Samstag, den 13. September 1890.
17. Jahrgang
Fuldaer Zeitung . ...... „ . . — . —- - «Tmcf ir SRt>r1nn hpr SnThnpr 9Ictif>nhni(ferei iA. Dillinannl.
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Deutsches Keich.
Berlin, 11. September.
* In der.Kreuzztg.' beschäftigt sich ein „Katholik", wohl ihr Katholik, mit der oft erörterten Frage, warum die Katholiken unverhältnißmäßig fchlecht auf den höheren Lehranstalten vertreten sind. Die von der kath. Presse für diefe Erscheinung geltend gemachten Gründe will er nicht gelten lassen, zum Theil berücksichtigt er sie auch gar nicht, wie z. B. den, daß die Statistik überhaupt nicht maßgebend sein könne, weil viele kath. junge Leute ihre Studien gar nicht auf den heimischen staatlichen höheren Lehranstalten machen, oder den, daß eine auffallend große Schülerzahl aus den Familien unterer Beamten hervorgeht und Unterstützungen aller Art genießt, diefe Beamten aber vorwiegend protestantisch sind, oder den, daß der Kulturkampf immer noch nachwirkt. Er findet den Hauptgrund in dem geringeren Bildungstrieb der Katholiken. Das ist ja auch eine beliebte Behauptung auf protestantischer Seite. Warum nicht gleich sagen: die Katholiken sind zu dumm, um höhere Schulen durchmachen zu können! Wo der Katholik der ,Kreuzztg.' die Beobachtung gemacht haben will, daß reiche Bürger und Bauern sich damit begnügen, ihre Söhne in Elementarschulen zu schicken, damit sie „ihrem Glauben nicht untreu werden", verräth er ebensowenig wie die noch allgemeinere, in „weiten katholischen Kreisen" sei die Meinung verbreitet, daß „zu viel Bildung" zum Unglauben führe. „Die kath. Geistlichkeit," sagt er weiter, „ist an diesem Jrrthum (den zu widerlegen er sich unnöthiger Weise bemüht) sehr viel mitschuldig". Hat der „Katholik" nie davon gehört, wie viel gerade kath. Geistliche thun, um durch Privatunterricht, Auswirkung von Stipendien rc. sowie durch persönliche finanzielle Unterstützung talentvolle arme Knaben auf und durch das Gymnasium zu bringen? Kaum, denn sonst würde er nicht so fabeln. Es gibt Gründe genug, um den geringen Prozentsatz, der Katholiken auf den höheren Schulen zu erklären, so daß man es nicht nöthig hat, zu dem abgeschmackten Einfall des „geringeren Bildungstriebes" zu greifen.
* In den Blättern aller Parteien findet, man gegenwärtig folgenden Aufruf zu einer Moltkestiftung: '„Alldeutschland rüstet sich, den Tag zu feiern, an welchem der Generalfeldmarschall von Moltke sein 90. Lebensjahr vollendet. Wie der klare, umfassende, ruhig wägende Geist des Schlachtendenkers dem deutschen Volke in Waffen die Wege zeigte, auf denen es Sieg auf Sieg errang, wie er das Schwert geführt, welches der Größe und Einheit Deutschlands die Bahnen ebnete — die Erinnerung daran lebt in jedem deutschen Herzen, sie wird unvergänglich in den kommenden Geschlechtern fortleben, dauernder als das Erz, welches uns sein Bild vor Augen stellt. Aber unserem Volke genügt es
Aus dem Leben Don Kosco's.
(Schluß.)
— Wie? Herr Minister; zur Zeit einer so großen Meinungs - Freiheit will man sogar einem Bürger es als Nachtheil anrechnen, wenn er für sich denkt, wie es ihm gut und recht scheint? Will man die Tyrannei so weit treiben, ihm die Gedanken zu befehlen oder zu verbieten? Und wird da nicht Jedermann seine Gedanken zurückhalten, wenn dieser oder jener schlecht handelt, und gegen ihn weder etwas sagen noch thun, weil ein Entgegentreten unnütz oder sogar gefährlich wäre, oder weil es ihn nichts angeht? Wie nun immer meine persönliche Meinung über das Verhalten der Regierung bei gewissen Zeit-Ereignissen sein mag, ich wiederhole, daß ich weder außer meinem Hause, noch in demselben etwas gesagt oder gethan habe, was einen Anhalt geben könnte, mich als Vaterlandsfeind zu behandeln, und das soll den Behörden genügen. Aber, Excellenz, ich thue noch mehr. Da ich in meinem Hause Hunderte von armen verlassenen Kindern aufnehme und sie zu einem ehrbaren Lebm ’ anleite, arbeite ich mit der Regierung an dem Wohle vieler Familien und der ganzen Gesellschaft, indem ich die Zahl der Vagabunden und Tagediebe verringere und
nicht, den 26. Okt. 1890 durch Festrede und Festjubel zu feiern; die Rede verklingt, der Jubel verrauscht. Um dem Dankgefühle, welches Alle beseelt, Ausdruck zu geben, was könnte geeigneter sein, als an den Tag, der ihn gebar, an die Stätte, an welcher seine Wiege stand, eine Stiftung zu knüpfen, die seinen Namen trägt! Im Norden Deutschlands, in der Stadt Parchim, steht sein Geburtshaus; es anzukaufen, für eine würdige Erhaltung Sorge zu tragen, das erscheint uns als Pflicht der Pietät. Es dürfte ferner dem nationalen Empfinden entsprechen, ein größeres Kapital zusammenzubringen und solches dem gefeierten Feldherrn für wohlthä- tige Zwecke, die nach seiner Bestimmung mit der Geburtsstätte in Beziehung zu setzen sein würden, zur Verfügung zu stellen. Hoffend, daß dieser Gedanke überall in deutschen Landen freudige Aufnahme findet, richten wir an alle nationalgesinnten Männer ohne Unterschied der Parteistellung die Bitte, an allen Orten Sammlungen zu veranstalten und uns die Erträge z. H. unseres Schatzmeisters, des Fabrikbesitzers Jordan zu Parchim zugehen zu lassen. Zugleich bitten wir alle patriotisch gesinnten Zeitungsredaktionen, diesem Aufruf ihre Spalten zu öffnen. Parchim, den 30. August 1890. (Folgen zahlreiche Unterschriften, darunter von Seiten der Centrumspartei diejenigen Dr. Windthorst's und des Grafen v. Ballestrem, ersten Vizepräsidenten des Reichstags.)
* In den Monaten vom 1. Okt. v. I. bis Mitte August d. I. betrug die Menge des in Deutschland hergestellten Branntweins 2,990,051 Hektoliter reinen Alkohols. Nach Entrichtung der Verkehrsabgabe wurden in den freien Verkehr übergeführt 2,084,390 Hektoliter. Am Schluffe des Rechnungsmonats verblieb in den Lagern und Reinigungsanstalten unter steuerlicher Kontrole ein Bestand von 404,720 Hektolitern.
* Kolonialdebatten stehen dem Reichstag auch in nächster Session wieder bevor. Es gilt als wahrscheinlich, daß auch die bisher vorgelegten Weißbücher über die afrikanischen Kolonien noch eine Fortsetzung erfahren werden. Nach Abschluß des deutsch-englischen Vertrags verlautete regierungsseitig, daß man bezüglich der Neugestaltung d'er Dinge feste Organisationen beschließen wollte; seitdem haben darüber wohl allgemeine Erörterungen stattgefunden, doch hat man weitere Entschließungen von Berathungen abhängig gemacht, welche im Herbst stattfinden sollten. Allem Anschein nach wird es sich einerseits um Verwaltungsmaßregeln, andererseits um Beschlüsse handeln, welche dem Handel und Verkehr in den Schutzgebieten gelten.
* Glotz, 8. Sept. Im Laufe des heutigen Tages fanden die Sitzungen der Sektionen der General- Versammlung der Katholiken Schlesiens für soziale Frage, für Vereinswesen und Presse, für Schule und für christliche Kunst statt. Die Beschlüsse fanden in der berichterstattenden Versammlung durchweg Annahme, die der arbeitsamen, wohl unterrichteten und gesitteten Bürger vermehre. Das ist meine Politik, eine andere habe ich nicht.
Die beiden Minister konnten nicht umhin, die Antwort Don Boseo's treffend zu finden, um so mehr, als sie mit Thatsachen bekräftigt war; aber Cavour, auf die Religion und das Evangelium pochend, machte als gewandter Sophist einen zweiten Schluß:
— Ohne Zweifel glauben Sie, Don Bosco, an das Evangelium; aber das Evangelium sagt: Wer mit Christus ist, kann nicht mit der Welt sein; also, wenn Sie mit dem Papste und deßhalb mit Christus sind, können Sie nicht mit der Regierung sein. Euere Rede sei ja, ja, nein, nein. Die Sache ist uns klar; entweder mit Gott oder mit dem Teufel.
— Mit dieser Schlußfolgerung, erwiderte Don Bosco, scheinen Herr Graf beweisen zu wollen, daß die Regiernng nicht bloß gegen den Papst, sondern gegen das Evangelium, gegen Christus selbst sei. Was mich betrifft, so kann ich kaum mich überzeugen, daß der Graf Cavour und der Minister Farini so weit in der Gottlosigkeit gekommen wäre, jene Religion zu verleugnen, in welcher sie geboren und erzogen sind, und gegen die sie in Wort und Schrift sich oftmals voll Ehrfurcht und Bewunderung zeigten.
Außerdem tagte die General-Versammlung des katholischen Sammel-Vereins für die Provinz Schlesien. In einer überaus stark besuchten Damen-Versammlung sprachen unter gespanntester Aufmerksamkeit und Beifall Präfekt Meer (Breslau) über „Die soziale Frage und die Frau" und Erzpriester Thienel über „Christliche Kinder-Erziehung". Nachmittags 5 Uhr fand die erste sehr zahlreich besuchte öffentliche Versammlung unter dem Vorsitz des Frhrn. von Huene statt. Graf Stolberg (Brustawe) brachte (nach dem Bericht der ,Schles. Volksztg.' die vom Kardinal Fürsterzbischof Landgrafen von Fürstenberg zu Olmütz, vom Weihbischof Dr. Gleich zu Breslau und vom Weihbischof Sniegon aus Teschen eingegangenen Schreiben zur Verlesung, in welchen dieselben der Versammlung ihren bischöflichen Segen verleihen. Fürstbischof Georg zu Breslau hat bereits in einem frühem Schreiben an Frhrn. v. Huene der Versammlung seine Segenswünsche übermitteln lassen. Als erster Redner sprach der Großdechant der Grafschaft Glatz, Dr. Mandel, über den Aufschwung, welchen die katholische Kirche in neuester Zeit genommen, nicht nur in Deutschland und in Europa, sondern auch in den übrigen Erdtheilen, und bezeichnete auch die Katholiken-Versammlungen als einen Ausfluß der überall sich zeigenden Lebenskraft der katholischen Kirche. Redner hieß die Versammlung als erster geistlicher Würdenträger der Grafschaft Glatz herzlich willkommen. Demnächst überbrachte Canonicus Dr. Frind aus Prag als persönlicher Vertreter des Fürst-Erzbischofs von Prag dessen beste Glück- und Segenswünsche. Erzpriester Myslitviec (Kreuzendorf) sprach sodann über „Die Stellung des Papstthums zur Kultur der Völker." Redner hob hierbei insbesondere die Verdienste des Papstthums um die Missionen und damit um die Verbreitung des Christenthums, um die Universitäten und um die Förderung der Künste und Wissenschaften, fowie der allgemeinen Bildung hervor. Der Abgeordnete Metzner sprach über die „Handwerkerfrage." In der berufsständischen Organisation sieht Redner ein Mittel zur Lösung der sozialen Frage. Für das Handwerk sei diese Organisation die Zwangs- Innung in Verbindung mit dem Befähigungsnachweis. Professor Schnürer (Freiburg, Schweiz) hielt einen Vortrag über „Die Missionen in Afrika." Es fei jetzt besondersangezeigt, die Missionen zu unterstützen. Das Einvernehmen zwischen deutschen Offizieren und Missionaren sei erfreulicherweise ein schönes. Alle Missions- Gesellschaften müßten ihre Missionshäuser errichten können, auch die Jesuiten. Der Afrikaverein müsse kräftig unterstützt werden. Der Abgeordnete Dr. Franz Graf Matuschka gab einen „geschichtlichen Ueberblick über die Entwickelung des Sozialismus vom Alter- thum bis zur heutigen Zeit." Die Kirche zeige sich als die wahre soziale Macht und versöhne die Freiheit mit der Gleichheit, die sonst unversöhnliche Gegensätze
— Doch wie dem auch sei; das Evangelium, das Ew. Excellenz mir citirten, antwortet genau auf die Schwierigkeit, da wo Christus sagt: „Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Daher kann nach dem Evangelium ein Unterthan irgend eines Staates ein guter Katholik sein, auf der Seite Jesu Christi stehen, mit dem Papste fühlen, dem Nächsten Gutes thun, und zu gleicher Zeit auf Seite des Kaisers sein, d. h. die Staatsgesetze beobachten, ausgenommen den Fall, daß man es mit Verfolgern der Religion ober Unterdrückern der Gewissensfreiheit zu thun hat.
— Aber das ja, ja, nein, nein, verpflichtet es etwa einen Katholiken nicht, deutlich zu erklären, mit welchem Theile er es halte, ob für Christus oder gegen chu?
— Die Worte „ja, ja, nein, nein" sind ein Ausspruch des Evangeliums, den ich als Priester Ew. Ex- cellmz erklären kann. Diese Worte haben nichts mit der Politik zu schaffen, sondern sie bedeuten, daß, obwohl der Eid zur Bekräftigung der Wahrheit erlaubt ist, man denselben nicht allwegs gebrauchen dürfe, außer wo die Nothwendigkeit es erheischt; sie bedeuten, daß es für eine rechtschaffene Persönlichkeit, um Glauben zu finden, genügt, zu versichern, so ist es oder so ist es nicht, ohne den Eid gebrauchen zu müssen; sie bedeuten