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Dienstag, den 16. September 1390.

17. Jahrgang

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Brmger- lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.

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Fuldaer Zeitung

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. - m - «fr™# ,, k«r a\:n----\

Das Katholische Vereinsweseu in Deutschland und Oesterreich*)

hat in den letzten zehn Jahren einen so bedeutenden Aufschwung genommen, daß eine Uebersicht über den gegenwärtigen Stand der katholischen Vereine allgemein interessiren dürfte. Die nachfolgenden Angaben sind zuverlässig, da sie aus den Rechenschaftsberichten der Vereine selbst stammen, doch dürfte die Aufzählung eine vollständige nicht sein, da eine genaue Liste der Vereine nicht besteht. Selbstredend find Vereine, welche nur für eine Stadt gegründet sind, sowie gesellige Vereine nicht ausgenommen worden.

Eine hervorragende Stellung unter den katholischen Vereinen nehmen die M i s s i o n s - und die in den letzten Jahren gegründeten Antisklaverei-Vereine ein. Allbekannt, schon unter den Schnlzöglingen, ist der 1833 ins Leben gerufene Verein der hl.Kind- heit, dessen Hauptsitz sich in Paris befindet, während die Vertretung für Deutschland in Aachen ruht. Er bezweckt die leibliche und geistige Rettung der in China durch Aussetzung dem Tode geweihten Kinder. Mit­glieder können nur Kinder und junge Leute bis zum 21. Lebensjahr werden. Die Zahl der Mitglieder be­läuft sich in Deutschland auf über eine Million, welche im Jahre 1888 912,266 Frcs. zu gedachtem Zweck aufbrachten. Der Verein rettet jährlich über 50,000 Kinder. Das Vereinsorgan erscheint in deutscher Sprache in 150,000 Auflage.

Im Jahre 1888 wurde, mit dem Sitz in Köln, der Afrika-Verein deutscher K'atholiken ge­gründet, welcher nach einem so kurzen Bestände schon großartige Ergebnisse zu verzeichnen hat. Die Zahl der Mitglieder dürfte über 250,000 betragen, von denen die meisten auf die Diözesen Köln und Münster kommen. Die Summe der eingelaufenen Gaben belief sich im November 1889 auf fast 350,000 Mark. Das Vereins - Organ „Gott will es!“ erscheint jetzt in M.-Gladbach in 10,000 Auflage. In Oesterreich sind mehrere Antisklaverei-Vereine gebildet worden, welche, da ihre Kraft sich zersplittert, so große Ergebnisse nicht erzielen können. Zuerst wurde in Wien der Oester- reichische Verein zur Befreiung der Sklaven in Afrika gegründet, dann der Salzburger Afrikaverein, der Ni­colsburger und der Krakauer, sämmtlich mit einer ziem­lich geringen Anzahl von Mitgliedern.

Weit älteren Ursprungs ist der Xavertusverein zur Verbreitung des Glaubens, dessen Hauptsitz in Lyon sich befindet. Die Zahl der Mitglieder in Deutschland ist nicht genau zu bestimmen, geht aber in die Hundert­lausende. Das Nereinsorgan: „Jahrbücher zur Ver­breitung des Glaubens" erscheint in Köln. Demselben Zweck dient der Verein zur Unterstützung der .armen Negerkinder für die Zwecke der central-

*) Aus der ,Kölnischen Volksztg.'

Im Schnee?)

Novelle von I. v. Dirkink.

Verkaufe nie Dich selbst, wie schwer man Dich auch wog; Selbstachtung ist ein Ggt, zum Schacher viel zu hoch.

1. Eine verfehlte Heirath.

Auf dem Felde überkam es sie plötzlich, wie eine dumpfe, schwere Angst. Um die Dämmerstunde war es; Frau Marianne hatte ihr Tagewerk beendet.

Vor ihr auf dem thauigen Wiesengrunde erhoben sich in Reih' und Glied viele kleine Hügel von duftendem Heu. Sie nahm den Rechen auf und wollte heimkehren. — Drüben, jenseits des matt herüberleuchtenden schmalen Bächleins lag ihr Heimwesen, ein vereinzeltes Gehöft — sauber und stattlich. Ein schmaler Fußsteig vom Dorfe her führte durch wohlbestellte Ackerbreiten gerade auf das Haus zu. Frau Klaußen sieht es jetzt deutlich; der Landbriefbote geht eilig diesen Weg. Der Rechen entfällt ihrer Hand, sie fährt nach dem Herzen. War es schon da, das Unheil? O diese Ahnung! Nur zweimal in ihrem Leben empfing sie einen Bries; beide Male von ihm, der ihr Glück und Unglück gewesen war, von ihm, ihrem Manne, dem Vater ihrer zwei Kinder.

*) Nachdruck n>cht gestattet.

afrikanischen Mission, welcher im Jahre 1889 eine Ein­nahme von 16,000 M. hatte, und dessen Organ eben­falls in Köln erscheint.

Dem Schutz der hl. Stätten und der Förderung der katholischen Mission im hl. Lande dienen der alte Verein vom hl. Grabe, sowie der neuere Palä­stina-Verein der Katholiken Deutschlands. Ersterer ist 1855 mit dem Sitz in Köln gegründet und erzielte im Jahre 1888 eine Einnahme von 131,684 Mark. Seine Aufgabe ist: Schutz der hl. Stätten und För­derung der katholischen Mission im hl. Lande überhaupt. Der zweite Verein, 1885 mit dem Sitz in Aachen ins Leben gerufen, hat sich das Ziel gesteckt, die sozialen Interessen der deutschen Katholiken im hl. Lande wahr­zunehmen. Die Einnahme für 1889 ergab über 36,000 Mark. Beide Vereine haben eigene Organe.

Der innern Mission, der Unterstützung armer ka­tholischer Gemeinden, namentlich in der Diaspora, hat sich der 1849 gegründete, hochbedeutsame Bonifatius- V er ein gewidmet, als dessen Präsident das bekannte Centrumsmitglied Freiherr v. Wendt zu Gevelinghausen fungirt. Sitz des Vereins ist Paderborn. Er umfaßt 24 Diözesan - Comitös mit einer ungezählten Schaar von Mitgliedern. Im Jahre 1888 beliefen sich die Einnahmen auf 1,488,000 Mark, die Ausgaben auf 1,183,212 M. Von 1886 bis 1888 sind zur Unter­haltung der bestehenden Missions- und Schulanstalten gegen 900,000 M. verausgabt worden; verzinslich an­gelegt sind 211,940 Mark, und zur Erwerbung von Kirchen, Psarr- und SchulgeÄiuden 933,659 M. ver­wendet worden. Die Zahl der unterhaltenen Missions­anstalten mit Schulen u. s. w. belief sich im Jahre 1888 auf 584.

Im Anschluß an den Bonifatiusverein arbeitet der 1885 mit dem Sitz in Paderborn gegründete Boni­fatius-Sammelverein. welcher die in protestan­tischen Gegenden Deutschlands bestehenden Waisenhäuser und Kommunikanten-Anstalten unterstützt und die Grün­dung neuer ermöglicht. Die nöthigen Gelder werden erzielt durch das Sammeln und Verwerthen an sich unbedeutender Gegenstände, die in großen Massen loh­nenden Ertrag lieferst, wie Metallabfälle, alte Münzen, Cigarren-Abschnitte, Briefmarken u. s. w., durch Auf­stellen von Sammelkasten in Restaurationen und durch jährliche Erhebung von Beiträgen. Verbreitet ist dieser Verein in zahlreichen Diözesen, die 1888 eine Einnahme von 92,600 M. erzielten.

Im Sinne des Bonifatiusvereius wirkt auch der 1888 neu organisirte Akademische Bonifatius­verein, welcher an den Hochschulen, Akademieen, Lyceen u.s.w. Deutschlands und Oesterreichs 25 Vereinigungen katholischer Studenten mit einer Einnahme von 8000 M. umfaßt.

(Fortsetzung folgt.)

Minutenlang stand sie wie gelähmt. Dann raffte sie sich gewaltsam empor; sie weiß, was ihr zu thun obliegt angesichts ihres Gesindes. Noch hat Niemand den Postboten bemerkt. Er hat zwar einen guten Vorsprung vor ihr; — aber ah! jetzt schlägt der Hund an. Tritt nicht Jemand aus der Hausthür? Sie späht hinüber; ihr starres schneeweißes Antlitz über­zieht ein Hauch von Roth. Bernd ist es, ihr Vetter und Berather. Sie will ihm winken, sie will rufen; aber kein Ton kommt aus ihrer Kehle, und plötzlich versagen auch ihre Füße den Dienst. Die Brust ist ihr wie mit einem eisernen Reifen eingefpannt; nur ihre Augen leben. Sie sieht es, Bernd empfängt den Brief, und nun gewahrt er sie. Marianne athmet auf, dann noch zwei Schritte bis zum Baumstumpf am Wege; dort sinkt sie wie erschöpft nieder. Langfam kommt Bernd näher, während er den Brief in der Hand um und um dreht.

„Da, Marianne!" sagt er, als er vor ihr steht. „Mich dünkt, er kommt von Franz; seit zwei Tagen ist er nicht mehr heimgekehn. Also nicht verunglückt, wie wir dachten. So tröste Dich!" — Er stockt.

Ihre Hände zittern heftig, als sie den Umschlag des Briefes löst. Sie liest; es währt lange, bevor sie das Blatt wendet. Dann lacht sie laut und gellend

Deutsches Keich.

Berlin, 13. September.

* Der .Staatsanzeiger' veröffentlicht eine lange Liste von Auszeichnungen, welche der Kaiser während seines Aufenthaltes in Schlesien Bewohnern dieser Provinz gewährt hat. Fürstbischof Dr. Kopp erhielt den Rothen Adlerorden II. Kl. mit dem Stern, Graf v. Frankenberg auf Tillowitz den Rothen Adlerorden II. Kl. mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe; Reg.-Präsident Dr. v. Bitter den Rothen Adlerorden II. Kl. mit Eichenlaub ; Fürst zu Carolath - Beuthen den Kronenorden I. Kl.; Oberpräsident v. Seydewitz den Stern und das Kreuz der Komthure des Haus­ordens von Hohenzollern; Landrath von Kardorff, der bekannte Reichstags-Abgeordnete, und Dr. Ritter, Mit­glied des Staathsraths, das Ritterkreuz des Hohen- zollern-Hausordens.

* Der ,Hambg. Korresp.' läßt sich aus Berlin melden: „Der Dreibund Deutschlands, Oesterreichs und Italiens, welcher mit dem Jahre 1892 abläuft, ist auf die folgenden 5 Jahre verlängert worden."

* Gegenüber den Bemerkungen, welche von einigen Blättern an den Wechsel in der Person des Kaiserl. Kommissars für Helgoland geknüpft worden sind, be­merkt der ,Reichsanzeiger', daß dieser Ersatz des bis­herigen Kommissars durch einen jüngeren Beamten der Reichsverwaltung von Apfang an für den Zeitpunkt in Aussicht genommen war, mit welchem die wichtigeren, durch den Uebergang her Insel in deutschen Besitz be­dingten Geschäfte abgewickelt sein würden. Dieser Zeit­punkt ist gegenwärtig eingetreten und die Ablösung des bisherigen Kommissars erscheint demnach um so mehr angezeigt, als derselbe bei den Arbeiten für die Revi­sion des Patent- und Musterschutz-Gesetzes thätig ge­wesen ist, welche nunmehr für die parlamentarische Be- rathung fertig gestellt werden müssen.

* Die preußische Regierung hat sich bereit erklärt, unter gewissen Bedingungen die Einfuhr österreichisch­ungarischer Schweine nach Bromberg zu gestatten. Wie ein Vertreter der Regierung mittheilte, ist an eine Oeffnung der russischen Grenze vorläufig nicht zu denken.

* August Bebel vertheidigt im .Berliner Volksbl.' die Umgestaltung dieses Blattes zum sozialdemokratischen Parteiorgan. Dem Artikel ist zu entnehmen, daß das frühere sozialdemokratische Parteiorgan, der ,Vorwärts' in Leipzig, der 1875 14,000 Abonnenten hatte, vor Erlaß des Sozialistengesetzes auf 7000 herabgegangen war und vor einem Defizit stand.

* Ueber die Reform der Gewerbesteuer kann die ,Post' Folgendes mittheilen: „Fortab sollen alle die­jenigen Gewerbetreibenden, welche bis zu 24 M. jähr­lich Gewerbesteuer zahlten, vollständig von dieser Steuer befreit sein und für die nächsten Gewerbesteuerklassm erhebliche Ermäßigungen eintreten. Dagegen sollen die

auf. „Fort also!? Ha, ha! — aber als ein — Mörder! O Gott im Himmel!" schreit sie auf, nach­dem sie den Brief zu Ende gelesen hat. Es wird ihr schwarz vor den Augen, aber sie wehrt die Ohnmacht von sich ab. Was ist zu thun? Handeln muß sie, handeln!

Sie schiebt das Papier unter ihr Mieder. „Ein Wilderer zuerst; endlich kommt die Strafe. Er hat den Förster getroffen. Tödtlich, sonst brauchte er nicht zu fliehen. Bah, ein Wicht!" murmelt sie verächtlich.

„Mich wundert's!" brummt Bernd.

„Was? Daß er geflohen?" fragt sie rauh und höhnisch, und ihre Blicke bohren sich in sein Gesicht. Wie scheu er vor sich hinsieht.

„Wenn sie ihn steckbrieflich verfolgen?" wirft Bernd hin.

Sie sinnt minutenlang. „Das darf nicht geschehen!" fährt sie empor. „Komm!" — Sie gehen nach Hause; stumm, jedes mit den eigenen Gedanken beschäftigt schreiten sie dahin. Marianne weiß cs, Bernd ist ihr erprobter Rathgeber, obschon er einer ihrer abgewiesenen Freier war. Sie hat in thörichtem Uebermuth den schmucken herrschaftlichen Jäger gewählt; er war ein Fremdling im Dorfe und in der ganzen Umgebung. Aber Marianne liebte es von jeher, ihren eigenen Weg