17. Jahrgang
Freitag, den 22. August 1890
j\e 192
ul-aer Zeitung
Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Tilmann).
Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
preußischen Landtag und die neue Parteiverschiebung im deutschen Reichstag — all' diese Dinge haben das lausende Jahr zu einem der ereignißvollsten gemacht. Unter dem Eindruck aller dieser Vorkommnisse wird man in Koblenz zusammenkommen und in dem Gefühl, daß wir einer neuen Entwickelunng der Dinge entgegengehen, die neue Pflichten, neue Aufgaben und neue Opfer uns aufzuerlegen scheinen. Alles muß da aufgeboten werden, daß die Kirche ganz freigemacht werde in ihrer Lehre nicht nur, sondern auch in ihrer Verwaltung.
Nur eine vollständig freie Kirche, die davor bewahrt ist, als eine untergeordnete Dienerin gewissen Klassen gegenüber zu erscheinen, kann die hohe und erhabene' Aufgabe erfüllen, daß im Kampfe gegen die umstürzende Idee volle Gerechtigkeit walte und eine Freiheit, wie sie ihr von Gott verliehen ist und die ihr Niemand mehr beschränken sollte. ______
Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen" in Fulds und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
Die ,Fuldaer Zeitung" erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.
Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
* ZUM deutschen Katholikentag
schreibt die .Koblenzer Volkszeitung':
Vier Monate sind es, daß in München von einer ' Stelle aus, von der man es gar nicht erwarten konnte, der deutsche Katholikentag verhindert wurde. In ebenso unerwarteter Weise wurde Koblenz die Ehre zu Theil, Alles aufzubieten, daß am Rhein das ermöglicht werde, was man in München ganz gegen alle Gesetze des Rechtes und der Billigkeit versagen zu müssen geglaubt hat. Was für München und ganz Bayern schmerzlich erscheinen mußte, das sollte den erfreulichen Anstoß dazu geben, endlich nach langem, vergeblichen Warten uns in Koblenz eine Ehre zukommen zu lassen, woran man bis dahin zu denken kaum gewagt hatte.
Die unglückliche Maiverordnung wird, wie Windt- horst in Limburg bezeugte, jetzt schon in Bayern an höchsten Stellen beklagt als ein Fehler, der schon m einfachen, klugen Erwägungen nach der politischen Seile hin besser unterbleiben mußte. Aufrichtig beistimmen konnten nur parteifanatische Gemächer, denen Alles recht ist, wenn es gegen die Katholiken geht. In den Kreisen aber, welche nicht aus Parteirücksichten den allgemeinen Gesichtspunkten des Rechtes und grundsätzlichen Betrachtungen gänzlich entsagt hatten, mußte die Unmöglichmachuug des Katholikentages schmerzlich verletzen. ' Unter den treu zur Centrumspolitik stehenden Katholiken Bayerns machte sich bald eine Stimmung Luft, wie sie Görres in Koblenz hatte, als ihm die Nachricht zukam, daß in München sein .Merkur" verboten sei. „Eine solche Maßregel von dieser Seite"" schrieb er, „hat uns in keiner Weise überrascht, aber immer doch sehr verwundert' Thue Recht und scheue Niemand, sollte eine Regierung sich zum Wahlspruch machen; jetzt haben wir den Vortheil abgewonnen, daß wir diesen Spruch zum eignen machen können."" Seine Devise war: Tu contra audentior ito! „Auf nach Koblenz!"" lautete sofort in Bayern die Devise und nach Allem, was man hört, wird der Koblenzer Katholikentag gerade wegen seiner Vorgeschichte mehr aus Süddeutschlaud besucht werden, als dies sonst der Fall gewesen wäre.
„Auf dem schlichten Wege der Ehrlichkeit", der Wahrheit, des Rechts und eines offenen, muthigen Vertrauens, das mit jeder klugen Vorficht sich verträgt, ist allein durchzukommen"" sagt Görres in feinem Aussatz „Kotzebue und was ihn gemordet"". Das ist ein Grundsatz, der sich hoffentlich bald in ganz Deutschland Bahn brechen wird. Dieser Rechtsstandpunkt wird der in mehreren Beziehungen bedeutungsvolle Katholikentag in Koblenz besonders betonen. Seine Betonung ist wegen des Wechsels der leitenden Persönlichkeiten der Reichsregierung und der Verschiebung
Ö Aus Nordamerika.
Von Karl May.
(8. Fortsetzung.) '
Ich war eine ziemliche Strecke landeinwärts gegangen, um gute, haltbare Bandruthen zu schneiden. Ich hatte ein hinreichendes Bündel zusammen bekommen und streckte mich zu einer kurzen Ruhe auf den Boden nieder. Es war so still rundum, daß ich jedes Blatt fallen hören konnte. .
Da vernahm ich ans einiger Entfernung em leises, ganz leises Rascheln. Es war nicht in den Zweigen, sondern ans dem Boden. War es eine Schlange, ein sonstiges Reptil oder ein Mensch? Nur mit den Finger- und Zehenspitzen den Boden berührend, kroch ich geräuschlos auf die Stelle zu, und was meint Ihr, Gentlemen, was ich fah? Einen Indianer in voller Kriegerrüftung. Es war ein Choctaw, noch jung, denn Ihr wißt ja, daß manche Stämme nur die jungen Leute, um deren Muth und ihre List zu erproben, zu Kundschaftern verwenden. Jedenfalls hatte er den Auftrag, das Ufer des Flusses abzusuchen. Er hatte noch keine von unfern Spuren bemerkt und wand sich mit ziemlichem Geschicke durch die Büsche. Ich hatte nicht nur einmal schon eine rothe Haut geritzt und wußte, daß ich ihn nicht entkommen lassen durfte, wenn ich nicht unser Leben auf das Spiel fetzen wollte. Da galt
der Parteiverhältnisse im deutschen Reichstag doppelt nothwendig, da jetzt endlich gehofft werden kann, daß ohne Parteirücksichten der Standpunkt des Rechtes und der Gerechtigkeit siegreich vordringen werde. Dem wahren Frieden wird der Koblenzer Katholikentag gerade dadurch dienen, daß er mit dem guten Rechte und der Freiheit der Kirche die Grundlagen der staatlichen Ordnung vertheidigt. Vom Rechtsstandpunkte werden die Katholiken in keiner Weise sich abbringen lassen Sie vertrauen dem Worte: es soll keiner zagen der im Rechte steht. „Die Rheinfranken"", sagt Görres „haben sich wohl Unabwendbarem gefügt, aber nie freiwillig knechtig gedient, haben jenen Grad von Passivität noch nicht erreicht, der sie für ihre Rechte blind und gleichgiltig machen könnte."
Wie wir aber schon früher erwähnten, glauben wir bei aller Betonung des Rechtes kaum, daß man hier gar viel Wesens um die bayerische Verhinderung machen werde. Dafür steht, wie gesagt, die Katholikenversammlung zu hoch, und spricht seine Geschichte zu klar für diese Versammlungen, als daß man gewiße Verdächtigungen zu tragisch nehmen sollte. Welcher Geist auf dieser Versammlung herrschen wird, dafür bürgt schon der Kommissar, Se. Durchlaucht Fürst Löwenstein, der in seinem würdevollen Schreiben voll Achtung gegen die Autorität den Rechtsstandpunkt wahrt. Aeußere, leere Demonstrationen liegen, uns gänzlich fern. Noch immer stehen zwar die Deutschen, um einen Ausdruck des hochseligen Pius IX. zu gebrauchen, fest wie ihre Eichen, und weichen um keines Haares Breite von ihren Rechten, aber ebenso fern steht uns eine Agitation und Opposition, die in ihrer Art nur zum Schaden geistlicher und weltlicher Autorität ausfallen könnte. „Die katholische Kirche"", sagte schon 1852 ein Redner in Münster, „kennt keine Demonstration, keine Agitation, keine Opposition rm schlimmen Sinne des Wortes. Der katholische Verein kennt keine Leidenschaft dieser Art. Es treten Momente ein, wo der Verein kämpfen muß und es als heiligste Pflicht erkennt, einzutreten für die Grundsätze und Rechte der Kirche — er kämpft, aber fern Kampf ist ein Kampf, hervorgehend aus tiefstem Bewußtsein der Wahrheit und des Rechts, ein Kampf der Pflicht, ein Kampf der Abwehr/ ein Kampf der Kraft, aber auch immer zugleich ein Kampf der Liebe, die sich Resignation auf erlegt.'" „Wahrheit, Recht und Gerechtigkeit sind Gottesmächte, die sich vom Menschen nicht entthronen lassen."
Was dem heurigen Katholikentage sem besonderes Gepräge aufdrückt, ist die allgemeine Sage der katholischen Kirche im deutschen Reiche. Die Februarerlasfe des deutschen Kaisers der Rücktritt Bismarcks und Alles, was sich daran knüpft, die Sperrvorlage im kein Zögern. Ich zog das Mesfer, zwei Sprünge - er wandte sich nach mir, gab dadurch tue Brust frei, und in demselben Augenblick fuhr ihm die Klinge in das Herz. . .
Der arme Bursche konnte mich eigentlich dauern; er war ohne Kampf und auf seinem ersten Kriegspfade gefallen. Aber die Prairie ist eine grausame, unerbittliche Herrin, die keine andere Schonung kennt, als nur die eigene. Er war so gut getroffen, daß er nicht den geringsten Laut hatte ansstoßen können. Ich ließ ihn liegen, nahm mein Bündel und eilte zu Lineoln.
„Habt Ihr ein wenig Zeit, Sir?"
„Wozu?"
„Einen Jndsmann in das Wasser zu schaßen; ich traf ihn zwei Gänge von hier beim Spioniren und gab ihm das Meffer."
Ohne ein Wort zu sagen, ergriff er tue Buchse und folgte mir. Bei der Leiche angekommen, bog er sich zu ihr nieder.
„Tim Kroner, Ihr habt einen famosen Stoß. Hättet Ihr den Spion nicht getroffen, fo wären wir verloren gewesen. Ich sehe nun, Ihr seid wirklich em ganzer Mann geworden. Hier meine Hand, wir sagen Du!"
„Topp! Für diese Ehre lasse ich sogar den Canada- Bill laufen. Aber was nun?"
Deutsches Keich.
Berlin, 20. August.
* Zur Reform des Militärstrasprozefses hat eine Subkommission der mit dem Entwurf, beauftragten Kommission unter dem Vorsitz des Generalauditeurs jetzt die erste Lesung des Entwurfs beendet, welcher die zweite unmittelbar folgen soll. Die große Kommission tritt jedenfalls erst nach Beendigung der Herbstmanöver, also etwa im Oktober, zusammen. Ihre Beschlüsse gehen bann an das Reichs-Justizamt und dürften bann hier als Grundlage zu einem Entwurf für den Bundesrath bezw. für den Reichstag dienen.
* Bekanntlich ist vorn Handelsminister die Veranstaltung einet Enquete über die Sonntagsruhe angeordnet worden. Berichte liegen bis jetzt noch nicht vor mit Ausnahme des „Kaufmännischen Vereins,, zu Frankfurt a. M., der vom Regierungspräsidenten in Wiesbaden und von der Frankfurter städtischen Behörde um seine Ansicht angegangen worden ist. Der Verein faßte fein Urtheil über die Sonntagsruhe wie folgt zusammen: 1. Die Verkaufsstellen sind von 12 Uhr Mittags ab ganz zu schließen. 2. Die Beschäftigung in den übrigen Handelsgewerben ist mindestens auf zwei Stunden Vormittags einzuschränken. 3. Für Ausnahmefälle genügen die in §§ 105b und 105c vor- gefehenen Bestimmungen mit der Maßgabe, daß auch in Ausnahmefällen die kaufmännische Sonntagsarbeit nicht länger als zehn Stunden täglich dauern darf.
* Auf die im April von dem Bund deutscher Schneider-Innungen an den Minister für Handel und Gewerbe gerichtete Eingabe gegen die Offiziersund Beamten-Konsum-Vereine ist dem Vorstande des Bundes deutscher Schneider-Innungen folgender Ministerial - Bescheid zugegangen: „Die von
„Was nun? Sag'Deine Meinung, Tim; ich möchte sehen, ob Du das Richtige triffst!" .
Wir machen das Floß, so weit wir es fertig haben, ganz fertig; das erfordert keine halbe Stunde; dann sehen wir uns nach den Jndsmen um, damit wir wissen, woran wir sind. Es ist möglich, daß sie das Fort überfallen wollen, und dann müssen wir den Colonel warnen."
„Richtig! Greif ju!"'
Die Waffen des Indianers wurden unter Moos und Laub versteckt und er dann selbst so unter das Wasser befestigt, daß der Leichnam nicht emporsteigen und vor der Zeit nicht zum Verräther werden konnte. Dann ging es über das Floß her. Die -stamme des Schlußfeldes lagen bereit. Sie bekamen einstweilen Nochbänder, da wir diese später mit festeren vertauschen konnten; die bereits fertigen Ruderftangen wurden befestigt; dann brachten wir alles auf Vorrath ge- gefchossene Wild nebst den vorhandenen Kien- und Feuerspänen auf das Floß und waren nun, wenn die Noch eine schnelle Abfahrt erforderte, zu derselben bereit. _ „ „, ,,
Jetzt kehrten wir zu der Stelle zurück, an welcher ich den Choetaw getroffen hatte, und verfolgten von hier an feine Fährte. Sie war sehr deutlich zu erkennen, was bei einem alten Krieger sicherlich nicht der