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Beilage zu Nr. 183 der „Fuldaer Zeitung".

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" Sonntag- den 10. August 1890._____________________________

wird später geschehen? Wird jenes mächtige Werkzeug wirthschaftlichen Fortschrittes- welches wir den Chinesen in die Hände geben- sich nicht gegen uns wenden? Gegenwärtig kaufen wir in China bedeutend mehr, als es von uns bezieht. Nach der französischen amtlichen Statistik beläuft sich der chinesische Import nach Frank­reich auf einen Werth von 80 Millionen Francs­während Frankreich nur für 3 Mill, seiner Maaren nach China absetzt. Belgien, schreibt der -Courier de Bruxelles', befindt sich in ähnlicher Lage: es impor- tirt aus China für 7,757,000 Francs Maaren und etzt dorthin nur für 420,000 Francs ab. Wird der Bau der chinesischen Eisenbahnen diese Verhältnisse nicht zu Gunsten Europas umgestalten? Wir glauben kaum! Was können wir China bieten, das es nicht schon im Ueberfluß besäße? Gold, Silber, Kupfer, Zinn besitzt es unerschöpflicher Menge. Baumwolle, Reis, Thee, Seide, Porzellan? Seine Produktion in diesen Artikeln übersteigt seinen Bedarf und doch sind dies säst die einzigen derartigen Massen-Konsumartikel. Wenn das Eisenbahnnetz, welches, durch die Linie von Han-Kean nach Peking, alle Städte des Innern in Verbindung setzt mit der Reichshauptstadt, vollendet sein wird, so ist zu fürchten, daß China sich nicht da­mit begnügen wird, den riesigen Ueberschuß seiner Pro­duktion an die Küste zu verfrachten und dadurch der europäischen Landwirthschaft und Indu­strie eine furchtbare Konkurrenz zu bereiten. Diefe neuen Verkehrslinien werden vielmehr ein starker Antrieb für die ohnehin fchon fo bedenkliche chinesische Einwanderung werden, jener Geißel für die Ar­beiter Nordamerikas. Diese Gesahr ist eine gute Mahnung für diejenigen Regierungen, und für die­jenigen herrschenden Klassen, die von dem Glauben an eine nothwendig glückbringende Weltkonkurrenz besessen sind. Die 410 Millionen bedürfnißloser, in thieriicher Weise lebender Chinesen werden ihnen durch ihre Konkurrenz dieses Vergnügen nicht bereiten. Die Frage dient ernst erwogen zu werden. Die Regierungen haben alle Ursache sich nach Maßnahmen umzusehen, um unsere Arbeiter vor einer Ueberfluthuug durch Konkurrenten zu schützen, welche deren ohnehin schon so wenig befriedigende Lage noch elender machen würden.

Vermischtes.

* Mainz, 6. Aug. Trotz den energischen Mitteln, mit denen man der „N o n n c" in den Gonsenheimer Kirchenwaldungen zu Leibe geht, werden immer größere Walddistrikte von dem gefährlichen Insekte befallen. Auf weiten Strecken sind von den Kiefernbäumen fast sämmtliche Nadeln abgefressen und stehen wie verdorrt da. Die Vermehrung des Insektes ist eine ganz riesige; Hunderte von Eiern hängen an den einzelnen Baumstämmen und Tausende des braungefleckten Schmetterlings fliegen umher. ■ Auf Anordnung der Gemeinde befaßt sich in der Zeit von 5 bis 8 Uhr Morgens die ganze Schuljugend noch fortgesetzt mit der Vertilgung des Insektes und fängt jedes Kind durchschnittlich täglich 500—600 Stück, was pro Tag etwa eine Million ausmacht.

* Aus Athen kommt die telegraphische Nachricht von einer furchtbaren Katastrophe, deren Schauplatz der seit mehr als zwei Jahrtausenden berühmte Berg Athos war, jetzt ge­wöhnlich Hagion Oros, der Heilige Berg genannt. Der größte Theil der prachtvollen, uralten Waldungen, welche diesen Berg bedeckten, ist in Flammen aufgegangen. Der Schaden beträgt fünf Millionen Francs. Auch zahlreiche Menschenleben sind zu beklagen. Nicht weniger als zwanzig Mönche haben in dem brennenden Walde ihren Tod gefunden.

(Englische Arroganz.) Das -Wiesbadener Tageblatt berichtet unter dem 30. Juli: Ein Sohn Albions ließ sich auf dem Neroberg außer seinen Speisen und Getränken noch folgen­dermaßen bedienen: Er wünfchte einen Stuhl für die Füße, einen Stuhl für den Hut, einen Stuhl für den. Stock- einen Stuhl für das Perspektiv und einen Stuhl für den Hund, zu­zahl von Eifenbahnmännern besichtigt und dabei be­sonders auch die Schwellenschiene der Untersuchung unterworfen. Besonderes historisches Interesse erregten dabei die der ersten, von George Stephenson in Eng­land erbauten Lokomotivbahn entnommenen Geleisestücke, aber noch größeres Interesse die Geleisestücke neuerer Systeme, welche die Spuren ihrer Mängel in lehr­reichster Weise an sich tragen. Diese Mängel verringern mehr und mehr, je stetiger die Unterstützung der Fahr­schiene durch die Schwelle, je stärker und sicherer die Verlaschung und je einfacher die Verbindung von Schwelle und Schiene wird, fo daß die Schwellenschiene nach jahrelanger Erprobung die größte Widerstandsfähigkeit gegen die Beanspruchung des Be­triebes bekundet. Auf einem Theil der Bahn Georgs­marienhütte Hasbergen ist der Schwellenschienenoberbau im Betriebe und zwar in Längen von mehreren Kilo­metern die älteste Konstruktion seit 8 Jahren, die neueren seit 7, 6 und 4 Jahren. Bei mehrmaliger Befahrung dieser Strecke wurde der zu Gunsten der Schwellenschiene sprechende Unterschied besonders gegen den Querschwellenoberbau, aber auch gegen den Langschwellenoberbau auf das deutlichste em­pfunden. Kein Stoß störte das gleichmäßige Dahin­rollen der Wagen, auch das Durchfahren der auf der Station Holthausen verlegten Weiche mit durchgeführtem

fammen 6 Stühle. Was ihm natürlich Alles bereitwilligst ge­währt wurde. , .

(Tabaksverbrauch.) Ein französischer Stattsttker hat ausgerechnet, daß der alljährlich in Frankreich verbrauchte Tabak, als Strick von zwei Zoll Durchmesser gedacht, 30 Mal um deu Aequator gelegt werden könnte. Zu festen Ziegeln gepreßt, gäbe die gleiche Quantität Tabak eine Pyramide, welche beinahe die Höhe der dritten großen Pyramide Aegyptens erreichen würde; zu Schnupftabak zerrieben, genügt der Tabak, um eine große Stadt zu verschütten, wie dies im Alterthum Herculanum und Pompeji zustieß. Vielleicht findet sich ein gewissenhafter Statistiker, um die Richtigkeit dieser Behauptung zu prüfen.

* (G e s ch w i n d i g k e i t s v e r s u ch e.) Auf der Strecke Montereau-Sens wurden dieser Tage Geschwindigkeitsversuche mit verschiedenen auf französischen Bahnen gebräuchlichen Eilzug- Lokomotiven angestellt. Als Siegerin ging aus dem Wettkampfe eine der Ostbahn gehörige, in Epernay umgebaute Crampton- Maschine hervor, welche eine Fahrgeschwindigkeit von 144 Kilo­meter in der Stunde erzielte, also ungefähr das Doppelte der gewöhnlichen Schnellzüge.

* Die Unleserlichkeit von Handschriften ge­bildeter Personen wird jetzt allmählich selbst gelehrten Kreisen unerträglich und hat die Berliner Akademie der Wissenschaften veranlaßt- in einem soeben erlassenen Preisausschreiben zu er­klären- daß Schriften, die in störender Weise unleserlich geschrieben inb, von der Bewerbung ausgeschlossen werden können. Da der Vreis 5000 Mk. beträgt- so können die siegesgewissen Schlecht- chreiber auch in der That die Kosten des Abschreibens sich leisten.

* (A m e r i k a n i s ch e r H u m o r.) Der Herausgeber des New-Porker -Demokrat' veröffentlichte jüngst folgende Anzeige: Gestorben. Ein junger Freund von uns- Namens Bacon- früher in La Crosfe, neuerdings in Newjersey ansässig, ist t o d t. Er borgte vor 4 Wochen 5 Dollars von uns und versprach, sie in einer Woche zurückzuzahlen. Da er ein Gentlemen und ein Mann von Wort war und seither nichts von sich hören ließ, muß er natürlich tobt sein. Er war ungefähr 35 Jahre alt und Partei­genosse.

* (Militär-Tod.) Unteroffizier in derJnstruktionsstunde: Also aufgepaßt! Ich will euch jetzt die verschiedenen Todesarten beim Militär erklären, damit ihr wißt, was ihr vorkommenden Falles zu erwarten habt. Da ist zuerst der Tod auf dem Schlacht- elde! Das ist ein herrlicher Tod, ein famoser Tod und jeder von euch Kerls müßte sich freuen, wenn ihm überhaupt erlaubt wird, eines solchen Todes zu sterben. Dann ist der Tod in der Garnison zu erwähnen. Auch immerhin ein ganz netter Tod. Ihr werdet hinausgetragen aus den Soldatenkirchhof und eure Kameraden schießen eine dreimalige Salve über euer Grab. Es ist dies sehr schmeichelhaft und ein folcher Tod im allgemeinen auch recht wünschenswerth. Die dritte Todesart hingegen ist überaus verwerflich und sollte eigentlich gar nicht erlaubt sein. Ich meine nämlich den Tod aus Urlaub. Da werdet ihr ein« ach in euerm Heimathsdorf unter die Erde gebracht, wie jeder andere gewöhnliche Civilist. Es ist dieser Tod eines Soldaten absolut unwürdig. Es ist ein Tod — na, wie soll ich mich denn gleich ausdrücken — es ist überhaupt eigentlich gar kein Tod. — (Drucksehl?r.) Im 20: Programm des Realprvgym- nasiums und Progymnasiums zu Münden in Hannover ist am Schluß der Bestimmungen für die öffentliche Prüfung zu lesen: „Bierstimmiger Schlußgesang". Auf der Schule sollten eigent­lich Bisrstimmen noch nicht vorkommen.

(Unangenehme Zuvorkommenheit.) Student 3t.: Eine ärgerliche Geschichte, schickt mir da mein Onkel freiwillig 20 Mark." — Stuhent B.: „Na, freu' Dich doch!" — Student A.: „Ach was, ich wollt' ihn ja grab' um 50 M. anpumpen!"

Haus- und Landwirthschaft.

* Um Rostflecke aus Leinwand zu entfernen, weicht man die betreffende Stelle mit einer Lösung aus 1 Theil Blutlaugensalz, 500 Theilen Wasser und 1 Theil konzentrirter Schwefelsäure ein, wäscht dann mit weichem Wasser aus und entfernt den jetzt blauen Fleck mit Pottaschelösung.

* (Die rothe Rübe als Blattpflanze.) Jeden Winter steht auf meinem Blumentifche — schreibt ein Mitarbeiter des .Naturfreund' — unter den grünen Blattpflanzen ein Topf mit rothen, glänzenden Blättern. Die Pflanze wird viel bewundert, da die schön gefärbten Blätter eine hübsche Abwechslung bieten. Ich wurde oft gefragt, wo und unter welchem Namen ich diese Pflanze gekauft hätte. Es ist eine gewöhnliche rothe Rübe, im Herbste kaufe ich sie auf dem Markt, und sie dient den Winter über zur Zierde des Blumentisches.__

Der Postdampfer „Noordland" der ,Red Star Line', in Antwerpen, ist laut Telegramm am 7. Aug. wohlbehalten in New-Hork angekommen.

Schwellenschienensystem war kaum wahrzunehmen. Auch die Beobachtung des Geleises während des Vorüber­fahrens des Zuges ergab, daß beim Uebergang der Räder von einer Schiene zur anderen nicht der geringste Schlag erfolgte, woraus der überaus zufriedenstellende Zustand der Lage des Geleises sich genugsam erklärte. Die gleiche Beobachtung wurde am folgenden Tage bei der Befahrung der Strecke Stadthagen-Lindhorst der Hannoverschen Bahn gemacht, wo der Schwellen- Schienen - Oberbau sich bis jetzt ebenfalls vortrefflich bewährt hat. Im Ganzen sind bislang 26 Kilometer Geleise auf Hauptbahnen mit der Schwellen - Schiene ausgerüstet. Bei den Probe-Fahrten wurden wieder­holt die kleinsten Regungen der Schienen mittelst des Taster-Apparates untersucht. Dieser Apparat zeichnet in großen Linien die sämmtlichen Schwankungen und Erschütterungen der Schienen auf und die Vergleichung der verschiedenen Proben siel dabei ganz hervorragend zu Gunsten der Schwellen-Schiene aus. Diese Schiene ist auch auf manchen Strecken fchon angewendet, so liegt ein Probe-Kilometer auf der Linie Berlin-Köln, ferner ist dieses System in Betrieb auf der württem- bergischen Linie Beimerstetten-Ulm und neuerdings auch auf einem Theile der Strecke Mühlacker-Bretten. Viel­leicht wird es auf diese Weise möglich, bei voller Fahr- Sicherheit ein ruhigeres Fahren zu erreichen.

„Der Dapst regiert die Welt."

* Hofprediger Stöcker klagte in der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 22. März d. I., Windthorst habe öffentlich erklärt: „Der Papst regiert noch immer die Welt." Ganz das gleiche Bekenntmß wie Windthorst legen nun zahlreiche protestantische Politiker und Schriftsteller ab. So äußerte sich:

1) Der protestantische Professor Dove aus Bres­lau im preußischen Herrenhause am 2. Jun 1883: „Ich halte den Papst für die größte politische Welt- Macht des Jahrhunderts."

2) Der berühmte protestantische Philosoph Leib­niz schrieb im 5. Bande seiner Werke Seite 65: „Nach meinem Dafürhalten müßte man in Rom felbst einen Gerichtshof für die Streithändel der Fürsten unter dem Vorsitze des Papstes haben," also ein internationales Schieds-Gericht zur allgemeinen Abrüstung und Ver­minderung der Steuer-Lasten. _

3) Der protestantische Staatsmann Pitt m Eng­land schrieb 1734: „Man muß ein Band finden, das uns wieder Einheit gibt. Der Papst allein kann dieses Band sein. Die Rechtlichkeit seiner Absichten wird von Niemanden bezweifelt." . .

4) Der reformirteMinister Guizot sagt m seiner Schrift (l’egliae et la societe 1861): „Alles in Allem genommen ist es das Papstthum und es allein, was im Namen der Religion die natürlichen Rechte der Menschheit zwischen den Staaten, den Fürsten und Völkern versöhnend vermittelte, um Gerechtigkeit, He^ lighaltung der Verpflichtungen zu empfehlen. Hierdurch hat es gegen die Anmaßung und Leidenschaften der Gewalt die Grundsteine zum Bau des internationalen Rechtes gelegt." . .

5) Der englische Lord U r a u b a r t erklärt tn seinem Appell eines Protestanten an den Papst um Wieder­herstellung des Völker-Rechtes: „Die Wiederherstellung kann allein durch die katholische Kirche mit dem Papste an der Spitze geschehen."

6) Der protestantische Philosoph Herder schrieb in seinen Ideen zur Philosophie der Geschichte: „Ohne die Päpste wäre Europa wahrlich ein Raub der Despoten, ein Schauplatz ewiger Zwietracht oder gar eine mon­golische Wüste geworden."

Wie seine Vorgänger im Mittelalter wünscht auch Papst Leo alle politischen Streitigkeiten durch Schieds- Gerichte beendigt zu sehen und bedauerte daher noch vor einigen Monaten in einer Anrede die Vermehrung der Heere und die damit vielfach verbundene Sitten­losigkeit wie Ueberbürdung der Völker. Ganz in gleichem Sinne hat sich Windhorst kürzlich erst im Reichstage bei der Debatte über die neue Militär-Vorlage für internationale Schieds - Gerichte und Anbahnung der internationalen Abrüstung ausgesprochen.

* Die Wnesengefahr.

Ein englisches Blatt theilte unlängst mit, daß China, mit allen seinen Traditionen brechend, sich entschlossen habe, das Innere des ungeheueren Reiches durch Eisenbahnen zu eröffnen. Der erste Ein­druck, den diese Nachricht in Europa machte, war jener der Genugthuung: China legt seine Grenzwälle nieder — rief man aus — jetzt gehören uns seine Schätze! Nach und nach aber machte sich eine andere Regung geltend: die der Besorgniß. Allerdings meinte man, die großartigen Arbeiten, zu denen die chinesische Re­gierung sich entschlossen hat, werden der Eisenindustrie Europas eine schöne Einnahme gewähren — aber was

* Gin Fortschritt im Eisenbahnwesen.

Eine große Klage der Eisenbahnreisenden sind die vielen Erschütterungen während der Fahrt. Besonders bei der Schnell fahrt sind die Erschütterungen oft fast unerträglich. Längst schon sind die Techniker be­strebt, das zu verbessern, aber es ist bisher noch nicht recht gelungen. Hätten unsere Eisenbahnen eine größere Spurweite, so könnte man schneller und ruhiger fahren. Die Spurweite der Eifenbahnen läßt sich aber nicht mehr ändern. Sie wurde von England herübergenommen und Baden, das Anfangs eine größere Spurweite be­saß, war genöthigt, seine Bahnen wieder umzubauen, damit auch nichtbadische Wagen das kleine badische Ländchen befahren könnten. In Europa hat nur Ruß­land eine andere Spurweite und das in der Absicht, so sich von den übrigen Staaten abzusperren. Mit der jetzigen Spurweite müssen wir also rechnen und daher sind die Bemühungen der Techniker hauptsächlich darauf gerichtet, den Oberbau der Eisenbahnen fo zu gestalten, daß er eine möglichst ruhige Fahrt gewährt. Neuer­dings nun hat man die S ch w e l l e n s ch i e n e erfunden, und erwartet von ihr die größtmögliche Ruhe während der Fahrt. Diese Schwellen-Schiene wird von der Georgs-Marien-Hüttezu Osnabrück gefertigt. Dieses Stahlwerk wurde am 1. Juni von einer großen An-