Dienstag, den 26. August 1890.
V 185.
17. Jahrgang
W
KW
BW
i M
•ei (A. Dillmann).
Druck i$. Berlag der Fuldaer »ei
Biertekjährlicher Abonnementspreis ohne Brmzer lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda
Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.
Inserate kosten die einspaltige Zeile ober deren Raum 15 Psg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
4-
Keutschcs Keich.
Berlin, 23. August.
* Der Kaiser hat zum Besten des im kommenden Winter zu eröffnenden deutschen Kaiser-Friedrich- Krankenhauses zu San Remo die Summe von 1000 Mark bewilligt.
• Die Einberufung des preußischen Landtags ist schon im November behufs Berathung der vorzulegen- den Reformgesetzc, obwohl ein förmlicher Beschluß darüber erst in einigen Wochen gefaßt werden kann, mit zi emlicher Sicherheit zu erwarten.
* Finanzminister D r. Miquel tritt demnächst einen kurzen Erholungsurlaub an. Ueber die Steuerreform ist, wie mitgetheilt wird, eine vollständige Einigung innerhalb des Staatsministeriums erzielt.
* Reichskanzler v. Caprivi erhielt vom Zaren den St. Andreasorden, Kaiser Wilhelm verlieh dem ihm attachirten Generalmajor Graf Golenitschew-Kutu- sow den Kronenorden I. Klasse mit Brillanten.
* Lieutenant v. Tiedemann, der Begleiter des Dr. Peters auf der Emin-Pascha-Expedition ist in Marseille angekommen und wird morgen in Berlin eintreffen.
* Bei dem in Nürnberg zu Ehren des Dr. Peters stattgehabten Festbankett, betonte Letzterer, er sei schmerzlich berührt über das deutsch-englische Abkommen, aber der Kaiser und die Centralgewalt wisse, was dem Reiche fromme. Emin habe ihn beauftragt, dem deutschen Volke, besonders der Stadt Nürnberg als An- regerin der Emin-Pascha-Expedition zu danken. Stan- l e y habe Emin erklärt, er sei von England beauftragt, Wadelai zu räumen, wenn nöthig, mit Gewalt. Emin aber habe den Weißen keine Gewalt entgegensetzen können und wollen.
* In wissenschaftlichen Kreisen wird die Errichtung einer zoologischen Station auf Helgoland, gleich derjenigen in Neapel, angeregt, behufs Beobachtung der Nordsee und ihres Thierlebens.
* Für die nächstjährige deutsche Katholikenversammlung soll Regensburg vorgeschlagen werden. Das ,Regensburger Morgenblatt' schreibt unter dem 21. August: „Der Ausschuß des Katholischen Kasino's hat in seiner gestrigen Sitzung einstimmig beschlossen, der Generalversammlung der deutschen Katholiken in Koblenz als Ort der nächstjährigen Katholikenversammlung Regensburg in Vorschlag zu bringen. Nachdem das Erhardi-Haus mit seinen großen Saalbauten der Vollendung entgegen geht, besitzt Regensburg nunmehr hinreichende für eine so große Versammlung uothwen- dige Räume, deren Mangel seither die schon oft gewünschte Abhaltung der Katholikenversammlung in Regensburg unmöglich machte."
* Der Reichsgerichtspräsident Dr. v. Simson, der im November d. I. sein 80. Lebensjahr vollendet,
<5 Aus Nordamerika.
Bon Karl May.
(10. Fortsetzung.)
Dieses Mal wurde es uns nicht so leicht. Wir mußten, um den Wind gegen uns zu bekommen, einen Umweg machen, und einer von den vier Männern stand aufrecht da, fo daß wir von ihm leicht bemerkt werden konnten. Unter Anwendung aller Vortheile kamen wir dennoch immer weiter an sie heran und — ja, da erscholl aus weiter Ferne ein satanisches Geheul, dem ein fürchterlicher Schwall von Schüssen folgte. Die Indianer hatten ihren Angriff auf das Fort begonnen.
„Jetzt ist Alles gleich, Tim," flüsterte Lincoln. „Nimm den Revolver; aber Keiner darf entkommen. Go on?“
Im nächsten Augenblick war er mitten unter ihnen, ich an seiner Seite. Vier leichte Knalle, einige nachhelfende Hiebe und Stiche, und wir waren auch hier Herren des Platzes.
„Das ging! Jetzt brauchen wir weder Lunte noch Feuerwerk, Tim, um ein Meisterstück auszuführen, von dem man hier noch lange erzählen soll. Es sind Jndianerpferde, merk's wohl, und gewohnt, eins hinter
gedenkt, obgleich sich sein Gesundheitszustand wieder etwas gebessert hat, in nächster Zeit aus dem Amte zu scheiden.
* Kaiserslautern, 23. Aug. Die Stichwahl zwischen Brunck und Grohä findet Donnerstag den 28. August statt.
Ausland.
* Ein Slavenkongreß soll unter Vorsitz des Bischofs Strohmayer in Diacovar stattfinden, um eine religiöse Einigung der Slaven im Schooße der katholischen Kirche herbeizuführen.
* Ueber den Gesundheitszustand des Königs von Holland wird aus Amsterdam gemeldet: „Wenn auch die Nachricht über den unmittelbar gefährlichen Zustand des Königs glücklicher Weise unrichtig ist, so ist immerhin wahr, daß das Befinden des hohen Kranken in der letzten Zeit wieder erheblich zu wünschen übrig läßt. Die mehrfachen örtlichen Leiden, verbunden mit seinem allgemeinen Schwächczustand, sind wieder stärker aufgetreten und zwingen den König in diesem Augenblicke, das Zimmer zu hüten. Die Spaziergänge im Schloßpark zu Sub mußten eingestellt werden. Außer der Königin Emma und der Kronprinzessin Wilhelmine hat nur die unentbehrliche Dienerschaft Zutritt zu dem Kranken. Es ist zu hoffen, daß die Verschlimmerung im Allgemeinbefinden auch diesmal nur eine vorübergehende sein wird. Der ,Staatscourant' gibt über das Befinden des Monarchen kein Bulletin aus, was als günstiges Zeichen aufgemßt wird."
* Serbien hat soeben wieder einen Beweis der allerdings nicht uneigennützigen Freundschaft Rußlands erhalten, indem der Zar 20,000 Stück Äerdangegewehr mit Munition für die serbische Landwehr schenkte. Solche kleine Präsente erhalten die Freundschaft.
* R o m , 22. Aug. Rußland hat die Verhandlungen mit dem Vatikan wieder ausgenommen und konfcrirte der russische Spezialgesandte Iswolski mit dem Kardinalsstaatssekretär Rampolla, allein in vatikanischen Kreisen besteht wenig Hoffnung auf ein günstiges Uebereinkommen, weil Rußland keinen rechten Ernst zeigt, seinen kath. Unterthancn mehr Gerechtig- keit zu gewähren.
Die Vegetarier
müssen Freude haben an den Untersuchungen über die Ernährung der Handweber im Gebiete von Zittau, welche Dr. v. Rechenberg angestellt und veröffentlicht hat. Daß diese Leute von Brod und Kartoffeln leben und fast gar kein Fleisch essen, ist bei dem niedrigen Ertrage der Handweberei nicht zu verwundern; aber es wird für Manchen auffallend sein, daß die Leute mit ihrer dürftigen, abwechselungsarmen Kost zufrieden sind und daß auch bei den wohlhabenderen Landleuten die Fleischarme K»st üblich ist Gutsbesitzer dem andern zu gehen. Schnell die Riemen an die Schwänze!"
Das war allerdings ein Gedanke, den nur ein Lincoln haben konnte, aber er kam nicht zur Ausführung^ denn wir vernahmen jetzt die tiefen Stimmen der Kanonen und gleich darauf einen hundertstimmigen Schrei, der uns von dem Stande der Dinge sofort überzeugte.
„Es ist keine Zeit dazu; sie fliehen und werden gleich hier sein. Heraus mit den Schwärmern. Spring schnell zur andern Heerde. Du brauchst die Thicre gar nicht loszupflöcken, sie reißen sich selbst los. Da drüben bei den Hickorys treffen wir uns!"
Ich eilte zu der ersten Pferdetruppe zurück, riß Feuerzeug und Lunte heraus, setzte die Zünder in Brand und warf dann Alles mitten unter die Thiere hinein. Als ich zu den Hickorys kam, wartete Lincoln schon auf mich.
„Paß auf, Tim; es wird gleich losgehen!"
Beide Heerden ließen ein verdächtiges Schnauben hören; die Thiere erkannten am Gerüche die Gefahr. Da prasselte, knatterte, knallte und sprühte es los, erst drüben, dann hüben; im Funkenregen sahen wir die glühenden Augen, schnaubenden Nüstern und gesträubten Mähnen' der erschreckten und an den Lasso's zerrenden
dortiger Gegend haben, wie Dr. v. Rechenberg be" richtet, bei ihren Tagelöhnern auf dem Felde eine fleischreichere Kost einzuführen gesucht, aber gänzlich ohne Erfolg.
Die Leute sind zufrieden, weil sie das angenehme Gefühl der Sättigung haben. Sie sagen einmüthiH, daß sie vollständig gesättigt von der Mittagsmahlzeit aufstehen und Abends gesättigt zu Bette gehen. DaS genügt ihnen. Die Leute sehen blaß und meist sehr mager aus und können Arbeiten, die große Muskelkraft erfordern nicht leisten. Aber sie arbeiten am Webstuhl 14 Stunden täglich und werden alt. Also wenn auch die Ernährung nicht genügend zur vollen Entfaltung der Körperkräfte sein mag, so reicht sie doch offenbar zur Erhaltung derselben selbst bei andauernder mäßiger Muskelanstrengung aus.
Vielleicht ist diese verhältnißmäßig vortheilhafte Wirkung der dürftigen Kost auf die zwei Umstände zurückzuführen, daß die Leute 1) mehr Brod als Kartoffeln efsen und 2) es am Fett nicht zu sehr fehlen lassen.
Man glaubt gewöhnlich, daß in solchen armen Distrikten der knurrende Magen fast ausschließlich oder doch vorzugsweise mit Kartoffeln gefüllt werde. Im Zittauischen aber machen die Kartoffeln nur etwa ein Drittel der Speisemasse aus, während das Brod über die Hälfte (55 Prozent) beträgt. Wenn trotzdem die Kartoffeln der Nahrung den Charakter geben (ebenso in den armen schlesischen Bezirken), so erklärt Herr v. Rechenberg das aus dem Umstande, daß die Kartoffeln fast das einzige warme Gericht in der Kost bilden. Dazu kommt, daß sie jeden Tag bei der Hauptmahlzeit, oft auch Abends und zuweilen auch Morgens auf dem Tische erscheinen.
Neben Brod und Kartoffeln spielen Mehl und Butter die größte Rolle. Das erste Beispiel eines Haushaltungs-Etats betrifft eine kinderlose Weberfamilie in Dittelsdorf. Der Lebensunterhalt der beiden Leute erfordert für die Woche an Brod 14 Pfd. = 1 Mk. 35 Pfg.; Weizen- bezw. Roggenmehl 3 Pfd. j — 46 Pf., Kartoffeln 8 Liter — 35 Pfg., Butter ; 1 Pfd. = 1 ÜR. 10 Pfg., Milch 1/2 Liter = 6 Pf., i Quark 1 Pfd. = 6 Pfg., Fleisch -/, Pfd. -30 Pf., ' Häringe 8 Pfg., Gemüse 1 Pfd. = 13 Pf., Cichorie i i/4 Pfd. — 5 Pfg., Zucker 11 Pf., Semmel 12 Pf., : dazu noch eine Reihe von Kleinigkeiten, macht im Ganzen 4 M. 59 Pf. (Licht- und Wäschemittel eingeschlossen), also für den Kopf und Tag gegen 33 Pf. Diese Familie scheint, bei dem Mangel an Kindern, sich etwas mehr, als der Durchschnitt, zu Gute thun zu können, wie u. A. schon die Fleisch-Ausgabe zeigt. Aber besonders auffällig ist die große Ausgabe für Butter, der zweithöchste Posten der ganzen Rechnung, ein Viertel des Gesammtaufwandes. Der Preis von 1 M. 10 Pfg. für 1 Pfund zeigt, daß die Leute die
Thiere. Dann bäumte es sich empor mit aller Kraft, wogte erst rathlos hin und her, bis es im vollen, eng geschlossenen Trupp ausbrach und in der Richtung grad nach dem Fort zu dahinsauste.
„Herrlich, prächtig, Tim! Sie reißen, stürmen und treten ihre eigenen Herren nieder, von denen sicher kein Einziger wieder zu seinem Thiere kommt. Ich wette, sie werfen sich in den Fluß und werden dann vom Fort aus leicht gefangen!"
Wir konnten jetzt nichts Besseres thun, als uns in das Gebüsch verbergen. Augen und Ohren blieben offen, und wenn wir auch nichts zu sehen vermochten, so hörten wir desto mehr: das Wuthgeheul der enttäuschten Jndsmen, welche statt ihrer Pferde die Leichen der Wächter fanden, den Galoppschlag der Dragoner, welche hinter den Fliehenden hergestürmt kamen, das Krachen der Karabiner und Pistolen, welches sich nach und nach in die Ferne verlor, und dann zuweilen ein leises Rascheln, welches von einem Flüchtlinge herrührte, der sich in das Dickicht geworfen hatte.
Erst als der Morgen zu grauen begann, verließen wir unser Versteck und traten auf die Lichtung, wo die Leichen der Getroffenen lagen. Um das Fort herum sah es wie auf einem Schlachtfelde aus; Jndsman lag an Jndsman, getroffen von den Kugeln der Soldaten