V 217.
Samstag, den 20. September 1890.
®rurf u. «erlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).
Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Senn- und Feiertage ausgenommen.
Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer- lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
ZUM Guartalswechsel
richten wir an die verehrNchen auswärtigen Abonnen- ten der
,F«ldaer Zeitung' die ergebene Bitte, Bestellungen für daS am 1 Oktober er. beginnende 4. Quartal nicht bis auf die letzten Tage laufenden Monats verschieben, sondern thun- lichst bis zum 28. ds. dem nächsten Postamte übermitteln zu wollen, damit prompte Zusendung des Blattes ermöglicht wird.
. Der »b Abonnementspreis 'M beträgt W fe^er i Mk. 50 Pfg. ohne Bestellgeld. Das lllustritte Sonntagsblatt
S=: Sterne und Slumen —— wird auch fernerhin der ,Fuldaer Zeitung' gratis belgesügt.
Auch zu recht zahlreichen Neubestellungen laden wir hlermrt freundlichst ein.
.. Die 'Fuldaer Zeitung' ist bekanntlich das einzige täglich erscheinende Centrums-Orga« des Regierungsbezirkes Kassel und der Diözese Fulda. Sie be- handelt die neuesten Tagesfragen in gemeinverständ- licher Weise. Die politischen Tagesftagen sind kurz und übersichtlich zusammengestellt, den lokalen und pro- vmzlellm Vorkommnissen wird große Sorgfalt ae-
ttnh Altf O1tf VAtMrtS. --C -« O »-r
leton besonderes Gewicht gelegt.
Für Katholiken der. Diözese Fulda, die treu zur Sache des Centrums halten, ist die ,Fuldaer Zeitung' dasjenige Organ, welches, abgesehen von auswärtigen katholischen Blättern, einzig und allein ihrer moralischen und materiellen Unterstützung werth erscheint. Sie allein kann ihrem politischen Standpunkt gerecht werden und ihr innerstes Bedürfniß wahrhaft befriedigen. Die ,Fuldaer Zeitung' zählt sich zu jenen Blättern, welche Farbe bekennen, zu den Blättern jener unüberwindlichen Partei, bei welcher man feste Ziele, Konsequenz und Charakter findet.
Leider wird die Aufgabe der ,Fuldaer Zeitung' nicht genug gewürdigt, sonst müßte die Zahl ihrer Abonnenten im Verhältniß zar Katholikenzahl unserer Stadt und Diözese bei dem mäßigen Abonnementspreise von 1,50 M. noch um ein Bedeutendes größer sein.
Die ,Fuldaer Zeitung' trägt durch ihr tägliches Erscheinen den Zeitverhältnissen Rechnung und ist dadurch, daß sie auf kurze populäre Zusammenstellung der wichtigsten Tagesereignisse sich beschränk, ein Volks- blatt im besten Sinne des Wortes, ein Blatt für Jedermann. Und heutigen Tages ist ja das Lesen
Novelle von I. v. Dirkink.
(4. Fortsetzung.)
8. Seelenkämpfe.
Eines Tages, es war schon Spätherbst, saß Marianne allein auf der Bank vor der Hausthür. Sie schälte Bohnen aus. Aber die Hände ruhten oft lässig in der irdenen Schüssel auf ihrem Schooße, die Augen blickten wie ttäumend vor sich, und einige Male hob ein tiefer Seufzer ihre Brust. Sie gedachte der Vergangenheit, wie man sich guter Todten in schwermuths- vollen Stunden erinnert. Was war aus ihr, der stolzen, fröhlichen Erbtochter geworden? Wie leicht und gern hatte sie ehemals jede Unbill Anderer vergeben und vergessen können! Wie lustig war sie bei der Arbeit gewesen und wie geneigt, Anderen Freude zu bereiten. Und wie war es heute, nach so wenigen Jah- ren! Sie stand noch in der Blüthe ihres Lebens und ihrer Kraft; aber wie lebensmüde, wie elend und unglücklich fühlte sie sich! Wie sehnte sie sich ost, zu sterben, als ob einzig im Tode für sie noch Ruhe und Friede zu finden sei. Niemand entbehrte sie ja auch hienieden; Keiner fühlte mit ihr, Keiner verstand sie. Konnte sie eS denn jemals vergessen, was Franz ihr angechan, indem er sie zum Gespülte der Welt gemacht hatte?!
Xf / —— 17. Jahrgang
Fuldaer Zeitung.
Ze"ung für Jedermann ein unabweisbares Be- durftnß geworden. Eben deßhalb übt auch die Presse elnen großen Einfluß auf das öffentliche und private Leben, so daß gleichzeitig die Frage, welche Zeitung man durch Abonnement rc. unterstützen soll, Gewis- sensfache ist. Mit Recht hat einer der Redner des ^oölenzer Katholikentages, besten vortreffliche Ausführungen unseren Lesern bekannt sind, die Losung ausgegeben: „Setzet der schlechten Presse die gute ent- gegen. Wir Katholiken, so sagte jener Redner u. a., haben die heilige Pflicht, unsere bestehende große unb netne Presse nicht nur zu erhalten, sondern sie auch zu fordern, zu kräftigen und zu immer größerer Lebens- entfaltung zu bringen.....Wenn wir eine Presse
haben wollen, dann müssen wir sie auch unterstützen, moralisch und materiell. Nur dann hat die Presse Einfluß, wenn sie auch gelesen wird, andernfalls be- deutet sie einen Trommler, hinter dem keine Soldaten marschirm. Leider Gottes, daß gar manches Haus immer und immer noch verseucht ist von einem schlech- ten Blatte. Es ist die Macht der Gewohnheit, und es ist auch so em Gedanke, nicht weniger „gebildet" erscheinen zu wollen, wie der Andere ....
,, ..^Zelbe Redner wies auch auf die nicht zu unterschätzende Gefahr hm, welche der Parteipresse und namentlich derfenigen des Centrums seit einigen Jahren durch die sogenannten farblosen Blätter bereitet ?vtr"- ®r sagte nämlich, wie unseren Lesern aus der im Wortlaut mitgxtbylten Rede prtntiPTftrfi I
„Es kann vorkommen, daß gar mancher sagt: ein ultramontanes Blatt kann ich nicht brauchen, das ist zu schwarz, aber hier existirt so ein farbloser General-Anzeiger (Große Heiterkeit) den halte ich mir. Schon vor 11 Jahren wurde auf der Generalversammlung in Aachen gewarnt, und im vorigen Jahre speziell auch durch Excellenz Windthorst aufmerksam gemacht, auf diese sogenannten farblosen Blätter. Meine Herren, es ist Pflicht der Selbsterhaltung für uns und unsere Presse, daß wir die sogenannten farblosen Blätter hinausschaffen (Bravo!), denn das farblose Blatt nimmt den unserigen Licht und Luft und Nahrung hinweg. (Sehr richtig!) Es geht so ein gewisses Gedusel durch die Gaue, und man hört so manchmal Säuseln von Frieden, wo kein Friede ist. Diese farblosen Blätter sind eine große Gefahr, denn gerade sie wissen von all' den Leiden und Kämpfen, die wir zu bestehen haben, von all' den Forderungen, die wir zu stellen haben, nichts zu erzählen. (Sehr richtig!) Dagegen jede Kleinigkeit, wenn es auch nur irgend ein wohlwollendes Lächeln ist, das vom grünen Tisch kommt, wird sofort breit geschlagen und benützt. (Sehr richtig!) Meine Herren, es widerspricht ein solches Blatt uns überhaupt — entweder kalt oder warm, entweder rechts oder links."
Unterstützen wir also die Presse unserer Farbe, und unter diesen zunächst das Blatt unser er Diözese, unserer Stadt! Unterstützen wir die ,Fuldaer Zeitung' je nach Beruf und Gelegenheit durch Korrespondenzen undAnzeigen! Empfehlen wir sie
Jäh fuhr sie aus ihren Gedanken auf. Horch, was ist das? Schleichende Fußtritte in der Nähe. Ach so, ihr Mann ist es. Wie schlürfend sein Gang ist, als ob auch er sterbensmüde sei. Ein höhnischer Zug gräbt sich auf ihre Lippen. „Bah, er! Ohne Ehrgefühl, wie er ist, was kann ihn drücken als Reue! Mag sie ihn quälen. Wer gesündigt hat, muß büßen!" Franz steht vor ihr; sein Auge haftet lange an ihren Zügen. Marianne fühlt es und erröthet. Dann läßt er sich langsam aus die Bank fallen, auf der sie sitzt. Sie rückt jedoch schnell zur Seite, als fürchte sie, daß seine Hand auch nur ihr Kleid ftreife. Er bemerkt es und seufzt. „Marianne," sagt er nach einer Weile, „so kann es nicht länger fortgehen. Willst Du mich zu Tode quälen? Warum denn so langsam?! Tropfen um Tropfen, so nehme ich das Gift täglich und stündlich aus Deiner Hand. Habe dm Muth, und reiche mir den Becher auf einmal. Ich weiß ja, meine Schuld ist es, daß es so gekommen ist. Aber ich dachte, Du könntest endlich verzeihm. Habe ich dmn noch immer nicht genug gelitten und gebüßt?"
Seine Stimme brach. Der lang verhaltene, leidenschaftliche Schmerz seiner Seele machte sich in Thränen Bahn. Aber unwillig schnellte er die Thräne, welche seine Hand wie Feuer berührte, von sich; denn die Haltung seiner Frau blieb eisige Abwehr, als hätte er in‘ben Wind gesprochen.
angelegentlich im Kreise unserer Bekannten und Freunde ’• Dadurch, daß sie immer mehr Abonnenten findet gewinnt unsere ,Fuldaer Zeitung' auch immer mehr Einfluß, und je einflußreicher sie wird, desto wirksamer lie unserer Sache dienen. Die .Fuldaer Zeitung' ist lediglich auf ihr Gott- und Selbstvertrauen sowie auf die Treue ihrer katholischen Leser angewiesen, aber sie hat m Folge dessen auch den Vorzug, als freies Blatt für Wahrheit, Freiheit' und Recht leber Zeit und überall mit Entschiedenheit ein- tteten zu können.
»M" Da wir bereits in einigen Tagm mit bem Abdruck einer hochinteressanten Reiseschilbe - run g aus dem wilden Westen Norbamerika's von Karl May unter bem Titel „Ave Maria" beginnen, so machen wir noch ganz besonbers barauf aufmerksam, baß neu zu geh en den Abonnenten hiesiger Stadt die Zeitung bis Ende September gratis zugestellt wird, während wir den neuen auswärtigen Abonnenten die bett. Nummem des Blattes gegen Einsen- dungder Postquittung unentgeltlich nachliefern. _ .W" Die verehrlichen Freunde unseres Blattes sind gebeten, durch Bertheilung 6o* Probenummer« an solche Personen, welche noch nicht Abonnenten sind zur Verbreitung unseres Blattes beizuttagen. Probenummern stehen in beliebiger Anzahl zu jeder Reit gratis und franko zur Verfiigung. ö
Deutsches Keich.
Berlin, 18. September.
* Eine Feier des Außerkrafttretens des Sozialisten- stsetzks ist, wie in der Versammlung des sozialdemo- ttatischm Wahlvereins im 4. Berliner Wahlkreis am Montag Abend mitgetheilt wurde, für den Abend des 30. September geplant. Von 6 Uhr Abends ab wollen sie Sozialdemokraten Berlins illuminiren und am Abend große Festlichkeitm veranstalten. Der vierte Wahlkreis werde in der Lips'schen Brauerei ein Fest mit musikalischen und komischen Vorträgen abhalten. Dort werde um 12 Uhr Nachts Abg. Singer eine Festrede halten. Der Magistrat sei ersucht worden, den Bürgersaal zum Empfang der Aus gewiesenen am 30. September von Morgens 10 bis Nachm. 4 Uhr zu überlassen. Man scheint indessen aus die Gewährung dieses naiven Gesuchs selbst nicht zu rechnen, denn es wurde in der Versammlung mitgetheilt, daß event. die zurückkehrenden Ausgewiesenen in einem anderen Lokale zur angegebenen Zeit empfangen werden follten. Entgegenstehenden Meldungen gegenüber kann die,Franks. Zeitung' mittheilen, daß sämmtliche Organe der poli-
, —.————■ > । ——— m, üig;
„Du bist noch schwach," gab sie in gleichmäßiger Ruhe zu verstehen; „weshalb jetzt alte Dinge aufrühren! Jeder muß die Folgen feiner That tragen. Laß uns neben einander weiter gehen durch's Leben, wie bisher. Oder fehlt Dir etwas zu Deinem Bedürfe an Speise und Trank und Bequemlichkeit? Dazu bin ich Dir doch die Nächste, wenn auch sonst Leute, wie Schubejack — —"
Sie vollendete den Satz nicht; denn er war empor- gesprungen. Ein Zittern flog durch seine Gestalt. Hoch aufgerichtet stand er vor ihr; fein Auge funkelte. „Laß andere Leute aus dem Spiel. Was kümmert Dich der Alte? Dm Spottnamen verdient er nicht. Er ist ein unglücklicher Mann," sprudelte er hervor. „Mitleid und Erbarmen aber kennt Ihr nicht, Du und Deinesgleichen. Wir Unglücklichen gehören zusammen. Gottlob, daß eS so ist; sonst sollte man geradezu verzweifeln!" rief er voll Zorn.
„Aha, fo? Ich höre fchon!" stammelte Marianne; hohe Röthe bedeckte ihr Gesicht. Mit großen blitzen- den Augm blickte sie ihm nach, als er in'S Haus schritt. Sie wußte eS selbst nicht, war es Zom ober war es Staunen über daS kühne Aufttetm chreS Mannes, baS sie beherrschte. Hatte er ein Recht zu solcher Sprache? Wie gut ihm diese Herausforderung stanb! Die Dulder- Mime war einmal nicht ihre Liebhaberei; ein Mann soll auch männlich aufttetm. So war eS natürlich!