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JV 209.

Donnerstag, den 11. September 1890.

17. Jahrgang

Fuldaer Zeitung

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Brmger- lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage »Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen.

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Rede des Abg. «nd Lycealprofessors Dr. Schädler-Lauda« über die Presse.

(Am 26. Aug. auf der Koblenzer Katholikenversammlung.) (Fortsetzung.)

Meine Herren, unsere Presse hat ihre Schuldigkeit g et Han, (Bravo) und ich stehe nicht an, es zu sagen aus in­nerster Ueberzeugung: den größten Theil an den Erfolgen, die wir errungen haben in der kirchenpolitischen Arena, verdanken wir unserer Presse. (Bravo.) Ihr darum aber fluch unser Dank! (Bravo.) Und diese Presse hat gestanden wie ein Mann, sie hat gebildet, einen Phalanx, als die gewaltigen Eisernen heran­rasselten über den Plan, um den Garten Gottes, um den Gar­ten der katholischen Kirche in Deutschland zu zerstampfen und nachher Grund und Boden der Reichsfeinde unter sich zu thei- len. (Große Heiterkeit.) Diese Presse hat gestanden und wenn eine jetzt gefallene Größe das Wort ausgesprochen hat: sie, nämlich die deutsche Presse, habe keinen Muth» und sie sei so feige, so mag das wohl von des gefallenen Mannes deutscher Presse gelten, (stürmischer, anhaltender Beifall) diese mag sich mit ihm auch auseinander setzen, aber es gilt nicht von unse­rer katholischen deutschen Presse, (Bravo) denn diese hat gestanden, im Pulverdampf, und als die Granaten heran- rasfelten in Gestalt von lithographirten Strafanträgen, (Heiter­keit) sie hat gestanden, als sie verurtheilt wurde, und unsere Redakteure find in die Gefängnisse gewandert, sie sind in die Sommer- und Winterfrische nach Plötzensee gegangen, und an­dere liebliche Orte, (Heiterkeit) und sie haben dort auch Erbsen ausgelesen, Düten geklebt rc.» (Heiterkeit) aber gebeugt haben sie sich nicht, (Bravo!) nicht einmal vor dem Manne, vor dem Alles sich gebeugt hat. (Sehr richtig!) Das ist unsere Ehre, das ist unsere Freude, und darum unserer Presse auch, die ja sonst so wenig ein Wort des Dankes erhält, darum ihr unse­ren Dank! (Bravo!) Gerade aus der Haltung in der Ver­gangenheit schließe ich auf die Zukunft. In der Glühhitze des Kampfes ist sie gehärtet worden zu Stahl und sie hat sich ein­zig bewahrt: Einheit und Einigleit! (Bravo.)

Hochgeehrte Versammlung! Nachdem man die katholisch e Presse nicht mehr ignoriren kann, sucht man sie zu dis- kred itiren und die Todtengräber unserer Presse sind auch jetzt wieder an der Arbeit. Man sucht die katholische Presse zu dis- kreditiren, selbst auf die Gefahr hin, daß man mit Pilgerhabit und Muschelhut auf den Knieen nach Rom rutscht (Bravo!), daß man dort heucklerische Friedenshymnen anstimmt, oder aber, daß man sich aufspielt als Wächter der Autorität der Bischöse gegen­über der „demagogischen ultramontanen Presse". (Bravo.) Es gibt nichts Schöneres, meine Herren, wie wenn der Fuchs den Hühnern predigt, oder der Wolf dem Lamme. (Heiterkeit.) So, wenn eine Presse, die stets im Kampfe gegen die Autorität ist, gegen die Autorität Gottes und der Kirche, die stets schimpft über Index und alles Mögliche, wenn diese selbst einen Index verlangt für die katholische Presse nämlich. Allein, all' diese faulen und auch diese staatskatholischen Spekulationen sind verkracht (Bravo!), und heute steht unsere Presse, als die uner­schrockene Vertheidigerin des apostolischen Stuhles, und ist als solche anerkannt, als des Episkopates mächtige Hilfe, als des katholischen Volkes treuer Herold und mächtigster Schutzwäll, wenn es gilt, seine religiöse und politische Freiheit zu verthei- digen! (Bravo!) Daraus, meine Herren, ergeben sich aber auch Pflichten für uns, und mit aller Offenheit spreche ich auch von diesen Pflichten. (Bravo!) Die erste Pflicht, die wir unserer Presse gegenüber an den Tag legen müssen, ist die der Achtung. — Die Presse hat sich nicht zu schämen, sie darf sich zeigen. Aber, m. H., kommt es denn nicht vor, daß, wenn unsere Presse ihre Schuldigkeit thut, kein Mensch ein Wort der Anerkennung und der Achtung für sie hat, sondern man sagt einfach: Ja, das ist ja nur ihre verfluchte Pflicht und Schuldig-, keit. Dagegen, wenn einmal etwas kommt, was nicht nach

Aus dem Leben Don Aosco's;

(2. Fortsetzung.)

— Das sage ich nicht", denn Ew. Excellenz behaup­ten nur, was Ihnen berichtet wurde. Aber wenn der Bericht, der Ihnen gemacht wurde, nicht glaubwürdig ist, dann sind auch der Natur der Sache nach die be­richteten Thatsachen nicht wahr. In diesem Falle fällt die Schmach der Verleumdung auf den, der sie erhoben, nicht auf den, der sie in gutem Glauben ausgenommen.

— Aber indem Sie so reden, Herr Abbe, tadeln Sie meine Unterbeamten und die Regierung selbst, und ich mahne Sie, Ihre Ausdrucksweise zu widerrufen.

— Ich werde vom Gegentheil mich überzeugen lassen und Alles widerrufen, wenn Ew. Excellenz mir bewei­sen, daß ich nicht die Wahrheit gesprochen.

— Es gehört sich nicht für einen guten Bürger, die Staatsbehörden zu kritisiren.

— Entschuldigen Sie, ich habe nicht im Sinne, eine Behörde zu kritisiren, sondern nur die Wahrheit zu sagen mit dem Freimuthe eines rechtschaffenen Man­nes, der sich gegen falsche Anschuldigungen vertheidigt und mit dem Muthe eines guten Bürgers, der die Re-

unserem Kopfe? Wo sind da die Hauptkritisirer und H aup tn ör gl er? Etwa nicht bei uns selber? (Bravo!)

Meine Herren! im vorigen Jahre hat unsere Excellenz Dr. Windthorst es ausgesprochen: Wenn wir lesen, suchen wir zuerst das heraus, was wir kritisiren können. Gilt das nicht that- sächlich unserer Presse gegenüber? Auch der große Görres hat es erfahren, und er hat es ausgesprochen, und sein Wort hat ja eine größere Autorität als das meinige; er sagte näm­lich : „Ist das Blatt in einem ruhigen, leidenschaftslosen, ver­söhnlichen Tone gehalten, der alle Persönlichkett, alle Bitterkeit, allen Spott fern hält, der jede Aufregung und Aufreizung ver­meidet, der sich immer streng an die Sache hält und diese in unüberwindlicher Geduld, mit Gründen der Vernunft, mit That­sachen und Ziffern verficht, dann findet man das Blatt nicht ent­schieden, nicht scharf, nicht kräfttg, nicht muthig, nicht einschnei­dend genug. Es ist dann zu zahm, zu farblos, zu matt, zu doktrinär, zu langweilig . . ." (Sehr gut!) „Ist aber der Re­dakteur", so spricht er weiter, „ein frischer, kräftiger, muthiger Geist, geht er den Gegnern mit scharsen Waffen unverzagt zu Leibe, hält er ihnen ohne Schonung ihre Schändlichkeit und Niederträchtigkeit vor, nennt er jede Schlechtigkeit bei ihrem rechten Namen, dann wird das Blatt von Tag zu Tag „fataler", „gar zu aufreizend und lechenschaftlich", und Blatt und Redakteur werden verleugnet. Man schafft es ab, man liest es nicht einmal mehr im Casino oder Museum, damit Niemand glauben könne, man sei gleicher Gesinnung." (Bewegung.) Ich weiß nicht, ob diese Worte, die aus den ,Historisch-politischen Blättern' genom­men sind, nicht vielleicht auch heute noch hier und da zutreffen können. (Bravo!) Wir verlangen von unseren Rittern der Feder, daß sie Tag für Tag den Ritt machen ins feindliche Lager, und trotzdem sollen sie immer in Paradeuniform dastehen. (Heiter­keit.) Wir verlangen von ihnen, daß sie Schanzen aufwerfen, und in den Laufgräben stehen, während die Gegner sie mit ihren Geschossen bewerfen oder den Grund so auswühlen, daß unsere Soldaten der Feder davon besudelt werden, und dann sollten sie immer noch kommen gewissermaßen mit untadelhaster Hals­binde, mit weißer Weste und Frack! (Große Heiterkeit.)

Nein, m. H., entmuthigen wir unsere Ritter von der Feder nicht. Ich sage nicht: Dies Kind, kein Engel ist so rein, laßts Eurer Huld empfohlen sein! (Große Heiterkeit.) Aber ich glaube, Sie an ein Wort erinnern zu dürfen, das P. Felix gesprochen hat zur Vertheidigung des großen Journalisten Veuillot; er sagt nämlich: M. H., achten und lieben wir sogar unsere — Freunde! (Große Heiterkeit.) Aber diese Achtung und Liebe darf keine platonische sein (Heiterkeit), sie muß sich auch in die Thal umsetzen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich in erster Linie noch ein Wort einlegen für die Herren Redak­teure. Ich selber bin keiner, ich spreche also nicht pro domo, ich bin nur hier und da geduldet bei den Herren. So ein Re­dakteur soll eigentlich ein Wunderkind, ein Genie sein, er soll Alles bringen, und. allen Takt soll er in sich haben, und alles Wissen wie ein lebendiges Konversationslexikon; er soll alle Tugenden besitzen, langmüthig, geduldig, gutmüthig, ein Löwe und ein Lamm zu gleicher Zeit! > Heiterkeit.) Das alles mit­einander soll er haben und fein, und dabei kann es ihm passiren, daß, wenn er morgen irgend etwas bringt, was nicht gefällt, daß man von der eignen Seite über ihn hergeht; auf der anderen Seite steht der Engel der heiligen Hermandad und hat das Schwert, in Gestalt der Preßparagraphen, und dieses Schwert, fällt nieder und bringt ihm Zeit zum Nachdenken int Gefäng­nisse. Der Regierung und den Mächtigen ist er ein Dorn im Auge, und auf der eigenen Seite findet er oft statt Anerkennung, das Gegentheil davon. (Schluß folgt.)

Deutsches Keich.

Berlin, 9. September.

* Der preußische Landtag soll Mitte Januar ein­berufen werden.

gierung warnt, daß sie sich nicht zu ungerechten Urtheilen und Handlungen gegen treue Unterthanen verleiten lasse.

Als rechtschaffener Mann und guter Staatsbürger nun muß ich sagen, und werde es immer sagen, daß es eine Verleumdung ist, mich als Verfasser von Zei- tungs - Artikeln anzugeben, woran ich nicht gedacht; meine Wohlthätigkeits-Anstalt einen Ort revolutionärer Versammlungen zu heißen, und mich hinzustellen, als verkehre ich mit den Feinden des Staates.

Solche Anschuldigungen sind reine Erfindungen übel­gesinnter Menschen, zu dem Zwecke, die Behörden zu täuschen und zur Begehung von Mißgriffen zu drängen, zum Schaden der Gerechtigkeit und Freiheit.

Dieser Freimuth in den Worten Don Bosco's mußte auf Farini Eindruck machen; erstaunt und zu­gleich ungehalten glaubte er ihn einschüchtern zu sollen und sprach in herrschendem Tone und mit drohenden Blicken: Herr Abbe Bosco, Sie lassen sich von zu großer Hestigkeit und unüberlegtem Eifer fortreißen und bedenken nicht, daß Sie mit dem Minister sprechen, in dessen Macht es steht, Sie in's Gefängniß zu schicken.

— Ich sürchte durchaus nicht, antwortete Don Bosco, was mir die Menschen thun können, weil ich die Wahrheit sagte, ich fürchte nur, was Gott mir

* Zur Posener Erzbischofsfragr wird der ,Germ. von einer Seite, die sich als „bestinformirt" bezeichnet, in einem römischen Privattelegramm gemeldet, „daß der Vatikan die Wahlrechte des Kapitels auf­rechtzuerhalten gedentt. Das war nach Lage der Dinge nicht anders zu erwarten, da, abgesehen vom Recht, ein Eingehen auf die Wünsche des Herrn von Goßler die schwersten religiösen Gefahren für einen großen Theil der Erzdiözesanen in sich geschlossen hätte, weil diese durch ein Eingehen Roms auf eine prin­zipiell antipolnische Politik den Versuchungen der antireligiösen radikalen polnischen Agitatoren weniger als bisher Stand gehalten haben würden. Die Regie­rung wird sich also entschließen muffen aus einer Wahl­liste den neuen Erzbischof hervorgehen zu lassen, oder es werden einfach die jetzigen Kapitels-Vikare und Weih­bischöfe weiter fungiren.

* Mit der Wahrnehmung des Amts des Kaiser­lichen Kommissars für Helgoland ist, wie im ,Reichs­anzeiger' amtlich bekannt gegeben wird, vom 10. d. M. ab an Stelle des zu anderweiter Verwendung abbe­rufenen Geh. Reg.-Rath Wermuth der ständige Hilfs­arbeiter im Reichsamt des Innern, Reg.-Rath Dr. Kelch beauftragt worden.

* Die Einfuhr ungarischer Schweine aus den Mast­anstalten zu Steinbruch und Bielitz-Biala zum Abschlach­ten auf dem Berliner Schlachthofe soll widerruflich und bedingungsweise gestattet werden. Es sind dazu auf dem Schlachthofe einige Einrichtungen zu treffen, die binnen 3 Tagen beendet sein werden.

* Die ,Post' meldet: „Nach verläßlichen Mitthei­lungen wird der Reichshaushaltsetat keinerlei Forde­rungen enthalten, welche sich auf geplante Verstärkungen oder Neuformationen des Heeres bezögen. Den Ab­sichten gemäß werden derartige Forderungen bis zum Ablauf des Septennats nicht mehr gestellt werden. Ebensowenig liegt es in den Intentionen, eine Vorlage einzubringen, welche die erneute Forderung einer Ge­haltsaufbesserung einzelner Ossiziersklassen zum Gegen­stand hätte. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß in Bezug auf die Pferdebeschaffung der Offiziere nicht be­rittener Truppen Erleichterungen geschaffen werden.

* Wie der .Times' aus Zanzibar gemeldet wird, sind alle Bemühungen, den Reichspostdampfer „Reichs­tag", der in Dar-es-Salam gestrandet ist, wieder flott zu machen, bisher erfolglos gewesen. Man befürchte, der Dampfer werde total wrack werden.

* Neuß, 7. Sept. In Bezug auf die Nachricht, das Kultusministerium habe den Benediktinern aus Afflighem in Belgien die Genehmigung zur Gründung einer Niederlassung in Knechtsteden versagt, erfährt die ,Neuß-Grevenbr. Ztg.' Folgendes: „Das Gesuch des Abtes von Afflighem wurde mit dem Bemerken vom Kultusminister v. Goßler zurückgeschickt, daß die Re­gierung der Genehmigung Bedenken entgegentrage, darin bestehend, daß die zu gründende Niederlassung in Knecht­

thun kann, wenn ich eine Lüge ausspreche. Uebrigens sind Euere Excellenz viel zu gerechtigkeitsliebend, als daß Sie die Schmach auf sich laden könnten, einen Bürger, der seit 20 Jahren Leben und Vermögen dem Besten seiner Mitmenschen weihte, unschuldig in's Ge­fängniß zu werfen.

— Und wenn ich es doch thun würde?

— Ich halte es nicht für möglich, daß sich die edle Gesinnung eines Farini in Gemeinheit verwandeln könne; aber wenn es gegen meine Meinung geschehen sollte, so könnte auch ich Ihr Beispiel nachahmen.

— Was wollen Sie damit sagen?

— Ew. Excellenz haben eine Geschichte geschrieben und gewisse Persönlichkeiten, die Sie für schuldig hiel­ten, der allgemeinen Verurtheilung unterstellt. Also wenn der Herr Minister gegen mich Gewalt gebrauchen würde, so würde ich Sie, wie gesagt, zum Vorbild nehmen, eine solche Schmach der Presse überliefern, die Geschichte zum Zeugniß für mich anrufen, die gegen­wärtigen und kommenden Geschlechter als Richter zwischen ihm und mir aufstellen, um das Urtheil zu sprechen über die Ungerechtigkeit eines solchen Mißbrauches der Macht, während der gerechte und allmächtige Gott seiner Zeit den unschuldig Unterdrückten rächen würde.