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17. Jahrgang

Donnerstag, den 21. August 1890

M 191.

uldaer Zeitung

Druck u. Berlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. DiSmann).

Für die Redactiou verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda,

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sann- und Feiertage ausgenommen.

Inserate kosten die einspaltige Zeile ober bereit Raum 15 Pfg.. bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Keich.

Berlin. 19. August.

* Der ungarische Abgeordnete Emil Abranyi, der im ,Pesti Hlrtap' über eine Unterredung mit dem Fürsten Bismarck in Schönhausen berichtet hatte, erläßt folgende Erklärung: „Gegenüber der Ableug­nung der .Hamburger Nachrichten' halte ich meine Be­hauptungen aufrecht, da ich die Quelle der Ableugnung kenne, werde ich gegen dieselbe zuständigen Ortes tie erforderlichen Schritte thnn." Die .Hamburger Nach­richten' hatten bekanntlich erklärt, daß die fragliche Unterredung überhaupt nicht stattgefunden habe. Jn- zwifchen hat die Redaktion des ,Budapesti Hirlap' direkt eine telegraphische Anfrage an den Fürsten Bis­marck gerichtet, worauf folgende Antwort eintraf: „Telegramm erhalten. Herr Abranyi ist mir unbe­kannt, war niemals gemeldet, also von mir auch nie­mals empfangen worden. Fürst Bismarck."

* Der sozialdemokratische Reichstags - Abgeordnete Paul Singer erläßt eine Erklärung „an die Partei- Genossen Berlin's", aus der zu entnehmen ist, daß die für Mittwoch angesetzte Versammlung,. in der er die sozialdemokratische Reichstags-Fraktion gegen die wider sie erhobenen Angriffe vertheidigen wollte, auf Grund des Sozialisten-Gesetzes verboten worden ist. Das ge­fällt Herrn Singer nicht; er scheint der Meinung zu sein, daß das Gesetz, nachdem es doch einmal in 6 Wochen abläuft, überhaupt nicht mehr angenommen werden dürfe. Er verspricht aber, nach dem 1. Okto­ber „das Versäumte kräftigst nachzuholen". Jm Uebrigen bietet die Erklärung nichts Bemerkenswerthes.

* Dr. Peters trifft am Sonnabend hier ein. Die Sitzung des Emin-Pascha-Komitces zur Entgegennahme seines mündlichen Berichts ist auf Montag verschoben worden. Vor seiner Rückkehr wird Dr. Peters in der Schweiz mit Herrn von Bennigsen eine Besprechung haben.

* Von Bagamoyo wird demnächst eine große deutsche Karawane mit 2800 Trägern nach dem Innern aufbrechen; französische Missionare, welche nach Uganda zu ziehen beabsichtigen, werden sich dieser Karawane anschließen und für die am Wege gelegenen Missions-Stationen Waffen und Munition mitnehmen.

* Der Afrikaforscher Graf Joachim v. Pfeil erhielt das Ritterkreuz des großherzogl. mecklenburg- fchwerin'schen Greifenordens und der Forschungsreisende Hugo Zöller zu München das RitterkreuzI. Kl. des großherzoglich badischen Ordens vom Zähringer Orden.

* Die Klagen über die Höhe der Gerichts­kosten sind schon alt; aber eine Besserung 'ist noch immer nicht abzusehen. Wie dringend eine Abänder­ung der Gebührensätze ist, zeigt wiederum recht drastisch folgender Fall: Ein armer Arbeiter in Liegnitz wird

5 Aus Nordamerika.

Bon Karl May.

(7. Fortsetzung.)

Sie traten bei Seite, um zu berathen. Der Ca- nada-Bill verrieth sich. Er warf einen Blick auf den den noch vor ihm liegenden GeldHanfen und einen zweiten nach dem offen stehenden Fenster. Mit einem raschen Griffe erfaßte er von der Münze so viel, als er in der Schnelligkeit zu erlangen vermochte, dann sprang er zum Fenster. Aber schon hatte ich die Büchse erhoben.

„Stopp, Master Jones! Noch einen Schritt und Ihr seid kalt!"

Er blickte sich um, sah, daß es Ernst war, und blieb stehen.

„Ich zähle bis drei; liegt bann das Geld nicht wieder an seinem Platze, so gebe sch Feuer. Eins —“

Er setzte den Fnß zögernd znm Tische retour.

„Zwei--!"

Er legte das Geld zu dem andern.

„So, jetzt setzt Ihr Euch nieder und wartet ruhig, was geschieht!"

Ich ließ den Lauf des Gewehres sinken. Die Offi­ziere waren mit ihrer Berathung fertig, sie hatten natürlich den Vorgang beobachtet und traten nun wieder

von einem Gläubiger auf Zahlung von 1 M. 60 Pf. wegen einer Waarensordernng verklagt und durch Ver- säumniß-Urtheil zur Zahlung vernrtheilt. Kosten ent» stehen hieraus: Für Urtheils-Anssertigung 0,30 M., Zustellung und Pfändung (der Schuldner vermochte nicht ohne Weiteres zu bezahlen) 3 M., Leistungsge- bühr 2 M., Zahlungskosten 0,75 M., insgesammten 6,05 M. Das ist aber noch nicht Alles. Der Schuld­ner hatte unter den vielen Aktenstücken, welche ihm in dieser Angelegenheit zugingen, durch einen zweiten Ge­richtsvollzieher auch eine Kostenrechnung über 3,30 M. erhalten. Anstatt nun darauf aufmerksam zu machen, welcher Natur diese Kosten seien — in dem Wust von )urcheinander laufenden Kostennoten ist es einem in solchen Dingen Unerfahrenen sehr schwer, sich zurecht zu finden — hat man der die ersten Kosten zahlenden Frau des Schuldners auf Befragen, ob damit Alles erledigt sei, erklärt, sie habe Nichts weiter zu beglei­chen. Wie das stimmte, wurde Schuldner bald ge­wahr. Der Gerichtsvollzieher erschien und notirte: für Pfändung u. s. w. 1,40 M., „Leistung" 2 M., mit den 3,30 M., also 6,70 M. Somit hatte Schuld­ner bei 1,60 M. Forderung an Kosten allein 12,75 Mark zu zahlen. Das mag „recht" .sein, aber „billig" nicht.

* Dortmund, 18. Ang. Kürzlich wurde durch westfälische Großindustielle ein hochinteressantes Cirkular versandt, das die hiesige,Tremonia' im Wortlaut bringt. Wenn die Angaben des Cirkulars, das mit der Unter­schrift „Viele Industrielle" unterzeichnet ist, richtig sind, so muß selbst der Laie .unerhört!" ausrufen und bedauern, daß es trotz aller Wuchergesetze gegen die Bildung wucherischer, die Preise höher treibenden Ringe keine gesetzliche Abwehr gibt. Vor einem Jahre war der Preis für mittlere und gute Kesselkohlen, die für die deutsche Industrie in Betracht kommen, 45 bis 50 Mark pro Doppelwaggon (200 (Str.); heute wollen die Zechen, nachdem sie sich geeinigt nnd nachdem sie einen Ring gebildet haben, 140 bis 150 Mark ab Zeche!! Es ist ganz leicht zu berechnen, daß die Eisenindustrie durch diese ganz willkürliche Preis­steigerung mit der Zeit vom Weltmarkt einfach aus- geschlosfen würde. Die Eisenpreissteigerung ist schon jetzt eine ungesunde und kann nicht noch eine erheblich größere werden, soll nicht das Ausland, dankend für zu hohe Preise, seine Bestellungen ganz einstellen! Es stellt sich aber die ganze Kohlenpreistreiberei als nichts Anderes, als ein künstliches Manöver heraus, um die Taschen Einzelner in kurzer Zeit zu füllen, unbekümmert um den etwaigen Ruin ganzer Jndustrieen. Jenes Cirkular nennt diese Preiserhöhungen ein einer strafbaren Prellerei nahe kommendes Manöver, um so mehr als die seither bewilligten Lohnerhöhungen keine 10 Mark pro Doppelwaggon ausmachen. Sehr richtig herbei. Der Oberst reichte mir, abermals lachend, die Hand.

„Ihr seid ein ganzer Kerl, Master — — ja, wie nen.it Ihr Euch denn eigentlich?"

„Tim Kroner ist mein Name, Sir!"

„Also, Master Kroner, Ihr seid ein ganzer Kerl. Schade, daß Ihr nicht eine Stelle oder so Etwas bei meinem Regimente habt!" Und sich zu Jones wen­dend, fuhr er fort: „Ihr werdet für Eure Posse 50 gute Streiche auf die glatte Haut erhalten, Gern' man, und ich hoffe, daß sie Euch gut bekommen!"

„Fünfzig Streiche? Ich bin unschuldig und erkenne sie nicht an!"

„Well, Mylord, so erhaltet Ihr sie unschuldig, und wenn Ihr sie habt, werdet Ihr sie wohl anerken­nen müssen. Wollt Ihr aber nachher beim Präsidenten der Vereinigten Staaten dagegen appelliren, so will ich Euch zu diesem Zwecke einen Kreditbrief auf weitere fünfzig ober hundert schreiben. Lieutenant Welhnrst, nehmt ben Mann hinaus auf ben Hof unb sorgt dafür, daß er auch ganz und voll erhält, was er zu bean­spruchen hat!"

„Ihr dürft Euch da ganz gehörig auf mich ver­lassen, Colonel!" meinte der junge Offizier, indem er auf Jones zutrat. „Go on, Mann, die Fünfzig war­ten draußen!"

wird auch darauf hingewiesen, daß die Gruben die Kohlen (das Nationalvermögen) unter sremdem Privat- eigeuthum ohne alle und jede Vergütung wegnehmen, das Privateigenthum durch die vorkommenden Boden­senkungen ganz bedeutend entwerthen, ohne in den meisten Fällen merklichen Ersatz zu leisten. Denn nicht jeder Private ist in der Lage, gegen die übermächtigen Zechen Jahre lang schwierige und kostspielige Prozesse zu führen. Das mit reichhaltigem Zahlenmaterial ausgestattete Cirkular weist nach, wie durch die Kohlen­preistreiberei die Industrie einem bösen Krach entgegen geht, und es begehrt energische Staatshilfe gegen­über der unausbleiblichen Aussicht, in Folge der hohen Kohlenpreise die Fabriken schließen zu müssen. Das große Publikum, die Arb e it erwe lt und den Staat berührt das allerdings sehr nahe, ob durch die mindestens sonderbaren Manipulationen einer verschwindenden Minderheit die nach Hunderttausenden zählende Mehr­heit brodlos gemacht werden darf. Ist das so, so thut schnelles Eingreifen noth. Schlimmsten Falles würden auch die Millionen zum Ankauf der Zechen oder eines Theiles derselben seitens des Staates ebenso vorhanden sein, wie sie zum Ankauf der polnischen Güter vor­handen waren.

* Aus Bayern, 18. Ang. Die kgl. Regierung von Oberbayern hat angeordnet, besondere Erhebungen zu veranstalten, um genauere Angaben über das Vor­kommen und den Umfang der Güterzertrümmerungen zu erhalten und zu diesem Zwecke mehrfache 'Anord­nungen zu erlassen. Jede Gemeindebehörde hat die in ben Jahren 1888, 1889 und 1890 im Gemeindebe­zirke vorgekommenen Güterzertrümmerungen festzustellen und hierüber bis 31. Dezember d. Js. der vorgesetzten Verwaltungsbehörde Anzeige zu erstatten. Die ein­zelnen Gutszertrümmerungen sind für die drei Jahre 1888, 1889 und 1890 (chronologisch geordnet in die Tabelle einzutragen. Nur solche Gutszertrümmerungen sind in die Tabelle einzutragen, welche dazu geführt haben, daß ein bäuerliches Anwesen als solches nicht mehr fortbesteht. Die Abtrennung einzelner Grund­stücke von einem Anwesen und die Theilung eines Grundstückes in mehrere Theile kommt bei der gegen­wärtigen Erhebung nicht in Betracht.

Ausland.

* Paris, 18. Ang. Für den unter dem Vorsitz des Kardinals Lavigerie am 22. September zusammen­tretenden Antisklavereikongreß ist folgendes Pro­gramm festgesetzt worden : 1) die Entscheidung darüber, ob die einzelnen Nationalkomites sich ihre besonderen Thätigkeitsgebiete Vorbehalten sollen; 2) die Beantwor­tung der Frage, ob diese Kornites im Verein mit ihren betreffenden Regierungen eigenwillig gegen die Kougreß- akte ankämpfen dürfen; 3) die Auffindung von Mitteln,

„Ich gehe nicht von der Stelle. Ich will mein Recht!"

Da fuhr der Oberst auf den Absätzen herum.

„Er ist nicht zufrieden mit seiner Ration, Lieute­nant. Gebt ihm zehn mehr, also sechzig! Ich kann das wohl sagen, weil ich die Verantwortung aus mich nehme. Und geht er auch nun nicht mit, so erhält er für jede Minute weitere zehn mehr !"

„Nun?" frug der Lieutenant mit drohendem Blick. „Ich muß gehen; aber dieses „three carde monte“ werdet Ihr vielleicht nicht vergessen, denn ich werde mich an einen Richter wenden, an den jetzt keiner von Euch denkt!"

Er schritt voran und der Lieutenant folgte mit ge­spanntem Revolver. Jetzt wandte sich der Oberst wieder M mir. _

„Was ist's mit dem Morde. Sw? Wenn Eure Beweise gut sind, so bilden wir auf der Stelle eine Jury und geben ihm den Strick. Ihr wißt, auf welchem Territorium wir uns befinden, und daß ich das Recht habe, kurzen Prozeß zu machen!"

Ich erzählte ihm das Nöthige.

„Da steht Ihr auf schwachen Füßen, wie ich höre. Wir müssen entweder sein Geständniß oder wenigstens einen guten Zeugen haben, auf den man sich verlassen kann. Ich gebe Euch mein Wort: wenn ich ihn ver-