JV 190.
Mittwoch, den 20. August 1890.
17. Jahrgang
Fuldaer Zeitung
Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).
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Aus zur Katholikenversammlung nach Koblenz!
H. Nur noch wenige Tage trennen uns von der bevorstehenden Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Koblenz, die bekanntlich in den Tagen vom 24. bis 28. ds. Mts. stattfindet. Am Sonntag, den 24. ds., ist der Begrüßungsabend. Die alljährlich wiederkehrenden deutschen Katholikentage sind für das katholische Leben unseres weiten Vaterlandes von großer Bedeutung: „Die Versammlung aller Katholiken Deutschlands ist von so außerordentlicher Wichtigkeit und von einer solchen Bedeutung, daß ich der Meinung bin, es solle jeder katholische Mann, wenn er nicht durch seine Geschäfte oder andere Verhältnisse schlechthin verhindert ist, auf derselben erscheinen, um Zeugniß zu geben, daß er festhält zu der Fahne der katholischen Sache". Mit diesen Worten bezeichnete der greise Centrumsführer Windthorst den wichtigsten und entscheidenden Grund seines Erscheinens auf der zuletzt auf bayerischem Boden abgehaltenen deutschen Katholikenversammlung in Amberg, und damit die hohe Bedeutung der katholischen Generalversammlungen überhaupt.
Und fürwahr, Vieles haben sie geleistet und den Grund gelegt zu manchen auf dem verschiedenartigen Gebiete der katholischen Vereinsthätigkeit bedeutenden Schöpfungen. Die Tage der Generalversammlung sind bestimmt zu wechselseitiger Belehrung, bestimmt zur Verständigung und Einigung und endlich dazu bestimmt, die Vertreter des katholischen Deutschlands zu stählen und zu kräftigen in den schwierigen Verhältnissen der Gegenwart. Sie füllen die Kluft aus, welche die verschiedenen Stände im menschlichen Leben, Arm und Reich, Edelmann und Bürger, von einander trennt. Sie sind selbst von Einfluß auf das katholische Leben unserer Nachbarvölker. In Oesterreich und der Schweiz, wie in Belgien, in England wie in Holland und Dänemark, ja sogar jenseits des Ozeans, in den nordamerikanischen Freistaaten, kennt man ihre Bedeutung und weiß sie zu schätzen für die Wiedererweckung des katholischen Lebens.
Die deutschen Katholikentage haben bekanntlich den Zweck, theils in allgemeinen, theils in gesonderten Be- rathungen die besten Mittel und Wege zur Förderung des katholischen Geistes und des katholischen Lebens und Strebens in der Gegenwart ausfindig zu machen. Herausgewachsen sind sie naturgemäß aus den katholischen Vereinen in den einzelnen Orten selbst und deß- halb führten sie auch bis vor ungefähr 15 Jahren den Namen „Generalversammlungen der katholischen Vereine Deutschlands". Sie sind gewissermaßen mit diesen entstanden; dasselbe Jahr 1848, welches den Deutschen das Recht der freien Vereinigung und der freien Versammlung gewährte, hat auch die Mehrzahl der katho-
6 Aus Nordamerika. ,
Von Karl May.
(6. Fortsetzung.)
„So werde ich gehen und holen, was wir noch brauchen."
„Ihr? Könnt Ihr ein Floß regieren?"
„Wenn ich eins habe, ja, sonst aber nicht. Es wird ja klein genug werden und also nur einen Mann erfordern."
„Aber der Rückweg ist gefährlich, falls die Jnds- men sich nicht in eine andere Richtung schlagen. Es wundert mich, daß sie mir noch feinen Besuch abgestattet haben."
„Es wird gehen, Sir; darauf könnt Ihr Euch verlassen!"
„Gut. So ruht Euch von der Wanderung aus; ich werde mich sofort an die Arbeit machen, denn morgen muß das Floß fertig fein.“
»Ich bin nicht müde und werde helfen."
„Bounce! Ich sehe, daß Ihr ein brauchbarer Mann geworden seid. Com on also, ans Geschäft!"
Am andern Morgen schon schwamm ich auf dem Strom. Der Strom war immer frei, hatte ein gutes Gefälle, und so sah ich, als der Abend hereinbrach, das Fort vor mir liegen. Ich lenkte an das Ufer,
lischen Vereine und mit diesen die deutschen Katholikenversammlungen entstehen lassen.
Wohl Jeder, der das Glück gehabt, einem deutschen Katholikentage beizuwohnen, behält das, was er dort geschaut, in lebendig frischen Bildern vor seinen Äugen und was er dort gehört, klingt fort in seiner Seele, und die Stunden, die er dort verlebt, rechnet er stets zu den schönsten seines Lebens, und die Erinnerung an sie erfreut und begeistert ihn immer wieder zur Arbeit für Gott und Seine heilige Kirche. Die Erfahrung hat bewiesen, wie das begeisterte Wort belebend gewirkt, wie auf jeder dcr bisherigen Generalversammlungen irgend eine Hauptidee, betreffe sie die Freiheit der Kirche, die Unterrichtsfrage, die sozialen Interessen oder die christliche Kunst iu's Auge gefaßt und ihre Verwirklichung angestrebt wurde.
Ucberaus mannigfach sind die segensreichen Früchte der deutschen Katholikentage. An erster Stelle hat es eine unermeßliche Bedeutung, daß die zahlreichen Männer, welche in den verschiedenen Gauen Deutschlands an der Spitze der katholischen Bewegung stehen, auf den Generalversammlungen sich alljährlich zusammenfinden, hier abermals ihre Änsichten, Wünsche und neuen Erfahrungen austauschen, von einander lernen und sich gegenseitig aufklär^ "nd anfeuern. Also bereichert, kehren sie dann gekräftigt u»b schoben in die Heimath zurück, um unter dem Eindrücke der erheben den Versammlungstage und auf Grund der für Kopf und Herz gesammelten Schätze mit verdoppeltem Eifer und verdoppelter Kraft dieselbe Arbeit fortzusetzen, die sie vor Jahren schon begonnen und von der sie aus's Neue erfuhren, daß Tausende mit ihnen in gleichem Geiste arbeiten. Einigkeit macht stark! Für die Interessen des katholischen Deutschlands wird aber die Einigung durch kein Mittel so stark angebahnt, wie durch die alljährlichen Katholikentage.
Diesen hervorragenderen Arbeitern auf dem weiten und fruchtbaren Gebiete katholischen Lebens und Strebens schließen sich dann all' die Tausende an, welche das Auditorium der Generalversammlungen bildeten und von dort Anregung und Begeisterung nach Hause mitnahmen.
Daß in Koblenz die Versammlung einen äußerst glänzenden Verlauf nehmen wird, dafür bürgt schon die herrliche und günstige Lage der Stadt, die aus weiter Ferne manchen Katholiken herbeiziehen wird, den ein anderer Ort nicht angelockt hätte. Aber auch ihrer inneren Bedeutung nach wird die Koblenzer Versammlung zu den hervorragendsten der letzten Jahre gehören, schon aus dem Grunde, weil sie die erste in der „neuen Aera" ist, welche die Katholiken Deutschlands besonders in sozialpolitischer Beziehung vor ganz neue Verhältnisse und Aufgaben gestellt hat.
befestigte meine Stämme und schritt auf die Einfassung zu, welche die festen Blockhäuser umgab, die man hier Festung nannte.
Ein Posten stand vor dem Eingänge. Er ließ mich passiren als ich den Zweck meines Besuches angegeben hatte. Im ersten Hause zog ich nähere Erkundigung ein.
„Da müßt Ihr mit Colonel Butler, welcher hier befehligt, selber sprechen. Er befindet sich drüben im Offiziershause."
„Wer wird mich melden?"
„Melden? Mann, Ihr befindet Euch nicht vor dem weißen Hause in Washington, sondern beim letzten Posten vor der Jndianergrenze; da treibt man nicht derlei überflüssige Allotria! Wer durch die Pallisaden gelassen wird, darf feine Nase grab dahin stecken, wo schon andere Nasen gewesen sind."'
Ich schritt auf das mir bezeichnete Gebäude zu und trat durch die Thür in ein Parlour, in welchem sich fein Mensch befand. Aber aus dem Nebenraume erklangen mehrere Stimmen und das Geräusch von Gold- und Silberstücken.
Die Thüre war nur angelehnt. Ehe ich eintrat, wollte ich erst sehen, mit wem ich es zu thun bekam, und warf einen Blick durch die Spalte. Inmitten des Zimmers stand eine roh zubehauene Tafel, an
Deutsches Keich.
Berlin, 18. August.
* Der Kaiser sandte heute anläßlich des Geburtstags des Kaisers Franz Joseph telegraphische Glückwünsche nach Wien.
* Der Kaiser wird am 23. August Kronstadt verlassen und am 25. August in Memel landen. Dort ist ein Aufenthalt von einigen Stunden, Besichtigung der Stadt u. s. w. in Aussicht genommen. Von hier begibt sich der Kaiser an demselben Tage in das Manöver-Terrain in Masuren, um den großen Truppen - Hebungen des 1. Armeekorps beizuwohnen. Am 27. August gedenkt der Kaiser auf der Fahrt von Lötzeu nach Pillan Königsberg zu berühren. Von Pillan erfolgt die Weiterreise nach Kiel zur See.
* Prediger Thümmel-Remscheid erhält in dem Stöcker'schen ,Volk' einen gehörigen Nasenstüber. Derselbe hatte in der Versammlung der Akademischen Ortsgruppe des Evangelischen Bundes in Halle in seiner seltsam bekannten „Toleranz" geäußert, es gelte nicht bloß eine Vertheidigungs - Stellung gegen Rom einzunehmen, sondern vielmehr Umschau nach einem geeigneten Angriffe zu halten. Mit Bezug hierauf veröffentlicht ,Das Volk' ein „Eingesandt" aus Halle, worin die Frage aufgeworfen wird: „Wäre es in der gegenwärtigen Zeit nicht besser, wenn Herr Tyün.m:'' -in wenig Umschau in der Sozial-Politik halten, seinen Eist: der christlichen Sozial-Re- f o r m zuwenden und auf diesem Gebiete versuchen würde, die Römlinge in Schatten zu stellen? Versuchen Sie es einmal, Herr Thümmel!" Dasselbe gilt allgemein für die Evangelischen Bundesbrüder sowohl wie für die übrigen „Romhasser".
* Das Gesetz, die Fürsorge für die Waisen der Volksschullehrer betreffend, ist, wie schon gemeldet wurde, am 1. Juli d. I. in Kraft getreten, um bis zum Erlaß eines allgemeinen Unterrichtsgesetzes in Geltung zu bleiben. Zur Beseitigung verschiedentlich auftretender Zweifel mag hervorgehoben werden, daß das Gesetz ohne Frage auch rückwirkende Kraft hat, obwohl dies nicht positiv hervorgehoben wird. In der Begründung, welche seiner Zeit dem Entwurf beigegeben wurde, heißt es ausdrücklich: „Mit Rücksicht darauf, daß das gegenwärtige dringende Bedürfniß der Gewährung der Waisengelder ein sehr weit verbreitetes ist, wird es als zulässig und durch die besondere Sachlage geboten zu erachten sein, den zur Zeit des Inkrafttretens des im Entwürfe vorliegenden Gesetzes bereits vorhandenen Waisen die Vortheile desselben zu Theil werden zu lassen." Eine Lehrerwittwe mit etwa 6 Kindern, deren Mann kurz oder lange vor dem 1. Juli 1890 gestorben ist, wird demnach für ihre „Halbwaisen" vom 1. Juli d. I. ab jährlich 6X50 Mk.
welcher vielleicht zehn Offiziere verschiedener Grade saßen, und bei dem Lichte von einigen Hirschtalgkerzen Karten spielten. Und grad gegenüber dem Colonel, wahrhaftig, er und fein Anderer war es, da faß der Kanada-Bill vor einem mächtigen Haufen von Geld, Goldstaub und Klumpen und warf die drei Blätter zwischen den Fingern hin und her, daß es eine Art hatte.
Sie spielten „three carde monte.“
Keiner von den Männern fonnte mich sehen; ich zögerte einzutreten und überlegte eben noch, wie ich den Bill begrüßen solle, als ich dieselbe blitzschnelle Bewegung bemerfte, mit welcher er schon damals die vierte Karte in den Aermel geworfen hatte. Im Nu stand ich hinter ihm und hatte seinen Ärm erfaßt.
„Verzeihung, Gentlemen, dieser Mann spielt falsch." Er wollte aufspringen, fam aber nicht dazu, denn während meine Linfe seinen Arm gefaßt hielt, hatte ich ihm die Rechte so fest um den Hals geschnürt, daß ihm der Äthern verging und er feine Bewegung erzwingen fonnte.
„Spielt falsch?" fuhr der Oberst auf. „Beweist es! Wer seid Ihr und was wollt Ihr hier? Wie kommt Ihr in diesen Raum?"
„Ich bin ein Trapper, Sir, und komme, mir Einiges aus Eurem Store zu nehmen. Ich kenne