etwa 1500 Mitglieder mit einer Jahres-Einnahme von 17,453 Mark. Er bedarf der dringenden Unterstützung der Katholiken Deutschlands, zumal seine Einkünfte nicht ausreichen, um alle die gerechtfertigten Anforderungen, welche besonders in den Ausfuhr-Häfen an den Verein gestellt werden, zu erfüllen.
Der Priester-Verein für Rheinland, Westfalen und Hessen - Nassau, welcher 1882 mit dem Sitze in Neuß gegründet wurde und die Unterstützung seiner Mitglieder bei ernsten Erkrankungen bezweckt, zählt 529 Mitglieder. Der Rücklage-Fonds beträgt gegenwärtig 10,000 Mark. Unterstützt wurden bis jetzt 127 Mitglieder mit nahezu 24,000 Mark. Oesterreich besitzt einen ähnlichen Verein für die Diözese Brixen, dessen Vermögen sich bereits auf 80,000 Mark beläuft.
Zur Unterstützung von Theologie-Studirenden bestehen vier Vereine. Für die Diözese Paderborn, 1882 von Professor Dr. Rebbert daselbst begründet, führt er den Titel St. Josephs-Pfennig; er hat bis Ende 1888 eine Einnahme von 65,000 Mark zu verzeichnen, von denen bis zu jener Zeit 41,000 Mark verwandt waren. Für die Diözese Fulda wurde ein gleicher Verein im Jahre 1884 gegründet, der eine jährliche Einnahme von 7—8000 Mark genießt. Das Jubiläums-Jahr 1886 brachte gegen 48,000 Mark ein. Der St. Leo-Verein, 1883 in's Leben gerufen, mit dem Sitze in Frankfurt a. M., hat seit jener Zeit 200 Gymnasiasten mit 23,500 Mark unterstützt. Der St. Salesius-Verein in Linz a. D. endlich, der im vorigen Jahre gegründet wurde, hat schon eine Einnahme von 12,000 Mark.
Der Unterstützungs-Verein römisch-katholischer Küster in Rheinland und Westfalen hat über 200 Mitglieder mit einem Vereins-Vermögen von über 20,000 Mark.
Zählen wir zusammen, was das kathol. Deutschland in jedem Jahre für die bis jetzt aufgeführten Vereine aufwendet, so kommt die Summe von über 4 Millionen Mark heraus! Und wie viel wird noch geopfert für wohlthätige Vereine, die einen bloß örtlichen Zweck haben, für Privat - Wohlthätigkeit, für die Bedürfnisse der Kirchen und katholischen Gemeinden!
Unter den sozialen Vereinen steht der so außerordentlich segensreich wirkende Kolping'sche G es e l l e n - V er ein, der 1850 gegründet wurde und seinen Sitz in Köln hat, obenan. Er ist in ganz Deutschland und Oesterreich verbreitet und umfaßt etwa 750 Vereine mit 152 eigenen Häusern und 250,000 Mitgliedern.
Im Jahre 1881 wurde von katholischen Industriellen und Arbeiterfreunden der Verein Arbeiterwohl, Sitz in M.-Gladbach, gegründet, welcher mit Ausschluß aller politischen Absichten die Verbesserung der Lage des Arbeiterstandes anstrebt. Selten hat wohl ein Verein mit verhältnißmäßig geringen Mitteln so große Erfolge erzielt. Die Zahl der Mitglieder beträgt zur Zeit etwa 1100, die jährlichen Einnahmen nur 17,000 Mark, aber die Thätigkeit des Vereins ist eine außerordentliche. Er gibt eine für Arbeitgeber und Alle, die sich für Lösung der sozialen Frage interessiren, bestimmte Zeitschrift Arbeiterwohl heraus; für die Arbeiter bestimmte er eine Reihe von Volksschriften, die einer beispiellos günstigen Aufnahme sich zu erfreuen hatten. So wurden verbreitet: „Das häusliche Glück" in über 250,000 Stück, „Der Schnaps" in über 60,000, die verschiedenen „Kompasse": für den jungen Arbeiter, für den verheiratheten Arbeiter, für die Söhne Kolping's, der „Gesundheits-Kompaß" in 70,000 Stück. Das letzte Schriftchen: „Krone des häuslichen Glücks", fand eine Verbreitung von 50,000 Stück. Die Haupt- Vertreter des Vereins sind die Herren Fabrikbesitzer
Marianne ergriff, durchschauert von einer unbestimmten Angst, das kalte Händchen des schlafenden Kindes. Ein silberner Mondstrahl fiel auf das marmor- weiße Gesichtchen; Marianne sah es deutlich, alles Leben war aus der kleinen Gestalt entflohen. „O Kind, Kind!" flüsterte sie, „warum verläßt Du mich auch noch in meiner Qual? So still, so stumm! Aber wie könnte ich Dir Deinen Schlaf mißgönnen; wer weiß, wie bald ich Dir folgen darf!" Bernd's Eintreten weckte sie aus ihrer Versunkenheit. Auch er trat näher an's Bett, sah, was geschehen war, und faßte stumm Mariannen's Hand fest und fester. Nach einer Weile sagte er: „Der alte Schubejack war draußen; erfragte, wer hier krank sei. Er habe in letzter Zeit jede Nacht die Lampe brennen sehen im Hause. Ich gab ihm ehrlichen Bescheid und hieß ihn fortgehen. Was geht es ihn an, hm, hm!"
„Wer weiß!" gab Marianne sinnend zurück. Sie dachte daran, daß ihr Mann mit dem alten Landstreicher oft im Gasthaus zusammengekommen war. Dazumal sah der Alte nicht so zerlumpt und verkommen aus, als seit letzter Zeit. Sie war nicht hart gegen Arme; aber der Alte kam nie bettelnd zu ihr. Weßhalb sein stechender Blick sie doch so verfolgte, wo sie ging und stand! Immer sah sie ihn vor sich, und während sie jetzt an ihn denkt, tritt ihr kalter Schweiß auf die Stirne; diese Augen des Alten! O sie weiß, an wen sie erinnern. Doch fort damit!
4. Auf dem Schlachtfelde.
Ein Jahr war vergangen. Die Kriegstrompete hatte schon vor Monden das deuffche Volk aufgerüttelt.
Franz Brandts jun. in M.-Gladbach und der bekannte Reichstags-Abgeordnete Franz Hitze.
Durch die unablässigen Bemühungen des Letztern gewannen auch die katholischen Arbeiter- Vereine einen ganz bedeutenden Aufschwung. Augenblicklich dürfte es derselben in Deutschland 250 mit über 60,000 Mitgliedern geben, eine Zahl, die sich namentlich in den großen Jndnstriestädten Rheinlands und Westfalens ununterbrochen vermehrt.
Für den Kaufmannsstand sind die kaufmännischen Kongregationen und Vereine bestimmt, welche von Jahr zu Jahr an Verbreitung und Bedeutung zunehmen. Zweck derselben ist die Förderung des religiösen Lebens, Hebung und Vervollkommnung der allgemeinen und Fach-Bildung, sowie Pflege der Geselligkeit. Dieser Kongregationen gibt es 10 mit 1218, Vereine 50 mit fast 4000 Mitgliedern. Die Kranken- und Begräbnißkasse der kaufmännischen Vereinigungen, mit dem Sitz in Hannover, zählt in 24 Vereinen 381 Mitglieder und besitzt ein Vermögen von 7000 M., obgleich sie erst seit wenigen Jahren besteht und jährlich an 6000 M. Krankengelder bezahlt hat.
(Fortsetzung folgt.)
Deutsches Keich.
Berlin, 15. September.
* In den sozialistengesetzlichen „kleinen Belagerungszustands - Bezirken" treffen die Sozialdemokrateu jetzt Vorbereitungen, um die zurückkehrenden Ausgewiesenen festlich zu empfangen. Die zu diesem Zwecke gebildeten Komitö's erlassen in der sozialdemokratischen Presse Aufrufe, durch welche die Ausgewiesenen zur Anmeldung aufgefordert werden. In Hamburg wollen die Sozialdemokraten den Wegfall des Sozialistengesetzes am 1. Oktober festlich begehen. Für Berlin ist in einer .sozialdemokratischen Versammlung unter allgemeinem Beifall vorgeschlagen worden, am 1. Oktober zu illuminiren. Daraus wird indessen schwerlich etwas werden, da an eine große Betheiligung kaum zu denken ist. — Die „Katzenbalgerei", wie der sozialdemokratische Abg. Schippel die Zänkerei im Berliner sozialdemokratischen Lager genannt hat, dauert übrigens fort. Praktische Bedeutung hat dieselbe nicht. Auf dem Parteitage in Halle dürfte den in der ganzen sozialdemokratischen Partei wenig beliebten Berlinern gründlich der Kopf gewaschen und die „Autorität" der „Alten" noch mehr befestigt werden. Man hüte sich vor einer Ueberschätzung des ganzen Krakehls.
* Der nächste preußische Etat soll, wie verlautet, Forderungen für Arbeiterwohnungen auf staatlichen Arbeitsstätten enthalten.
* Ein preußischer Lehrertag soll vom Landesverein preußischer Volksschullehrer für die Weihnachtsferien nach Magdeburg einberufen werden, im Falle bis dahin der angekündigte Gesetzentwurf über die Unterhaltung der Volksschulen veröffentlicht worden ist. Vorher soll eine Berathung des Entwurfs durch die Zweigvereine des Landesvereins stattfinden.
* Die Einnahme an Wechselstempelsteuer int deutschen Reiche betrug in der Zeit vom 1. April bis Ende August 3,208,375.95 Mark d. h. um 186,162.90 M. mehr als in gleichem Zeitraum des Vorjahres.
* Bremen, 15. Septbr. Die 63. Versammlung deutscher. Naturforscher und Aerzte hat gestern Abend mit der Begrüßung der zahlreich erschienenen auswärtigen Mitglieder in den festlich geschmückten Räumen des Künstlervereins ihren Anfang genommen. Dr. med. Pletzer, Vorsitzender des hiesigen Komitee, hieß die Fremden willkommen.
* In Halle a. S. ist der deutsche Bergarbeiter-
Große Schlachten waren geschlagen; Jubel und Wehklagen, Siegesfreude und Trauer um gefallene Helden bewegte die Herzen Aller im weiten Deutschland. Da kam eines Tages der Landbriefträger auch wieder auf den einsamen Hof der Frau Klaußen. „Ein Feldpostbrief!" sagte Bernd zu Marianne. Dann setzte er sich und begann den Poststempel zu betrachten. Er war nicht zu entziffern. Auch Marianne erkannte die Handschrift nicht. Kopfschüttelnd erbrach sie das Siegel. Sie erblaßte, eine bange Ahnung beschlich ihr Herz. Die Hand, welche das Blatt hielt, zitterte heftig. Bernd sah die Veränderung ihrer Gesichtszüge, und nun wußte er, was der Brief zu bedeuten hatte. Er, der — Franz, war tobt; gefallen auf dem Felde der Ehre. Das allein konnte sein Andenken in Mariannen's Augen verklären. Deßhalb war sie bewegt, erschüttert. Unter diesen Gedanken wagte er es nicht, eine Frage an Marianne zu stellen, die wie ein Steinbild da- lehute und vor sich hin auf die Zeilen starrte.
Bernd ging leise hinaus. Marianne saß bis tief in die Nacht mit ihrem Schreiben da. Sie sann und sann; endlich wich die Erstarrung von ihrem Gemüthe. Gottlob, sie war allein, unbeachtet. Ein heftiger Kampf tobte in ihrer Brust. Er lebte also, und hatte als einer der tapfersten Soldaten im Kugelregen gestanden. Das war preiswürdig. Nun lag er im Lazareth an der französischen Grenze, zum Krüppel geschossen vielleicht. Wer stand ihm in seinem Elend näher, als sie. Aber, mein Gott, was sollte sie thun?! Beklagen konnte sie ihn, aber lieben — nimmermehr! Vergeben konnte sie schon, aber vergessen? — Nie, niemals!
kongreß heute zusammengetreten. Vertreten sind Rheinland und Westfalen, Elsaß - Lothringen, die Pfalz, Sachsen und Niederschlesien.
* Köln, 12. Sept. Außer Major v. Wissmann und Dr. Peters kommt auch Hauptmann v. Graven- reuth am 27. d. Mts. hierher. — 14. Sept. Die gestrige Versammlung des Altkatholikenkongresses befaßte sich vorzüglich mit bayerischen Angelegenheiten und nahm mehrere hierauf bezügliche Resolutionen an, in denen gegen die Entscheidung der bayer. Regierung in der Altkatholikenfrage protestirt und die bayer. Altkatholiken aufgefordert werden, jene Entscheidung und deren Folgen rückgängig zu machen. Auch die Protestanten sollen dazu mithelfen. Wird ihnen aber nichts nützen.
Ausland.
* Die Adresse, welche der internationale katholische soziale Kongreß in Lüttich an den hl. Vater gerichtet hat, lautet im Wortlaut:
Heiligster Vater! Die Katholiken der verschiedenen Nationen, die in Lüttich zu einem Kongreß versammelt sind, um über die praktischesten Mittel zur Wiederherstellung jenes sozialen Friedens zu berathen, welcher mehr denn jeder andere die „Ruhe der Ordnung" bedeutet — pax trauquillitas ordinis — haben sich bemüht, beständig die Lehren des Statthalters unseres Herrn Jesu Christi, des Friedensfürsten, über die „christliche ^Verfassung der Staaten" vor Augen zu behalten.
Im Lichte Ihrer Worte, heiligster Vater, haben sie das Leiden der zeitgenössischen Gesellschaften studirt und für dasselbe das Heilmittel gesucht. Alle Akte des Kongresses bezeugen diese Verhaltungslinie, die durch eine vertrauensvolle kindliche Unterwerfung vorgezeichnet war.
Aber zu gleicher Zeit, da wir diesen Weg verfolgten, hatten wir die fehr bestimmte Ueberzeugung, daß das Papstthum, um seine Thätigkeit mit einem vollen Wirken im Interesse der Seelen und im Interesse der Civilisation selbst auszuüben, noth- wendig von den traditionellen und providentiellen Garantieen seiner souveränen Unabhängigkeit umgeben sein müsse.
Diese tiefe Ueberzeugung ist allen Katholiken gemeinsam. Und sie hat sich mit einer bezeichnenden Einmüthigkeit sowohl auf dem Kongresse wie in den bedeutsamen und illustren Beifallskundgebungen, die uns aus den verschiedenen Ländern Europas und selbst aus Amerika zugekommen sind, zu erkennen gegeben.
Möge der Himmel geben, daß dasselbe Licht endlich die Regierungen erleuchte und sie zur Erkenntniß führe, daß, wenn man will, die Gerechtigkeit möge in der Gesellschaft herrschen, man damit anfangen muß an der Spitze der religiösen und politischen Hierarchie, die der ältesten, ehrwürdigsten und noth- wendigsten aller Souverainetäten zugefügten Verletzungen wieder gut zu machen.
Unter dem Eindruck dieser Empfindungen, heiligster Vater, schließt der Kongreß von Lüttich seine dritte Session. Er vollbringt ein soziales Werk der Bertheidigung und Erhaltung, wenn er ein weiteres Mal die Wiederherstellung der internationalen Ordnung und der christlichen Ordnung verlangt, die in gleicher Weise durch die dem apostolischen Stuhle bereitete Lage verletzt sind.
Indem wir Ew. Heiligkeit diesen Schluß unserer Friedens- Debatten unterbreiten, erbitten wir demüthig für die unter« thänigsten und ergebensten ihrer Söhne den apostolischen Segen.
Lüttich, 10. September 1890.
* Die serbische radikale Presse bringt neuerdings heftige Angriffe gegen den Exkönig Milan, der der Verschleuderung von Staatsgeldern beschuldigt wird. Auch eine Flugschrist ist erschienen, die direkt zur Vertreibung der Dynastie Obrenovic auffordert.
* Rom, 14. Sept. Der hl. Vater ist von dem innigen Wunsche beseelt, daß der Seelsorgeklerus der sozialen Bewegung die eifrigste Beobachtung schenke und werkthätig an der Lösung der sozialen Frage mitarbeite. Er hat zu diesem Zwecke durch den Kardinalvikar ein Rundschreiben an die Pfarrer Roms und Italiens überhaupt richten lassen, worin er ihnen aufträgt, in ihren Predigten eifrig die soziale Frage zu behandeln. — Der Finanzminister Seismit-Doda hat demissionirt; er verabschiedete sich bereits von den höheren Beamten des Finanzministeriums. Der Entschluß des Königs steht noch aus.
Wie hatte das Leid, die Temüthigung, die Enttäuschung sie in der kurzen Zeit ihrer Verlassenschaft umgewandelt! Herbe und wortkarg, verbittert und lieblos war sie nach und nach geworden, sich selbst zur Qual, keinem Menschen zur Freude. Ihre Arbeit geschah aus angeborenem Bedürfniß, ihr Kirchgang aus Pflicht. Selbst die Liebkosungen ihres einzigen Kindes, das die Züge des Vaters zeigte, dienten nur dazu, sie zu peinigen, die Erinnerung an die Vergangenheit aufzuwecken.
War es reines Pflichtgefühl, oder mischte sich doch ein Funken Liebe in das Erbarmen, daß es sie plötzlich emportrieb? Sie schloß Kisten und Koffer auf, suchte in Schränken und Truhen nach altem Linnen, nahm Geld und allerlei Gegenstände aus der Schublade und machte daraus sorgfältig ein stattliches Paket. Bernd wunderte sich am folgenden Tage nicht wenig, als er mit dem Bündel unterm Arm zur Post hinaus wandern mußte. Nicht einmal zu fragen hatte er gewagt, was es sei, als er ihr gegenüber gestanden. Jetzt plagte ihn die heftigste Neugierde, was diese Sendung zu bedeuten habe. Die Adresse trug aber den Namen eines Doktor Kraus in einem wildfremden Orte.
Obschon im Laufe der nächsten Zeit noch mancher Feldpostbrief auf dem Gehöft einlief, erfuhr Bernd doch nicht, was er zu wissen begehrte; Marianne blieb stumm wie das Grab. Es wurmte ihn, daß er nichts erfiihr, aber er getraute sich nicht einmal eine leise Anspielung; denn ihr Wesen war noch düsterer, als früher. (Fortsetzung folgt).