JV 199.
Samstag, den 30. August 1890.
17. Jahrgang
Fuldaer Zeitung
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Druck v. Kerlag der Fuldaer' Actiendruckcrei (A. Dillmann).
Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
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37. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands.
IV.
Pünktlich um 5 Uhr eröffnete der Präsident Freiherr v. Buol-Berenberg die zweite öffentliche General - Versammlung, deren Besuch denjenigen der bisherigen Versammlungen womöglich noch übertraf. Zum ehrenden Andenken an den kurz vor dem diesmaligen Katholikentage verstorbenen Abgeordneten Dr. Winand Virnich erheben sich die Anwesenden von den Plätzen.
Erster Redner des Abends, und zwar über das Thema vom katholischen Priesterthum war Regens Dr. Müller aus Wien. Der Redner übermittelte zunächst der Versammlung den herzlichen Gruß des Wiener Erzbischofs Dr. Gruscha, um sodann auf die Entwickelung des ihm unterstellten Thema's überzugehen. Das katholische Priesterthum hat die Aufgabe, den Menschen mit Gott zu verbinden> Der Priester erreicht diese Aufgabe auf dem dreifachen Wege des Glaubens, der Gnade und der Eucharistie. Wie erhebend ist die Sittenlehre, die der katholische Priester verkündet, wie heiligt sie die Ehe als Sakrament, wie stärkt sie die Autorität! Mit seinem göttlichen Worte ist der Priester der Vorkämpfer für die soziale Reform. (Beifall.) Noch mehr als durch sein Wort befriedigt er die Menschen durch die Gnade, vereint er mit seinem Golt. Die Großen der Erde, sie vermögen der Seelen- noth nicht abzuhelfen; der einfache Priester kann es, er absolvirt, er besitzt den Schlüssel zur Himmelspforte. Welcher Triumph der Gnade in den Missionen! Wohl hat jeder Stand sein Ideal, aber das höchste Ideal hat der Stand der Priester, unsterbliche Seelen zu retten. Katholische Priester, erinnern wir uns in der Hochschätzung des schönsten aller Stände! Deutsche Katholiken! Haltet treu zu Euern Priestern, sie halten fest an Euch in schwerer Zeit; pflegt deu christlichen Geist, unterstützt seine Priesteramts-Kandidaten, denen die Mittel zum Studium abgehen! Katholische Mütter! Begeistert Euere Söhne für den Stand eines Priesters der heiligen katholischen Kirche! (Allseitiger Beifall.)
Als nächster Redner sprach, freudig begrüßt, der Reichstags-Abgeordnete Prof. Dr. Schädler aus Landau über die katholische Presse:
Görres, der größte,Sohn von Koblenz, der gefürchtete Gegner Napoleons, die 5. Großmacht Europas, führt uns auf die Bedeutung der Presse, unserer Presse. Die Kanone des Gedankens hat man einmal die Presse genannt (Heiterkeit!). Um so verderblicher ist aber ihre Wirkung, wenn die Geschosse derselben gegen die Religion, gegen die Kirche gerichtet werden. Durch die schlechte Presse, es gehört dazu vorwiegend die liberale, werden über dem Strich die Geister, unter dem Strich die Herzen
<5 Aus Nordamerika.
Von Karl May.
(14. Fortsetzung.) ,
„Ich will Euch sagen, Mann, daß wir mit Euch schnell verfahren könnten. Ihr wißt ja wohl, daß Master Lynch ein strenger Gesell ist. Aber Ihr seid Gast in diesem Hause, und ich will ehrlich gestehen, daß wir bei Smoky-Hill wohl Eure Stimme erkannt und dann Eure Gestalt gesehen, Euch aber nicht so deutlich weggebracht haben, daß wir Euch mit gutem Gewissen eine Kugel geben könnten. Wir sind freie Bürger der Vereinigten Staaten und richten nur nach vollständigem Beweise! Das Geld, welches Ihr diesen Gentlemen hier abgenommen habt, werden sie wohl nicht zurückverlangen; dazu steht ihnen der Canada- Bill zu niedrig; und darum will ich Euch meinen Bescheid sagen: Ihr verlaßt sofort den Bluff, und zwar binnen zehn Minuten; in der elften aber beginnt meine Büchse zu sprechen, darauf könnt Ihr Euch ver- lassen!"
„Seid Ihr vielleicht Herr und Besitzer des oil- work hier?" frug jetzt David Holmann. „Ihr könnt Master Jones nichts beweisen, und unser Spiel ist ein ehrliches gewesen!"
»Ein Oelprinz bin ich allerdings nicht, Gem'man, aber doch Etwas, vor dem man Respekt zu haben
verdorben. Was bietet sie nicht auf, um bie Kirche zu verhöhnen und mit Schmutz zu bewerfen! Ter schlechten Presse müssen wir die gute Presse entgegenstellen! Wo es nothwendig ist, gründen wir katholische Zeitungen, und ich wünschte, daß das katholische Kapital etwas mehr tropfbar flüssig würde und daß die Verleger nicht nur 8 pCt. Gewinn haben wollten. Unterstützen wir besonders die kleinen Blätter. An Geschick fehlt es uns nicht. Wir können einem Gramm Menschenverstand der Gegner ein ganzes Pfund entgegenstellen. Sprach doch ein Weltblatt, die Münchener ,Allg. Ztg.', von einer festlichen Einräucherung und Anbetung und Ausstellung der Reliquien unter dem Tabernakel (stürmische Heiterkeit!). Unsere Presse hat ihre Schuldigkeit gethan. Ihr verdanken wir zum großen Theil die Erfolge im Kulturkampf. Wenn eine gefallene Größe von der feigen deutschen Presse gesprochen, so mag das von der deutschen Presse jener gefallenen Größe gellen (stürmischer Beifall!) aber nicht von unserer katholischen Presse (erneuter Beisall!). Denn diese stand unter dem Pulverdampf, als die Granaten niederrasselten in Gestalt lithographirter Anträge unerschüttert da, unsere Redakteure gingen in die Sommer- und Winterfrische nach Plützensee; aber sie haben sich nicht gebeugt (stürmischer Beifall !). Darum gebührt ihnen unser Dank (Bravo!), aber auch unsere Achtung. Sie, der Hort der kirchlichen und politischen Freiheit, finden die Hauptnörgler grade im eignen Lager. Unsere Ritter von der Feder — auch sie sind ja nicht reine Engel — können ihren Ritt in das feindliche Lager nicht im Paradeanzuge machen. Achten und lieben wir sogar unsere — Freunde! (Große Heiterkeit.) Unsere katholischen Redakteure, die vielgeplagtesten Menschen, verdienen moralische, aber auch materielle Unterstützung. Auch die Gegner leben nicht von der Luft. Also abonniren, korrespondiren und inseriren! Leider ist gar manches Haus noch immer durchseucht von einem schlechten Blatt. Die Macht der Gewohnheit und die Neigung für das, was unter dem Strich steht, die Damen werden mir Recht geben (Heiterkeit), hält solche Blätter im Hause. Da gibt es nur ein Rezept: hinaus mit der schlechten, herein mit der guten Presse. (Beifall.) Partei und Presse müssen in. der engsten Fühlung stehen. (Zustimmung.) Aber die Presse muß als Mundstück des Volkes auch ihre eigene Meinung vertreten. Der Klerus möge seine Pflicht gegen die Presse, den „Kaplan Gottes" erfüllen. Die Presse könnte der beste Kaplan des Pastors sein. Der Pastor predigt nur einmal in der Woche, die Presse sechsmal. (Heiterkeit.) Jeder Pastor ist auch der geborene Korrespondent seines Orts. (Zustimmung.) Es ist unsere Pflicht, die sog. farblosen Blätter hinauszuschaffen, denn sie nehmen unseren Blättern Luft und Licht, sie wissen nichts von unfern Leiden zu erzählen, aber sie nutzen jedes Lächeln vom grünen Tische aus Entweder warm oder kalt, es bleibt keine andere Wahl, der Teufel ist neutral. (Große Heiterkeit und Beifall.) Aber der Teufel ist nicht neutral, das haben wir 1887 gesehen. (Zustimmung.) Die Preffe ist unsere Kriegsmusik, hinter der wir hermarschiren müssen vom letzten Mann bis zum General-Feldmarschall, einig, fest und treu, Presse und Volk für Wahrheit, Freiheit und Recht! (Stürmischer, langandauernder Beifall.)
lieber unsere Stellung zur Sozialdemokratie sprach sodann Pfarrer Schmitz aus Trier:
Am 1. Okt. d. I. wird das Sozialistengesetz begraben; es war dieses Gesetz nur eine Form des alten Jrrthums, mit äußeren polizeilichen Mitteln Ideen zu bekämpfen. Man hat eingesehen, daß die Krankheit nur schlimmer geworden. Ohne Zweifel wird von jenem Tage eine ungeheure Agitation der Sozialdemokratie Platz greifen. So weit die Sozialdemokratie die soziale Reform will, stimmen wir ihr zu und theilen ihre Bestrebungen in dem Sinne, wie sie der hl. Vater so schön bezeichnet hat. Wir unterschätzen den Feind nicht, aber wir haben auch keine Furcht, denn wir hoffen und glauben, daß der Kampf noch siegreich beendet, pflegt. Und wenn ich diesem Manne meinen Bescheid sage, so weiß ich ganz genau, was ich thue!"
„So laßt dieses Etwas einmal sehen, Sir!" „Hier ist es!"
Er zog ein Papier aus der Tasche, reichte es ihm und gab mir einen Wink, den ich sofort verstand. Ich ging hinaus und holte die Handschellen unter der Pferdedecke hervor. Als ich eintrat, sah ich Holmann bleich in das Papier starren.
„Nun, Master Holmann oder Waller oder Pan- croft ober Agstou, wie gefällt Euch dieses Dekret? In Iowa und Illinois, besonders aber in Des Moines hat man großes Verlangen nach einem Menschen, der in Ioung-Kanawha eine ganze Reihe von Oel-Creeks besitzen will. Es ist wirklich Schade, daß Euch der kleine linke Finger fehlt; seine Abwesenheit hat Euch verrathen. Ich werde unfern Freund Willmers von zwei Gästen befreien, die nicht an eine so anständige Stelle gehören!"
„Stopp, Sir, so weit sind wir noch nicht!"
Er warf einen forschenden Blick nach Thür und Fenster.
„Ich denke, wir sind so weit. Und wenn Ihr es nicht glauben wollt, so seht Euch einmal diese Juwelen an, die ich Euch jetzt anlegen werde!"
Er nahm mir die Handschellen ao, und ich griff zum Revolver. Auch Holmann suyr nach seiner Tasche.
. die Katastrophe noch vermieden werden kann, weil wir erprobo Führer im Kampfe haben, den Papst, den Klerus und das Centrum. (Lebhafter Beifall.) Auf dem ethischen Gebiete muß der falschen Lehre die wahre, dem Egoismus die christliche Liebe entgegengestellt werden. Herr Schäffle will eine Verschärfung des gemeinen Rechts, den Idealisten, die bloß mit dem Zeichen des Kreuzes gegen die Sozialdemokratie ankämpfen wollten, traut er nichts zu. Ja, wo steht denn geschrieben, daß bloß im Zeichen des Kreuzes der Kampf geführt werden soll? Haben wir nicht das wirthschaftliche Programm des Centrums? Aber zur Bekämpfung der sozialdemokratischen Lehre reicht das nicht aus, da müssen die Männer des Kreuzes hinzukommen: Von den sozialdemokratischen Agitatoren und Schriftstellern glaubt Jeder ein halber Lassale zu sein — lassen wir das bei Seite, trotzdem ist die Sozialdemokratie da, sie hat ihre zahlreichen Anhänger. Wie Schäffle richtig gesagt, sie wurzelt in den philosophischen Jrrthümern des Jahrhunderts. Wenn wir Priester heute diese Jrrthümer öfter und wärmer als sonst behandeln sollen, dann muß unsere Presse die rechtlichen und sozialpolitischen Jrrthümer eifriger vornehmen, unsere Wiffenschaft und Literatur noch viel eindringlicher das Gebiet der sozialen Wissenschaft beackern. (Beifall.) Woher soll es denn sonst kommen? Am 1. Oktober wird eine Fluth von sozialdemokratischen Blättern und Flugschriften erscheinen; etwas Aehnliches müsfen wir auch haben. Die sozialdemokratischen Artikel der Laacher .Stimmen' sollten gesammelt und als besonderer Band in das Volk gebracht werden, ein Arsenal brauchbarer Waffen in diesem Kampfe. (Sehr gut! Beifall.) Ebenso müßten Ausgrabungen aus unseren sozialen Zeitschriften veranstaltet, die Reden unseres Bischofs Ketteler als Broschüren verbreitet werden. Die Zeitungen dürfen nicht langweilig, sondern sollen frisch und lebendig diese Themata behandeln, die betreffenden Artikel dürfen kein Professorengesicht machen. (Große Heiterkeit.) Der sozialdemokratischen Organisation hat unsere Presse vielfach den baldigen Verfall prophezeit; das ist nicht richtig, die Sozialdemokratie Hal schon jetzt eine gute Organisation und diese wird noch besser werden, wenn am 1. Oktober.die.Schranken fallen. Darum. Organisation gegen Organisation! Auch der Jugend muß noch mehr Beachtung und Aufmerksamkeit gewidmet, den Lehrlingsvereinen alle Förderung zu Theil werden. Das ist das Furchtbare an der Sozialdemokratie, daß sie dem Arbeiter das Berftändniß für das Wort Gottes genommen hat. Darum müssen wir, um hier zu helfen, stets und stets wieder unsere Orden reklamiren (Stürmische Zustimmung), Redemptoristen und Jesuiten, alle müssen zurück! (Erneute Zustimmung!) Nicht mit Allem sind wir einverstanden, was Prof. Adolf Wagner geschrieben har. aber einen schönen Ausspruch hat er aus dem letzten evangelisch sozialen Kongreß in Berlin gethan: Wir haben den Glauben nothwendig, daß eine Besserung möglich ist; wir haben die Hoffnung nöthig, daß sie kommen wird; wir haben die Liebe nothwendig, die es allein möglich macht, daß sie kommt, und die Liebe ist mehr werth, als alle Sozialpolitik. Das ist ein schönes Wort: Die Nächstenliebe überwindet allein die Sozialdemokratie, die christliche Charitas tritt auf den Plan, sie bezwingt den Stärksten. Der Klaffenhaß und die allgemeine Verbitterung werden nur durch sie aus der Welt geschafft werden. In diesem Bemühen soll man uns nicht bekritteln und benörgeln. man soll mit uns wetteifern und wer das Beste leistet, wird die Bürgerkrone erhalten! (Stürmischer, andauernder Beifall.)
Als letzter Redner erhält das Wort Oberpfarrer Dr. Schmitz-Krefeld über die christliche Schule und den 8. deutschen Lehrertag:
Gute Zeiten, gute Schulen, schlechte Zeiten, schlechte Schulen. Unter diesem Gesichtspunkte möchte ich den 8. Lehrertag in Berlin und die Rede des Schulraths Dittes betrachten. Zahlreiche
„Weg mit der Hand, oder ich schieße!" drohte ich ihm.
„Seht Jhr's, daß wir soweit sind?" lachte Lincoln. „Gebt die Hände ruhig her, denn ich sage Euch: Ihr habt meine Vollmacht gelesen, die Euch mir vollständig in die Hände gibt. Ich zähle bis drei. Habt Ihr dann die Eisen noch nicht an den Händen, so schmeckt Ihr die Kugel. Tim, drückt los bei drei!"
Er trat zu ihm hin und öffnete die Schellen.
„Eins--zwei ----!"
Holmann sah, daß es Ernst war; er hielt die Hände hin und ließ sich fesseln. Dann wandte sich Lincoln zu William Jones.
„Fünf Minuten sind vorüber; Ihr habt nur noch die anderen fünf. Ich spasse nicht. Macht Euch von bannen!"
Fred Hammer hatte noch immer fein Messer in der Hand. Er legte Jones die Faust drohend auf die Schulter.
„Vorwärts, Mann! Ich werde dafür sorgen, daß Ihr ohne Mühe und Störung weiter kommt!"
Er schob ihn zur Thür hinaus, und wenige Augenblicke später sahen wir den Canada-Bill über die Brücke reiten und nach der Höhe biegen. Da frat ein Arbeiter ein.
„Master Willmers, soll der Bohrer todter arbeiten?
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