Einzelbild herunterladen
 

JW 216

Freitag, den 19. September 1890.

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

Die ,Fuldaer Zeitung" erscheint täglich, Sann- und Feiertage ausgenommen.

Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen" in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

__ ___________________ 17^Iahrgang

Fuldaer Zeitung.

Für die Redactwn verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. rr, _ Druck >, h,r

^n' auf diesem Gebiete überflügelt haben

für ungut", stammelte er ver-

Novelle von I. v. Dirkink. (3. Fortsetzung.)

lung in Koblenz auch in dieser Hinsicht einen neuen Anstoß gegeben: ist doch das katholische Vereinswesen eine der schönsten Früchte der alljährlich wiederkehrenden Heerschau des deutschen Katholizismus.

Deutschland hat seit 1879 den St. Kanisius-

Verein, ■ • * - - - - -

schäft Franz wurde kreidebleich, als Du vorhin der alten Landstreicher schaltest. Ich meine —"

"Ach fo , stel Marianne spottend ein, „mit seidene! Handschuhen soll ich den auch noch anfassen, der mix Schmach ailgethan hat. Ich höre schon, in jedweder Lebenslage hält sich das Männervolk für eine aparte Kreatur Gottes, und was Unsereins durch sie zu leiden hat, gilt für nicht der Mühe werth. Du bist auch nicht besser, als alle Anderen. Ich weiß schon selbst, was ich zu thun habe. Damit Punktum!" —

7. Die Genesung.

Der Winter verging, die Osterglocken tönten durch's Land, der Frühling war gekommen. Von Zweig und Strauch verkündeten es liebliche Vogelstimmen; warme Lüfte liebkosten die Erde und trugen den Duft der ^sten Märzveilchen über die Flur. Auch in Mariannens Garten, auf den umliegenden Feldern, Wiesen und in den Wäldern keimte und sproßte es munter auf. Nur in ihrem Auge, in ihren Zügen war nichts von einem Fruhlmg zu lesen. Auch Bernd und Franz zeigten ernste und trübe Mienen. Und doch hatten diese drei Menschen allen Grund, fröhlich in die frisch grünende erneute Welt hinauszuschauen. Denn Franz war ja auf öem besten Wege, völlig zu genesen; Mariannens Pflege hatte wirklich Wunderbares erzielt. Die Seh- ttaft kehtte langsam, aber stetig wieder. Niemand freute

. .. "^"N' Mas hast Du sonst noch auf dem Herzen? drängte ste, das Feuer schürend.

Das katholische Dereinswesen in Deutschland

und Oesterreich

(Schluß.)

Die katholischen Lehrerinnen haben seit 1886 einen Verein, der die Wahrung und Förderung ihres geistigen und materiellen Wohles anstrebt. Er dürfte jetzt gegen 200 Mitglieder zählen. Als Vereins- Organ dient die in Paderborn erscheinende Monats­schrift für katholische Lehrerinnen.

In Bayern wurde 1867 der Katholische Er­ziehungs-Verein gegründet, welcher sich die För­derung der Erziehung und des Unterrichts im Geiste der katholischen Kirche nach den Anforderungen der Zeit zum Ziel gesetzt hat. Er zählt gegen 350 Mitglieder und hat als Organ die in Donauwörth erscheinende Katholische Schulzeitung.

Bedeutender ist der Katholische Volksschul- lehrer-Verein in Württemberg, der, 1865 gegrün­det, 1300 Mitglieder zählt und ein Organ im Vereins­boten besitzt.

Deutsches Keich.

Berlin, 17. September.

. * Die Gerüchte von einem Rücktritte des Krieas- mmlsters van Verdy wollen nicht verstummen. Die »Schlesische Zeitung", welche den Rücktritt des Herrn v. Verdy uahedmgs in Aussicht stellt, nennt als dessen Nachfolger Generallieutenant von Kaltenborn-Stachau

Mehrere italienische Zeitungen behaupteten dieser. Tage, die so oft angekündigte päpstliche Encyelika über die soziale Frage werde in den nächsten Tagen er- schemen. Andere erzählten von einer Encyclika über den Frieden, die nächstens herausgegeben werden sollte Wie aber die »Germania" ans „sehr gut unterrichteter Quelle' erfährt, wird weder das eine noch das andere Aktenstück nächstens veröffentlicht. Die .Germania" fugt ihrer Meldung hinzu: „In k der Meinungs­verschiedenheit der Katholiken über die soziale Frage und besonders die Einmischung des Staates, die von den Einen behauptet und von den Anderen abgelehnt wird, will der hl. Vater sich weder für die eine noch für die andere Meinung erklären, um dadurch den katholischen Männern, die sich mit Sorge und Mühe mit diesen Fragen beschäftigen, ganze Freiheit zu lasse». Deßwegen auch hat der Papst in seinem Breve an den in Lüttich abgehaltenen Kongreß nur allgemein gesprochen und die Katholiken ermuntert, immer weiter an der Lösung dieser so wichtigen Frage zu arbeiten."

* Ueber die preußische Reform der direkten Stenern sind wieder Einzelheiten bekannt geworden: „Mit der Reform der Gewerbesteuer soll eine Reform der Erb­schaftssteuer Hand in Hand gehen. Die neue Erbschafts­steuer soll bei Ehegatten, Kindern und Eltern ein Prozent, bei entfernten Angehörigen mehr betragen. Sie bezweckt einen Mehrertrag gegen die jetzt bestehende Erbschaftsabgabe und soll neben der Reform der Ein­kommensteuer das fundirte Kapital besonders treffen. ^5N der Gewerbesteuer sollen die großen Betriebe stärker belastet, die kleinen befreit werden. Weiter sollen die Grund- und Gebäudesteuer-Einnahmen, im Ganzen 72 Millionen Mark, den Gemeinden überwiesen werden, damit die Kommunalzuschläge zu den direkten Staats­steuern in Fortfall gelangen können. In den Staats­einnahmen entsteht also ein erheblicher Ausfall, und zur Deckung desselben sollen die Einnahmen aus der reformirten Einkommensteuer und der neuen Erbschafts­steuer dienen." 1

* Die in der Mitte dieses Monats bevorstehende

„Der Doktor hat mir1 gesagt, Du mußt Ruhe firT r sandte sie sich an ihren Mann. „Die Kleine Wllst sehr unruhig und könnte Deinen Schlaf stören. >;ch habe in der Nebenkammer ein Lager für das Kind und mich zurecht gemacht."

Franz nickte. „Es ist Alles gut, wie Du es willst", erwiderte er. Seine Stimme klang leise, als kämpfte er Et einem Stein auf dem Herzen.

Bernd warf einen vorwurfsvollen Blick auf Marianne, ^n seinem Herzen behielt das Mitleid mit oem Unglücklichen die Oberhand. „Sie wird ihn langsam zu Tode martern in ihrer Unvorsichtigkeit," murmelte er, indem er hmausging.

f. f^?a.r’a.tne war Bernd's Unmuth nicht entgangen; ^ lolgte ihm ans dem Fuße. Bernd stellte sich an den Herd und starrte sinnend ins Feuer; er machte sich w" stwer Pfelfe zu schaffen, als die Bäuerin näher rf”- Schweigend verharrte sie eine Weile, das Ge- smde war auf der Tenne beschäftigt; sie waren allein.

nahm sie ÄS ÄÄ* nW s°' Bernd?" legen. „Aber Du hast eine" ^barsche'Ärt?' Lanken

fnfr sagt, daß ich ihm nicht Pflege angedeihen

Fff Feme Schuldigkeit will ich thun; an S Jfa/yAT.n9eIn- Zudem hat mir der Doktor Sti9.]“® feine Blindheit nicht unheilbar sei. Kräftige Nahrung, gute Luft, Ruhe und Erholung konnten Wunder thmi. Und daran soll es ihm nicht fehlen. Hier meine Hand darauf!" '

WnMi*!‘ ®‘rnb “ bt)m fci”c

Tn Oesterreich wurde 1885 ein Katholischer Schulverein gegründet, der jetzt, nach erst 5 Jah­ren, bereits staunenswerthe Erfolge aufzuweisen hat Er erstrebt die Förderung des zeitlichen und ewigen Wohles der Jugend durch Gründung katholischer Schulen und Verbreitung christlicher Grundsätze in Schule und Fumilie. Jedes Mitglied zahlt jährlich 60 Kreuzer (1 Mark) oder ein für alle Mal 25 Gulden. Die Zahl der Mitglieder beläuft sich jetzt schon auf 12,000; die Einnahmen ergaben 1888 nicht weniger als 43 324 Dulden Der Verein gibt zwei Zeitschriften: Die christliche Familie und Das gute Kind, sowie einen Schulbereins-Kalender heraus.

In Salzburg besteht seit 1884 ein Verein der Kinder freunde, welcher die Hebung und Förderung der religiös-sittlichen Erziehung der katholischenOnqend und Rettung jenes Theiles der Jugend bezweck, der bereits Schaden erlitten hat oder in Gefahr steht Schaden zu erleiden. Die Beiträge sind gering, brin­gen aber bei 21,000 Mitgliedern jährlich eine große Summe em. Bis jetzt hat der Verein 13 Unterrichts- I Anstalten für 200 Kinder und eine Lehrlings-Anstalt ! eingerichtet. 1

Öen Dorn nicht auf einmal aus meiner Seele ziehen" W sie °uf sein Schweigen fort. „Ihr ahnt nicht, wie lehr ich gelitten habe. Und der Gedanke; nur die Roth trieb ihn wieder zu nur zurück, verschärft den Stachel, den er mir ehemals ins Herz gedrückt hat."

"^an” hatte man ihn besser draußen lassen können!" gab Bernd trocken zu verstehen. „Ein kranker Mann muß Schonung und Rücksicht haben. Dazu noch blind fern, sich gar nicht selbst helfen können. O, es könnte einen Stein erbarmen."

Ganz ähnliche Ziele verfolgt, soweit Frauen sie zu fördern vermögen, der 1868 gegründete Verein der christlichen Mütter. Er umfaßt in 36 Diözesen Deutschlands und Oesterreichs an 800 Vereine mit Hunderttausenden von Mitgliedern.

Wir kommen nunmehr zu den Kunst-Vereinen und zu den Vereinen zur Pflege der kirchlichen Musik. Wir haben hier zunächst zwei, welche eine über örtliche und provinzielle Grenzen hinausgehende Bedeutung haben. Der Verein zur Verbreitung religiöser Bilder in Düsseldorf wurde dort 1842 gegründet. Er sucht religiöse Bilder von bewährten älteren und neueren Künstlern durch den Stahlstich in allen Kreisen der Bevölkerung zu verbreiten und wahre Religiosität durch erbauende Kunst beleben zu helfen Er zählt gegen 2500 Mitglieder und Q.breitet jährlich 6—700,000 Bilder im Gesammtbetrage von 30—35,000 Mark. Der Cäcilien-Verein bezweckt die För­derung des kirchlichen Gesanges im Sinne der römischen Liturgie. Eine genaue Statistik seiner Verbreitung liegt uns nicht vor; er umfaßt aber sicher in Deutschland und Oesterreich viele Hunderttausende von Mitgliedern.

Das katholische Vereinswesen steht, wie diese Ueber- stcht zu zeigen geeignet ist, auf einer hohen Stufe; die Misftons- und Wohlthätigkeits - Vereine haben eine so große Verbreitung und sind so musterhaft eingerichtet, daß sie weiteren Wünschen keinen Raum lassen. Sehr lebhaft aber muß man es wünschen, daß die Katholiken den sozialen und den Vereinen für Wissenschaft und Literatur ihr Wohlwollen in. noch höherem Maße zu­wenden. Der Verein Arbeiterwohl zählt nur 1100 Mitglieder, darunter viele, die nicht einmal Arbeitgeber stud — wo bleiben die zahlreichen katholischen Indu­striellen, namentlich in Süddeutschland? Die Arbeiter- Vereine mit ihren 60,000 Mitgliedern müssen sich noch weit starker vermehren. Der Abg. Hitze strebt unab­lässig für ihre weitere Verbreitung und sucht die Bi­schöfe und die Geistlichkeit überhaupt für die Vereine zu interessiren; aber seine Bemühungen können nicht den rechten Erfolg haben, wenn die Laien nicht selbst thatkraftig Mitwirken. Die Görres-Gesellschaft mit ihren idealen Bestrebungen verdient die eifrigste Förderung, vihr ist es nicht zum geringsten Theile zu verdanken wenn heute die katholische Wissenschaft in Deutschland w ...-S3-ÄEÄ.S ? INK8SLW8 nimmt nur freiwillige Gaben entgegen und zählt Alle I wirken zu können. Vielsaetz mht’9er und^d>" Mitgliedern, welche gewisse Gebete verrichten auf unsere österreichischen Glaubensbrüder herab^ wenn

ÄH- mbCrn' * 8161 '