JV 196.
Mittwoch, den 27. August 1890.
17. Jahrgang
Fuldaer Zeitung
Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
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37. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands.
* Koblenz, 24. August.
Die größte Zahl der auswärtigen Theilnehmer an der Katholiken-Versammlung hatte sich heute Nachmittag eingefunden. An der Karten-Ausgabestelle im Lese-Verein herrschte ein Gewimmel, welches schon voraussehen ließ, was Abends eintraf. Die Festhalle war schon gegen 7 Uhr, eine Stunde vor Anfang der Begrüßungs-Versammlung, gefüllt, ein großartiger Anblick, wie ihn nach übereinstimmender Ansicht gewohnter Besucher der Katholiken-Versammlungen bisher noch kein Begrüßungs-Abend geboten hat. Punkt 8 Uhr erschien Exccllenz Windthorst, von wiederholten Hochrufen und mit Tusch begrüßt, wofür er kurz dankte. Die vereinigten Sänger trugen zwei Begrüßungschöre vor.
Der Vorsitzende des Lokal-Ausschusses, Herr Rechtsanwalt E. Müller, entbot dann der Versammlung das erste Willkommen und bezeugte im Namen der Koblenzer deren Freude über die Abhaltung der Versammlung in Koblenz. Auch die Angehörigen andern Glaubens hätten die Freude der Katholiken getheilt, bei den Behörden habe der Ausschuß alles Entgegenkommen gefunden. (Wiederholtes, lebhaftes Bravo!) Die Abhaltung der Versammlung in Koblenz gerade in diesem Jahre sei eine besondere Ehre für die Stadt. Redner erinnert an den Zwischenfall in Bayern, der keineswegs wichtig genug sei, um seinetwegen die „schärfere Tonart" hier anzuschlagen. Wir haben gesehen, wie der Schutz Gottes über die General-Versammlung waltet; gerade der vereitelte Bochumer Beschluß habe es bewirkt, daß solche Schaaren begeisterter katholischer Männer hier zusammengekommen seien, besonders aus ' Bayern. Die Bayern könnten hier lernen, wie man die Treue gegen die katholische Kirche mit wahrer Loyalität vereinen könne, ohne Staatskirchenthum. (Lebhaftes Bravo.) Auf die Koblenzer übergehend, sagt Redner: „Wir sind famose Kerle und bescheiden sind wir auch!" Koblenz, als Geburtsstätte des großen G örres, habe, wenn je eine Stadt, es verdient, daß die General-Versammlung daselbst tage, dort habe sie den würdigsten Platz gefunden. Alle Gläubigen müßten
5 Aus Nordamerika.
Bon Karl May. ’
(11. Fortsetzung.)
Davon sprachen wir, als wir um das Feuer lagen und ein saftiges Stück Büffel - Ende über demselben brieten. Da meinte einer von den Männern:
„Kennt Ihr die Hochebene, welche sich von Aankton am Missouri rechts von dem Flusse grad nach Norden zieht und sich dann in die Hudsons-Bay-Länder steil hinumerwirft? Man nennt sie das Coteau du Missouri?"
„Warum sollte man das Coleau nicht kennen? Freilich wagt sich Niemand gern hinaus in die sinstern, steilen Bluffs und Schluchten, wo der Redman, Bär und Luchs die Herrschaft führen und man nichts erjagen kann als einen elenden Stunk oder eine Wildkatze, die keinen Nutzen bringt."
„Und dennoch bin ich droben gewesen und habe etwas gefunden, was ich dort nicht gesucht hätte, nämlich den größten Oelmann, den es in den Bereinigten Staaten gibt."
„Einen Oelmann? Da droben? Wie soll baS Del hinauf auf das Coteau kommen?"
„Es ist oben, das ist genug; wie es hinoufgekom- men ist, das geht mich nichts an. Ich bin drei Tage
zusammenstehen zur Erhaltung und Vertheidigung des Glaubens gegen das andringende Heidenthum und den Sozialismus. Möge der Geist Görres' über der General- Versammlung walten. Eine Anzahl telegraphischer Grüße ist eingetroffen.
Excellenz Windthorst, stürmisch begrüßt, nimmt hierauf das Wort und gedenkt zunächst der Damen, ohne welche wir den Kulturkampf nicht bestanden hätten; dann dankt er dem Vorredner. Er bedauerte die Hindernisse in München, doch würden sie viel zu scharf aufgefaßt und gäben keinen Anlaß zu vielen Worten. Der Grund für diese Hindernisse liege nicht in grundsätzlicher Gegnerschaft, sondern man habe die Versammlung nur für dieses Jahr in München nicht für wünschenswerth erachtet. München sei berufen, der Vorort des katholischen Deutschlands zu sein. Der Prinz-Regent habe für die katholische Sache ein lebhaftes Interesse; die weitere Entwickelung werde dies lehren. (Lachen.) Der Zweifel daran sei unbegründet. Wir gehen wahrscheinlich auch nächstes Jahr nicht nach München; aber wir kommen ein Mal ganz bestimmt dahin, und ich will auch noch mit dahin. Windthorst geht auf den Katholizismus in England und seine jüngere Entwickelung über, auf die Verdienste des Kardinals Newmann. Wir sollten der englischen Nation in irgend einer Form unsere Theilnahme an dem Hinscheiden des großen Mannes bezeugen, der ein Muster der Toleranz war, dem nachzuahmen wir ja stets uns bestreben; wir erwarten aber auch von den Andersgläubigen dasselbe. Wenn gewisse Herren, die sich eigens dazu zusammen gethan zu haben scheinen, eine Hetzjagd auf uns zu veranstalten, so lassen wir uns das nicht gefallen^ auch wir können aus der Geschichte etwas erzählen. Solchen Angriffen gegenüber antworten wir friedlich, aber ohne Furcht, als gleichberechtigte Mitglieder. Schon hätten die Katholiken in wenigen Jahren Fortschritte gemacht. Wenn man mich fragt: Warum kommt ihr jedes Jahr zusammen? so frage ich: Warum sind in jedem Jahre die Manöver? (Lebhafter Beifall.) Wir dürfen nicht aufhören zu exerziren; denn mir haben noch nicht gesiegt. Nur Courage, und daun (ist der Sieg unser! Wir wollen auf kirchlichem Gebiet alles io haben, wie vor dem Kulturkampf: die Schule, mit dem gebührenden Einfluß der Kirche und der Eltern, trotz Dittes. Der jetzige Weg führt ins Verderben; das soll denjenigen gesagt sein, die neue Schulgesetze planen. Windthorst freut sich über den freundlichen Empfang, den die Versammlung in Koblenz gefunden, auch bei der Behörde; es ist das unserer friedlichen Haltung zu verdanken, es ist das Werk der jetzigen Regierung, die wir auch unterstützen müssen, wenn es um große Erfordernisse des Vaterlandes sich handelt. Man soll die Abgeordneten dann nicht tadeln, wenn sic Geld bewilligen, um den Boden des schönen Vaterlandes und unfern schönen bei ihm gewesen, denn, müßt Ihr wissen, der Mann hegt Gastfreundschaft wie selten Einer, und hat mich gehalten wie den Präsidenten selbst. Tas Del läuft bei ihm nur so aus der Erde; trotzdem hat er aus Chicago einen Erdbohrer kommen lassen, um es aus größerer Diese emporzuholen; Fässer gibt es da zu Hunderten, und so groß, daß man sich mit dem Gaule darin herumtummeln kann, und Geld, ich habe es nicht gesehen, aber Geld muß der Mann haben ganze Säcke voll!" „Wie heißt er denn?"
„Guy Willmers. Nicht wahr, ein ganz absonderlicher Name? Aber der Mann selbst ist schöner, ein Mulatte zwar, aber ein Kerl wie ein Bild. Und feine Frau, die er Betty nennt, stammt aus Germany drüben. Ihr Vater, ein Master Hammer, hat drunten am Arkansas gewohnt und viel Herzeleid erfahren. Die Buschheaders haben ihm eine Tochter ermordet und--"
Ich sprang empor.
„Guy Willmers —? Ein Mulatte —? Fred Hammer — nicht wahr, Fred hieß der Mann?"
„Ja, Fred Hammer, eine lange, breitschulterige Figur mit schneeweißem Kopf- und Barthaar. Aber, was ist mit Euch? Kennt Ihr vielleicht diese Leute?"
„Ob ich sie kenne? Besser als Euch Alle! Fred Hammer wohnte neben uns, und Mary, seine äüeste
Rhein zu vertheidigen. Er bitte, ihm ein freundüches Andenken zu bewahren, bis er wieder komme.
Herr Rechtsanwalt Müller, welcher Excellenz Windthorst von der Tribüne zurückgeleitet, ruft in die Versammlung: „Morgen ist Ludwig!" Brausende Jubelrufe.
Frhr. von Schor lein er (lebhaft begrüßt) dankt für die Begrüßung als das Zeichen der Einigkeit der Katholiken Deutschlands. Er sei nur als einfacher Kombattant gekommen, als Zuhörer, um zu lernen. Uns Westfalen mit unfern harten Köpfen hat nicht recht einleuchten wollen, was in München geschehen ist. (Lebhaftes Bravo.) Wir stehen treu und fest für Glauben und Fürst und Vaterland; an andern Stellen könnte man etwas fester im Glauben stehen! Ich bringe die Grüße aus Westfalen unfern Brüdern am Rhein, mit denen wir einig sind in der Wacht am Rhein. Die Rheinländer haben manche Vorzüge vor uns; aber es ist doch gut, daß wir Westfalen mit unfern harten Köpfen hinter ihnen stehen. Wir halten dm End fest, den wir ein Mal gepackt haben." Erzbischof Clemens August fei ein leuchtendes Beispiel der westsälifchen Charakterfestigkeit. Durch die zu feiner Zeit durchgeführten Kämpfe sind wir mit den Rheinlanden besonders geschwisterlich verbunden. Dieses Ver- hältitiß möge ein Vorbild für die Versammlung sein. (Lebhafter Beifall und Tusch.)
Graf Ballestrem bringt den Gruß von den treuen schlesischen Katholiken. Koblenz fei die Con- fluentia omnium catholicorum, dazu die Lieblings- stadt der seligen Kaiserin Augusta, beren Geist der Liebe, der Linderung der Leiden über der Versammlung walten möge.
Professor v. Hertling bringt Grüße aus München und hofft, daß bald auch in München eine eben so glänzende Versammlung tagen werde.
— 25. August. Nach dem Hochamt in St. Castor welches Bischos Komm von Trier ponlifizirte, begann um 91/2 Uhr die erste geschlossene Versammlung. Rechtsanwalt Eduard Müller, Dechant Weißbrodt als Mitglieder des Präsidiums des Lokal-Comitö's begrüßten die Anwesenden, wobei Letzterer die Vaterlandsliebe und die Einigkeit der Katholiken hervorhob. Rechtsanwalt Henrich verliest die Adresse des Lokal-Comitö's an den heil. Vater und dessen Breve vom 28. Juli, worin die Hindernisse, welche der Abhaltung der Ver- fammlung in München bereitet wurden, kurz erwähnt sind. Bon fast sämmtlichen deutschen Bischöfen sind Segenswünsche eingegangen. Nuntius Agliardi in München, welcher ffin Erscheinen in Aussicht gestellt hatte, läßt sich jetzt täglich telegraphisch berichten.
Rechtsanwalt Müller empfiehlt die Wahl des Freiherrn Rudolph v. Buol zum ersten Vorsitzenden, die durch Zuruf erfolgt. Freiherr v. Buol begrüßt die Tochter, war meine Braut, wurde mir von den Bufchheaders geraubt und, als wir die Bande verfolgten, mit meinem Vater von dem Kanada-Bill erschossen!"
„Das stimmt, das stimmt! So seid Ihr also der TimKroner, von dem mir der Oel-Prinz so viel Gutes erzählt hat?"
„Der bin ich! Ich ging dann in die Prairie und fand, als ich nach Jahren einmal zurückkehrte, ftemde Leute auf der Stelle."
„Fred Hammer hat gut verkauft und dann ein Geschäft in St. Louis gehabt. Guy Willmers ist für dasselbe gereist und dabei einmal auf das Coteau gekommen, wo er das Petroleum entdeckte. Natürlich sind sie sofort Alle hinauf und wissen auch warum. Ihr müßt sie besuchen, Master Kroner, und werdet damit eine ganz heillose Freude anrichten, das kann ich Euch versichern!"
„Zounds, ich will gespießt und gebraten werden wie dieses Stück Buffalo-Lende, wenn ich nicht gleich morgen früh aufbreche! Ich habe die Black-Hills satt und will einmal hinauf zu den Redmen, Luchsen und Bären. Vielleicht gelingt es mir auch, ein Loch zu finden, wo ein Michigao-See voll Petroleum heraus- läuft."