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JX£ 163.

Freitag, den 18. Juli 1890.

17. Jahrgang

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

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reicht, unsere Kriegshäfen und die eigentliche Küste völlig zu sichern, so würden wir eine Blokade und Unterbindung unseres Seehandels nicht hindern können, so lange Helgoland nicht in unserem Besitze ist. Um eine solche drohende Schädigung abzuwehren, müßten wir angristsweise vorgehen können, und wären trotz aller entgegenstehenden Bedenken und der schweren Aus­gaben sür" die Armee nicht darum gekommen, unsere Flotte um 10—15 schwere Schlachtschiffe zu vermehren. Bedenkt man, daß nur die einmalige Anschaffung eines solchen modernen Schiffes 10—12 Mill, beansprucht und dann noch die entsprechende jährliche Vergrößerung des Flottenbudgets dazu tritt, so wird sich ein Jeder leicht berechnen können, welche gewaltige Summen dem Lande erspart werden, wenn eine solche Vermehrung der Schlachtschiffe nicht stattzufinden braucht." Der Verfasser führt dann aus, daß die großen Schlachtschiffe höchstens für 10—12 Tage Kohlen zu fasfen vermögen; sie müssen daher von Zeit zu Zeit ihre Vorräthe er­gänzen, dazu aber einen gegen Seegang geschützten Ankerplatz haben, da die Nordsee stets so bewegt ist, daß die Kohlenschiffe nicht an die Panzerschiffe anlegen können. Einen solchen Platz gebe es aber an unserer ganzen Nordseeküste nur einen, der sich bei verhältniß- mäßig gutem Wetter dazu eigne und zwar südöstlich von Helgoland unter dem Schutze der Insel. Im Jahre 1870 konnten die Franzosen diesen Platz ungehindert benutzen. Das sei jetzt vorbei. Jener Ankerplatz könne von dem hohen Ufer der Insel so wirksam unter Feuer gehalten werden, daß eine Annäherung auch der schwersten Panzerschiffe wegen der ihiten drohenden Senkschüsse aus den gewaltigen modernen Geschützen ganz unmög­lich wird,' während andererseits unsere eigenen Schiffe und Torpedoboote sie auch außerhalb Schußweite der Insel umschwärmen und sie zu keiner, wenn auch noch so geringen Kohlenergänzung kommen lassen würden. Fortan müßte, um eine wirksame Blokade zu unter­halten, die französische Flotte nach 7 Tagen nach Frankreich zurückkehren und durch eine gleich starke sich ablösen lassen. Auch reiche nunmehr die deutsche Flotte hin, um eine Landung unmöglich zu machen, und da in der Ostsee die Chancen nicht günstiger liegen, weil der Feind ohne wirksame Blokade der Nordsee unsere Jadeflotte im Rücken habe, wir ihm alle rückwärtigen Verbindungen abschneiden und nach Fertigstellung des Nordostseekanals innerhalb 24 Stunden unsere gesammte Flotte entgegenstellen können, so brauchen wir die fran­zösische Flotte trotz ihrer numerischen Ueberlegenheit jetzt wenig zu fürchten. Allerdings ist aber nach An­sicht des Verfassers eine starke Befestigung der Insel Helgoland erforderlich.

* Fürst Bismarck hat dem Vertreter eines großen mitteldeutschen Blattes auf desfen Ansuchen eine Audienz

Deutsches Keich.

Berlin, 16. Juli.

* Von dem Mitgliede der deutschen Emin Pascha- Expedition, Herrn Oskar Borchert, erhält die Nat.- Ztg. eine Zuschrift über die Missionen in Ost­afrika, welche die Aeußerungen Wissmanns durchaus bestätigt. Er schreibt u. A.: Der in dieser Angelegen­heit von Herrn Major v. Wissmann vertretene Stand­punkt ist auch der meinige. Ich hatte Gelegenheit, mich an Ort und Stelle von der Thätigkeit und dem Wirken der verschiedenen Missionsgesellschaften in Deutsch-Ostafrika zu überzeugen und gelangte bald zu der Erkenntniß, daß von den in dem soeben ge­nannten Gebiet, welches uns Deutsche naturgemäß am meisten interessirt, vertretenen Missionen die römischen bei der eingeborenen Bevölkerung das größte Ansehen, die größte Achtung und den meisten Einfluß hatten, und hiermit die unbedingt nöthlge Grundlage für eine erfolgreiche Missionsthätigkeit, die größten Chancen für die Zukunft besaßen. Bei ge­nauerer Beobachtung der bestehenden ersah ich sehr bald, daß das Gedeihen der römischen Missionen nicht durch die längere Dauer ihrer Thätigkeit, sondern durch die Art und Weise der Arbeit erzielt worden war. Wohl zum Tröste der Empfindlichen unter den Prote­stanten fügt Herr Borchert dann ein günstiges Urtheil über eine andere protestantifche Miffion hinzu, die Neukirchner Miffion am unteren Tana in Ngao (Wa- pokomoland). _ , _ ,

* Ueber den militärischen Werth Helgo­lands veröffentlicht der Kontreadmiral Reinhold von Werner im .Daheim' einen Artikel, der gerade das Gegentheil von den Ansichten verficht, welche der Kontre­admiral B. Werner neulich entwickelt hat. Nach Rein­hold von Werner's Ansicht wiegt der Besitz von Helgo­land für Deutschland nicht nur die preisgegebenen Kolonialländer vollständig auf, sondern ist ganz bedeutend mehr werth. „Helgoland ist der Schlüssel nicht allem zu unseren beiden deutschen Hauptströmen und wichtigsten Seehandelstraßen, Elbe und Weser, sondern auch die Schutzwehr und der Brückenkopf für Jade, Ems und Eider, mithin für unsere gesammte deutsche Nordsee­küste, und sichert uns die Herrschaft über deren Zugänge. Ihr Besitz macht eine Blokade so schwierig, daß sie in Zukunft so ziemlich zu den Unmöglichkeiten rechnen wrrd, und setzt uns dadurch in den Stand, unsere Flotte nicht in der Weise vergrößern zu müssen, wie dies trotz aller Bedenken nöthig sein würde, wenn wir in einem Kriege mit Frankreich oder einer französisch-russischen Koalition gezwungen würden, deren Flotten aus unserer Nordsee zurückzuschlagen. Frankreichs Seemacht ist der unseren dreifach überlegen, und wenn letztere auch aus-

In harter Schule.

Roman von G. I. <

(89. Fortsetzung.)

„Bitte sie in einer Stunde wiederzukommen." Der Diener ging, kehrte aber sogleich zurück.

„Die Herren sagen, sie wollten warten, sie waren alte "Bekannte von Ew. Gnaden, Sie möchten deshalb nur im Schlafrock kommen."

„Das scheinen ja tolle Jungen , sagte der Graf, „da muß ich nun aufftehen, fonst kommen sie mir am Ende noch ans Bett und ich halte heute Lever tote die Könige von Frankreich."

„Wenn's nur keine Gerichtsbeamte sind, flüsterte ihm Vivienne zu. , .

Der Graf fuhr zurück, faßte sich aber gleich wieder. „Ihre Furcht ist wahrhaft kindisch. Treten Lie tu s Nebenzimmer."

Vivienne ließ sich das jetzt nicht nochmals sagen. Er trat in's Nebenzimmer und wollte von dort durch eine auf den Vorfaal führende Thür entschlüpfen, lief aber einem davor stehenden Manne gerade in die Hände. Ohne ein Wort zu fagen, ergriff diefer ihn beim Arm und führte ihn durch eine andere Thür wieder hinein in den Salon. Zu seinem namenlosen Schrecken erkannte er in den beiden daselbst befindlichen Herren den Baron von Reina und Ehmig, den Todt-

geglaubten, dessen Schatten er erst vor wenigen Mi­nuten dem Grafen als drohendes Gespenst herausbe- schworen hatte.

Fast gleichzeitig mit ihm erschien in der anderen Thür der Graf. Er hatte sich in einen türkischen Schlafrock gehüllt und trug einen Fez auf dem Kopfe. Der Baron trat ihm entgegen, Ehmig stellte sich fo, daß er ihm nicht sogleich in's Gesicht sehen konnte.

„Herr Baron von Reina! Welche Ueberraschung!" rief der Graf „Verzeihen Sie dies Deshabille; Ihr Ruf klang aber so kategorisch."

„Meine Angelegenheit ist auch eine sehr dringende.

„Es ist in Ihrer Familie doch kein Unglück ge­schehen ?“

„Nein," versetzte der Baron kalt, „ich bin vielmehr von einem großen Unglück erlöst worden, doch davon später. Zuvörderst handelt es sich um eine Anzahl von Wechseln, die man mir zur Honorirung vorgelegt hat. Dieselben sind gefälscht."

„Nicht möglich. Darf man sie sehen?" fragte der Gras.

„Gern," erwiderte der Baron und hielt ihm die Papiere hin, hütete sich aber wohl» sie aus der Hand zu geben.

„Und wie kann ich Ihnen dabei dienen?" fragte Falkenburg noch immer ganz ruhig und kühl.

bewilligt. Die Mittheilungen darüber dürften werth­volle Ergänzungen des neulichen Interviews des Her­ausgebers des .Frankfurter Journals' bringen.

* Der Abg. Dr. Windthorst wird am l8. Juli wieder, wie alljährlich, in Bad Ems Aufenthalt neh­men. Möge ihm auch fein diesjähriger Kuraufenthalt den Körper stählen zur neuen Arbeit im Dienste der katholischen Sache.

* Mittelst Kaiserlicher Verordnung vom 9. Juli werden die Zollermäßigungen des deutsch-italie­nischen und des deutsch-spanischen Handelsvertrags auch Marokko gegenüber in Kraft gesetzt. Mit Ausnahme natürlich der inzwischen überhaupt weggesallenen Zoll­ermäßigung für Roggen.

* Im ersten Quartal dieses Etatsjahres (April bis Ium) betrug die Wechselstempelsteuer-Einnahme im deutschen Reiche 1,920,198 Mark, d. i. 148,849 Mark mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Im Reichspostgebiete hatten von den 40 Oberpost­direktionsbezirken nur 4 kleine Mindereinnahme zu ver­zeichnen. r .

* Koblenz, 16. Juli. Ans dem nun fertig ge­stellten Programm der „37. Generalversamm­lung", das diese Woche voraussichtlich versandt wird, wollen wir Einiges über die festlichen Veranstaltungen schon jetzt mittheilen. Am Begrüßungsabend, Sonntag, 24. August, werden durch einen aus den hies. Gesangvereinen gebildeten stattlichen Männerchor einige Lieder vorgetragen, und außerdem wird die ganze Kapelle des Kaiserin Augusta-Regiments concertiren. Am Montag Abend findet in der diese Woche unter Dach kommenden Festhalle die weltliche Feier des 25- jährigen Bestehens der hiesigen kaufmännischen Kon­gregation statt, zu welcher die Besucher der Katholiken­versammlung eingeladen sind. Nach einer Begrüßungs­rede des derzeitigen Präses der Kongregation wird Herr Pastor Schmitz an St. Laurentius in Trier die Festrede halten. Herr Schmitz hat vor seiner lieber« siedelung nach Zell bezw. Trier die Kongregation 13 Jahre lang geleitet; er empfing die Leitung aus den Händen der ehrwürdigen Jesuitenväter, welche der Kulturkampf als erstes Opfer in die Verbannung schickte, und nach deren endlicher Rückkehr das gläubige Volk verlangt. Die katholischen Studentenverbindungen halten ihren Kommers am Dienstag Abend in der Fest­halle, die Studentenvereiue am selben Abend im großen Saale des Görresbaues. Am Mittwoch Abend be­geben sich die Gäste von der Festhalle aus mit dem Zuge an die Rheinwerft, um dem Abbrennen eines großartig geplanten Feuerwerks anzuwohnen, das wahrscheinlich auf den gegenüberliegenden befestigten Höhen abgebrannt wird. Anfeine allgemeine Rheinfahrt auf einer Dampfer­flottille wurde aus verschiedenen Gründen verzichtet.

„Man sagt mir, Sie wären der Urheberschaft dieser Papiere nicht fremd."

„Herr, wer wagt, wer erkühnt sich das zu be­haupten?" fuhr Falkenburg auf.

„Ich!" antwortete Ehmig, drehte sich um und trat langsam näher. „Kennen Sie mich, Herr Graf?" ,

„Tod und Teufel!" schrie Falkenburg, „giebt die Hölle ihre Beute zurück?"

„Die Hölle nicht, zuweilen aber die unterirdischen Gefängnisse in Rom, antwortete Ehmig. Ihre Rolle ist ausgespielt, Herr Graf. Ihre Bubenstücke sind sämmtlich entdeckt. Ihre Gefährtinnen sind bereits gestern im Schlosse Reina von der Nemesis ereilt worden. Heute kommt an Euch die Reihe, Ihr Fäl­scher Diebe, Kuppler, falschen Spieler. Ihr seid ent­deckt, entlarvt. Dieses Haus ist umstellt, von hier aus geht der Weg in's Gefängniß."

Der Graf wollte fprechen, der Baron, an den er sich wandte, winkte ihm abwehrend.

„Geben Sie sich keine Mühe, Falkenburg," sagte er abwehrend, „ich weiß Alles."

„Wären Sie weniger gemein, als Sie sind, so würde ich Sie fordern; wie Sie sind, sind Sie mir nicht mehr satissaktionsfähig; ich" — er betonte dies Wort scharf — „kann Ihnen nicht die Wohlthat er- weifm, Sie niederzuschießen."

„Wir haben hier nichts mehr zu thunWerr Baron

Fuldaer Zeitung

. .... .. . ct„fhn — rr. — Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).