J\£ 197.
Donnerstag, den 28. August 1890.
17. Jahrgang
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Fuldaer Zeitung
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37. General-Dersammlung der Katholiken Deutschlands.
ii.
Bevor wir unfern Bericht über den Verlauf des Katholikentages fortsetzen, bringen wir in Ergänzung unserer gestrigen Mittheilungen den vollen Wortlaut der am Begrüßungsabend gehaltenes Windthorst'schen Rede zum Abdruck, wie wir denselben in der ,Kobl. Vztg.' vorfinden. Dr. Windthorst sagte:
„SReine Herren und Damen! — Wir sind nach dem schönen Koblenz sehr gern gegangen, und ich habe schon in einer früheren Zeit für Koblenz mich lebhaft interessirt. Ich konnte damals aus anderen Gründen nicht durchdringen; aber das Rechte siegt doch und nun sind wir hier, allerdings wesentlich in Folge des Umstandes, daß in München Hindernisse entstanden, die Versammlung dort abzuhalten. Ich bedauere diese Hiuderuisie, aber ich meine doch, sie werden viel zu scharf aufgefaßt und geben uns in der That keinen Anlaß, darüber viele Worte zu machen. Ich, bin für mich ganz überzeugt, daß der Grund nicht darin liegt, daß man überhaupt der katholischen Bewegung entgegentreten wollte; man hat vielmehr geglaubt, daß in diesem Jahre besondere Gründe vorliegen, in München nicht zu tagen. Ich bin dieser Meinung nicht (Sehr gut! Heiterkeit), aber' toenn sie an anderer Stelle geltend gemacht werden, so halte ich für gut, darüber keinerlei Kontroverse entstehen zu lassen. Ich meine, Bayern ist nach seiner Geschichte und nach seiner Geographie nach wie vor berufen, der Hort der katholischen Interessen in Deutschland zu sein. (Sehr richtig! und Bravo!) Wenn mehr, als ich billigen kann, unter einem früheren Minister diese Aufgabe Bayerns vergessen zu sein schien, so glaube ich, daß die Hindernisse wesentlich dazu beitragen werden, in Bayern und in ganz Deutschland das Bewußtsein, Bayern sei der Hort des katholischen Deutschlands, wieder recht lebendig zu machen. Ich habe auch für mich das feste Vertrauen, daß der erhabene Regent dieses Landes für die katholischen Interessen ein großes und lebhaftes Jutereffe hat, und die weitere Entwickelung wird uns dies lehren, wenn wir noch nicht belehrt wären. Ich sehe, daß hie und da ein Zweifel erhoben wird (Heiterkeit!); aber der Zweifel ist ganz bestimmt unbegründet. Urtheilen wir nicht zu vorschnell und geben wir vor Allem nicht die Positionen auf, die wir besitzen, indem wir selbst sie beanstanden. Wir sind in diesem Jahre nach München nicht gegangen; wir gehen wahrscheinlich auch im nächsten Jahre nicht dahin, aber wir kommen ganz bestimmt später einmal nach München. (Lebhaftes andauerndes Bravo und Händeklatschen, Zuruf: Recht bald!) Das ist ein guter, frommer Wunsch, den ich theilen muß, weil ich sonst riskirte, nicht mehr mit hinzukommen. (Große Heiterkeit.) Wir wollen uns jetzt nicht weiter den Kops darüber zerbrechen, welche Irrungen die Zustände herbeigeführt haben, über die wir uns leider be
klagen müssen. Wir haben die Herren aus Bayern hier unter uns, wir werden ihnen deutlich Alles sagen, was wir in der Sache auf dem Herzen haben; aber über die Episode sprechen wir nun ferner nicht. (Bravo!)
Es besteht keine Institution, welche so kräftig in die Verirrungen der Gegenwart eintreteu kann, wie die katholischen Ver- saminlungeu; wer das nicht einsieht, kennt die Geschichte nicht und weiß nicht, wie die Staaten regiert werden. Man scheint zu glauben, deß allein durch die äußere Gewalt die Verhältnisse der Menschen untereinander geordnet und in richtiger Weife aufrecht erhalten werden können. So wenigstens sieht es sich yn, wenn man in den verschiedensten Staaten die Entwickelung der Gesetzgebung betrachtet. Das ist ein großer Jrrthum. Dauernd kann ein Volk durch äußere Gewalt nicht regiert werden, sondern nur durch die tiefe ethische Bedeutung, welche man den Dingen gibt, durch bie, geistige Kraft, welche die Völker durchzieht; nur diese wird auf die Dauer Ordnung und Frieden in der Welt erhalten.
Wer dies bezweifeln wollte, der möge gerade jetzt sich hin- weuden nach England. Wir sehen dort zu unserm tiefen Schmerze hinsterben den bedeutendsten Manu, wie vielleicht kein größerer in diesem Jahrhundert gelebt hat, den Kardinal Newman. Er ist zu seiner Bedeutung nur gelangt durch seine überwiegende geistige Kraft, und wir haben in England das große und erhebende Schauspiel, daß sich um den Sarg dieses ausgezeichneten Mannes die hervorragendsten Persönlichkeiten aller Parteien sammeln, und daß die Journale aller Parteien ihm ihre Huldigungen darbringen, und daß alle Konfessionen anerkennen, was er für das Christenthum im Allgemeinen und im Besondern in England gethan hat.
Ich glaube, mir werden wohlthun, der englischen Nation in irgend welcher Form zu erklären, wie aufrichtig wir an der Trauer theilnehmen, die das Ausscheiden dieses ausgezeichneten Mannes in England gefunden hat und nothwcndig auch bei uns finden muß. (Lebhafte Zustimmung.) Es ist dies ein Tribut, welchen wir dem Namen schulden, außerdem ein Zeichen, daß die Nationen in ihren wesentlichen Interessen sich immer zu finden verstehen, und daß unter allen Umständen eine geistige Größe überall ihre Bedeutung anerkannt finden wird.
Diese Feier am Sarge des großen Newman gibt uns außerdem einige Winke für die hiesige Versammlung. Newman war Protestant und ist zum Katholizismus übergetreten nach langen Studien, nach schwerem Kampfe. In der Begründung seines Uebertritts hat er in seinen Schriften nie seine früheren Glaubensgenossen, seine Mitbürger verletzt. Nehmen wir uns an ihm ein Beispiel; achten wir bei aller Entschiedenheit der Vertretung unseres Standpunktes die Ueberzcugung Anderer (Bravo!); sie sind unsere Brüder, sie leben in demselben Vaterlande, müssen für dasselbe Schulter an Schulter mit uns einstehen. Aber gleichzeitig sage ich den Gegnern: Wenn wir nach Newman's Vorbild handeln, verlange ich dasselbe von ihnen, was die englischen Katholiken besitzen.' Und wenn wir erleben müssen, daß in unbegreiflicher Hetzjagd eine Reihe von Männern, die sich anscheinend dazu vereinigt haben, uns in aller Weise angreifen, unsere Lehre verspotten, unsere Gebräuche verachten wollen, dann lassen wir uns das nicht gefallen! (Lebhafter Beifall.) Doch wollen wir nicht Gleiches mit Gleichem vergelten, aber ihnen doch zeigen, daß unsere Lehre nach Geschichte und Vernunft die richtige ist. Glaubt man uns aus diesem oder jenem Geschichtswerk einen Vorwurf machen zu können, nun wir haben auch die Geschichte gelesen und könnten, wenn man sich so gegen uns wendet, uns auch veranlaßt sehen, an diese Geschichte zu erinnern, was den Anderen wehe thun könnte. Wenn ich diese Herren höre, schreibe ich dem Haupt-Wortführer: Bitte, lefen Sie doch mal Janfsen's Geschichte! Ich habe bisher selten eine Antwort bekommen, weil mau eben darin allerlei gelernt hat, was bisher vergessen war. Wir werden gerade in diesen Tagen erörtern, wie wir uns gegen
diese Angriffe zu stellen haben, in keiner Weise aggressiv, immer irenisch und belehrend, aber ohne Furcht. Wir haben uns vor Niemand zu fürchten. (Stürmische andauernde Zustimmung.) Wir sind eben gleichberechtigt, wir sind keine Diener Anderer, wir thun unsere Pflicht überall, aber wir wollen nicht bitten und betteln, sondern wir wollen unser Recht! (Wiederholte stürmische Zustimmung!) Wird es uns nicht gewährt, dann müssen wir's erkämpfen. Wir haben ja in dem großen Kulturkämpfe bereits einen guten Anfang gemacht. Wer hätte vor einigen Jahren geglaubt, daß die Katholiken wieder soweit kommen könnten, wie sie gekommen sind! Es ist das noch nicht sehr viel, aber wenn die Truppen erst avanciren, dann geht es in rascherem Tempo vorwärts. Wenn mich die Leute fragen, warum wir denn alle Jahre zusammen kommen, so frage ich dagegen: Wozu sind denn in jedem Jahre die großen Manöver'? (Allseitiger andauernder Beifall und Händeklatschen.) Diese Versammlung ist ein großes Korpsmanöver ohne rauchloses Pulver. (Heiterkeit.) Wir haben bei den Versammlungen Gelegenheit, uns kennen zu lernen, unsere Ansichten auszutauschen, uns zu präpariren, damit wir für alle Fälle, bei Wahlen u. s. w., gerüstet sind: und da wir noch nicht vollkommen gesiegt haben, so ist das dringend und absolut nothweudig! Darum rufe ich Ihnen zu: nur Kourage, dann ist der Sieg sicher, nur nicht ängstlich, und dann haben wir das Feld frei, mit Aengstlichkeit kommt man |u nichts. Unsere Forderungen müssen wir bestimmt und klar anssprechen. Wir wollen auf kirchlichem Gebiete die Sachen genau wieder so haben, wie sie vor dem Kulturkämpfe bestanden, und wir lassen davon kein Jota ab. Wir wollen die Schule wieder so haben, wie sie vor dem Schulaufsichts-Gesetze war, ohne den gebührenden Einfluß der Eltern und der Kirche geht es nun einmal nicht. Viele Schulmeister erklären diese unsere Forderungen für lächerlich, so Herr Dittes noch letzthin in Berlin. Ich bedauere, daß Herr Dittes nicht hier ist (Heiterkeit). Ich würde gern einen Gang mit ihm machen, damit man den ganzen Rhein hinunter sehen könnte, wie weit die Schulaufsichts-Verhältnisse sich bereits entwickelt haben. Können wir Wandel hier nicht erreichen, so werden wir darauf bringen, daß mehr als es bisher geschehen, endlich die Bestimmungen der Verfassung erfüllt werden, welche volle Unterrichts-Freiheit verbürgen. Wir können als Ellern verlangen, daß unsere Kinder von Solchen unterrichtet werden, denen wir vertrauen, und welche unsere Religion aufrecht erhalten, und daß der Kirche gestattet wird, ihrerseits Schulen zu gründen. Der jetzige Weg aber führt in's Verderben, und wir wollen in's Verderben nicht gehen. Es werden ja neue Unterrichts - Gesetze geplant und, die daran arbeiten, mögen wiffen, wie wir Katholiken zur Sache stehen. Wenn die Sache an den Landtag kommt, werden wir uns mit dem Herrn Dittes doch noch etwas näher unterhalten. (Bravo!) Die Schul-Frage ist die wichtigste, die wir in diesem Jahre verhandeln können; int Laufe der Verhandlungen werde ich Ihnen darauf bezügliche Resolutionen vorzulegen haben. — Der Vorredner hat mit Recht die Theilnahme hervorgehoben, welche Koblenz der Versammlung entgegenbrmgt. Wir sind ja Zeugen gewesen bei unserem Eintritte, wie schön die Stadt sich geschmückt hat. Wir haben zu rühmen, daß mehr wie je die Behörden für unsere Sachen sich freundlich geäußert haben. Das ist das Werk unserer langen ruhigen Haltung, das Werk der Regierung, die jetzt die Zügel in der Hand hat (Bravo!), und wenn die auf diesem Wege weitergeht, bann werben wir sie grünblich unterstützen. Wenn wir nur aber z. B. hören, baß, wenn bie Franzosen 140 Batterien mehr haben wie wir, unb wir einige mehr bewilligen müssen, damit beim Unglück eines Krieges unsere Brüder, namentlich hier am Rhein, nicht zermalmt werden, dann wollen wir uns doch vergegenwärtigen, wie groß die Verantwortung Derer ist, die nach Berlin geschickt werden und dort mit Nachtwachen und im Schweiße ihres Angesichtes ihre Arbeit verrichten, wie die nicht leichtfertig handeln, und wie man sich doch vorsehen soll, ehe
Ö Aus Nordamerika.
Bon Karl May.
(12. Fortsetzung.)
Hier befand ich mich mitten im prächtigsten Urwalde, der keine Spur von Unterholz zeigte, so daß ich schnell vorwärts kam. Ich brauchte mit meinem wackern Arrow nicht zwei volle Tagereisen, um die Prairie zu erreichen, vor welcher ich erst Halt machte, um mich mit Dürrfleisch zu versehen, da ich nicht wußte, ob ich auf der Savanne ein jagbares Wild antreffen würde.
Als dies geschehen war, ging es frisch dem Norden zu. Der erste Tag verging ohne ein besonderes Er- eigniß, der zweite ebenso. Am dritten Morgen hatte ich mich nicht gar zu früh aus der Decke gewickelt und stand eben im Begriffe, Arrow den Sattel aufzulegen, als ich in der Feme einen Reiter bemerkte, welcher auf meiner Fährte dahergeritten kam.
Wer konnte der Mann sein, der Gründe hatte, diese abgelegene Savanne zu durchreisen? Ich lockerte, mehr aus alter Gewohnheit als aus gebotener Vorsicht, Messer und Revolver und erwartete ihn im Sattel. So war ich auf alle Fälle gerüstet.
Je näher er kam, desto deutlicher konnte ich die Einzelheiten seiner hohen, breiten Figur unterscheiden. 1
Er ritt einen sehr hochbeinigen, Klepper, der einen außerordentlich großen Kopf, aber einen desto kleineren und höchst ärmlich beharrten Schwanzstummel hatte; doch vollführte das Thier einen Schritt, vor welchem man alle Achtung haben mußte. Auf dem Kopfe trug er einen Filzhut mit unendlich breiter Krempe; der Leib stack in einem engen Lederkoller, dessen einfacher Schnitt keine Bewegung hemmte, und die Beine stacken in einem Paar Aufschlagestiefel, die bis an den Leib herangezogen waren, lieber die Schulter hing die Doppelbüchse und an dem Gürtel der Pulver-, Schrot- und Mehlbeutel; ein Revolver stack neben dem Bowiemesser, und außerdem bemerkte ich zwei sonderbare Gegenstände dort angebracht, die sich später als eiserne Handschellen erwiesen.
Das Gesicht konnte ich wegen der breiten Hutkrempe nicht erkennen. Ich ließ ihn bis innerhalb Schußweite herankommen und erhob dann die Büchse.
„Stopp, Master! Was thut Ihr hier in dieser Gegend?^
Er hielt das Pferd an und lachte.
Heigh-day, ist das ein Spaß! Tim Kroner, alter Waschbär, willst Du mich etwa erschießen?"
„Alle Wetter, diese Stimme sollte ich kennen," erwiderte ich, indem ich das Gewehr sinken ließ. „Aber der verwünschte Hut ist mir im Wege. Abraham
Lincoln, bist Du es wirklich, der hier auf solch' einem Ziegenbock in den Morgen hineinreitet?"
„Freilich bin ich es, wenn Du nichts dagegen hast! Darf ich jetzt nun hin zu Dir?"
„Kom her und sag', was Du hier treibft!"
„Erst muß ich wissen, was Dich aus Deinem Arrow in diese schöne Gegend führt!"
„Ich will einen Bekannten von Dir und mir besuchen."
„Einen Bekannten von uns Beiden? Wer ist es?" „Rathe!"
„Sag' erst, wo?"
„Da vorn in irgend einem Bluff, wo das Oel wie Wasser laufen soll."
„Ah, Guy Willmers, den Oelprinzen!"
„Good lack, Du kennst ihn?"
„Persönlich nicht, aber Du hast mir ja den Namen von Fred Hammer's Schwiegersohn in Smoky-Hill genannt."
„So hast Du gewußt, daß Fred Hammer nach dem Coteau du Missouri gezogen ist?"
„Nein. Ich weiß, daß ein Fred Hammer hier wohnt; doch daß es der uns'rige ist, ahnte ich erst, als Du von einem Bekannten sprachst, denn da fiel mir auch der Name Guy Willmers wieder ein."
„Well, also zu ihnen will ich. Und Du?"