hauptsache war, befand mich im Besitz von oft erprobten Waffen, die mich noch nie im Stich gelösten hatten. Rur eines fehlte mir, ohne das es geradezu unmöglich ift, in den dark and bloody grounds *) zu bestehen — ein gutes, zuverlässiges Pferd; doch verursachte mir dieser Mangel keine Kopf­schmerzen. Den alten Wallach, der mich bis Omaha getragen hatte, verkaufte ich dort und setzte mich mit 1>er festen Ueberzeugung in dm Bahnwagm, daß ich rin gutes Pferd, sobald ich es brauche, auch wohl be- fcmmen werde.

Damals war die Bahn noch nicht in allen ihren Theilm vollständig fertig gestellt; aber man dampfte -och bereits über die Felsenberge hinüber und herüber, -und arbeitete eifrig an der Artigstellung derjmigm

*) „Finstern und blutige» Gründen". So nennt der Amen- staner ben wilden Westen seines Landes.

* Wünsche des preußischen höheren Lehrerstandes.

Sobald die Absicht der preußischen Regierung, dem­nächst eine Unterrichts-Enquete-Kommission zusammen- tceten zu lassen, offiziell bestätigt wurde, hielten es die Vereine der Lehrer höherer Lehr-Anstal­ten, welchen fast fämmtliche Fach-Genossen angehörm, für ihre Pflicht, ihre Wünsche der Kommission nicht vorzuenthalten. Nachdem zunächst innerhalb der ein­zelnen Lehrer-Kollegien, sodann innerhalb der Pravin- zial-Vereine Berathungm stattgefunden hatten, traten am 17. August d. I. die Delegirtm sämmtlicher Pro- vinzial-Vereine in Berlin zusammen. Nach eingehender Berathung wurden 29 Thesen festgestellt, welche der genannten Kommission als Wünsche des preußischen höherm Lehrerstandes übermittelt werden sollm. Bei dem allgemeinen Interesse, welches unserem höherm Schulwesen allerseits mit Recht entgegengebracht wird, theilen wir dieselben nach der ,Köln. Volksztg.' im Wortlaute mit:

1) Von den Kandidaten des höheren Schulamts ist der Nachweis über ein absolvirtes vierjähriges Studium zu verlangen.

2) Die Prüfung der Schulamts-Kandidaten ist zu trennen in eine wiflenjchaftliche und in eine fpätere praktische.

3) Die erste (wissenschaftliche) Prüfung wird in Berlin vor einer Central-Kommission abgelegt, welche aus Universitäts-Pro- sessoren und praktischen Schulmännern besteht.

4) lieber jede Prüfung ist während derselben, und zwar durch ein anderes Mitglied der Kommission, ein genaues Proto­koll zu führen.

5) Das Prüsungs-Zeugniß enthält nur das Schluß-Ergeb- niß in den einzelnen Fächern.

6) Der Gejammt-Ausfall der Prüfung wird durch die Ur« Ihelle „genügend bestanden", „gut bestanden", und „mit Aus­zeichnung bestanden" näher bezeichnet.

7) Die Prüfung ist bestanden, wenn der Kandidat den Nach­weis liefert, mindestens in zwei Lehrfächern in Prima unterrich­ten zu können. Der Nachweis der allgemeinen Bildung fällt fort da derselbe durch die Reife-Prüfung erbracht ist.

'S) Die zweite Prüfung is."eine vorzugsweise praktische und wird nach der zweijährigen pädagogischen Vorbildung vor Schul­männern abgelegt. In diese Prüfung gehört auch die Prüfung in Philosophie und Pädagogik. ,

9) Für diese Prüfung sind die Berichte über das Leminar- und Probe-Jahr zu berücksichtigen. Das Zeugniß spricht nur die Anstellungs-Fähigkeit oder die Richtanstellungs-Fäh-gkeit aus.

10) Jeder Kandidat, der diese beiden Prüfungen bestanden hat ist zum Austücken bis in die oberste Gehaltsstufe befähigt.

11) Mit der Zulassung zur Ableistung des Seminar-Jahres sind die Kandidaten zu vereidigen und erhalten den Titel „Schul- Referendar", mit der Erwerbung des Zeugnisses für die Anstel- lungs-Fähigkeit den Titel „Schul-Assessor" und damit den Rang der Räthe fünfter Klaffe.

12) Das Bedürfnis der höheren Unterrichts - Anstalten an Lehrkräften ist durch definitiv angestellte Lehrer zu decken. Schul- Affefforen dürfen als Hilfslehrer nur zur Befriedigung vorüber­gehender Unterrichts-Bedürfniffe verwendet werden.

13) Die als Hilfslehrer beschäftigten Schul-Assessoren wer­den wie die kommissarisch beschäftigten Gerichts-Affefforen besoldet.

14) Die Schul-Assessoren gelangen nach Maßgabe des Un- terrichts-Bedürfniffes entsprechend dem Datum ihres Anstellungs- fähigkeits-Zeugniffes zur definitiven Anstellung.

15) Diejenigen bereits angestellten Lehrer, deren Zeugniß nicht den hiernach in Zukunft zu stellenden Forderungen ent­spricht, werden bei der Regelung der Ascension, soweit als mög­lich, als den obigen gleichberechtigt behandelt.

16) Mit der Anstellung erwirbt der Angestellte den amt­lichen Titel „Oberlehrer". .

17) Das Anstellungs-Dekret wird von Sr. Mazestat dem Könige vollzogen.

18) Das Mindest-, Durchschnitts- und Höchst-Gehalt der Lehrer ift dem der Richter unterster Instanz gleichzustellen.

19) Die Regelung der Ascension ist unter Beseitigung des gegenwärtigen Stellen-Etats entweder durch Aufrücken innerhalb eines größeren Verbandes, mindestens der Provinz, oder durch Dienstalters-Zulagen zu bewirken.

20) Von den Oberlehrern erhält derselbe Prozentsatz rote bei den Richtern unterster Instanz den Rang der Räthe vierter Klaffe unter Verleihung des Titels „Profeffor".

21) Die Art der höheren Lehranstalt begründet tn Bezug auf Ascension, Gehalt und Titel keinen Unterschied.

22) Die Leiter aller höheren Lehranstalten führen den Titel Direktor.

23) Für jede höhere Lehranstalt sind so viel wiffenschaftliche Lehrerstellen vorzusehen, als der zwanzigste Theil sämmtlicher wiffenschaftlicher Unterrichtsstunden nach Abzug der vom Direktor zu übernehmenden Stunde« beträgt.

24) Das dem Ruhegehalt zu Grunde zu legende Dienstalter beginnt mit dem Seminar - Jahre. Der Termin a quo ist in der Anstellungs-Urkunde zu vermerken.

25) Die Lehrer an nichtamtlichen höheren Lehranstalten find denen an den staatlichen durch ein Gesetz in allen Punkten völlig gleichzustellen.

26) Das Gehalt der Direktoren ist entsprechend ihren Stel­lungen zu erhöhen.

27) Ein Unterrichts-Gesetz ist zu erlassen. Bis zum Erlaße eines solchen Gesetzes sind die Pflichten und Rechte der Lehrer und der Direktoren durch eine Ministerial-Berfügung einheitlich zu regeln.

28) Die Provinzial-Schulkollegien sind selbstständig zu ge­stalten. Die Räthe sind bis auf einen, den Justitiar, Fachmän­ner mit dem Range eines Rathes dritter Klaffe. Der Präsident muß ein Schulmann mit -dem Range eines Rathes zweiter Klaffe sein. , ,

29) Dringend wünschenswerth ist die Bildung ernes beson­deren Unterrichts-Minifteriums, an deffem Spitze ein Schulmann steht und deffen Räthe gleichfalls wesenNich Schulmänner sind.

„Avr Maria."

Reiseerlebnisse aus dem „wilden Westen" Nordamerikas von Carl May.

d. Mts. begibt sich der Kaiser zum Besuche des Kaisers von Oesterreich nach Wien, von wo die Rückkehr nach Potsdam am 9. Oktober erwartet wird.

* Die von sozialdemokratischen Organen vorberei­teten Kundgebungen zur Feier der Aufhebung des Sozialisten-Gesetzrs haben an manchen Orten mit ern­sten Besorgnissen über Ausschreitungen erfüllt. Wahr­scheinlich sind diese Besorgnisse ebenso unbegründete, wie jene vor der bekanntlich verunglückten Mai-Feier dieses Jahres. Inzwischen sind nicht nur für den letzten Tag dieses, sondern auch für die ersten Tage des kom- menden Monats fettens der Behörden die umfassendsten Vorkehrungen getroffen worden, um jede etwaige Aus­schreitung zu unterdrücken. Sämmtliche verfügbare Kräfte der Polizei werden überall zusammengehalten; Urlaubs-Anträge von Polizei-Beamten sind zurückge- wiesen worden; wo es erforderlich war, hat schon feit Monaten, ersichtlich im Hinblick auf diese Verhältnisse, eine Verstärkung der Polizeikräfte ftattgefunben. Es ist kaum anzunehmen, daß die sozialdemokratische Par­tei selbst nicht in umfassendster Weise dafür gesorgt haben sollte, den Beweis zu liefern, daß das Sozialisten- Gesetz zur Befestigung ordnungsgemäßer Zustände nicht erforderlich ist.

* Die der Stadt Berlin ertheilte Erlanbniß zur Einfuhr von lebenden Schweinen aus den Mast-An­stalten Bielitz-Biala und Steinbruch ist nunmehr auch auf die mit öffentlichen Schlachthäufern versehenen Städte Ostrowo, Krotoschin, Bromberg, Jnowrazlaw, Schneidemühl, Thorn, Neustadt 0.-S., Görlitz, Lieg- nitz, Torgau, Zeitz, Skanbenburg a/H., Spandau, Prenzlau,' Kottbus, Forst t. L„ Sorau, Hannover- Linden, Hildesheim und Göttingen ausgedehnt worden.

* Der deutsche Gewerbekammertag ist auf den 30. September und 1. Oktober nach Hamburg einberufen. Aus der Tagesordnung steht als Hauptgegenstand die Novelle zur Gewerbeordnung. Außerdem werden noch 2 besondere Anträge zur Verhandlung kommen: ein solcher der Handels- und Gewerbekammer Zittau, bett. Festsetzung einer Altersgrenze für die Berechtigung zum selbstständigen Betriebe eines Gewerbes und ein Antrag der Gewerbekammer zu Lübeck, betr. Ausdehnung des Unfallversicherungszwanges auf das gesummte Handwerk.

* Zu Anfang Oktober wird nach längerer Pause wieder eine Sitzung des Verwaltungsraths der Deutsch- Ostaftikanischen Gesellschaft stattfinden, welche sich mit wichtigen Dingen zu beschäfttgen haben dürfte, und der zum ersten Male auch der bereits vor einigen Monaten vom Reichskanzler in ben genannten Verwaltungsrath belegirte Direktor im Reichspostamt, Herr Sachse, bei­wohnen wirb. Die zwei anderen der drei statutenmäßig vom Reichskanzler zu besetzenden Stellen im Ver­waltungsrath der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft Zeit des Eisenbahnbaues hatten sie es ganz besonders auf die jungen Ansiedelungen und auf die Camps ab- gefehen, welche entlang der Bahnstrecke entstanden, und es war daher nicht zu üertounbern, daß diese Camps Befestigungen erhielten und die Bewohner derselben selbst während der Arbeit bewaffnet gingen.

Wegen der Angriffe, welche diese Räuber auf die Camps und kleinen Wagenttains unternahmen, wobei sie gewöhnlich ben Schienenweg zerstörten, um ben P.ug zum Stehen zu bringen, wurden sie Railttoublers, Schienenstörer, genannt. Man hatte ein scharfes Auge auf sie, fo baß sie schließlich ihre Ueberfälle nur bann unternehmen konnten, wenn sich mehrere ihrer Trupps vereinigt hatten, so daß sie sich also zahlreich genug wußten. Uebrigens herrschte gegen sie eine solche Er­bitterung, daß jeder gefangene Railttoubler nichts an­deres als den sicheren Tod zu erwarten hatte. Diese Banden mordeten ohne Unterschied des Alters und Geschlechtes, darum konnte auch gegen sie von keiner Gnade die Rede fein.

Es war Sonntag Nachmittag, als rotr mit dem Zuge Omaha verließen. Unter den Reisegefährten be­fand sich kein Einziger, der mein Interesse mehr als vorübergehend in Anspruch genommen hätte. Erst am nächsten Tage stieg in Fromont ein Mann ein, dessen Aeußeres sofort meine Aufmerksamkeit auf ihn lenkte.

Deutsches Keich.

Berlin, 23. September.

* Der Kaiser ist, aus Schlesien kommend, in Tra- kehnen eingetroffen und hat sich von dort zur Ab­haltung von Jagden nach Theerbude begeben. Am 30. Punkte, die bisher nur interimistisch fahrbar waren. Daher erblickte man während der Fahrt an vielen Stellen der Bahn noch Arbeiter, welche beschäfttgt waren, den Bau von Brücken und Viadukten nachzu­holen oder solche Punkte, welche bereits schadhaft ge­worden waren, wieder auszubeffern. Diese Leute hatten, wenn sie nicht in der Nähe einer der damals wie Pilze aus der Erde schießenden Ansiedelungen arbeiteten, sich gewöhnlich ein Camp, ein Lager errichtet, welches mit einigen Befestigungen versehen war. Dieses Letztere war nothwendig der Indianer wegen, welche den Bau -er Eisenbahn als einen Eingriff in ihre Rechte betrachteten und ihn auf alle Weise zu ver­hindern und zu erschweren suchten.

Aber auch noch andere Feinde gab es, Feinde, welche fast noch furchtbarer als die Rothhäute waren.

Es treibt sich nämlich in der Prairie eine Menge Gesindels umher, welches sich aus benjenigen Elementen refrutirt, welche der civilisirte Osten ausgestoßen hat, Existenzen, welche auf alle Weise bankerott geworden sind und nun vom Leben nichts weiter zu erwarten haben, als was sie durch ein verbrecherisches Durch­schweifen des Westens zu erreichen vermögen. Diese Menschen rotten sich bald zu diesem, bald zu jenem verderblichen Zwecke zusammen und find mehr zu .fürchten, als selbst die wildesten Jndianerhorden. Zur