V 188.
Sonntag, den 17. August 1890.
17. Jahrgang
Fuldaer Zeitung
Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
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UM- Hierzu eine Beilage.
Jur Konferenz der Bischöfe Deutschlands.
Fulda, 16. August.
* Der alten Bonifatiusstadt wird im Laufe der nächsten Woche wiederum die hohe Ehre zu Theil, die Bischöfe des gesammten deutschen Reiches am Grabe des Apostels der Deutschen zu einer mehrtägigen Be- rathung kirchlicher Angelegenheiten sich versammeln zu sehen. Anläßlich dieses hochwichtigen Ereignisses wenden die deutschen Katholiken Herz und Gedanken wiederum hin zu der auserwählten Stätte, von wo einst christliche Wissenschaft und christliche Gesittung sich über Deutschland verbreitete, und im Laufe der Jahrhunderte Ströme der Gnade und des Segens sich über unser Vaterland ergossen. Mit den Kirchenfürsten vereinigen sich die Katholiken im Gebete zum heil. Geiste um Erleuchtung und um Verleihung jenes Muthes und jener Ausdauer, welche in den Fährnissen unserer Zeit nothwendig ist zur Erfüllung der oberhirtlichen Pflichten und zur Erreichung jener hohen Endziele, welche der Kirche zur Verherrlichung, dem Vaterlande zum Segen und den Gläubigen zum Heile dienen sollen. Aber nicht allein bei den Katholiken, auch im Lager der Gegner unserer heil, katholischen Kirche haben die Fuldaer Bischofs - Konferenzen allezeit ein gespanntes Interesse wachgerufen, und ist den oberhirtlichen Be- rathungen stets die größte Wichtigkeit beigelegt worden. »*• An der Ruhestätte der irdischen Ueberreste des hl. Bonifatius versammelten sich die Bischöfe Deutschlands zum ersten Male im Juli der Jahre 1856 und 1858, und zwar geschah dies gemäß einer aus Anlaß der elften Säkular-Feier des Märtyrer-Todes des hl. Bonifatius (1855) in Mainz und Fulda getroffenen Verabredung, sich von Zeit zu Zeit am Grabe des Heiligen in Fulda zu vereinigen. Auch die Jahre 1867 und 1869 machten eine Konferenz der deutschen Bischöfe nothwendig, weil zu dem allgemeinen Konzil, welches im Jahre 1870 zu Rom stattfand, Vorberathungen gepflogen werden mußten, und weil es angesichts der verschiedenen Strömungen, die sich der Definition des Unfehlbarkeits- Dogma's gegenüber geltend gemacht hatten, als Ge- wifsenspflicht erkannt worden war, die Gläubigen in einem gemeinsamen Hirtenschreiben zum Gehorsam gegen die kirchliche Autorität zu mahnen. Bei dieser Gelegenheit wurde zugleich der einmüthige Beschluß gefaßt, in Fulda eine katholische Universität zu gründen. Ein Jahr später traten die vom Vatikanischen Konzil aus Rom zurückgekehrten deutschen Bischöfe abermals in Fulda zusammen und verkündeten jene Beschlüsse, durch welche das Todesurtheil des Altkatholizismus besiegelt wurde. Am 19. Juli laufenden Jahres waren es 20 Jahre, daß das Vatikanische Konzil die päpstliche Unfehlbarkeit aussprach und Frankreich die Kriegs- Erklärung an Preußen ergehen ließ. Aus jene Zeit ist auch der Ursprung des inzwischen gegen die katholische Kirche geführten großen Kampfes zurückzuführen. Die Kirche hat diesen Kampf mit Gottes Hilfe siegreich überstanden. Vor Allem aber ist Fulda in jedem wichtigen Momente der unter dem Namen „Kulturkampf" zusammengefaßten kirchenpolitischen Streitigkeiten diejenige Stätte gewesen, wo sich unsere Oberhirten zu geschlossenem Vorgehen einigten. Von Fulda aus übersandten die preußischen Bischöfe am 11. April 1872 an das Ministerium einen gegen das neue Schulaufsichts-Gesetz vom 11. März 1872 gerichteten Protest, worin sie erklärten, daß sie forffahren würden, ihrer Pflicht gegen die ihrer Hirtensorge anvertrauten Kinder in Bezug auf Unterricht und Erziehung gerecht zu werden. Als es trotzdem mit der Gefährdung der Freiheit unserer hl. Kirche immer ernster wurde, überreichten die Bischöfe Deutschlands den einzelnen deutschen Regierungen von Fulda aus jene als „Fuldaer Bischofs-Programm" bezeichnete Denkschrift vom 20. September 1872, in welcher die der katholischen Kirche garantirten Rechte noch einmal klar dargelegt wurden mit der Versicherung, daß die Kirche auch fernerhin an denfelben festhalten werde, möge kommen, was da wolle. Im Mai des folgenden Jahres (1873) veröffentlichte der preußische Episkopat von Fulda aus
einen gemeinsamen Hirtenbrief, auf die Gefahr hinweisend, daß die damals vorgelegten Gesetzentwürfe zur Unterdrückung der katholischen Kirche und zur Gründung einer deutschen Nationalkirche führen müßten. Die Bischöfe erklärten deshalb, lieber Alles dulden zu wollen, als ihrer Hirtenpflicht untreu zu werden, und ermahnten die Priester und Gläubigen, treu zu ihren rechtmäßigen Oberhirten zu stehen.
In Folge der nunmehr über die katholische Kirche hereingebrochenen Trübsal, der Einkerkerung von Bischöfen und Priestern und sonstigen unbeschreiblichen Elends, an das wir nicht weiter erinnern wollen, mußten auch die Bischofskonferenzen eine jahrelange Unterbrechung erleiden. Erst vom Jahre 1884 ab traten die Bischöfe Preußens wiederum alljährlich zu ihren Konferenzen in Fulda zusammen. Hatten sie früher von hier aus die Priester und Gläubigen ermahnt und ermuntert, für die gefährdeten Rechte der Kirche einzutreten, im Kampfe um die höchsten Güter auszuharren und in den Tagen der Bedrängniß das Vertrauen auf Gottes Beistand nicht zu verlieren, so ließen sie nunmehr von Fulda aus dem katholischen Volke das verdiente Lob zu Theil werden, durch treues Ausharren im Kampfe ein Schauspiel geworden zu sein für Engel und Menschen.
„Ihr seid," so sagten die Bischöfe in dem betr. Smdschreiben, „eurem Heiland und seiner hl. katho- „lischen Kirche treugeblieben. Das bezeugen „wir, euere von Gott gesetzten Hirten, euch vor der „ganzen katholischen Christenheit; und dieses Zeug- „niß soll als ehrendes Denkmal aufgerichtet „bleiben, folange die Well steht.... Ihr habt „alle Lockungen, die an euch herantraten, um euch „vom Wege der Pflicht abzubringen, standhaft zu- „ rückgewiesen; ihr habt die schweren, bitteren Leiden, „denen ihr nach Gottes Rathschluß nicht entgehen „solltet, starkmüthig erduldet. Ein Schauspiel für „die Engel, die Menschen und die Welt seid ihr, „ist die Kirche in unserem Vaterlande geworden. „Fest geeint stehen wir da; geeint sind die Gläu- „bigen mit ihren rechtmäßigen Hirten in Gehorsam „und Liebe; geeint sind diese Hirten unter ein- „ander in'Wort und Thal zu unerschütterlicher „Eintracht; geeint sind wir Alle mit demober- „stenHirten,' welchem Jesus Christus seine Heerde „anvertraut hat....."
Obgleich der offene Ansturm gegen die Freiheit der Kirche abgewehrt worden war, hatten die Bischöfe leider noch fortgesetzt Ursache, in ihren jährlichen Kollektiv-Hirtenschreiben wehmüthige Klage zu erheben. Wenn auch im Jahre 1887 größere Schritte zur Beendigung des Kulturkampfes seitens des Staates geschahen, und der „Zugang zum Frieden" gesunden wurde, so nahte sich dem Herzen unserer Oberhirten nunmehr die Besorgniß, es möchte der Feind auf Schleichwegen zu erreichen suchen, was er im offenen Kampfe nicht ertrotzen konnte. Ihre Hirtensorge war fortan darauf gerichtet, die nach schwerem Kampfe errungenen Erfolge zu sichern, die katholische Einheit und Einigkeit aufrecht zu halten und auf diese Weise der Erlangung eines ganzen und dauerhaften Friedens den Weg zu bahnen. Während sie so bemüht waren, die alten Schäden des Kulturkampfes zu beseitigen, fehlte es nicht an neuen Sorgen, die das Herz unserer Oberhirten erfüllten. Noch in frifchester Erinnerung sind ja die Klagerufe, welche unsere Bischöfe laut werden ließen über die unwürdige Lage des hl. Vaters in Rom und über die skandalöse Giordano- Brunofeier. Gleichzeitig mit dem an den hl. Vater, Papst Leo XIII., gerichteten Protestschreiben gegen jene Feier erließen sie im vorigen Jahre (1889) den überaus herrlichen Hirtenbrief über das einträchtige Zusammenleben der Angehörigen verschiedener Konfessionen. Mit maßvoller Entschiedenheit legten unsere Bischöfe Verwahrung ein gegen die in den letzten Jahren wahrgenommene „planmäßige konfessionelle Hetze, welche nur dazu geeignet sei, die Katholiken zu kränken, die Andersgläubigen aufzuregen und den religiösen Frieden aufs Neue zu gefährden." Mit vollendetem Takt war dabei jede Verletzung des protestanti- fchen Bewußtseins vermieden worden.
Während nun auch in diesem Jahre der preußische
Episkopat am Grabe des hl. Bonifatius die speziellen kirchlichen Angelegenheiten Preußens einer gemeinschaftlichen Berathung unterzieht, vereinigen sich mit ihm zugleich die übrigen deutschen Bischöfe, um die sozialen Aufgaben der Zukunft und die Frage eines deutschen Missionshauses zu erörtern. Beide Punlle sind ja in dem bekannten päpstlichen Schreiben an den Herrn Erzbischof von Köln dem gesammten deutschen Episkopat ans Herz gelegt worden. In Betreff der sozialen Aufgaben sagt der hl. Vater u. A.:
„Es könnte sich für Uns in der That nichts „Erfreulicheres ereignen, als wenn Deutschlands „Bischöfe mit jener Beharrlichkeit die sie aus- „zeichnet, zugleich mit Unterstützung der Geistlich- „keit oder Gläubigen, unter demselben glück- „lichen Schutz der Religion, unter welchem das, „was wir geschildert, unternommen worden ist diese „so nutzbringenden Werke und Einrichtungen weiter „auszubreiten und noch durch andere ähnliche „zu vermehren vermöchten, zumal in jenen Orten „welche sich vor anderen durch die Blüthe ihrer „Industrie und Gewerbe und durch ihren „stärkeren Arbeiterzuzug auszeichnen. Wenn „diese Aufgaben, so wie Wir es wünschen, gelingen, „dann wird man gewiß den Hirten Deutschlands „Glück wünschen müssen, daß sie sowohl für die „öffentliche Kirche nach bestem Vermögen ge- „ forgt, als auch die Sache der wahren Humani- „tat, welche dem bürgerlichen Leben geziemt, in die „Hand genommen haben."
Bezüglich der Mission in Afrika heißt es in dem päpstlichen Schreiben:
„Da nun die kaiserlich deutsche Regierung be- „schlossen hat, in die unter ihrer Schutzherrschaft „stehenden Gegenden Aftika's den katholichen Prie- „stern, welche sich den heiligen Missionen widmen, „den Zugang zu gestatten, so können Wir nicht „umhin, Dich und die anderen verehrungswürdigen „Brüder, welche die Diözese des Deutschen „Reiches leiten, auf das dringendste zu er- „muntern, emsig nachzuforschen, ob im deutschen „Klerus, der ja hervorragende Beweise von Stand- „Haftigkeit, Geduld und apostolischen Eifer gegeben „hat, Einige von Gott berufen zu fein scheinen, den „in Finsterniß schmachtenden Völkern Afrikas das „Licht des Evangeliums zu bringen. Damit diese „aber um so leichter dem göttlichen Rufe folgen „können, wünschen Wir sehnlichst, daß namentlich „durch Deine Fürsorge, aber auch durch die ver- „einigten Bemühungen der übrigen Bischöfe „des deutschen Reiches und der Gläubigen ein „Institut gegründet werde, in welchem einheimische „Kleriker zum Eintritt in die hl. Mission Aftika's „gehörig vorbereitet werden, nach dem Muster des „im belgischen Königreiche eingerichteten Kollegs, „in welches diejenigen ausgenommen werden, die sich „im Kongogebiet der Verkündigung des Evangeliums „widmen wollen."
Da in St. Ottilien (Diözese Augsburg) bereits eine Missionsanstalt für Deutsch-Ostafrika besteht, so werden die Bischöfe zu berathen haben, ob für die afrikanische Mission an St. Ottilien anzuknüpfen oder noch ein neues Institut daneben zu gründen fei.
Ob auch die im Jahre 1869 beschloßene Gründung einer katholischen Universität in Fulda Gegenstand nochmaliger Erwägung sein wird, das entzieht sich wie alles Andere vorläufig noch der öffentlichen Kenntniß. Auf die Weisheit der Nachfolger des hl. Bonifatius, auf unsere Bischöfe, setzen wir das vollste Vertrauen, daß sie in jeder kirchlichen Angelegenheit gleichviel welchen Namens und Inhalts den rechten Weg einschlagen werden, und die thatkrästige, einmüthige Unterstützung auf welche unsere Oberhirten allezeit bei Klerus und Volk rechnen dürfen, bietet zugleich die zuversichtliche Hoffnung, daß die angestrebten Ziele mit Gottes Beistand auch erreicht werden können. Das einträchtige Zufammenwirken zwischen Episkopat, Klerus und Volk hat uns in den letzten zwei Jahrzehnten siegreich gemacht und wird uns auch in Zukunft über alle Noth und Bedrängniß hinwegführen. Mögen nach Gottes hl. Willen auch die diesmaligen Berathungen und Beschlüße