1820
1840
1860
1880
1890
Jahre
120.000 Kath.
500.000 „
900.000 „
1,320.000 „
1,620.000 „
1,692.098 „
450.000,
800.000, 1,100.000, 1,300.000, 1,353.455,
Bischöfe, 2669 Priester.
Die Zahl der Katholiken betrug im 1800 England 90.000 Schottl. 30.000 zus.
* Die katholische Kirche in England.
In manchen Ländern, in denen dem Katholizismus weitaus die Mehrzahl der Einwohner den Taufregistern nach angehört, ist seit einem halben Jahrhunderte eine zunehmende Erkaltung des Glaubens und ein Abfall vom christlichen Sittengesetze unverkennbar eingetreten, und zwar dies in einem um so höheren Grade, als die Kirche zur Staatssache gemacht ihr geistiges Leben gewissermaßen unter Polizei-Aufsicht gestellt wurde. An Stelle des gottgewollten Zusammenwirkens. der beiden Gewalten zum Heile und Wohle der Menschen ist da vielfach eine Verstaatlichung der Kirche getreten, die deren innerem Wesen durchaus widerspricht, die Herzen des Volkes von ihr abwendet.
Im Gegensätze zu dieser traurigen Erscheinung können wir eine Neubelebung des Glaubens und aller christlichen Tugenden, in Folge dessen eine rasche Verbreitung der Kirche bei denjenigen Völkern wahrnehmen, die sich von einem ungehörigen Staatseinflusse auf die Kirche loszulösen verstanden haben und bei denen dieselbe sich in aller gebührenden Freiheit und Autonomie ent- entwickeln kann. Wir haben hiebei hauptsächlich England im Auge.
Am 29. September 1850 hob Papst Pius IX., dessen segensreiche Regierung durch so viele großartige Thaten unvergeßlich in die Weltgeschichte eingetragen ist, die englische Kirche aus dem Missionszustande nach langen und schweren Jahrhunderten wieder in den geordneten, gesetzlichen Zustand empor. Durch die Bulle Universitatis ecclesiae wurde das Erzbisthum Westminster nebst den zwölf dazu gehörigen Bisthümern: Liverpool, Salford, Shrewsbury, Newport, Nottingham Southwark, Birmingham, Cliston, Plymouth, Hexham, Northampton und Reverley (an dessen Stelle vorläufig Leeds und Middelsbourgh; das Bisthum Portsmouth wurde von dem von Southwark abgetrennt) wieder hergestellt.
Am 20. Februar 1878 setzte Papst Leo XIII. das Werk seines Vorgängers fort, indem er an Stelle der damaligen apostolischen Vikariate der beiden Erzbis- thümer Edinbourgh und Glasgow errichtete, ersteres mit den vier Suffragan-Bisthümern Dankeld, Aberdeen, Galloway und Argyle.
Nun begann eine großartige Entfaltung des Katholizismus in England und Schottland. Im Jahre 1800 hatte England 4 apostolische Vikare, 43 Priester, Schottland 2 apostolische Vikare, 12 Priester; zusammen 6 apostolische Vikare, 5» Priester. Im Jahre 1840: England 8 apostolische Vikare, 608 Priester, Schottland 3 apostolische Vikare 60 Priester; zusammen 11 apostolische Vikare 668 Priester. Im Jahre 1800: England 1 Erzbischof, 14 Bischöfe, 2198 Priester, Schottland 2 Erzbischöfe, 4 Bischöfe, 324
Priester; zusammen 3 Erzbischöfe, 18 Bischöfe, 2522 Priester. Im Jahre 1890: England 1 Erzbischof, 14 Bischöfe, 2340 Priester, Schottland 2 Erzbischöfe 4 Bischöfe, 329 Priester; zusammen 3 Erzbischöfe, 18
Entsprechend bethätigten die Katholiken — nicht am wenigsten die Konvertiten aus der begüterten englischen Aristokratie; durchschnittlich gewann die Kirche jährlich 10,000 Konvertiten aus allen Ständen — ihren christlichen Sinn durch Werke des Glaubens und der Nächstenliebe. Während im Jahre 1800 in England und Schottland nur etwa 60 kleine, ärmliche Kapellen zu finden waren, gab es dort (schon vor 10 Jahren) 1562 zum Theile großartige und prachtpolle Kirchen und Kapellen, darunter die herrliche Kathedrale von Westminster, deren Erbauung mehrere Millionen gekostet hat.
Aehnlich hat sich das katholische Schulwesen — dieser untrennbare Bestandtheil der Kirche — gehoben. Mit Beginn dieses Jahrhunderts befand sich die katholische Schule Englands und Schottlands noch im Zustande der gänzlichen Zerstörung, aber 1840 besaß die katholische Kirche dort bereits 9 rein katholische Kollegien, welche theils von apostolischen Vikaren, theils von Benediktinern, Dominikanern und Jesuiten geleitet wurden. Im Jahre 1880 besaß England 23 und Schottland 4 katholische Kollegien, d. i. zusammen 27 Anstalten für den Sekundarunterricht, und dazu noch 600 Pfarreischulen, in welchen 118,000 Kindern der Primarunterricht ertheilt wurde.
Die kirchlichen Zerstörungen der neueren Zeit auf dem Kontinente, namentlich der Kulturkampf in Deutschland, habender katholischenSchule in England abermals neue werthvolle Kräfte zugeführt.
So sehen wir, während sich momentan tiefe Schatten auf das kirchliche Leben des einen Volkes niedersenken über einem anderen, der Freiheit und gesicherter Rechtszustände sich erfreuenden Volke die freudigste und hoffnungsreichste Morgenröthe erglühen.
Men, 7 Juden, 14 Sonstige. Die Katholiken sind hier also mit nur IOV2 pCt. an der Gesammtzahl betheiligt. Es gibt rund neun Mal so viel evangelische als katholische Offiziere u. s. w. in der preußischen Armee. Selbst in der überwiegend katholischen Rheinprovinz (72 pCt. Katholiken) sind von den Offizieren u. s. w. nur 22,8 pCt. katholisch, im Regierungsbezirk Köln 28,2 pCt. Man wird nicht fehlgehen, wenn man dies bedeutende Mißverhältniß zum Theil auf den in militärischen Kreisen zur Zeit noch herrschenden Standpunkt bezüglich der Duell-Frage zurückführt, der mit der christlichen, d. h. katholischen Moral nun ein Mal nicht vereinbar ist und durch welchen der die Grundsätze seiner Kirche achtende Katholik eigentlich ausgeschlossen ist. Anders schon stellt sich das Verhältniß bei den Civil- beamten. Im „Post-, Telegraphen- und Eisenbahn- Betrieb" sind die Katholiken im Direktions- und Inspektions-Personal mit 22,9 pCt., im sonstigen Ver- waltungs- und Unterbeamten-Personal mit 30,2 pCt. betheiligt. In „Verwaltung und Rechtspflege" (wobei leider die einzelnen Verwaltungszweige nicht getrennt, sondern Hofstaats-, Staats-, Gemeinde-, Standes- und grundherrliche Verwaltung, Rechts- und Wohl- thätigkeitspflege zusammengefaßt sind) sind die Katholiken bei den Oberbeamten mit 24,3 pCt., bei dem Bureau- und Dienst-Personal mit 24,1 pCt., die Juden mit 5,1 beziehungsweise 0,2 pCt. betheiligt. Diese Zahlen gewähren kein anschauliches Bild, da Staats-, Gemeinde- und Privat-Beamte bedauerlicher Weise nicht gesondert sind, Wie stark die Katholiken in den hohen Beamtenstellungen vertreten sind, darüber werden amtliche Mittheilungen trotz häufiger Anregungen von Presse und Volksvertretung kaum zu erwarten sein. Wer Einblick in die höhern Beamtenkreise gehabt hat, wird allerdings wissen, weshalb die bezüglichen Angaben vor der öffentlichen Kritik sich zu verbergen haben. Ein anderes Bild gewährt der Beruf der Gesundheits- und Krank en-Pflege. Von Aerzten, Direktions- und Verwaltungs-Personal sind 29,7 pCt. Katholiken, vom Warte- und Dienst-Personal 45,9 pCt. Letztere Zahl paßt gut zu der bekannten größern Opferwilligkeit der Katholiken auch in materieller Beziehung, wie sie aus dem Vergleich der von den beiden Konfessionen für milde Stiftungen, Schenkungen u. s. w. geleisteten Aufwendungen hervorgeht. Letztere betrugen nach einer zur Zeit durch die Blätter gehenden Notiz laut amtlicher Feststellung in Preußen im vorigen Jahre 3,018,326 Mk. von Seiten der Katholiken, 2,440,584 Mk. von Seiten der an Zahl fast doppelt so starken Protestanten.
* Die Nachricht, Fürst Bismarck habe in Schönhausen dem ungarischen Abgeordneten Emil Abranyi eine längere Unterredung gewährt, ist völlig aus der Luft gegriffen. Fürst Bismarck hat den Besuch jenes ungarischen Abgeordneten nicht empfangen und alle
50.000,
100.000,
220.000,
320.000,
338.643,
Deutsches Deich.
Berlin, 16. August.
* Von den in Preußen vorhandenen Offizieren und im Offiziersrange stehenden Heer- und Marine- Verwaltungsbeamten waren nach der Berufszählung vom 5. Juni 1882 10,862 Protestanten, 1276 Katho-
17. Jahrgang
Dienstag, den 19. August 1890.
JV 189.
Fuldaer Zeitung.
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Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
7--
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S_____2.
6 Aus Nordamerika.
Bon Karl May.
(5. Fortsetzung.)
Ich war schon lange nicht mehr grün im Fache, hatte eine gute Faust, ein Helles, offenes Auge, einen gesunden Körper und hinter mir einige Jahre voller Mühe und Erfahrung. Zuletzt war ich am oberen Laufe des alten Kansas auf Biber gewesen, hatte einen hübschen Fang gemacht, die Felle an einige Companymänner, welche mir begegneten, verkauft und suchte mir nun eine passende Gelegenheit nach dem Mississippi, denn ich wollte ein wenig hinüber nach Texas, von dem damals so viel erzählt wurde, daß Einem die Ohren ordentlich klangen.
Freilich gab es dabei mancherlei Schwierigkeiten, denn die Gegend, durch welche ich den Pfad schlagen mußte, war ganz verteufelt unsicher. Die Creeks, Seminolen, Choctaws und Comancheu lagen einander in den Haaren, bekämpften sich bis auf die Messerspitzen und behandelten dabei jeden Weißen als gemeinschaftlichen Feind. Es galt also, die Augen und Ohren offen zu halten. Mein Weg führte mich mitten durch das Kampfgebiet, und ich war ganz allein, also nur auf meine eigene Vorsicht und Ausdauer ange
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wiesen. Sogar ein Pferd mangelte mir; die Company- männer hatten es mir abgeschachert, und ich war darum gezwungen, auf meinen alten Moccassins zu reiten. So hielt ich ungefähr immer auf Smoky-Hill zu und konnte nach meiner Berechnung nicht mehr weit vom Arkansas sein. Ich traf immer mehr Wasserläufe, die sich nach ihm hinzogen, und stieß auf allerlei Gethier, welches nur an den Ufern großer Flüsse zu finden ist.
So schritt ich durch den Wald und stieß ganz unerwartet auf die Spur menschlicher Fußtritte. Sie rührten von einem Weißen her, denn die Zehentheile der Fußtapfen standen auswärts und nicht, wie es bei einem Indianer der Fall gewesen wäre, einwärts. Ich folgte den Spuren mit der größten Vorsicht und blieb nach einer Weile verwundert stehen. Eine laute, menschliche Stimme ertönte, und ich vernahm aus den Worten, daß eine zahlreiche Zuhörerschaft vorhanden sein müsse.
„So ist vorhin von dem Prokurator gesagt worden, Gentlemen und Ladies, die Ihr hier vor dem Richterhofe versammelt seid, um zu sehen und zu hören, in welcher Weise sich ein Mann, der des Mordes beschuldigt wird, aus der Anklagebank benimmt. Jetzt nun komme endlich auch ich, der Vertheidiger dieses Mannes, an die Reihe und werde Euch beweisen, daß
er vollständig unschuldig ist. Denn das muß ich Euch sagen, ich heiße Abraham Lincoln, und der ehrenwerthe Sir, dem dieser Name gehört, nimmt nur dann das Mandat eines Klienten an, wenn er die Ueberzeugung gewonnen hat, daß damit nicht die Vertheidignng eines Schurken verbunden ist —--"
„Lincoln, Abraham Lincoln?" dachte ich. „Da brauche ich nicht zu zögern. Vorwärts, hin zu den Genfs und Ladies, mit denen er spricht!"
Ich schritt rasch vorwärts. Wahrhaftig, da glänzte mir die Helle Fläche des Stromes zwischen die Bäume hindurch entgegen, und auf dem Wasser bemerkte ich die erste Stammlage eines angefangenen Flösse«. Darauf stand Lincoln, nicht mit Gentlemen und Ladies, sondern allein, ganz allein, hielt ein aufgeschlagenes Buch in der Linkers und focht zur Begleitung feiner Rede mit der Rechten in der Lust herum, als wolle er die Schnacken und Libellen fangen, die über den Wogen spielten.
Er bemerkte mich, als ich an das Ufer trat, ließ sich aber nicht im Mindesten stören.
„Good day, Master Lincoln! Darf ich ein wenig hinüber zu Euch?"
„Wer ist das? By god, das ist Master Kroner der sich um seine Braut geschossen hat! Bleibt noch