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Sonntag, den 27. Juli 1890.

17. Jahrgang

Fuldaer Zeitung

<t.i. s;. «»rnntmnrHi* • Siuhtmo in Sn Ito - — Druck u. Berlaa der Fuldaer Settenbruderei (31. Dillmann).

Druck u. Berlag der Fuldaer Settenbruderei (S. Dillmann).

Für die Siebaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

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Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Senn« und Feiertage ausgenommen.

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Der Sonntag!

* Das in Würzburg erscheinende ,Fränk. Volksbl.' veröffentlicht eine ihm aus kaufmännischen Kreisen zu­gegangene, die Stadt Würzburg betreffende Bitte, welche auch auf andere Städte Anwendung findet und deß- halb die sorgfältigste Beachtung verdient.

Eine Bitte ist's, schreibt man genanntem Blatte, welche wir nachstehend an die Einwohner unserer Stadt richten, — eine dringende Bitte, nicht um Geld, nicht um Arbeit und Mühe, sondern um das Gegentheil: um möglichste Enthaltung von der werkthätigen Arbeits­last am Sonntag.

Durch alle Lande gehen die Bestrebungen für Sonn­tagsruhe und Sonntagsfeier, und überall wird's em­pfunden, daß nach sechs arbeitsvollen Tagen ein R u h e- t a g für Leib und Seele, für Geist und Gemüth folgen muß, wenn anders das innere Gleichgewicht erhalten, die Gesundheit nicht benachtheiligt werden soll. Nicht bloß wird die Heilighaltung des Sonntags als eine Christenpflicht, die bisher viel zu wenig beachtet worden ist, erkannt, sondern auch diejenigen, welche die Sonn­tagsfrage nur mit Rücksicht auf die äußere Bolkswohl- fahrt zur beurtheilen pflegen, streben eifriger als je darnach, die Wohlthat der sonntäglichen Ruhe der Menschheit zuzuwenden.

Und ist es denn so schwer, den Sonntag zu seinem Recht kommen zu lassen? Ja, sollte es wirflich ein Ding der Unmöglichkeit sein, daß eine Hausfrau mit einigem Mitgefühl für ihre Rebenmenschen sich nicht daran gewöhnen könnte, ihre Einkäufe am Samstag zu machen? Man beansprucht so gerne allemög- lichen Rücksichten von anderen — warum nicht auch selbst solche gewähren? Warum den Bäckern, Metzgern und sonstigen Geschäftsleuten die wohlverdiente Sonntagsruhe entziehen, als ob sie gar kein Anrecht darauf hätten? Gewiß wird sich ein bil­liger Grund hiefür nicht finden lassen.

Wmden wir uns nun zu den Verkaufenden. Glaubt etwa der Geschäftsmann, daß es ihm schade, wenn er, sich und seine Angestellten schonend, die Arbeit ohne Schmälerung des Sonntags auf sechs Wochentage ver- theilt? Muß denn der Schneider die neuen Kleider und der Schuster die neuen Stiefel unbedingt erst am Sonn­tag Morgen abliefern? Und dann die offenen Läden! Wenn sich eine Einigung unter den Ladeninhabern wegen Geschlossenhaltens am Sonntag nicht erzielen läßt, warum gehen Wohlgesinnte nicht mit gutem Beispiele vor? Lasset doch dem Konkurrenten den ver­meintlichen Borsprung — thatsächlich ist es gar keiner — und bauet ihr auf den Segen Gottes. Oder hat denn der Glaube an Gott und eine göttliche Durch­hilfe jemand einmal zu Schanden werden lassen? Käufer und Verkäufer müssen sich gegenseitig

In harter Schule.

Roman von ®. I.

(98. Fortjetzmig statt Schluß.)

Ulrich blieb zurück, versehen mit einer Generalvoll­macht seines Onkels, zum Ordnen von dessen Angelegen­heiten. Die Verschwendung Hortense's, die Summen, welche sie dem Baron entwendet hatte, sowie der Be­trag der falschen Wechsel, die von Ehmig einzulösen Herr von Reina sich nun einmal nicht nehmen lassen wollte, hatten eine nicht unbedeutende Bresche in sein Vermögen gelegt, dennoch war er noch immer sehr reich zu nennen. Ehmig hatte sich erboten, ihm eine Summe vorzustrecken, mit welcher er seine Finanzen ordnen und die er alljährlich amortifiten könne, davon wollte aber der Baron nichts hören. Er gab Ulrich die gemessene Weisung, eines seiner Güter zu verkaufen und mit dem Erlös dafür Alles auszugleichen.

Da der Baron von diesem Vorhaben nicht abzu­bringen war, so ließ ihn Ehmig gewähren, kaufte aber selbst das Gut zu einem Preise, durch welchen der Be­trag der falschen Wechsel wieder ausgeglichen ward. Dadurch erlangte er die Freude, mit seiner kleinen Frau Wollenberg's Gutsnachbar zu werden, denn die erkaufte Besitzung lag ganz in der Nähe von Reina, und nachdem die Freunde sich dort fest niedergelassen

erziehen, und wenn der Kaufmann seine Kunden bittet, ihren Bedarf am Samstag zu decken, so wird man doch zweifellos bei freundlicher und guter Bedienung solch berechtigten Wunsch nicht versagen — kommt er doch allen Betheiligten, also auch den Dienstboten und damit der Herrschaft zu gut.

Wie viele Beispiele ließen sich anführen von Glück, von Zufriedenheit und Wohlergehen derer, die dem Tag des Herrn sein Recht angedeihen lassen! Aber wenn man am Sonntag Morgen anstatt für Geist und Gemüth im Gotteshaus Erbauung und in Gottes herrlicher Natur Erholung zu suchen, den Sonntag Vormittag zum Werktag macht und den Nachmittag im Witths- haus zubringt, wo bleibt da die innere Befriedigung, wo bleibt der Segen von oben, an dem alles gelegen ist?

Unsere Bitte geht also dahin, daß alle — jedes in seinem Haus und Beruf — es versuchen möchten, für sich und ihre Untergebenen Sonntagsruhe, Sonntags­feier und Sonntagsheiligung zu erlangen. Ihr Haus­frauen, theilet eure Geschäfte und Einkäufe so ein, daß der Sonntag für euer Haus zum Ruhetag wird. Sorget nicht bloß dafür, daß ihr in dieKirche kommet, son­dern dies auch für euere Di en st boten möglich wird. Ihr Geschäftsinhaber, gönnet euch und eueren Ange­stellten den freien Sonntag und glaubet wenigstens, daß jeder Menfch am Montag viel freudiger und viel frischer arbeitet, wenn er am Sonntag vom Alltags­dienst befreit war. Die in vielen Geschäften alther­gebrachte zwecklose und schlechte Sitte, die Angestellten am Sonntag Vormittag eine oder einige Stunden in Anspruch zu nehmen, wird bald aufhören, wenn der Geschäftsherr nach einem Versuch sich überzeugt hat, daß sein Interesse nicht nothleidet, auch wenn er das Geschäftslokal und die eingelaufenen Briefe bis Montag Morgen geschlossen läßt. Und ihr Ge­werbetreibenden, arbeitet bis Samstag Abend, und was bis dahin nicht trotz eures guten Willens und trotz angestrengter Arbeit fertig geworden ist, das lastet ruhig bis zum Montag liegen und erlläret euren Ab­nehmern, daß ihr zwar gerne die ganze Woche über, aber eben deswegen nicht am Sonntag arbeitet. Wer dies dann nicht verstehen will, wird sich gleich wohl daran gewöhnen, wenn er fönst mit euren Leistungen zufrieden ist. Und zuletzt ihr Dienenden, erleichtert es durch desto fleißigere Samstagsarbeit und durch richtiges Eintheilen derselben euren Herrschaften und Arbeitgebern, mit der Sonntagsruhe, die auch euch zu gute kommt, wirklich Ernst zu machen.

Das Halten des Sonntags ist nicht bloß eine heilige Pflicht, sondern auch ein werthvolles Vorrecht. Sollten wir darauf für uns verzichten wollen? Und außerdem, welches Recht haben wir, dies hohe Gut unseren Unter­gebenen zu schmälern? Wo ein Wille, ist auch hatten, fand zwischen beiden Familien, mochten sie nun auf dem Lande oder in der Stadt leben, der innigste, unausgesetzte Verkehr statt.

Der Baron glaubte, nie wieder in Reina wohnen, nie die Erinnerung an jenen furchtbaren Oktober-Abend überwinden zu können; er behauptete, ihm sei, als gingen dort die Schatten Hortense's und ihrer Tante um. Man lebte deshalb in den ersten Jahren im Sommer entweder auf entfernteren Gütern oder ging auf Reifen, als aber liebliche Kinder - Gestalten die Räume des alten Schlosses belebten, als das Echo fröhlicher Kinderstimmen von den alten Mauern hallte, da wichen die Schatten und jetzt ist er nirgends lieber als in Reina, wo er der liebste Spielgefährte der Klei­nen und ein so vorzüglicher Großpapa ist, daß ihn auch die Ehmig'schen Sprößlinge feierlich dafür erklärt haben.

Als Revanche dafür überlasten sie auch Wollen­berg's und Leontinen's Kindern einen Antheil an ihrer Großmutter,und man kann sich in der That nicht leicht eine liebenswürdigere Großmama denken, als Frau Meinhold.

Die Dame ist aber noch mehr, sie ist eine Schwie­germutter, mit welcher der Schwiegersohn nur darüber zuweilen in kleine Streitigkeiten geräth, daß sie nicht gänzlich in seinem Hause leben will. Den größten Theil des Jahres bringt sie zwar daselbst zu, aber sie

ein Weg, und ein aufrichtiger Versuch wird's be­stätigen, daß in einer würdigen Sonntagsfeier für Jeder­mann ein unbestreitbarer Segen liegt.

Möge darum diese Bitte, die im Interesse des ein­zelnen und des Gesammtwohls allerorts und immer lauter betont wird, auch in unserer Stadt nicht un- gehört verhallen!_______________________________________

Deutsches Keich.

Berlin, 25. Juli.

* Der Staatssekretär des Reichspostamts hat zur Betriebseröffnung der deutschen Ostafrika- Linie ein Telegramm an den Vorsitzenden des Auf­sichtsraths, Herrn Adolf Woermann gerichtet. Dasselbe lautete: „Heute, wo der erste Reichspostdampfer von Hamburg seine Anker auf der Elbe lichtet, um sie in den Gewässern von Deutsch-Ostafrika wieder zu werfen, sende ich der Rhederei meinen herzlichsten Glückwunsch zu diesem raschen Erfolge ihrer Thatkraft und Be­harrlichkeit; der erste Dampfer dieser auf das Gebot unseres kaiserlichen Herrn hergestellten direkten Ver­bindung zwischen Mutterland und Kolonien wird von unseren an jenen Gestaden wirkenden Brüdern mit Jubel.und patriotischer Freude begrüßt werden, von Stephan."

* Zwischen der Reichsregierung und dem „Nord­deutschen Lloyd" schweben Unterhandlungen, die der ,Magd. Ztg.' zufolge darauf abzielen, die ost afrika­nische Reichsdampfer-Linie statt wie bisher in 28tägigen Fristen künftig 14tügig unter entsprechender Erhöhung des Reichs-Zuschusses zu betreiben.

* lieber die zukünftige Gestaltung und Verwerthung des deutschen Besitzes in Ostafrika wird dem näch­sten Reichstage eine eingehendere Denkschrift unter­breitet werden. Ob Major v. Wisfmann feine Stel­lung als Reichskommiffar in Ostafrika beibehalten wird, ist zweifelhaft. Die Stellung wurde gefchaffen für die Niederwerfung des Aufstandes; diese Aufgabe ist glücklich und erfolgreich gelöst, für die weiteren Aufgaben in Ostafrika wird es anderweiter Organi­sationen und dementsprechend vielleicht auch anderer Personen bedürfen.

* Die Forderung, welche der Sultan von Sansi- b ar, mit dem bereits Unterhandlungen eingeleitet sind, für die Abtretung des Küstenstreifens erhebt, ist nach orientalischem Gebrauch so hoch, daß, wie die ,Post' aus Kolonialkreisen hört, ernsthaft darüber nicht diskutirt werden kann und die Klausel des Verttages vom 1. Juli angezogen werden muß, wonach England feinen ganzen Einfluß aufbieten muß, um eine Ver­ständigung herbeizuführen.

* Die,Kreuzzeitung' bringt einen Aufsatz aus offen­bar berufener Feder, in welcher H elgolands strate­gische Bedeutung dahin charakterisirt wird, daß es für ------------------ ■ " ।

will doch auch zuweilen ihren Sohn aufsuchen, der einen eigenen Hausstand gegründet hat, auch hält sie darauf, immer ihr Heim zu besitzen.

„Ich muß wissen, wo mein Bett steht," sagte sie auf die scherzhaften Vorwürfe ihres Schwiegerfohnes, eS sei Verschwendung, eine Wohnung zu bezahlen, in der man sich so selten aufhalte.

Frau Meinhold kann sich diesen Luxus, wenn es ein solcher ist, wohl gestatten, denn sie ist wohlhabend zu nennen. Das Wachsthum der Stadt hat den Werth ihres Häuschens und Gattens verzehnfacht, sie hat das Grundstück für eine recht beträchtliche Summe verkauft, an der Stelle, wo sonst das kleine Gättner-Häuschen stand, erheben sich jetzt mehrere Villen.

Ehmig hat das Aufspüren von Verbrechern aufge­geben, dagegen ist er ein eifriger Förderer wahrhaft humaner, volkswirthschaftlicher Bestrebungen und wirkt öffentlich und im Geheimen viel Gutes. Er ist Mit­glied der Stadtverordneten-Versammlung und hat starke Aussichten, zum Volksvertreter gewählt zu werden, eine Würde, auf welche Baron Reina schon längst verzichtet hat. Alwine ist als Frau dieselbe heitere, offene, reso­lute Person, die sie als Mädchen gewesen, fest über­zeugt, daß es keinen bessern Mann als den ihrigen und keine hübscheren Kinder gibt, als sie besitzt, mit alleiniger Ausnahme ihrer Freundin Leontine, welcher