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JM 185.

Mittwoch, den 13. August 1890.

17. Jahrgang

Fuldaer Zeitung

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Druck u. Berlag der Fuldaer Actiendruckerei (9L Dillmann).

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* Die Klöster find die Begründer der Elementarschulen.

Geschichtlich nachweisbar ist, daß jedes Kloster auch eine Schule war. Nach Tausenden zählten schon in dem 5. und 6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung die Zöglinge einiger Klosterschulen. So hatte die Schule von Clonard in England im 6. Jahrhundert 3000 Schüler, diejenige von Bangor in demselben Lande 4000. Aehnliche Erscheinungen beobachtet man in den folgenden Jahrhunderten in den Klosterschulen Italiens, Frankreichs und Deutschlands. Allerdings wurden in diesen Anstalten zunächst die höheren Wis­senschaften gepflegt. Gleichwohl fetzt die große Zahl der Klosterschulen in den verschiedenen Ländern und ihr ganz auffallender Besuch voraus, daß der Elemen­tarunterricht nicht vernachlässigt wurde. Wo die höh­eren Studien so blühten, waren gewiß auch die Ele­mentarkenntnisse in weiten Kreisen verbreitet, und wenn die Ordensleute allenthalben Schulen zur Erwerbung von Kenntnissen in Wissenschaft und Kunst gründeten, werden sie sicherlich nicht den allgemeinen Unterricht des Volkes versäumt haben. Diese Schlußfolgerung müßte man an sich schon machen, wenn man auch nicht aus der Geschichte wüßte, daß die Ordensleute von Anfang an die größte Sorgfalt darauf verwendeten, um dem gewöhnlichen Volke, soweit es die damaligen Verhältnisse erlaubten, den nöthigen Unterricht in der Religion und in den Elementarfächern zu ertheilen. Daß die Zahl der Analphabeten, das heißt diejenigen, welche nicht lesen und schreiben konnten, damals viel größer waren als heute, muß zugegeben werden.

Den Ordensleuten, und ihnen in erster Linie, ge­bührt das Hauptverdienst, schon in den ersten Jahr­hunderten der Kirche sich des Volksunterrichts ange­nommen zu haben. Bereits die Einsiedler der thebai- schen Wüste empfingen aus den Händen ihrer in der Wüste zurückgebliebenen Freunde Kinder zur Erziehung. Der hl. Pachomius (f 348) forderte nicht nur von seinen Novizen, daß sie lesen und schreiben lernten, sondern unterrichtete selbst in diesen Fächern die ihm anvertrauten Kinder. Geradezu rührend ist es, in der Lebensbeschreibung des hl. Hieronymus (f 420), jenes großen Gelehrten und Bibelübersetzers, zu lesen wie dieser Heilige neben seinen zahlreichen Arbeiten noch Zeit fand, sich in Bethlehem der Erziehung einiger kleinen Kinder zu widmen, und ihnen in den Anfangs­gründen der profanen Wissenschaften Unterricht zu geben. Der hl. Chrysostomus (f 407), Bischof von Konstan­tinopel, bezeugt, daß schon zu seiner Zeit die Einwoh­ner von Antiochien, wo er geboren und Priester war, ihre Söhne in die dortigen Klöster schickten. Der hl. Benedikt (f 643), der Patriarch des Mönchthums im

6 Aus Nordamerika.

Von Karl May. ’

' (1. Fortsetzung.)

„Wen bringst Du hier, Tim?" frug der Vater, der gerade im Hose stand und die Truthühner fütterte.

„Weiß nicht, was er ist; ein Master William Jones aus Canada, glaube ich."

„Welcome, Sir! Steigt herunter und kommt herein!"

Er gab ihm die Hand und führte ihn in die Stube und überließ es mir, für das Pferd Sorge zu tragen. Als ich damit fertig war und nachfolgte, stand der Fremde vor Mary, die während meiner Ab­wesenheit auf Besuch gekommen war, und kniff sie in die Wangen.

„Daran, seid Ihr eine allerliebste hübsche Miß!"

Sie erröthete über die Beleidigung, hatte aber sofort das rechte Wort auf der Zunge.

„Habt Ihr vielleicht einen Schluck Whiskey zu viel, Sir?"

„Wohl kaum, denn in der Prairie ist dieses Labsal nicht zu finden."

Er wollte den Arm um sie legen, bekam aber einen Stoß von ihr, daß er zurücktaumelte und den Stuhl, an welchem er sich zu haltm versuchte, beinahe um- gerissen hätte.

Abendland, schreibt im Kapitel 70 der Ordensregeln ausdrücklich vor, daß man den Kindern bis zu ihrem 14. Lebensjahre große Sorgfalt in der Erziehung und Wachsamkeit in Allem zuwenden solle. Was hier der Ordensstifter bestimmt, das haben seine zahlreiche Söhne in allen Ländern und in allen Zeiten getreulich aus­geführt. Der Benediktinerorden war es ja, welcher m den folgenden Jahrhunderten die meisten Missionäre stellte und eine Anzahl von Klöstern und Schulen gründete, um überall mit dem Lichte des Evangeliums auch Wissenschast und Bildung zu verbreiten. Die meisten Klöster bildeten ausgedehnte Studienhäuser, welche nicht bloß'von den Kindern des Adels und der Freien, sondern wie es in einem Kapitulare von Aachen betont wird, auch von denen der Hörigen und Armen besucht wurden. Während im Allgemeinen die Hauptklöster Mittelpunkte der höheren Wissenschaften bildeten, dienten die gewöhnlichen Klöster als Elemen­tarschulen für die Jugend der Umgegend.

Thatsächlich war der Unterricht beinahe vollständig in den Klöstern konzentrirt und wurde allen Denjenigen, welche darnach verlangten, in reichlichem Maße zu Theil; dahin kamen die kleinen Kinder, um lesen zu lernen, wie der hl. Bonifatius von der Kloster­schule zu Fulda bezeugt. Es gibt viele Beispiele, daß Kinder mit 7, 5 oder 3 Jahren ausgenommen wurden. Wie allenthalben Gelegenheit gegeben war, die Kinder auch in den Elementar-Fächern unterrichten zu lassen, geht aus der Verordnung eines Konzils zu Mainz um die Mitte des 10. Jahrhunderts hervor, daß alle Kinder entweder in die Klosterschulen oder in diejenigen ihrer Seelsorger geführt werden sollen, um dort die nothwendigsten Glaubens-Wahrheiten und das Gebet des Herrn in ihrer Muttersprache zu erlernen. Also nicht bloß den künftigen Kloster-Bewohnern, son­dern allen Christenkindern überhaupt öffneten die Mönche ihre Thore und gewährten ihnen die Wohlthat des Un­terrichtes ; denn „es ist", so sagt Zerve, ein blinder Mönch des 6. Jahrhunderts, „mehr werth, ein kleines Kind zu unterrichten, als demselben große Reichthümer zu sammeln."

Nach diesem goldenen Spruche handelten alle Ordens­leute; daher ihr Eifer im Unterrichte der Jugend, da­her ihre Sorgfalt, die Kinder auch zu erziehen. Um sich einen Begriff dieser Sorgfalt zu machen, muß man die Annalen der einzelnen Klöster durchgehen. Da schreibt z. B. ein Mönch: „Nachdem ich oft betrachtet habe, wie sorgsam man bei Tag und bei Nacht über die Kinder wacht, sagte ich bei mir selbst, daß schwer­lich der Sohn des größten Königs in einem Palast mit mehr Sorgfalt erzogen werden könnte, als dem Letzten unter ihnen in unserem Kloster erwiesen wird."

Wie man Alles aufbot, den Kindern den Besuch

„Zounds, seid Ihr ein couragirtes Weibsbild! Mögt wohl ein ander Mal zahmer sein!"

Das ging mir an die Galle. Ich trat ihm näher und ließ ihn meine Fäuste ein ganz klein wenig sehen.

„Diese Miß ist meine Braut, und wer sie ohne meine Erlaubniß anrührt, kann sehr leicht einige Zoll Bowiekneif zu kosten bekommen. Hier zu Lande gilt das Gastrecht heilig, und wer dies vergißt, wird dar­nach behandelt, Boy!"

„Alle Wetter, versteht Ihr, eine Rede zu halten, mein Junge! Also eine Braut habt Ihr schon? Well, so trete ich zurück!"

Er hing seine Büchse an die Wand und machte es sich so bequem, als ob er zur Familie gehöre. Der Mann gefiel weder mir noch dem Vater, und auch die Mutter machte sich nicht viel mit ihm zu schaffen. Das schien ihn aber nicht zu kümmern; er that, als habe ihm kein Mensch etwas zu sagen, und als am Abend Fred Hammer mit Betty auf eine Stunde kam, führte er das große Wort und erzählte von den Aben- teuern, die er in der Prairie erlebt haben wollte.

Ich wette zehn Bündel Dickschwanzfelle (Biber­häute) gegen einen einzigen Kaninchenbalg, daß der Mensch mit keinem Fuß in der Savanne gewesen war, denn dazu war sein ganzes Habit zu sauber. Wir ließen ihn das auch merken, und um sich aus der Affaire zu ziehen und etwas Anderes auf das Tapet

der Schule zu erleichtern, dafür ließen sich viele Bei° spiele anführen. Nur eines möge aus dem Leben des hl. Cadoc (522—590) erwähnt werden. Dieser Mönch, ein Fürstensohn Cambriens in England, wanderte nach Frankreich aus und gründete auf einer kleinen öden Insel Armorika's ein Kloster. Um die damit verbun­dene Schule den Kindern der Gegend, die zweimal des Tages zu Schiffe vom Festland nach der Insel kamen, zugänglicher zu machen, baute er über den Meeres-Arm eine steinerne Brücke von 450 Fuß Länge. Bon ihm rühren auch zahlreiche Sinnsprüche, welche sich bis auf den heutigen Tag erhalten haben, z. B. folgender:

„Ohne Lehre, ohne Unterricht;

Ohne Unterricht, ohne Kenntnisse;

Ohne Kenntnisse, ohne Weisheit;

Ohne Weisheit, ohne Frömmigkeit; Ohne Frömmigkeit, ohne Gott; Ohne Gott, ohne Alles."

Nach dem Vorbilde der Männer-Klöstcr hatten auch die Frauen-Klöster Schulen, in welchen nicht nur die künftigen Novizen, sondern auch zahlreiche junge Töch­ter erzogen wurden. Eine Anzahl solcher Mädchen­schulen werden uns in Deutschland aus der Zeit des hl. Bonifatius mitgetheilt. Besonders ist es die hl. Lioba, die Freundin und die Gehülfin dieses Apostels der Deutschen, welche sich mit ihren Ordens- Genossinnen dem Unterricht der weiblichen Jugend wid­mete. Auch ist zu bemerken, daß in all' diesen Mäd­chen- wie Knabenschulen die Kinder der sogenannten Hörigen keine Vergütung bezahlten, sondern auf Kosten der Klöster unterhalten wurden.

Diese kurzen Notizen über das Wirken der katho­lischen Ordensleute vor mehr als 1000 Jahren können wohl klarlegen, daß die Klöster die Begründer und auch die Förderer der Elementar-Schulen sind.

Deutsches Keich.

B erlin, 11. August.

(*) Nachdem am Sonntag Morgen unter donnerndem Hurrah der Helgoländer und der anwesenden Gäste auf dem Gouvernementsgebäude die deutsche Flagge gehißt war, legten nunmehr die Helgoländer die letzte Hand an die Vorbereitungen zum Empfange des Kaisers. Im Hasen lagen 24 stolze Schiffe unter dem Oberbefehl des Viceadmirals von der Goltz vor Anker und erwarteten die Ankunft des obersten Kriegs­herrn. Je näher die Stunde heranrückte, zu welcher man den Kaiser erwartete, desto lebhafter wurde das Treiben auf der Insel und desto größere Menschen­massen sammelten sich in der Nähe der Landungsstelle an. Kurz nach 10 Uhr erschienen Staatssekretär von Boetticher, der Gouverneur von Helgoland Kapitän z. S. Geiseler, der Kaiserliche Kommissar Wermuth, Gesandter zu bringen, griff er in die Tasche und zog ein Packet Spielkarten hervor.

„Spielt Ihr gern, Mesch'schurs?"

„Zuweilen," meinte der Vater. „Der Nachbar Fred stammt aus Germany, wo man ein schönes Spiel macht, welches Skat genannt wird. Er hat es uns gelehrt, und da giebt es des Abends einen Zeitvertreib menn man sonst nichts Besseres vorzunehmen weiß."

„Habt Ihr auch von dem Spiele gehört, welches man da drüben „Kümmelblättchen" nennt, Master Hammer?" frug Jones.

„Nein."

„Hier im Lande heißt es „three carde monte“ und ist das schönste Spiel, welches es gibt. Ich habe es zwar nur ein einziges Mal gesehen und bin ein Lehrling dabei; aber ich werde es Euch doch einmal zeigen."

Es ist wahr, dieses „three carde monte“ gefiel uns Allen, und es dauerte gar nicht lange, so hatten wir uns darein vertteft, und selbst die Frauen wagten einige Cents zu setzen. Es schien wirklich so, daß Jones nichts davon verstand; wir gewannen, und es dauerte nicht lange, so mußte er in die Goldstücke greifen, deren er eine ganze Menge bei sich trug. Wir wurden muthiger und setzten mehr; das Glück begann zu wanken, so daß wir das Gewonnene verloren und zum eigenen Gelde greifen mußten. Einzelne Treffer lockten uns