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Aus Stadt. Provinz und Dachbargeüiet.
Fulda, 2. August.
* Zu Margrethenhaun bei Fulda verstarb am Donnerstag Abend 9*^ Uhr, wohl vorbereitet durch den Empfang der hl. Sakramente, nach kurzem Kran
sammlung der Katholiken Deutschlands gelösten allgemeinen Mitgliedskarten auch zum unentgeltlichen Besuch der Ausstellung.
* Aus Saarbrücken wird gemeldet, den fiskalischen Bergarbeitern wurde bekannt begeben, daß der größte Theil ihrer wiederholt aufgestellten Forderungen behördlicherseits genehmigt worden ist. Die betreffenden Zugeständnifse werden als Nachtrag zur Arbeitsordnung betrachtet und sollen mitsammt dieser dem Land- und Reichstag vorgelegt werden.
* Leipzig, 31. Juli. Während die Auszahlung der Gehalts-Zulagen an die Postbeamten in Berlin noch aussteht, ist hier die „Ausschüttung" bereits erfolgt; aber viele Beamten sind leer ausgegangen. Es betrifft dies hauptsächlich die jüngeren Postverwalter. Aeltere Postverwalter, die über 16 Jahre im Dienste sind, haben 100—500 Mark bekommen. Es ist ja zuzugeben, daß nicht Alle gleichmäßig hoch bedacht werden können; aber wenn man sich Monate lang auf eine unverhoffte Zulage gefreut hat und bekommt dann „unverhofft" gar nichts, so erzeugt das eben Mißstimmung.
Ausland.
* Athen, 1. Aug. Die Kaiserin Friedrich ist mit den Prinzessinnen - Töchtern gestern wohlbehalten hier angekommen und von einem großbritannischen Geschwader unterwegs schon auf hoher See empfangen worden. Im Piräus wurde die Kaiserin vom Könige von Griechenland erwartet. Dem Vernehmen nach gedenkt Ihre Majestät längere Zeit zum Besuch? am griechischen Königshofe zu verbleiben und hat beim griechischen Kronprinzenpaare Wohnung genommen. — Der Pariser Matin' läßt sich von hier melden, daß Professor O l s h a u s e n die Kronprinzessin Sophie in sehr bedenklichem Zustande vorgefunden und sein Befremden über die vorherige ungeeignete Behandlung ausgesprochen habe.
* Die Pforte verweigert die von Serbien geforderte Genugthuung wegen der Ermordung des serbischen Konsuls in Prischtina. Der serbische Anspruch auf Genugthuung ist freilich sehr fragwürdig; die Pforte hat gethan, wozu sie völkerrechtlich verpflichtet war: sie hat eine strenge Untersuchung angeordnet. Dabei hat sich ergeben, daß der That keinerlei politische Motive zu Grunde lagen; wie käme sie dazu, nun noch eine besondere Entschädigung zu zahlen. Serbien droht mit der Abberufung des serbischen Gesandten in Konstantinopel. Die Aufrechterhaltung der diplomatischen Beziehungen zur Pforte dürfte aber für Serbien noch nothwendiger sein, als für die Türkei.
* Buenos-Aires, 31. Juli. Die zweitägige Beschießung der Stadt durch Revolutionäre richtete großen Schaden an. Die Vertreter sämmtlicher fremden Mächte erhoben bei der Regierung Einspruch gegen das Bombardement. Die Revolution wurde durch General Roca gänzlich unterdrückt. Die Aufregung in der Stadt läßt nach. Eisenbahnen und Telegraph sind wieder im Betriebe. Bei dem ganzen Aufstande wurden ungefähr 1000 Menschen getödtet und 5000 verwundet.
New hork, 1. Aug. Aus San Salvador wird gemeldet: General Rivas, welchem befohlen worden war, von Honduras nach Salvador zurückzukehren, um Truppen gegen Guatemala auszuheben, beging Verrat h. Statt an die Grenze zu gehen, kam Rivas plötzlich mit 2000 Indianern nach der Hauptstadt (San Salvador) zurück, griff die schwach besetzten Ar- tlllerrekasernen an und eroberte dieselbe nach erbittertem Kampfe. Mehrere Häuser wurden geplündert und eine allgemeine Panik folgte. Unterdessen eilte General Ezeta mit 2000 Mann von der Grenze zurück, griff Rivas an und schlug ihn. Die Ruhe ist augenblicklich wiederhergestellt.
Deutsches Keich.
Berlin, 1. August.
* Die arbeiterfreundlichen Bestrebungen des Kaisers machen sich bereits bei vielen staatlichen Fabriken in günstigster Art geltend. So hat vor Kurzem die Leitung der königlichen Gewehrfabrik in Danzig diejenigen Kinder ihrer Arbeiter, deren Gesundheitszustand zu wünschen ließ, zu langem Aufenthalt in das See- hospiz bei Zoppot gesandt.
* Von den neuen Münzen der deutschostafrikanischen Gesellschaft sind die ersten Stücke fertig geworden. Es sind Kupferstücke, ähnlich den 20-Pfennigstücken aus Nickel. Die Flächen sind, ebenso wie bei diesen, durch eine mittlere Kreislinie in zwei concentrische Kreise getheilt. Auf der einen Fläche ist m dem äußeren Kreise in lateinischen Lettern die Inschrift zu lesen: „Deutsch-ostafrikanische Gesellschaft 1890". Der innere Kreis wird durch den deutschen Reichsadler ausgefüllt. Die andere Fläche hat gleichfalls zwei concentrische Kreise; dort, wo unsere 20- Pfennigstücke den Eichenlaubkranz zeigen, schmückt die Kupfermünzen der ostafrikanischen Gesellschaft ein Lorbeerkranz. Die innere Kreisfläche füllt eine arabische Aufschrift aus. Die Randfläche ist glatt. Von dieser Münze o gehen 64 Stück auf eine Rupie. (1 Rupie
N^eh einer Meldung der,Times^ vom Donnerstag aus Sansibar, stieß die deutsche Expedition gegen die Mafitis auf keinen Widerstand. Der letzte Rebell ist also besiegt, die ganze Nordprovinz dauernd pacificirt. Die Mafitis sind geflohen. Der gefangene Häuptling wird von der Expedition nach Sansibar gebracht. Den Mafitis (d. h. Räuber) wurde, i«. t r1?1 Stober vor. Js. gegen Bagamoyo rückten, nach heftigem Kampfe eine vollständige Niederlage beigebracht, doch scheint bei ihnen diese Lehre nicht dauernd gefruchtet zu haben.
* Coblenz, 1. Aug. Die ,Cobl. Volkszta/ meldet: ^n Rücksicht auf die Menge der ihm gestellten Aufgaben und die Kürze der Zeit, welche ihm zur Bewältigung derselben verblieben ist, hat der Lokalausschuß für die diesjährige Generalversammlung der Katholiken Deutschlands seinerseits von der angeregten Veranstaltung einer Ausstellung von Gegenständen christlicher Kunst Abstand genommen Ist nun auch gegen diese Maßnahme des Lokalausschusses nichts Stichhaltiges vorzubringen, so wird man sich doch der Einsicht nicht verschließen können daß dieselbe den Künlern, den Kunsthändlern und namentlich den Kunsthandwerkern unserer Stadt eine große Enttäuschung bringen mußte. Denn mit Grund hatten sie sich der freudigen Hoffnung hinge- geben, daß ihnen bei der bevorstehenden Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, welche zum ersten Mal hier tagt, Gelegenheit geboten werde, den zu dieser sich einfindenden sachverständigen Herren zu zeigen, daß auch in Koblenz die Künstler, Kunsthändler und Kunsthandwerker nicht bloß von regem Streben beseelt, sondern auch im Stande sind, auf dem Gebiete der christlichen Kunst etwas Tüchtiges zu leisten. Gleichwohl die Gründe achtend, welche den Lokalausschuß bestimmt hatten, die beantragte Ausstellung von Gegenständen der christlichen Kunst nicht unter seine Aufgaben aufzunehmen, vereinigten sich daher die Künstler, Kunsthändler und Kunsthandwerker miserer Stadt, um die geplante Ausstellung aus eigenen Straften zu veranstalten. Ihr Unternehmen fand bei allen betheiligten Personen, die freudigste Unterstützung, H™ konnten sie, nachdem Herr Gymnasialdirektor t Vlnsfeld mit dankbar anzuerkennendem und cmer- kanntem Entgegenkommen die Aula des Gymnasiums für die beuöthtgte Zeit zugesichert hatte, vor wenigen Tagen die Veranstalung einer Ausstellung von u der christlichen Kunst endgiltig
beschließen. Diese Ausstellung wird demnach in der Zeit vom 24^ bis zum 28. August ds. Js. in des Gy mnasiums stattfinden, und
öy h?^en, daß der Erfolg derselben den Absichten und Wünschen der Aussteller entsprechen wird. Wie wir vernehmen, berechtigen die für die Generalver-
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kmlager der Gutsbesitzer Herr Franz Joseph H errlein im 73. Lebensjahre. Da der Verstorbene berufen war, im öffentlichen Leben eine hervorragende Stellung einzunehmen, und sein Ableben namentlich auch in engeren und weiteren Centrums-Kreisen aufrichtige Theil- nahme erweckt, so wollen wir die wichtigsten Daten aus seinem Lebenslaufe unseren Lesern hier kurz vor Augen führen. Geboren am 28. Februar 1818 zu Sieberz, wurde Herrlein im Jahre 1849 Bezirksraths- Mitglied und gehörte von 1852 bis 1863 als Vertreter der größeren Grundbesitzer Kurhessens der zweiten Ständekammer an. Als hierauf die beiden Kammern in eine Stände - Versammlung umgewandelt wurden, wählte man ihn auch zum Mitglied dieser Versammlung. Dieses Mandat bekleidete er bis zur Einverleibung Kurhessens in den preußischen Staat. Von 1867 bis 1879 vertrat er den Wahlkreis Fulda im preußischen Abgeordnetenhause und bis 1879 auch den Wahlkreis Fulda - Schlüchtern - Gersfeld im deutschen Reichstage. Im Januar besagten Jahres legte er beide Mandate freiwillig nieder, weil er den Verzicht auf dieselben Rücksichten und Verhältnissen familiärer Natur schuldig zu sein glaubte. Um so eifriger konnte er sich fortan solchen gemeinnützigen Bestrebungen widmen, welche die Interessen der Provinz, des Kreises, der Stadt- und Orts-Gemeinden berührten. So wirkte er in recht segensreicher Weise als Mitglied des Kreistages und Kreis-Ausschusses, als Kreis-Deputirter und als Vorstands-Mitglied des landwirthschaftlichen Vereins. Als Mitglied des ständischen Verwaltungs-Ausschusses wußte er die Interessen der Kreise Fulda und Gersfeld wesentlich zu fördern und aus kommunalständischen Mitteln mancherlei Zuwendungen zu Wegebauten zu erwirken. Da ihn zunehmende Altersschwäche daran hinderte, seinem redlichen Wollen das gedeihliche Vollbringen noch länger folgen zu lassen, so legte er vor nunmehr 2 Jahren seine öffentlichen Aemter nieder. Nun hat ihn Gott von der Stätte seines langjährigen irdischen Kämpfens und Mühens zu ewigem Frieden in ein besseres Jenseits abberufen. Sein Andenken aber wird bei Allen, die ein im uneigennützigen Dienste der Mitmenschen verbrachtes Leben zu würdigen verstehen, stets in Ehren bleiben. Die Beerdigung findet morgen (Sonntag) Nachmittag 4*/2 tüfr vom städtischen Leichenhause dahier statt. Trauer-Gottesdienste werden am Montag in Margrethenhaun und am Dienstag in der hiesigen Stadtpfarrkirche abgehalten. Der Verstorbene ruhe in Frieden.
—* In der gestrigen Strafkammersitzung wurde u. a. auch wegen Gottesdienststörung verhandelt. Der schon mehrmals vorbestrafte Dionysius Schmitt von Kleinsassen hatte am Abend des 9. April v. I. in der Domkirche während der Fastenpredigt durch lautes Sprechen und ungebührliches Benehmen Aergerniß erregt und die Andacht eines Theiles der Kirchenbesucher gestört. Gestern wurde nun dem seit jener Zeit flüchtig gewesenen Schmitt die verdiente Strafe zudiktirt, indem das Gericht ihn zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilte.
X Während dieser Tage weilte ein Würdenträger aus Frankreich in unserer Stadt. Der Domdechant an der Kathedralkirche in Nancy, Herr Sorr ain, besuchte unsere Benediktinerinnen, denen er in den zwölf Jahren ihrer Verbannung ein treuer Freund und Berather gewesen. Als Superior des Klosters, das sie in Frankreich gegründet hatten, nahm er sich der armen Verbannten mit einer so väterlichen Liebe an, daß er ihnen die Fremde bald zu einer zweiten theuren Heimath machte. Der Besuch, den er ihnen eben aus weiter Ferne hier abstattet, beweist, wie sehr er ihnen jetzt noch ergeben ist. Aber nicht minder groß sind die Gefühle der Dankbarkeit der Nonnen gegen ihren früheren Wohlthäter. So lange das Kloster besteht, wird dahier sein Andenken in Segen sein.
* Der Schulamtskandidat Robert Jäger von Keulos, seither Lehrergehilfe an der dvmpfarrlichen Knabenschule zu Fulda, wurde dem , Schul bl.' zufolge als Hilfslehrer an der königl. Präparandenanstalt zu Fritzlar bestellt.
* Laut Bekanntmachung durch Inserate und Plakate findet heute Abend 6—7 Uhr eine Produktion des be-
177.
Sonntag, den 3. August 1890.
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Fuldaer Zeitung.
Für bu= Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. ... _ Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei «
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