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bar kein« andere Grundlage, als die Einbildungskraft des „Gewährsmannes. Warten wir ruhig ob, wie sich diese Angelegenheit weiter entwickelt! Me Anzeichen berechtigen zu der Hoffnung, daß an Stelle des glücklicher Weise gescheiterten Entwurfs von 1890 ein befseres Gesetz von 1891 treten wird. Aber es kann immerhin der „finstern Mächte Hand- noch dm vereinten Anstrengungen des Episkopats und des Cen­trums gesährlich werden. Ein liberales Blatt versteigt sich zu der Vermuthung, daß die preußischen Bischöfe in Fulda über den Schulgesetz-Entwurf des Herrn v. Goßler bereits den Stab gebrochen hätten. Es würde uns sehr freuen, wenn Herr v. Goßler seinen Entwurf unfern Oberhirten zur Begutachtung mitgetheut hätte: aber wir wagen nicht daran zu glauben. Des­halb können wir auch nicht annehmen, daß die Bischöfe schon über diesen Entwurf zu Gericht gesessen hätten. Es ist jedoch wohl möglich, daß die Schulfrage in irgend einer andern Weise in Fulda besprochen worden ist. Jedenfalls wird die Centrum sfr aktion bet den Schuldebatten in der nächsten Landtagsusfivn die Interessen der Kirche im Einklang mit den Oberhtrten zu vertreten wissen."

* Bon dem Taris für Telegramme rst eine neue Ausgabe, abgeschlossen den 15. August, erschienen. Dieselbe ist für 10 Psg. durch sämmtliche Postanstatten zu beziehen. c ,

* Wenig tröstlich ist die Nachricht, daß die Hoh- lenpreise in der Steigerung begriffen sind und im kommenden Winter wahrscheinlich noch höher sein wer­den als im vorigen Jahre. Da heißt es also, sich bei Zeiten vorsehen mit genügendem Feuerungsmaterial.

* Der Direktor und das Lehrer-Kollegium des Real-Gymnasiums zu Kassel widmen dem am 22. d. M. in Fulda verstorbenen Real - Gymnasiallehrer Herrn Tr. Rik. Mänz in den Kasseler Blättern einen ehrenvollen Nachruf. Außerdem wird dem,Kass. Tagebl/ und Anz.' über diesen betrübenden Todesfall geschrieben:

c^n der Blüthe des Mannesalters, im 30. Lebensjahre, verschied am Freitag Abend im elterlichen Hause zu Fulda der Real-Gymnasiallehrer Dr. Nikolaus Mänz in Folge typhösen Fiebers. Der leider so früh Verstorbene war ebenso angesehen und beliebt bei seinen Kollegen und seinen Schülern, wie bei seinen Freunden und Bekannten. Nikolaus Mänz wurde am 9. September 1860 ' als Sohn des verstorbenen Musikers Johann Mänz zu Fulda geboren, besuchte zunächst das Real- Gymnasiums seiner Vaterstadt, dann das hiesige Real-Gymna- lium und widmete sich dem Skudium der Mathematik und der Mturwissenschaften Nachdem er von Ostern 1886 bis Ostern 1887 am Real-Gymnasium zu Marburg sein Probe-Jahr abge­leistet hatte, fungirte er eine Zeit lang als Hauslehrer des Grasen Schaumburg, Sohn des Prinzen Philipp von Hanau, in Ober­urff Von dann an war Mänz als Hilfslehrer am Real-Gqm- nasium in Kassel chätig. Tas am Sonntag ia Fulda unter zahlreicher Betheiligung aus allen Kreisen der Stadt stattgefun­dene Begräbniß, an welchem Herr Direktor Dr. Wittich als Ver­treter des hiesigen Gymnasiums theilnaym, legte beredtes Zeug- niß ab für die Werthschätzung, welche der Verstorbene allenthalben genoß. Bei hervorragenden wissenschaftlichen Kenntnissen zeich­nete ihn in seinem Berufe vornehmlich Pflichttreue, Geivissen- haftigkeit und besondere Herzensgute aus. Sein Andenken wird bei Allen in Ehren bleiben/'

* Bei Flaschenbicrhändlern findet man bis­weilen die Ansicht vor, daß sie berechtigt seien, den sofortigen Genuß von Flaschenbier an Ort und Stelle zu gestatten, falls sie die Verabfolgung von Trinkgläsern verweigern. Diese Annahme ist jedoch, wie neue dies- benigliche Bestrafungen konstatiren, eine durchaus irrige. Jegliche Gestattung zum Genuß von Flaschen­bier an Ort und Stelle, sei es mit oder ohne Ver­abreichung von Trinkgläsern, sei es im Verkaufslokale selbst, in der Küche, im Hofraum oder Hausflur rc.' ift gänzlich verboten. Zuwiderhandlungen werden als unbefugte Ausübung des Schankwirthfchaftsgewerbes angesehen und als solche bestraft.

* Dem Vernehmen nach hat der Herr Minister des .Innern die Frage zur Erwägung gestellt, ob die Zu- theilung von Regierungs-Assessoren an einzelne be-

* Eine Fürstenlaune

nennt der ,Gil Blas' folgende anekdotische Erzählung: Ob die nachfolgende kleine Episode wahr ist? Ich kann es nicht beschwören; vielleicht gehört sie nur in das Reich der Fabel, obgleich mein Freund Lamballe sie mir stets mit vollster Ueberzeugung und dem Schein größter Wahrhaftigkeit .vorzutragen pflegte. Es war — in dem Jahre, als wir auf unserem siegreichen Zug durch Europa in Tilsit Rast hielten. Der halbe Erdkreis zitterte vor der Macht Napoleon's. Alles beugte sich vor ihm und überall, wo er erschien, war er unumschränkter Gebieter. Während des kurzen Waffenstillstandes, den er mit Preußen abgeschloßen, kam ihm der Gedanke, seine Gegner zu einem Frühstücks­mahl nach Tilsit einzuladen Nur zwei hatten den Muth, die Einladung anzunehmen: der König von Preußen und der Kaiser von Rußland. Sie erschienen, von einer starken Eskorte bekleidet und mit großem Gepränge, während unser Kaiser ihnen ganz einfach in seinem grau en Rock und Dreimaster entgegentrat. In der fünften Etage des Schlosses war das Mahl aufgetragen, wohl aus dem Grunde, weil man von den Fenstern des Saales aus weithin die lagernden Truppen überblicken konnte: für die fürstlichen Gäste allerdings kein sehr erfreulicher Anblick. Das Gespräch cn der Tafel war, wie sich denken läßt, nicht eben sehr lebhaft und ungezwungen; c-5 drehte sich schließlich nm

deutende Landrathsämter als eine organische Ein­richtung derart in Aussicht zu nehmen fei, daß die Assessoren unmittelbar nach Absolvirung des Staats­examens denselben überwiesen würden und einige Jahre in dieser Beschäftigung zu verbleiben hätten.

* Betreffs der Entscheidung der Frage der thun- lichsten Beseitigung des Nachmittagsunterrichts an höhere« Schulen hat der Minister der geistlichen- rc. Angelegenheiten in einer Verfügung ausgeführt, daß hierfür nicht lediglich allgemeine pädagogische und didaktische Gesichtspunkte in Betracht kommen, sondern ebensosehr die konkreten Verhältnisse des betreffenden Ortes. Liegen die Verhältnisse so, daß die Schulwege sehr weite sind, daß die Thätigkeit der Familienhäupter u. s. w. die Verlegung der Hauptmahlzeit auf eine spätere Stunde gestatten, so sei, obwohl ein fünfstün­diger Vormittagsunterricht für die kleineren Schüler nicht empfehlenswerth sei, im Allgemeinen nichts da­gegen zu erinnern, wenn das Provinzialschulkollegium auf Antrag des Lehrerkollegiums und nach Anhörung der Gemeindevertretung seine Genehmigung zur Ver­legung des wissenschaftlichen Unterrichts auf den Vor­mittag ertheilt. Es sei aber nicht angängig, die höheren Schulen für die männliche und für die weibliche Jugend nach dieser Richtung verschieden zu behandeln.

* Nach amtlicher Zusammenstellung ist das Evute- ergebnitz zu 100 die gute Mittelernte angenommen, für die Provinz Hessen-Nassau folgendes: Winterweizen 102, Wmterroggen 98, Gerste 98, Hafer 95, Kar­toffeln 93, Raps und Rüben 83. Die durchschnittlich besten Ernten hat Ostpreußen, Rheinland und Schles­wig-Holstein.

* Fritzlar, 27. Aug. Morgen rückt unsere Ab- j theilung aus ins Manöver. Die Quartiermacher mar- fchiren schon heute ab. — Die 5. und 6. Batterie treffen am Samstag wieder hier ein und bleiben bis Montag. Alsdann erfolgt der Abmarsch nach dem eigentlichen Manöverfelde. Das Manöver dauert ca. 3 Wochen.

* Der in Kassel tagende Forstkongreß wählte i als Versammlungsort für 1891 Karlsruhe für 1892 vorläufig Stettin.

* Frankfurt, 27. Aug. Heute nahm die Herbst- mesfe ihren Anfang. Die L e d e r m e s s e beginnt für Sohl- und Oberleder am 8. September und endigt am 12. September. — Die am Montag eröffnete Jagd auf Feldhühner ist schon am ersten Tage, dem Jntelligenzbl.' zufolge, so ergiebig gewesen, daß gestern in der Markthalle Feldhühner zu billigeren Preisen ver­kauft wurden als junge Hahnen.

* Königstein i. Taunus, 27. Aug. Erzbischof Philippus von Köln ist heute von hier nach Koblenz abgereist, um morgen der Schlußversammlung beizu­wohnen. (Köln. Vztg.)

* Würzburg, 26. August. Der verhängnißvolle ! Marsch des 9. Jiff.-Reg. von Würzburg nach Markt­breit läßt die aufgeregten Gemüther immer noch nicht zur Ruhe kommen und daran sind nicht in letzter Linie die Beschwichtigungsartikel in einem Theile gerade der hiesigen Presse Schuld. Die Thatsache, daß zwei kost­bare Menschenleben in so elendiglicher Weise zu Grunde gehen mußten, was hätte verhütet werden können, wenn frühzeitiger abiyarfchirt und auf dem Marsche selbst die bestehenden Mars chinstruktionen genau befolgt worden wären, läßt sich aber durch alle Beruhigungs­artikel nicht äus der Welt schaffen. Welcher Lärm würde entstanden sein, wenn die Gestorbenen zufälliger­weise Söhne eines höheren Offiziers oder Beamten gewesen wären! So aber sind es ja „nur“ Söhne vom Lande. Wenn man vielleicht glaubt im „Interesse der Disziplin" von einer Veröffentlichung des Resul­tates der Untersuchung absehen zu müssen, so gibt sich hier die Militärbehörde einer gewaltigen Täuschung hin.

die Armee, und Jeder lobte sein Heer nach Kräften. Einer der Fürsten, ich weiß nicht mehr, welcher, warf plötzlich die Frage auf, wer von ihnen am meisten auf die unbedingte Ergebenheit seiner Leute zählen könne. „Meine Soldaten gehorchen mir blindlings!" rief Kaiser Alexander. — „Und die Meinigen," entgegnete Napoleon, „sind jeden Augenblick bereit, für mich zu i sterben." — „So lassen Sie uns eine Probe machen!" \ schlug der König von Preußen vor. Napoleon willigte ein und einen Lakeien heranwinkend, befahl er: „Führt sofort den Gardisten Marcau hierher!" — Der Diener entfernte sich und es herrscyte tiefes Schweigen, bis | der Gerufene eintrat, dessen Tapferkeit in der Armee i sprichwörtlich war und der ebenso viele Wunden als i Auszeichnungen aufzuweisen hatte. Auf der Schwelle ' blieb er stehen, seinen Kriegsherrn militärisch grüßend.

— „Marcau," redete Napoleon ihn an, „bist Du willig, zuthun, was ich Dir befehle?" — „Ja, Sire!" — „Blindlings, was es auch fei?" fragte der Kaiser, indem er dem Soldaten scharf in's Auge sah. — „Blindlings, Sire," entgegnete dieser ohne Zögern. — „Nun wohl, so springe dort zum Fenster hinaus!" — Der Mann zuckte bei diesen Worten zusammen, kaum merklich, wie aus einer Ueberraschung, bann ertoieberte er: „Sire wissen, —- ich habe ein Weib und zwei Kinder, — ich empfehle fie der Fürsorge meines Kaisers." — „Sei ihretwegen unbesorgt, unb nun — vorwärts!" Marcau grüßte militärisch, trat

Nur durch eine offene rückhaltlose Darstellung können daS Publikum beruhigt und die Folgen abgewendet werben, welche die Ümfturzparteie» aus dem Vorkomm- niß für sich ausbeulen werben.

Vermischtes.

* Duisburg, 26. Aug. Zu ben Rätbfeln des Eisenbahnwesens gehört, wie man der „Köln Volksjtg.' schreibt, wohl Folgendes. Eine Fahrkarte 2. Klasse einfach von London (Viktoria) über Vlissingen nach Venlo kostet 27. Mark; von Venlo nach Duisburg über Kempen 2. Klasse einfach kostet Mk. 3,40. Alsü kostet ein Billet London-Duisburg über Vlissingen, Venlo, Kempen Mk. 30,40. In Wirklichkeit kostet es aber 40 Mark 35 Pfennige! So hat Schreiber dieses zu seinem großen Schaben in ben letzten Tagen selbst erfahren; hätte er in Venlo ein zweites Billet gelöst, so hätte er Mk. 9,95 gespart ober von Venlo bis Duisburg ist er gefahren für 13 Mark 45 Pfennige!

* [äksalittc yciucfluu« ] Doktor: Sie mässen sich mehr Bewegung machen. Was haben sie denn für ein Geschäft?^- — Patient: Ich bin Maurer. — Doktor: Ei, da werden sie sich doch gewiß genügend bewegen. — Patient: Das kommt ganz darauf an, Herr Doktor, ob man im Tagelohn schafft oder im Akkord.

* sBci der Rekrnrirung.s Militärarzt zu einem Rekruten: „Haben Sie irgend einen Fehler?“ Rekrut: „Ja, Herr Dok­tor, ich habe eine kurze Brust." — Militärarzt: „Thut nichts — dem Nebel ist leicht abzuhelsen; — ziehen Sie nur eine lange Weste an."

* ^Gepfeffert s „Unteroffizier", rief ein Lieutenant, „wie ich sehe, haben sie wieder bereits das vierte Glas Bier auf die Wache holen lasien! Haben Sie meinen Rath von heute Morgen so schnell vergessen?" „Durchaus nicht, Herr Lieutenant; aber der Rüffel war dermaßen gepfeffert, daß ich fürchterlichen Durst danach bekam."

Neueste M.

* Koblenz, 27. Aug. In der heutigen dritten öffentlichen Generalversammlung des deutschen Katho­likentages sprach Dr. Porsch (Breslau) über die Frei­heit der Orden und die Rückberuf ung derselben, auch der Jesuiten, Dr. Siben (Deidesheim) über Skaats- kircheuthum. Er beleuchtete namentlich die Lage des Katholizismus in Bayern. Racke (Mainz) sprach über Kirche und Kuliur, Hertling (München) feierte Görres als Mann der Freiheit und der Ideale und schließlich fordert Dr. Lieber (Camberg) unter eiu- müthigem Beifall der Versammlung die Wiederher­stellung der territorialen Souveränität des Papstes. Die Verhandlungen wurden durch ein anhaltendes Ge­witter mit Regengüssen gestört. (Frkf. Ztg.)

Briefkasten.

Nach Mannheim. Anonyme Anfragen werden nicht berücksichtigt.

Meteorologische Beobachtungen der hiesigen Wetterwarte.

§

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gestiegen. Temp. noch 5—6 » unter normal. Nieder- schiagshöhe der letzten 24 Stunden 13,2 Millimeter. Die Luftströmung, welche kurze Zeit nördlich geworden

! war, ist wieder füdwestlich mit lebhafter Windstärke. Unter dem Einflüsse eines tiefen Minimums über der Nord-

! fee wehen im nordwestlichen Deutschland starke südliche und süd­westliche Winde. Ein ^anderes Minimum, nordwärts fortschrei­tend, liegt am Rigaischen Busen. Das Wetter ist in Centraleuropg., veränderlich und fast allenthalben wärmer.

Leyte Beobachtung 10l •> Uhr Morgens.

Luftdruck — 737,3 in n. (steigt noch.) — Lufttemperatur — 14,4o <7 . — Luftfeuchtigkeit a= 90o, . — Wolkenzug aus SW. — Windrichtung — SW5. — Simmelsanstcht — bewölkt.

! ans Fenster und sprang hinaus. „Jetzt ift die Reihe an mir!" rief hierauf Alexander, sichtlich ungeduldig, seine Macht zu erproben. „Rust einen Mann meiner Leibgarde," befahl er, „einerlei welchen — den ersten besten!" Nach wenigen Minuten erschien ein Grenadier. — „Wie heißest Du?" fragte der Zar. — „Iwan Iwanowitsch, Väterchen." — „Gut, Iwan stürze Dich dort zum Fenster hinaus!" — „Ja, Väterchen!" — und ohne ein weiteres Wort, ohne ein Zeichen der Bestürzung oder Ueberaschung schwang sich der Russe aufs Fenster, that einen tiefen Athemzug und sprang hinab. Nun wandte sich der König von Preußen an einen von seiner Diener: „Im Namen des Königs fordert den Tapfersten meiner Leute auf, hier zu er­scheinen!" — Ein riesiger Ulan trat ein, ein präch­tiger Soldat, sechs Fuß hoch, von herkulischem Körper­bau, die Brust mit Orden bedeckt unb auf ber Stirn eine große Narbe zeigenb. — „Mein Freuub," rebet ber König ihn an, „auf Befehl ihrer Monarchen, um ihren Gehorsam zu zeigen, finb ein französischer Garbist unb ein russischer Grenabier zu biesem Fenster hinaus­gesprungen. Hast Du den Muth, das Gleiche zu thun?" — Statt aller Erwiderung stellte ber Soldat kaltblütig die Gegenfrage: „Geschah es für's Vaterland?“ — „Nein!" entgegnete der König zögernd. „Tann weigere ich mich!" war die einfache Antwort.