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Samstag, den 23. August 1890.

17. Jahrgang

Fuldaer Zeitung

Für die Iiedaction verantwortlich: Ludwig Deibel b Kulda.

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Die Fleischtheuerung?)

Woher kommt es, daß die Fleischpreise so hoch ge­stiegen sind? lieber diese Frage wird natürlich viel gesprochen und geschrieben. Der Direktor des städtischen Schlacht- und Viehhofes in Berlin, Herr Hausburg, der in dieser Angelegenheit ein Sachverständiger ersten Ranges ist, hat in einem ausführlichen Artikel seine Ansicht dargelegt und begründet. Auf Grund desselben wird nun wohl allseitig anerkannt werden, daß die Fleischtheuerung nicht auf künstliche Preistreibereien der Spekulanten zurückzuführen ist, sondern daß that- sächlich Mangel an Fleisch vorhanden ist. Das An­gebot ist kleiner, als die Nachfrage; also steigt der Preis. Das ist der naturgemäße Gang der Dinge; aber tröstlich ist diese Lösung des Räthsels nicht. Denn wenn Preissteigerung auf irgend einem „Ring" oder sonstigen Kunstgriffen beruhte, so würden wir auf einen baldigen Zusammenbruch der Spekulation hoffen können; aber wenn die Fleischproduktion hinter dem Bedarfe zurückgeblieben ist, so erfordert es eine gewisse Zeit, bis sich die Lücken füllen. Fleisch läßt sich nicht in einer Fabrik mit flinken Maschinen Herstellen, sondern muß den langsamen Naturprozeß der Züchtung, Auf­fütterung und Mästung durchmachen.

Den Kern aller natürlichen Preisschwankungen bildet immer das alte Spiel: Hohe Preise reizen zur Ausdehnung der Produktion; daraus folgt starkes An­gebot und Sinken der Preise; bei den niedrigen Preisen wird die Produktion eingeschränkt, das Angebot wird knapp, die Preise steigen wieder, die hohen Preise reizen wieder zur Ausdehnung der Produktion und so geht es da capo. Dieser an sich sehr einfache Vorgang wird nun aber beeinflußt durch eine Menge von natür­lichen oder künstlichen Vorgängen, welche auf die Preis­bildung bestimmter Maaren einwirken. So kommen hinsichtlich der Fleischpreise in Betracht: 1) die Zölle aus Vieh und Fleisch, 2) die Grenzsperren wegen Vieh­krankheiten, 3) die Menge und der Preis des Futters, 4) die Ergiebigkeit und die Ausdehnung der andern Zweige der Landwirthschaft. In letzterer Hinsicht spielen auch die Getreidezölle eine gewisse Rolle, insofern sie einen Anreiz zur Ausdehnung des Getreidebaues auf Kosten der Viehzucht ausüben.

Die erwähnten Punkte greifen vielfach in das p o l i- tische Gebiet über, und dadurch wird die ganze Frage des Fleischpreises zu einem Zankapfel der Parteipresse. Wenn es in den Kram paßt, die Schutzzölle oder die veterinär-polizeilichen Absperrungen anzugreifen, der schiebt auf diese Einrichtungen die ganze Schuld an der Fleischtheuerung, während ihm doch höchstens eine Unterstützung der natürlichen Momente der Preis-

♦) Nachdruck nicht gestattet.

s Aus Nordamerika.

Bon Karl May.

(9. Fortsetzung.)

Es war kaum eine Stunde vergangen, so schwammen wir bereits auf dem Wasser. Das Floß war größer als dasjenige, mit welchem ich nach dem Fort ge­kommen war, und seine Führung nahm, besonders da es Nacht war, unsere ganze Kraft und Aufmerksamkeit in Anspruch. Doch ging die Fahrt ganz glücklich von Statten, und der Mittag war noch ziemlich fern, als wir bei Smoky-Hill anlegten.

Ein Peloton Infanterie hielt in der Nähe des Waffers Schießübung, welche der Colonel selbst über­wachte. Er erkannte mich, bevor ich noch das Land betreten hatte.

„Ah, Master Kroner! Braucht Ihr wieder Axt und Pulver?"

„Heute nicht, Sir, sondern wir kommen, weil ich denke, daß Ihr uns braucht."

„Ich Euch? Wozu?"

Wir sprangen an das Ufer.

„Die Choctaws und Comanchen wollen heute Nacht das Fort überfallen."

„Alle Teufel! Jst's wahr? Ich habe gewußt, daß sie sich in der Nähe umhertreiben, doch meinte ich, sie hätten mit den Creeks und Seminolen genug zu thun,

steigerung zur Last gelegt werden kann. Der Schweine­fleischpreis betrug 1888 durchschnittlich 42,90 M. für den Centner; im August 1889 aber 61 M., im August 1890 d. I. 60 Mark. Das sind so gewaltige Preis­unterschiede, daß man mit dem Hinweis auf den Ein­gangszoll, selbst wenn man den Zoll für geschlachtetes Vieh von 10 M. für den Centner heranzieht, nicht auskommen kann. Die Hauptsache ist schließlich der Mangel an inländischer Produktion, wie auch Herr Hausburg anerkannt. Und dieser Mangel ist nicht wegen, sondern trotz der Viehzölle vorhanden; denn der Zweck der Viehzölle ist der Schutz und die Förde­rung der einheimischen Viehzucht. Würden wir diese Zölle aufheben, so würden wir in noch höherem Maße auf die Viehzucht des Auslandes angewiesen, also noch mehr von den dortigen Krankheitsfällen oder sonstigen Zufuhrstörungen abhängig sein.

Herr Hausburg erklärt nun den Rückgang der in­ländischen Viehzucht einerseits durch eine akute Stör­ung, nämlich durch die dürftigen Futterernten der letzten Jahre, andererseits durch ein chronisches Moment, nämlich die wachsendHNeigung unserer Land­bauer zu viehloser Wirthschaft. In die Land- wirthschaft zieht ein zu „kaufmännischer" Geist. Die Jagd nach dem Augenblicks-Nutzen, die Sucht nach „schnellem Umsatz des Kapitals" nimmt überhand. Daher ist bei den sinkenden Preisen die Einschränkung der Viehzucht so schnell und in so großem Umfange er­folgt, daß der Ausfall zu groß, die Preissteigerung außerordentlich hoch wurde. Herr Hausburg erzählt zum lehrreichen Exempel, daß man auf einem Brennerei­gute die Schlempe fortlaufen ließ, weil sich die Mäst­ung nicht mehr bezahlt machte. Statt der langwierigen Aufzucht von Kälbern hatte man Molkerei-Wirthschaft oder Getreidebau eingeführt; in Folge dessen war das Magervieh so selten und so theuer geworden, daß der Preis desselben nicht mehr im vernünftigen Verhältniß zum Fettviehpreise stand und also für den Brennerei­besitzer die Mästung unrentabel wurde.

Augenblicklich liegt ein starker Reiz zur Ausdeh­nung der Viehzucht vor. Wenn nun die Eingangs- Zölle ermäßigt oder gar aufgehoben würden, wie Herr Hausburg vorschlägt, so würde vielleicht ein Sinken des Preises um einen Theil dieses Zoll - Betrages eintreten; aber diese Erleichterung wäre einerseits nicht sehr bedeutend, andererseits unter den obwaltenden Um­ständen zu unsicher. In den Nachbarländern hat man sich den Verhältnissen inzwischen auch angepaßt und die Zucht entsprechend eingeschränkt. Ueberfluß würde also auch bei Aufhebung der Zölle vor­läufig nicht zu erwarten sein. Zustimmen muß man dem Wunsche, daß die veterinärpolizeiliche Sperre nach Osten ganz fallen und durch Ueberwachungs-Maßnah-

denen sie noch vor drei Tagen ein hübsches Treffen geliefert haben, wie mir meine Leute berichteten."

„Der Canada-Bill hat sie gegen Euch gehetzt."

„Wißt Ihr das genau, Mann? Dann ist er wie­der stromauf gegangen, als in feine Bedeckung ver­lassen hat. Hätte ich dem Menschen doch die Kugel geben lassen! Erzählt!"

„Da seht Euch erst einmal meinen Maat an! Abraham Lincoln heißt er und ist ein Kerl, der es noch zu etwas bringen kann!"

„Well, Master Lincoln, will es Euch wünschen! Aber nun macht, daß ich die Hauplsache erfahre!

Wir erzählten ihm das gestrige Abenteuer.

„Schön, gut!" lachte er, als wir zu Ende waren, in seiner sichern, überlegenen Weise. „Ich danke Euch, Mesch'schurs, für den Wink und werde ihn ganz ge­hörig benutzen. Wollt Ihr das mit anfehen oder schwimmt Ihr weiter?"

„Wir bleiben hier, wenn Jhr's erlaubt, Sir. Ein seltenes Vergnügen darf man nicht versäumen."

„So kommt herein und macht es Euch bequem!"

„Später!" meinte Lincoln. „Wir werden unser Floß eine halbe Meile weiter unten anlegen, damit es den Rothen nicht vor die Augen kommt. Sie werden auf alle Fälle erst die Umgebung des Fort absuchen, und da ist es nicht nöthig, ihnen wissen zu lasten, daß Jemand von oben herabgeschwommen ist. Sie könnten,

men ersetzt werde; aber es darf nicht verkannt werden, daß diese Ueberwachungs-Maßnahmen Kosten verursachen und also preissteigernd wirken. Wenn das vorhandene Uebel uns drückt, so haben wir wenigstens den Trost, daß die natürliche Genesung, die Hebung der inlän­dischen Viehzucht, in Gang kommt Die Aufhebung der Vieh-Zölle jedoch würde diesen Gesundungs-Prozeß stören, vielleicht sogar ganz vereiteln. Denn wenn auch kein plötzlicher Preissturz von Bedeutung zu erwarten wäre, so würde doch das Vertrauen der deutschen Landwirthschaft auf die Zukunft des Vieh - Geschäftes heillos erschüttert werden. Vieh-Zölle und Getreide­müssen sich ergänzen; wollte man die ersteren aufheben und die letzteren bestehen lassen, so wäre das geradezu eine Prämiirung der „viehlosen Wirthschaft", welche mit Kunst- oder fremden Dünger den Getreidebau oder sonstige mehr „kaufmännische" Wirthschafts - Zweige forcirt.

Man sollte sich vor gesetzgeberischen Eingriffen in den Gang der Dinge um so mehr hüten, als die gute Futter-Ernte dieses Jahres der Entwickelung zum Guten sehr förderlich ist. Es sieht räthselhaft aus, daß gerade jetzt, trotz der befriedigenden Futter- Ernte, die Preise noch steigen. Darauf gibt Herr Hausburg die plausible Antwort, daß wir „augenblick­lich in einer gewissen Obstruktion leben". Wenn Futtermangel eintritt, wird das Vieh an den Markt geworfen. Wenn Futter genug vorhanden ist, so hal­ten die Landwirthe ihre Thiere möglichst zurück, um die guten Weiden und den sonstigen Futter - Vorrath aufs Beste auszunutzen. Dieser Zustand der „Ob­struktion" kann aber nicht lange dauern. Die fett ge­wordenen Thiere müssen doch in absehbarer Zeit an den Markt kommen und ihre Ankunft wird wenigstens ein weiteres Steigen des Preises verhindern. Ein er­bliches und andauerndes Sinken der Rindvieh - Preise wird freilich erst gesichert sein, wenn die in Folge der Preissteigerung angelegte Neuzucht das marktfähige Alter von etwa 3 Jahren erreicht hat. Ein schnel­lerer Abschlag ist beim Schweinefleisch zu er­warten. Herr Hausburg erachtet bei der großen Früh­reife der Zucht-Säue und der schnellen Marktreife ihrer zahlreichen Sprößlinge ein größeres Angebot zum Winter für wahrscheinlich. —

Wie man auch über die Einzelheiten dieser ver­wickelten Preisfrage denken mag, so ist doch so viel klar, daß mit dem manchmal üblichen Schimpfen aus Viehhändler und Schlächter nichts zu machen ist. Die Preise im Klein-Verkauf sind nicht mehr geftiegen, als die im Großhandel, und die Preise des letzteren sind nicht von Spekulanten gemacht. Ob auf kleineren Viehmärkten und Schlachthöfen ein „Ring" der Händler möglich ist, kann dahingestellt werden; auf dem großen

da ihnen der Kundschafter verloren ging, Verdacht schöpfen."

Dieses durch die Vorsicht gebotene Vorhaben wurde ausgeführt; dann kehrten wir zum Fort zurück, wo bereits alle Vorkehrungen zum Empfange der Wilden im Gange waren. Die Außenposten wurden eingezogen, um den Indianern das Anschleichen so leicht wie mög- lich zu machen, die vier Kanonen mit Kartätschen ge­laden, und jeder Mann erhielt außer der Doppelbüchse oder dem zweiläufigen Karabiner eine Pistole und ein scharfes Bowiemesser. Die Offiziere waren ohne Aus­nahme jeder mit mehr als einem Revolver bewaffnet. Es galt, gleich beim ersten Angriffe mit fo viel Schüssen wie möglich die Feinde zu begrüßen.

Wir saßen am Abend mit an der Offiziers-Tafel, und es war ganz erstaunlich, was Lincoln bei der Unterhaltung für außerordentliche Kenntnisse entwickelte. Trotz seiner Bescheidenheit schlug er einen der Gentlemen nach dem andern, und als die Rede dann auf den Ueberfall kam, meinte er:

„Die Hauptsache wäre, sie nicht bloß zu empfan­gen, sondern in der ersten Verwirrung mitten unter sie hineinzufahren. Ich rechne, wenn wir erfahren könn­ten, wo sie die Pferde lassen, so sind sie auf alle Fälle verloren. Ihr habt ein Detachement Dragoner zur Verfügung, Kornel; laßt diese Leute nach der ersten Salve auffitzen und sich der Pferde bemächtigen, od