17. Jahrgang
Dienstag, den 2. September 1890.
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Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
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„Arrow, Arrow!" rief, schrie, nein, brüllte ich..
Ein lantes Wiehern antwortete. Das brave Thier befand sich zum Glücke in der Nähe und kam herbei. Mit einem Sprunge warf ich mich auf feinen Rücken, und im nächsten Augenblicke schon flogen wir vorwärts. Um den dichtesten Herd der Gluth biegend, schossen wir in die - feurige Hölle hinein. Ich schloß Mund und Augen. Es war mir, als koche ich in einem Topfe siedenden Wassers; die Sinne wollten mir schwinden, aber schon konnte ich wieder freier athmen; wir hatten die Lohe hinter uns, wenn auch die Atmosphäre um mich und vor mir einem Meere glich, dessen Wogen aus durchsichtigem Feuer bestehen.
„Vorwärts, Arrow, vorwärts, halte aus, schnell, schneller!"
Wir schossen nicht, wir flogen nicht, nein, wir schnellten dahin, wie von einer mächtigen Sehne geworfen. Und das war nochwendig, denn hinter uns kam die züngelnde Gluth mit solcher Schnelligkeit gesprungen, daß sie dem vorwärts stürmenden Pferde immer auf den Hufen blieb. Das ölhaltige Wafser des Flufses fing Feuer; die Flammen erreichten die Lagerstellen und die Fässer sprangen, ^^ Kanonenschüsse knallend, und ergossen ihren brennenden Inhalt in die auf diese Weise immer mehr anwachsmde und immer rascher vorwärts schreitende Lohe.
Das ganze Thal, der ganze Bluff war so hell erleuchtet, daß man den kleinsten Gegenstand wnthm zu
5 Aus Nordamerika.
Von Karl May.
(15. Fortsetzung.)
Die Frauen konnten vor Angst nicht sprechen. Wir Männer stürzten hinaus in das Freie. Doch kaum hatten wir einige Schritte gethan, so ertönte ein gewaltiger Donnerschlag, und es war mir, als sei die Erde auseinander gerissen worden. Der Boden erzitterte, und als ich, auf das Tiefste erschrocken, aufblickte, sah ich in der Gegend des Bohrers einen glühenden Feuerstrom wohl sechzig Fuß in die Höhe steigen, welcher flackernd und züngelnd oben breit auseinanderfloß und, wieder zur Erde niedersinkend, mit reißender Schnelligkeit das abfallende Terrain überschwemmte. Zugleich drang ein scharfer, stechender, gasartiger Geruch in die Athmungswerkzeuge, und die Luft schien sich mit leichtflüssigem, ätherischem Feuer zu füllen.
„Das Thal brennt!" schrie Willmers. „Betty, Herrgott, Betty ist verloren!"
Er wollte fort in das Flammenmeer
„Halt!" gebot ich ihm, seinen Arm ersasseiid. „In welchem Hause ist sie?"
„Im ersten ---int dritten--ich weiß es
selber nicht. Laßt mich!"
Ich hielt ihn fest. Die Schnelligkeit des schnellsten Läufers reichte nicht aus, ihn unverletzt durch die Gluth zu bringen.
37. General-Dersammlung der Katholiken Deutschlands.
VI.
Koblenz, 28. Aug.
Heute Morgen von 7 Uhr ab fanden in den Pfarr- und Annexkirchen Stillmessen nach der Intention des Bonifatius-Vereins statt. Früh um 8 Uhr begann in der Festhalle die vierte und letzte geschloffene Generalversammlung. Derselben wohnte auch der Erzbischof Dr. Krem en tz von Köln bei, welcher bei seinem Erscheinen jubelnd begrüßt wurde. Da in der letzten Versammlung bekanntlich der ganze Rest der noch nicht erledigten Anträge und Resolutionen um jeden Preis aufgearbeitet werden mußte, entledigten sich denn auch die Herren Berichterstatter in entsprechendem Tempo ihrer Aufgabe.
Es werden Resolutionen angenommen, welche die Wiederherstellung der territorialen Souveränetät des h. Stuhles fordern und die Hoffnung aussprechen, daß die Weltstellung des Papstthums immer mehr anerkannt werde, was zur Aufrechthaltung des Friedens und zur Vermittelung widerstreitender Interessen der Völker und Gesellschaftsklassen diene.
Den Katholiken Englands wird die Theilnahme wegen Ablebens des Kardinals Newman ausgesprochen. Votirt wird ferner der Dank an Se. Maj. den Kaiser für fein Handeln zur Herbeiführung des sozialen Friedens in folgender per Akklamation angenommenen Resolution:
„Die 27. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands spricht Sr. Mas. dem deutschen Kaiser und König von Preußen ihren tiesgefühlten Dank aus für Hochderselben that- krästiges Handeln zur Herbeisührung des sozialen Friedens, wie solches sich bethätigt hat in Berufung der Internationalen Arbeiterschutz-Konferenz, in der Vorlegung von Gesetzentwürfen in dieser Richtung und endlich in der Verwirklichung der hohen Kaiserlichen Worte bezüglich gegenseitiger Fühlung zwischen Arbeitgebern und Arbeitern durch Bildung von Arbeiter- Ausschüssen in den Staatsbergwerken."
Lebhaft wurde der Sektionsbefchluß begrüßt, einem Anträge aus Erhebung eines Protestes gegen die berüchtigte Berliner Rede des Herrn Dittes nicht stattzugeben; man schien das nicht für der Mühe werth zu halten.
Als Ort der nächsten General-Versammlung wurde in der Sektion in erster Linie Danzig, in zweiter eine bayerische Stadt in Aussicht genommen.
Abg. Porsch begründete den Prinzipal-Antrag mit der entschiedenen Vernachlässigung, unter welcher bisher der Osten des Vaterlandes zu leiden hatte. Danzig ist eine wunderschöne alte Stadt, und den westpreußischen Katholiken würde es gut thuu. Der Sektions- Antrag ging glatt durch.
Triumph bevor. (Bravo!) Der soziale Kaiser und der katholische Papst werden sich zusammenfinden und sie werden zusammenbleiben (Stürmischer Beifall.) Dann werden aber die jetzigen Gegner mit Erstaunen erst sehen, welche Vorgeschichte unsere General-Versammlungen haben und wie unbegründet ihre Vorwürfe waren. Mit den Waffen des Gebetes trugen diefe Versammlungen zur Weckung des religiösen Bewußtseins bei So wirken sie segensreich für die Kirche und das Vaterland, (stürmischer, anhaltender Beisall.) ,
Der Ehrenpräsident Domdechant Heinrich von Mainz, lebhaft begrüßt, richtet nunmehr eine Ansprache an die Versammlung:
Man hat mich gestern zum Ehrenpräsidenten gemacht, und Herr v. Hertling nannte mich einen Priestergreis, was mir gar nicht gesallen hat (Heiterkeit), so daß ich mich wohl in einer melancholischen Stimmung befinden könnte. (Heiterkeit.) Das ist aber nicht der Fall. Ich war schon 1847, 1848 und 1849 dabei so bin ich denn eine Art Alterthum, ein Ueberrest, den man' so auch bei festlichen Gelegenheiten zeigt. (Stürmische Heiterkeit.) Gestatten Sie mir nun, einige Nutzanwendungen aus dem in diesen Tagen Gehörten zu ziehen. Ich rufe Ihnen die Worte zu: eifrig, einig, freudig! Man muß eifrig lern; es wird nur das gethan, was gethan wird. (Große Heiterkeit.) Mit Worten ist gar nichts gethan,, mit Klatschen ist gar,nichts gethan! (Stürmische Heiterkeit und Händeklatschen.) Ist das nicht zum Verzweifeln! (Erneute Heiterkeit.) Aber wir müssen auch einig fein, jpier in Koblenz tnoien bie Anfänge viefet General-Versammlungen. 1848 hatten wir unsere Freude, daß schönbärtige Maler, ein Baron, ja sogar, was wunderbarer ist als alle Barone, ein Professor (Heiterkeit) auf die erste Versammlung gekommen war (Große Heiterkeit); jetzt sind wir groß geworden, groß werden wir bleiben, so lange wir einig sind. Endlich freudig! Freude ist Leben. Ich habe ost Anwandlungen von Melancholie (Heiterkeit); aber wir müssen freudig bleiben, und warum sollten.wir. nicht, wenn Gott mit uns ist? Em großer Mann hat gesagt: Wir Deutschen fürchten nichts als Gott allein, es ist nur die Frage, wie es mit diefer Gottesfurcht steht. (Große Heiterkeit.) Da wird man denn sagen mifssen: DiHtinguendum est! Man muß ZU unterscheiden wissen! (stürmische Heiterkeit.) Man kann Gott fürchten in einer Weise, wie es in der Schrift heißt: Die Furcht Gottes ist der Anfang der Weisheit. Man kann aber auch etwas sürchten wie ein Uebel, wie einen Feind; so fürchte ich Gott nicht. (Heiterkeit und Beifall.) Er ist die Quelle meines Muths. Am meisten fürchte ich mich, wenn ich leidenschaftlich bin und Dummheiten mache. (Große Heiterkeit.) Bei den vielen Reben ift mir recht fürchterlich zu Muthe geworden (Heiterkeit), auch bei meinen eignen. (Erneute Heiterkeit.) Vor dem schleichenden Kulturkampf könnte man sich fürchten, aber auch vor diesem und vor allen andern wollen wir uns nicht fürchten, mit Gott harren wir aus in aller Roth und Gefahr! I)ixi et salvavi animam meam! (Heiterkeit und stürmischer Beifall.) , r „ ..,
ExzellenzDr. Windthorst, mit stürmischem lang andauerndem Beifall empfangen, beginnt mit dem christlichen Gruß: In Gottes Namen streiten wir, und wirst einen Rückblick auf den Verlauf der Versammlung. Er dankt den Behörden und der Bürgerschaft ohne Ausnahme., Wir haben volle Ein- müthigkeit gefunden, kein konfefsioneller Mißklang hat sich vernehmlich gemacht. Wir müssen in Deutschland Frieden halten und werden niemals die Waffen brauchen, wenn nicht gezwungen. Redner erinnert an die erkennen vermochte. Arrow folgte dem leisesten Schenkeldrucke und machte seinem Namen, Pfeil, alle Ehre. Da fah ich von Weitem Etwas wie eine menschliche Gestalt am Boden liegen. Ich kam näher. Heigh day, das war Betty! Sie hatte sich auf dem Rückwege befunden und war vor Schreck und Angst in Ohnmacht gefallen. Anhalten durfte ich nicht, wenn mich das Feuer nicht erreichen sollte. Das Pferd ging ventre-ä-terre und strich mit dem Leibe beinahe auf dem Boden hin. Ich legte die Beine fester an und bog mich nach vorn herunter. Wir stürmten heran — ein rafcher, fester Griff — die Last riß mich bei der Schnelligkeit des Rittes beinahe hinten vom Pferde herab, aber ich ließ nicht fahren und riß den besinnungslosen Körper empor und legte ihn vor mir quer auf das Thier, welches seine Eile trotz des doppelten Gewichtes, welches es jetzt zu tragen hatte, nicht verminderte. ,
Ich warf einen Blick zurück. Hinter uns glühte und leuchtete das Thal in seiner ganzen Breite. Der Boden, das Wasser des Flusses, Alles, Alles war mit Oel durchtränkt und hatte Feuer gefangen, und da, wo das Petroleum in einer starken Fontaine dem Bohr- loche entquoll und thalabwärts fluthete, schienen die hoch empor springenden Flammenzacken am Firmamente zu lecken. Und die Stimme, mit welcher diese Gluth- See über unsere rasende Eile hohnlachte, ich werde sie nie vergessen. Cs war kein Klang, kein Schall, kein
Damit schließt um 10 Uhr 10 Min. die vierte geschlossene Generalversammlung. Unmittelbar darnach wird die vierte öffentliche Generalversammlung für eröffnet erklärt. Der Hochw. Erzbifchof von Köln wohnt auch dieser Versammlung bei. Der Präsident schlägt vor, die Freude darüber, daß der Hochw. Herr Erzbischof von Köln die Versammlung mit seiner Gegenwart beehrt, durch ein dreifaches Hoch zum Ausdruck zu bringen. Die Versammlung stimmt dreimal begeistert in das Lebehoch ein. Die in den geschlossenen Versammlungen beschlossenen Resolutionen werden der öffentlichen Versammlung zur Kenntniß gebracht. Durch Erheben von den Sitzen gibt die Versammlung ihre Zustimmung zu diesen Resolutionen zu erkennen.
Es spricht nunmehr als erster Redner Pfarrer Wacker-Zähringen über die Bedeutung der katholifchen General-Verfammlungen. .
Soll es noch nothwendig jein, sie zu vertheidcgen? Leider ia. Die Vorgeschichte der letzten Versammlung beweißt es. Wir haben Feinde und Gegner, es ist bitter, aber es darf mcht unbeachtet gelassen werden. Unsere Versammlungen sind öffentlich, nicht geheim wie die Maurerei, es ist leicht, sie kennen zu lernen; dennoch werden wir verdächtigt, selbst von Männern, die in unser Lager gehören, die aber in unbegreiflicher Verblendung verharren, anstatt unseren General-Versammlungen Anwalts- dienste zu leisten. (Sehr gut!) Ohne die Lauen und Kalten wären die Kämpfe der letzten 20 Jahre nicht so schwer die Früchte derselben reicher und schöner gewesen, noch letzt sind sie die Quelle vieler Schwierigkeiten. Aber schlimmer noch waren jene Katholiken, welche sich in der Höhe der Bedrangnlß des Kulturkampfes in der Ministergunst sonnten, weiser und gemäßigter erscheinen wollten als die Bischöse und ihre Anwälte, mißtrauisch vom Kampfe' abseits flch' wandten. Schlimm auch ,rnd jene Katholiken, welchen die Luft unserer Versammlungen nicht zuträglich ist, nichts ist schlimmer als ein Streberthum unter katholischer Maske! (Lebhafte Zustimmung!) sie halten sich von unfern Arbeiten fern, denn hier fänden sie mcht den Lohn, den strebfame Seele ersehnen. (Bravo!) ^ch frage, aibt es irgenb eine Gesellschaft, welche mehr Interesse hat für Kirche, Religion unb Vaterlanb, mehr Interesse unb Verstanb- niß für die staatliche und gefellfchaftliche Ordnung, mehr Treue unb Hingebung für bie angestammten Herrscher-Familien, als diese General-Versammlungen? (Bravo!) Wo , gibt es über- reuaunastreuere, uneigennützigere Träger dieser ^nteresten. (Bravo') Die Bebeutung unserer General-Versammlungen liegt weiter in bet Anlehnung an die Träger der kirchlichen Hierarchie. Damit geben wir allen ein gutes Beispiel, nach oben und nach unten. (Bravo!) Von konfessioneller Polemik halten wir uns statutenmäßig fern, ein klassfiches Zeugniß, daß Angriffe aus Andere nicht eine katholische Eigenthümlichkeit, sind (lebhaftes Bravo l) daß wir unfere Existenz nicht dadurch fristen, daß wir Andere benagen. (Stürmischer Beifall!) Nur Nothwehr üben wir und stören den Frieden nicht. (Erneute, lebhafte Zustimmung.) Unsere General-Versammlungen sind aber auch eine Fundgrube für die kirchliche und soziale Geschichtsschreibung, eine vorzügliche Schule zur Heranziehung junger, frischer Kräfte als Ersatz für die Heimgegangenen erprobten Kämpen für unsere Sache (sehr wahr!) ein Sporn zur liebesfreudigen Theilnahme an den sozialen Aufgaben der Gegenwart als zuverlässige stütze einer gesummten Kultur sind Civilisation. Auf diesem Gebiet steht der Kirche, wenn nicht alle Anzeichen täuschen, em herrlicher
Fuldaer Zeitung q.„rs„ _ Druck II. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).