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V 210

Freitag, den 12. September 1890.

17. Jahrgang

Fuldaer Zeitung

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

predigt und wenn

marschiren. Wir befinden uns ja auf bürgerlich kirchlichem Gebiete, darum darf ich sagen: Vom b

lern, nicht auf

wm letzten bis zum

Freiheit und Re

nimmt den unserigen

cht und Luft und Nahrung hin­

heißt:

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

ersten Manne, vom letzten Manne bis zum General - Feldmar­schall, einig, fest und treu, Presse, Deutschlands

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer- lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen.

Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Zum Hassen oder Lieben Wird alle Welt getrieben. Es bleibt keine andere Wahl, Der Teufel ist neutral!

katholische Presse undVolk, „einig für Wahrheit, cht." (Lang anhaltender, stürmischer Beifall!)

(Stürmische Heiterkeit und Beifall!) Der letzte Vers dieses Liedes ist nicht wahr. Der Teufel ist nicht neutral, und dieses kleine Preß-Teuflein auch nicht, denn wenn die(Wahl-)Zeit kommt, bekennt es auch Farbe, aber gegen uns, wie wir es 1887 gesehen haben. (Lebhafte Zustimmung!) Darum sind wir am Rheine, und die Sage von der Loreley, ich möchte sie hier rezitiren. Wenn dieses Unkraut in der farblosen Presse fort»

den Namen nicht als unehrenhaft aufnehmen, wenn ich sage: die Presse könnte der Kaplan eines jeden Pastors sein (Bravo!), denn bloß einmal in der Woche wird gepredigt von der Kanzel aus, aber sieben Mal wird vom Lehrstuhl der Presse aus ge- dieser Kaplan dem Pastor nicht zur Seite steht,

weg. (Sehr richtig!)

Weiter liegt eine so große Gefahr darin. Gewiß, es geht so ein gewifles Gedusel durch die Gaue, und man hört so manchmal Säuseln von Frieden, wo kein Friede ist. Diese farb­losen Blätter sind eine große Gefahr, denn gerade sie wissen von all' den Leiden und Kämpfen, die wir zu bestehen haben, nichts zu erzählen. (Sehr richtig!) Dagegen jede Kleinigkeit, wenn es auch nur irgend ein wohlwollendes Lächeln ist, das vom grünen Tisch kommt, wird sofort breit geschlagen und benützt. (Sehr richtig!) Meine Herren, es widerspricht ein solches Blatt uns überhaupt. Entweder — kalt oder warm, ent­weder rechts oder links. Es gibt einen bekannten Vers, welcher

dann wird das, was er einmal gesagt hat, bald wieder verloren sein. Ich habe ja nicht den Beruf und die Aufgabe, hierüber mit Ihnen zu reden, gar Ihnen Vorschriften geben zu wollen, will ich ganz gewiß nicht. Ich möchte Sie nur daran erinnern an das, was nämlich der hochwürdigste Herr Ob er Hirt von Linz vor einem Jahre geschrieben hat. Da sagte er, damit komme ich an eine weitere Pflicht der hochwürdigen Herren: Jeder Seelsorger ist auch der geborene Korrespon­dent seines Ortes (Bravo!), und er fügt weiter hinzu: Wenn ein Jeder durchschnittlich nur eine Viertelstunde in der Woche sich der Preßthätigkeit widmen würde, wie ganz anders stünden wir da! Möchten die hochwürdigen Herren es nicht übel nehmen, nicht ich sage dies, ich citire die Stimme eines Ober- hirten hier. Dann aber, meine Herren, möchte ich noch eine Ge­fahr signalisiren. Unsere Presse muß bestehen. Darum muß die gute Presse in das Haus hinein. Nun, da kann es vorkommen, daß gar Mancher sagt: ein ultramontanes Blatt kann ich nicht brauchen, das ist zu schwarz, aber hier existirt so ein farbloser General-Anzeiger (GroßeHeiterkeit), den halte ich mir. Schon vor 11 Jahren wurde auf der General- Versammlung in Aachen gewarnt, und im vorigen Jahre speziell auch durch Excellenz Windthorst darauf aufmerk­sam gemacht auf diese sogenannten farblosen Blätter. Meine Herren, es ist Pflicht der Selbsterhaltung für uns und unsere Presse, daß wir die sogenannten farblosen Blätter hinausschaffen (Bravo!), denn das farblose Blatt

— Aber wenn Briefe und Beweise gegen mich vorliegen, warum halten mir Eure Excellenz keinen vor?

In diesem Punkte, Herr Minister, verlange ich keine Gnade, sondern Gerechtigkeit. Von Ihnen und von der Regierung verlange ich Gerechtigkeit, nicht meinetwegen, denn ich fürchte nichts; sondern wegen so vieler armer Kinder, welche ganz niedergebeugt sind von den wiederholten Untersuchungen und von dem Anblick der Polizeibeamten in ihrem friedlichen Asyle, und bei deren Eintreten weinen und zittern. Mein Herz kann es nicht mehr länger ertragen, sie in einem solchen Zustande zu sehen, von der Presse sogar dem öffentlichen Urtheile überliefert. Für sie also fordere ich Gerechtigkeit und Wiederherstellung der Ehre, damit ihnen nicht das Brod zum Leben fehle.

Bei diesen letzten Worten schien Farini verwirrt und ergriffen. Er erhob sich und schritt schweigend durch den Saal. Nach einigen Minuten öffnete sich eine Thüre und es trat ein — Graf Camille Cavour, damals Minister des Auswärtigen und Präsident.

Mit lächelnder Miene und sich die Hände reibend, ragte er, als ob er nichts von Allem wüßte.

— Was gibts? — Ach! man nehme ein wenig Rücksicht auf diesen armen Don Bosco — fuhr er dann mit aller Gutherzigkeit fort — und wir ordnen die Dinge in Güte (freundschaftlich). Ich war Don Bosco immer wohlgeneigt und bin es noch. Was ist's alfo, wiederholte er, indem er ihn bei der Hand nahm und zum Sitzen einlud.

Deutsches Keich.

Berlin, 10. September.

—* Zur Posener Erzbischofsfrage wird uns ge­schrieben: Im Jahre 1865, bevor schließlich der Pole, Kardinal Ledochowski, den Erzbischöflichen Stuhl von Gnesen-Posen bestieg, war auch an den Mainzer Bischof von Dktteler im Auftrage des Papstes durch den KardiTm Reisach die Anfrage gerichtet worden, ob er berest sei, nach dem Vorschläge der preußischen Re- gieLuvg das Erzbisthum Posen zu übernehmen. Bischof Ketteler lehnte ab, indem er in der Erwider­ung an Graf Reisach schrieb: Auf Ew. Eminenz ge­ehrtes Schreiben, beehre ich mich zu erwidern, daß ich die erwähnte Stelle unmöglich annehmen kann. Ew. Eminenz deuten die Gründe, welche dafür sprechen, so vollständig an, daß ich nicht weiter darauf einzugehen brauche und mich auf die einfache Erklärung beschrän­ken kann, daß ich mit denselben ganz und gar einver­standen bin. (Der Fragesteller sprach also selbst für die Ablehnung. D. Red.) Je tieferes Mitleid ich mit dem armen Volke habe, desto unerträglicher wäre mir eine solche Stellung, in welcher ich ihm gar nicht hel­fen, ohne Zweifel sogar als Gegner erscheinen würde. Gott bewahre mich vor einer solchen Lage. — Wenn so, wie Ketteler, jetzt jeder deutsche Priester entschieden ablehnte, so würde die Regierung schließlich doch einen Erzbischof polnischer Abstammung zulassen müssen, wie es thatsächlich auch 1865 geschah durch die Er­hebung des Polen Ledochowski. Es würde dadurch auch der hl. Stuhl einen viel leichteren Stand der Regierung gegenüber haben.

Beim Anblicke Cavour's und bei diesen Aeuße- rungen seines Wohlwollens sah Don Bosco voraus, daß die Angelegenheit einen guten Ausgang nehmen werde, nicht etwa weil Cavour in politischer Beziehung besser war als Farini, denn darin waren sie gleich, sondern weil er mit Don Bosco auf freundschaftlichem Fuße stand, Einrichtung und Zweck des Oratoriums kannte, öfter es besucht hatte und sogar an den kirch­lichen Feierlichkeiten theilnahm. Daher erwiderte Don Bosco mit Herzhaftigkeit:

—’ Herr Graf! Jenes Haus in Valdocco, das Sie so oft besucht, belobt und beschenkt haben, will man zerstören; jene armen von den Straßen und Plätzen aufgelesenen Kinder, die dort zu Arbeitsamkeit und gutem Lebenswandel angeleitet werden, und welche Ihnen ein Gegenstand des Wohlgefallens waren, will man mir entreißen und der Hilflosigkeit und der Ge­fahr böse zu werden überlassen; dieser Priester, den Ew. Excellenz oft bis zum Himmel erhoben mit Lobes- bezeugungen, die so wenig verdient waren, wird jetzt dargestellt als Reaktionär, ja als das Haupt einer Verschwörung. Was mich mehr als alles andere schmerzt, ist dies, daß ich, ohne daß mir ein Grund gesagt wurde, in Untersuchung gezogen, belästigt, öffentlich geschmäht wurde zum großen Schaden meines Insti­tutes, das bisher unterhalten wurde von der Liebe zu seinem guten Rufe. Noch mehr: Die Sittlichkeit der Religion, die Sakramente wurden von den Regierungs­agenten verhöhnt in meinem Haufe und in Gegenwart der Kinder, die dadurch geärgert wurden. Ich schweige

Rede des Abg. und Lyccalprofeffors Dr. Schädler-Landau über die Presse. (Am 26. Aug. auf der Koblenzer Katholikenversammlung.)

(Schluß.)

M. H., auch für die Redakteure muß mal ein Wort gejagt werden. Denn das sind die vielgeplagtesten von allen Menschen. (Bravo!) Das das erste! Des weiteren aber haben wir die Pflicht, diefe Liebe und Achtung unserer Prefle zu zeigen in deren Unterhaltung. Sie denken, es wird jetzt das be­kannte Lied kommen, das ja eine mächtige Feder in der Presse bei einer andern Gelegenheit ausgesprochen: Abonniren, forre- spondiren, inseriren. Nun, meine Herren, wenn wir eine Presse haben wollen, dann müssen wir sie auch unterstützen, moralisch und materiell. (Bravo!) Auch die Gegner leben nicht von der Luft und auch von uns heißt es: Wir leben von Tinte und Feder, denn essen und trinken will Jeder. (Bravo!) Rur dann hat die Presse Einfluß, wenn sie auch gelesen wird, andererseits bedeutet sie einen Tromm­ler, und zwar einen Trommler, hinter dem keine Soldaten mar­schiren. Leider Gottes, daß gar manches Haus immer und immer noch verseucht ist von einem schlechten Blatte. Es ist vielfach auch — und da die Anwefenden ja immer ausge­nommen sind — auch die Damen werden es mir nicht übel nehmen, wenn ich es jage: Es ist die Neigung für das, was so pnckelnd unter dem Strich steht (Heiterkeit), was ein solches Blatt immer noch im Haufe hält. Dafür habe ich ein Rezept, und wenn das mit nach Haufe genommen wird, es wäre genug für mich: „Hinaus! Herein!" Hinaus mit der schlechten Presse! Herein mit der guten! (Bravo!) Vater und Mutter würden es als die größte Infamie betrach­ten, wenn ich ihnen zumuthen wollte, sie sollten ihr eigenes Kind vergiften. Aber Vater und Mutter lasten ein solch' schlechtes Blatt auf ihrem Tische, in ihrem Hause und es wird gelesen von den Kindern und wenn mau Tag für Tag das Gift einnimmt, wird man auch an dem Gifte sterben. (Sehr richttg!) Ein Wei­teres aber. Es gibt auch noch befonbere Pflichten, und diese besonderen Pflichten sind nach der einen Seite hin Partei- Pflichten. Es kann mir ja nicht einfallen, der Pattei, der insbefondere im politischen Leben unsere katholische Presse dient — und einer von Denen, der auch einmal in unseren Reihen gekämpft, hat es ausgesprochen: Ein katholisches Blatt gegen das Centrum müßte nach zwei Quartalen verkrachen. — (Bravo!) Ich sage, es kann mir nicht einfallen, der Partei als solcher Vorschriften geben zu wollen, dafür bin ich viel zu jung und viel zu unerfahren. Ich glaube aber sicher, daß wie bisher die Partei und Preffe in engster Fühlung gestanden sind, und, daß wie die Preffe das Sprachrohr der Partei gewesen ist, so auch andererseits die Pattei die schärfste und ftrengfte Fühlung mit der Preffe halten wird, denn nur dadurch ist die Einheit zu er­halten. (Bravo!)

Ich bin anderseits aber auch überzeugt, und gewiß Niemand, welcher der Partei angehört, wird es als persönliche Kränkung empfinden, daß auch die Presse' einmal ihre eigene Mei­nung hat, denn die Presse ist nicht nur Signal-Trompete der Partei, sie ist auch Mundstück des Volkes. (Bravo!) Sie soll belehren nach unten, sie soll aber auch aufmerksam machen nach oben hin. (Bravo!) Und darum, wenn auch einmal ein etwas schärferer Ritt geschieht in's Land hinein, wird man gewiß auch daran denken, daß der Angriff manchmal die beste Abwehr ist. (Bravo!)

Eine besondere Pflicht der Presse gegenüber hat auch der hochwürdige Klerus, Man hat seiner Zeit einmal den Kulturkampf genannt: den „Kaplan Gottes". (Heiterkeit.) Ich möchte ein ähnliches Wort für die Presse gebrauchen, und ich bin überzeugt, meine Herren, da ja gerade die Spezies der „Hetz- Kapläne" in der Presse vertreten sein soll, wird auch die Presse

wuchett, dieses Oidium auf unseren Trauben liegen bleibt, ich fürchte, die Wellen verfchlingen am Ende noch Schiffer und Kahn, und das hat mit ihrem Singen diese neutrale Loreley gethan. (Stürmischer Beifall!) Darum, meine Herren, entschieden nach rechts ober links, thun wir unsere Pflicht, unterstützen wir unsere Presse materiell, aber auch moralisch. Unb wenn wir mit Gelb es nicht können, dann mit der Feber. Vor 2 Jahren wurde einmal unsere Presse genannt: „Die Regimentsmusik", hinter der die Truppen in gleichem Schritt und Tritt einherzogen. (Bravo!) Ich anneftire dieses Bild aus feindlichem Munde. Gehen wir nicht fort von hier ohne diesen Gedanken! Hinaus, hinaus, herein! Hinaus mit der schlechten Presse! Hinaus mit farblosen Presse, herein mit der guten! (Bravo!) So möge sie sein unsere Presse, unsere Regimentsmusik, hinter der wir einher-

Aus dem Leben Don Kosco's.

(3. Fortsetzung.)

— Allein wir haben Briefe, wir haben Beweise?*)

*) Anmerkung: Zur Erklärung dieses Beharrens Farini's, daß kompromittirende Briese existiren, dient folgende früher-nicht bekannte Thatfache. Mons. Luigi Franfoni hatte damals im Sinne, aus feinem Exil in Lyon an die Pfarrer ein Rund­schreiben zu senden, unb in ber, Befürchtung, es könnte bei ber Post unterschlagen werben, gedachte er es durch Bettrauens­personen zustellen zu lassen. Deßhalb schrieb er an Don Bosco, und bat ihn, er möge ihm hierin Hilfe leisten unb günstige Antwort geben; aber ber Brief des Erzbischof es an Don Bosco würbe geöffnet unb auf Befehl des Ministeriums konfiszitt. Davon wußte Don Bosco nichts, bis er, nachdem die berichteten Untersuchungen und die Besprechung mit Farini vorüber waren, einen anderen Brief von Mons. Fransoni erhielt, in welchem dieser ihm mittheilte, er habe, da er keine Antwort erhielt, sich für die verlangte Dienstleistung an andere Personen gewendet. Da erst entdeckte Don Bosco einen der Gründe, weßhalb die Regierung ihn solange im Verdachte einer That hielt, womit er gar nichts zu thun hatte.

Fattni, im Besitze des konfiszitten Brieses, hätte denselben Don Bosco zeigen können; aber vielleicht Hielt ihn die Scham über eine solche Verletzung des Briefgeheimnisses zurück. Uebri- gens war dieser Brief keinerlei Beweis, da er nicht von Don Bosco, sondern vom Erzbischof geschrieben war.

Bttefe auf der Post anzuhalten, war damals fehr im Schwung, wie es manche Thatsachen beroeifen; in jeder Post- abtheilung war ein Beamter aufgestellt mit dem Titel eines Vettfikators, von dessen Arbeiten die wichtigste war zu vettsiziren, d. h. zu kontroliren, ob Briefe ankamen oder abgegeben wurden an Personen, die man, wie es hieß, für Feinde ber Neuordnung ber Dinge hielt. Unb all das geschah, ttotz des Gesetzes, zur Ehre unb zum Ruhme ber Freiheit!