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Mittwoch, den 10. September 1890.

17. Jahrgang

Fuldaer Zeitung

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. ° Mckch Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Tillmann).

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Rede des AKg. und Lyce«kprosessors Dr. Schädler-L««d<» über die Presse. (Am 26. Aug. aus der Koblenzer Katholikenversammlung.)

Hochansehuliche Bersannnlung! Tagend an dem sagen- und rebenumrangten Rhein, dürfte wohl gar Manchem schon auch der Reim aus das Wort Rhein eingefallen sein (Heiterkeit) und auf Grund jener Aufforderung des Rheinliedes: Wein her, aber vom Rhein muß er sein (Heiterkeit), diesen Reim auch schon in die That umgesetzt haben. (Heiterkeit.) Aber geehrteste Ver­sammlung ! Gerade Diejenigen, deren Stolz and deren Freude die Rebe ist, die Spenderin des Weines, gerade sie find in gar banger Sorge, denn verschiedene Schädlinge sind es — (Stür­mische Heiterkeit.) — Nun, wenn Sie auch mich als Schädling betrachten, habe ich auch nichts dagegen (Erneute Heiterkeit), — verschiedene Schädlinge sind es, die dem Weine zusetzen. Sie kennen ja die Phyloxera, die Peronospora und das Oidium, die die Reben angrcifen in ihren Wurzeln, die die Blätter vergilben, die die balsamische Blüthe zu vernichten streben oder 'wenn die Traube angesetzt, als Pilz auf derselben deren Wachsthum ver­hindern. Wenn Christus selber sich vergleicht mit einem Wein­stock, dann darf wohl auch die Kirche Christi, die ja ist der my­stische Leib Jesu Christi mit einem Weinstock verglichen werden. Freilich dieser Rebe und ihrer Wurzel vermag k e i n e Phyloxera was anzuhaben, denn sie ist fest in die Erde gesenkt und mit göttlichem Blute getränkt. (Bravo!) Aber es will mir scheinen, als ob gar manche Blüthe schon abfiele, ehe sie zur Frucht ge­langt, und gar manches Blatt an dieser Rebe gelb und welk würde, und es kömmt mir vor, als ob etwas Aehnliches wie am Rebstock —und nur nach der Wirkung hin gebrauche ich dieses Bild, was ich ausdrücklich betone, — daß etwas Aehn­liches vorgeht, auch an den Blüthe» und den Blättern und auch an den Trauben. Was ich wohl damit meine? Wir tagen hier an dem Ort, von dem aus des Rheinlands größter Sohn, seinen Ausgang genommen: G ö r r e s! (Bravo!) Seine vulkanischen Predigten im ^Rheinischen Merkur' sind es gewesen, die das Volk enthusiasmirten zum Kampfe gegen Napoleon! er hat es aber auch nicht unterlassen, den Mächtigen die Wahrheit zu sagen. (Bravo!) Wäre es nicht eine unverzeihliche Nachlässig­keit, wenn die Generalversammlung ihrer alten Tradition untreu würde, jener Ueberlieferung, bei jeder ihrer Versammlungen zu gedenken jener Macht, die Napoleon die „fünfte Großmacht" ge­nannt hat, zu gedenken der Presse und zwar unserer Presse, der katholischen Presse? (Bravo!) In Rück sicht auf die Glocke des Präsidenten, der ja erklärt hat, daß er energisch seines Amtes walten wolle (Heiterkeit), verzichte ich darauf, über die Bedeutung der Presse im Allgemeinen zu sprechen, denn ich würde es für eine Beleidigung halten, die ich dieser hohen Versammlung anthäte, ich würde auch glauben, Wasser in den Rhein dadurch zu tragen und, wer von der Be­deutung der Preffe noch nicht überzeugt ist, der hat mit uns nichts mehr zu thun, der möge sich an des Reichspatent­amt wenden (Heiterkeit), und zwar unter der Vorlage einer Schlafhaube (Große Heiterkeit), fest wattirt (Heiterkeit), mit großen Ohren und mit Klappen für Augen und Ohren. (Stür­mische Heiterkeit.)

Als Ab-del-Kader zum ersten Male eine Druckmaschine in Thätigkeit sah, da sprach er: „Das ist die Kanone des Ge­dankens!" (Heiterkeit.) Das Wort ist sehr richtig — die Mi- trailleuse der Gedanken; denn diese Kanone wirft millionenfach ihre Geschoffe heraus und sie fallen nieder, in die Hütte sowohl wie in den Palast, in die Sennhütte auf hoher Alpe, wie neben die Kaffeetasse im Familienzimmer (Heiterkeit), und der Milch­mann aus der Landstraße und der Kutscher auf dem Bock, sie vertreiben sich die Zeit mit der Zeitung. (Heiterkeit.) Kanone des Gedankens! Und welche Geschosse schleudert diese Preffe heraus? War sie nicht — und zwar ist es noch gar nicht so lange her — einzig und allein im Dienste einer feindlichen

Aus dem Leben Don Aosco's.

(1. Fortsetzung.)

Nun sagte Don Bosco, ohne diesen Akt der Un­höflichkeit weiter zu beachten, mit lauterund vernehmlicher Stimme:

— Signor Cavagliere! Ich habe 500 verlassene Kinder zu unterhalten, und in diesem Augenblicke gebe ich sie in Ihre Hand und bitte Sie, für ihre Zukunft zu sorgen.

— Was sind das für Kinder?

— Es sind arme Kinder, Waisen oder in Gefahr schwebende, welche die Regierung mir anfangs zuge­wiesen hat, jetzt aber auf die Straße jagen will.

— Wo sind sie jetzt?

— Sie sind in meinem Hause untergebracht.

— Wer unterhält sie?

— Die Liebe einiger Wohlthäter.

— Zahlt die Regierung nichts für sie?

— Nicht einen Pfennig.

Bei diesen kurzen, lebhaften und interessanten Fragen und Antworten traten alle Umstehenden näher zu Don Bosco, verwundert und begierig aus den Ausgang der Sache. Da mußte es Spaventa in den Sinn gekommen sein, daß er keine gute Figur spiele, wenn er in solcher

Macht gestanden, oder haben alle jene, die die Feder führen, sich geschaart unter das Banner, das Sanct Michael trägt, auf dem geschrieben steht: Quh nt Dem? Wer ist wie Gott? Wo­her käme es denn, daß wir auch von einer schlechten Presse reden? Schlechte Preffe nenne ich mit den hochwürdigsten Bi­schöfen von Belgien „jene geschriebenen oder gedruckten Werke unter welchem Titel und in welchem Format sie auch erscheinen in denen die kath. Religion in positiver Weise, sei es in ihren Dogmen, in ihrem Leben und in ihrer Autorität, sei es in ihrer Hierarchie, ihrem Oberhaupte oder ihren Dienern, sei es in ihrer Moral, ihrer Disziplin oder in ihrem Leben angegriffen wird." (Bravo!) Nun, hochgeehrte Versammlung, wenn wir diesen Maßstab anlegen an die sogenannte liberale Presse; wie viele sind es denn, die nicht unter diese Kategorie fallens? (Sehr wahr!) Oder ist es nicht wahr, was der hochwürdigste Primas von Mecheln einmal ausgefprochen: In den oberen Spalten verderben diese Blätter die Geister, und in den un­teren verführen sie die Herzen. (Sehr wahr!) Oder ist es nicht wahr, daß der größte Theil dieser Presse fortgesetzt nur darnach strebt, die Kirche zu bekämpfen, ja daß er eigentlich vom Kampfe gegen die Kirche lebt? (Sehr richtig!) Ist es nicht währ, daß es einem großen Theile dieser Preffe nicht genügt, dieses oder jenes Borkommniß, das menschlich ist, breit zu schlagen, sondern daß der größte Theil dieser Presse in allen Ecken der Welt nach Skandalen herumschnüffelt?! (Bravo!) Brauchen wir Belege dafür? Ich glaube, sie sind mir erspart, denn das Sündenregister ist ungeheuer lang, angefangen von der Barbara Ubryck in Krackau und der Klostergeschichte in Graz, dann von den 72 Geistlichen, die in einem klerikalen Aufstand erschossen wurden, während noch 200 Priester einge­sperrt wurden mit einem Erzbischöfe an der Spitze (Heiterkeit), bis zu der Leistung des „neuen, wunderthätigen Wassers zu Schmollen auf dem Hunsrück." (Heiterkeit ) Ich citire nur aus dem Gedächtnisse, denn in diesen» liberalen Teiche schwimmen der fetten Lügenenten so viele, daß man thatsächlich ein Münchhausen mit dem Specke sein müßte, um sie einzufangen. (Heiterkeit.)

Was ist nun dem gegenüber zu thun? Manchmal kann man hören: Das Schreiben ist doch eine'böse, bttterbös» Erfin­dung! Warum? Weil diese Kunst des Schreibens benutzt wer­den kann, um einen Wechsel zu fälschen, oder aber auch von einem Mägdelein, um ein billet doux zu schreiben. (Heiterkeit.) Ebenso kann man hören: „o, diese Lesewuth!" und selbst von Seiten, von denen man es am wenigsten erwarten sollte, hört mau es: „O diese Lesewuth! Es wäre doch viel besser, wenn die Leute gar nichts lesen würden! Nun, und was ist mit allen diesen Jeremiaden genützt? Ist vielleicht damit diese Presse, die so gefährlich ist, aus der Welt geschafft? Derjenige, der auf der Höhe der Zeit steht, und der die Bedürfnisse der Welt viel bes­ser kennt, wie solche Klageweiber, wenn auch mit Männerbärten, (Heiterkeit), der hat es ausgesprochen, indem er sagte: „Setzet der schlechten Presse die gute entgegen! (Bravo) Setzet der schlechten Presse die gute entgegen! Was werden wir also thun? Sofort neue Zeitungen gründen? Daraus sage ich „Ja" und „Nein". Ich sage „Ja", dort wo es nothwendig ist und nach dieser Seite hin möchte ich aus eigener Erfahrung wünschen, daß auch das katholische Kapital etwas mehr tropfbar flüssig werden würde, (Heiterkeit) und nicht meinte, es würde jeder Verleger sofort 8pCt. verdienen. Ich sage „Nein" dort, wo eine solche Gründung nicht nothwendig ist, denn wir haben eine heilige Pflicht, eine ernste Aufgabe, und diese besteht darin, unsere bestehende große und kleine Presse nicht nur zu erhalten, sondern sie zu fördern, zu stär­ken und zu immer größerer Lebensentfaltung zu bringen. (Bravo.) Gott sei Dank, wir sind so glücklich, daß wir eine Presse haben, und was würde er wohl sagen, der große Görres, dem seiner Zeit kaum ein Organ zur Verfügung ge­standen, wenn er heute in Deutschland nach einer Mittheilung, wie ich sie vorhin gelesen, die Ziffer der katholischen Blätter die Nummer 401 erreicht sehen würde. (Bravo.) Und wahrlich

Weise einem Manne gegenüber trete, der in seinem Hause unentgeltlich 500 Kinder des armen Volkes unterhielt, und er hielt es für klüger, ihm eine Privat­audienz zu gewähren. Er lud ihn ein, in sein Arbeits- kabinet zu treten, ließ ihn neben sich Platz nehmen und sagte dann in freundlichem Tone:

— Ich weiß, daß Sie Gutes wirken; sagen Sie mir also, womit kann ich Ihnen dienen; was ich thun kann, werde ich gerne thun.

— Ich möchte unterthänigst fragen, erwiderte Don Bosco, nach dem Grunde der Untersuchungen, ja sogar der Verfolgungen, welche von Seite der Regierung gegen mich erhoben werden.

— Sie verfolgen doch eine Politik . . . haben einen Geist ... Doch bin ich nicht in der Lage, Ihnen alles zu sagen. Es sind Dinge, die dem Minister selbst Vorbehalten sind. Darüber müßten Sie mit ihm selbst sprechen. Uebrigens kann ich Ihnen sagen, daß jede Belästigung ein Ende hätte, wenn Sie offen reden und die Geheimnisse enthüllen wollten.

— Ich weiß nicht, was für Geheimnisse Sie meinen, Signore Cavagliere?

— Die jesuitischen Geheimnisse, zu deren Enthüllung die Untersuchungen angestellt wurden-, über die Sie sich beklagen.

diese Presse braucht sich nicht zu schämen nach keiner Seite hin. Und wenn die Gegner kommen, wir setzen ihnen für jedes Quentchen Verstand, ein ganzes Pfund dagegen. (Große Heiter­keit.) Denn, meine Herren, das hat unsere Presse noch nicht geliefert — ich schweige von alten Beispielen — was zum Bei­spiel das Weltblatt, das „Organ der Staatsmänner", die Mün­chener Allgemeine Zeitung' in den letzten Tagen geliefert hat, den Bericht nämlich, den sie unter dem 11. August, und zwar unter der Rubrik: „Kirchliches" gebracht. Sie können daraus entnehmen, wie sehr die Herren aus kirchlichem Gebiete daheim sind: Er lautet: „Die Reliquien — nämlich von 11 Märtyrern und ebenso vielen Märtyrerinnen — bleiben nach festlicher Einräucherung (Heiterkeit) zur Anbetung (Große Heiter- keit( unter einem Tabernakel ausgesetzt." (Erneute Heiterkeit.) Meine Herren, wenn da ein Weltblatt von „Einräucherung" und „Anbetung" spricht, dann glaube ich, gehött es aus ge­räuchert. (Stürmische Heiterkeit und anhaltender Beifall.) Also, die Erhaltung, die Förderung unserer großen und kleinen Presse ist unsere ernsteste Aufgabe, denn die kleine Presse ist es, die den Nebenbächen die Quelle abgräbt, und einzelne Gegenden vor der Ueberfluthung bewahrt. Und unserer großen Presse fällt die Aufgabe zu, den Strom der öffentlichen Tagesmeinung in ein anderes Bett hineinzulenken, mit anderen Worten: die großen Fragen, die uns auf dem politischen, auf dem sozialen und auf religiösem Gebiete bewegen, prinzipiell zu erläutern und dadurch zum Leit- und Richtstern zu werden für uns alle. (Bravo.) (Fortsetzung folgt.)

Deutsches Keich.

Berlin, 8. September.

* Zu dem engeren Wettbewerb für das Kaiser- Wilhelm-Denkmal auf der Schloßfreiheit zu Berlin sind zu liefern ein Modell des Reiterstandbilds ein­schließlich des Sockels und aller etwaiger Nebenfiguren im Maßstabe von. Vs der natürlichen Größe, ferner ein Entwurf für die architektonischen Anlagen des Platzes einschließlich der ihn begrenzenden Ufermauer. Eine noch weitere Vergrößerung des Denkmalplatzes durch völlige Ueberbrückung der Schifffahrtsstraße ist unter gewissen Bedingungen zulässig. Die Denkmal­anlage muß einen Abstand von mindestens 33 Metern vom Schlosse haben. Die Entwürfe sind bis 1. April 1891 einzuliefern. Unter den zum Wettbewerbe Ein- geladenen befindet sich u. A. Pros. Dr. Joh. Schil­ling, der Schöpfer des Niederwalddenkmals.

* Wie aus Wilhelmshaven gemeldet wird, geht das NebungSgeschwader Mitte Oktober nach dem Mit­telmeer in See.

* Wie aus Zanzibar gemeldet wird, sitzt der deutsche Reichspostdampfer „Reichstag" unbeschädigt auf san­digem Grunde. Von Zanzibar sind Lichterschiffe be­hufs theilweiser Löschung der Ladung requirirt. Der Kommandant des Kreuzers „Schwalbe" hofft frühestens am Mittwoch das Schiff abzubringen.

* Emin Pascha ist der ,Times" zufolge in Unya- nyembe eingetroffen. Die Häsen des Küstenstriches el Benadir sind nach demselben Blatte für den Verkehr wieder eröffnet. — Unyanyembe liegt auf dem halben Wege zwischen Mpwapwa und dem Viktoria Ny anza- See. Da die Nachricht von der Ankunft Emins in

— Ich kenne in der That keine solchen Geheim­nisse und wäre begierig sie kennen zu lernen, um die geeigneten Erklärungen zu geben, wenn es in meiner Macht steht. Wollen Euer Gnaden nur mit aller Frei- müthigkeit sprechen und ich werde mit gleicher Offen­heit antworten.

— Ich kann mich hier nicht einmifchen; fragen Sie den Herrn Minister, er wird Ihnen alles sagen.

— Wenn Euer Gnaden mir nicht sagen können, um was ich bitte, so gewähren Sie mir doch wenig­stens einen besonderen Liebesdienst.

— Und der wäre?

— Mir eine Audienz beim Minister zu erlangen.

— Ja, ich will sehen sie zu erhalten ; aber zu dieser Stunde ist es sehr schwer. Doch will ich sogleich anfragen. Warten Sie hier einen Augenblick, aber sprechen Sie mit Niemand von der Sache, denn es könnte schlimm aufgefaßt und noch schlimmer ausgelegt werden zu Ihrem größten Schaden.

Spaventa verließ das Zimmer und begab sich zu Farini, und nach einer halben Stunde kehrte er mit der Nachricht zurück: Der Minister ist sehr beschäftigt und kann Ihnen für jetzt keine Audienz gewähren; aber morgen wird er Ihnen Nachricht geben, wann er Sie empfangen kann.