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162.

Donnerstag, den 17. Juli 1890.

17. Jahrgang

Für dir Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

den darf.

Ausland.

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flüsterte sie.

„So verzeihe Dir Gott! rief der Baron, „ich kann Dir " das schnöde Spiel, das Du mit meiner Liebe, meiner Ehre, meinem Vertrauen, mit Allem, was mir hoch und heilig ist, getrieben hast, nicht vergeben. Aber ich habe Dich geliebt, Du wach mein Weib, Du hast meinen Namen getragen, das schützt Dich vor dem Arme der weltlichen Gerechtigkeit, ich mag Dich ihr nicht überliefern. Geh, nimm mit, was ich Dir geschenkt habe, verbirg Dich mit Deiner säubern Tante am Ende der Welt, laß mich Dein Antlitz nicht wieder sehen, Deinen Namen nicht wieder hören."

Er wandte der noch immer Knieenden den Rücken.

„Sie sind ein milder Richter, Herr Baron," sagte Ehmig; „ich will Ihren Spruch aber gern gelten lassen, nur einige Ergänzungen gestatten Sie mir hinzuzufügen. Der Herr Baron wird die Scheidung schleunigst be-

Roman von G. I. ;

(89. Fortsetzung.)

Ulrich ließ nur ein tiefes, dumpfes Stöhnen hören.

„Beruhigen Sie sich, Herr Baron, Ihre Tochter lebt, ist wohlbehalten, Sie sollen sie Wiedersehen, aber nicht hier will ich Ihnen ihre weiteren Schicksale er- zählm. Lassen Sie uns erst mit dem Schmerzlichen und Widerwärtigen zu Ende kommen, dann folgt die Freude."

„Ja, lassen Sie uns zu Ende kommen.

„Ich habe nur noch wenig zu sagen. Wie man Sie eingefangen, wie man Sie durch falschen Schein, falsche Papiere, falsche Schönheit, Jugend und Unschuld getäuscht hat, wie man Sie plünderte, bestahl, hinter­ging, das wissen Sie selbst am besten. Die Vergangen­heit der Frau, die es wagte, Ihre Gemahlin zu werden, liegt klar vor Ihnen, mag sie mich der Lüge zeihen, wenn sie kann. Sie und ihre Gesellen sind in Ihren Händen, thun Sie mit Allen, wie Ihnen gut dünkt. Ich trete Ihnen meine Rache ab aus Rücksichten für Ihre Tochter und als Sühne, daß ich Sie nicht früher warnte, daß ich Sie mit in daS Retz fallen ließ, welches ich um die Schuldigen wob."

Ehmig schwieg; eine Todtensttlle herrschte einige Minuten im Zimmer.

schließlich Familienangelegenheiten und Geldfragen be­troffen haben.

* Lauterberg (Harz), 15. Juli. Bei Wissmann ist Gelenkrheumatismus konstatirt. Er muß das Bett hüten. Das Nervensystem ist noch sehr angegriffen. Gravenreuth und Bumiller sind noch anwesend.

* Aus der Rheinpfalz, 15. Juli. Am Sonn­tag fand in Hochspeyer eine demokratische Vertrauens- männer-Versammlung statt, die den Gutsbesitzer G r o h e von Hambach als Reichstags-Kandidaten für Kaisers­lautern-Kirchheimbolanden nominirte. Grohe gehörte schon einmal von 1884—87 dem Reichstage an. Viel umworben wird gegenwärtig das Centrum als ausschlaggebend in dem Wahlkreise. — Die heute in Kaiserslautern abgehaltene Versammlung der Cen­trums-Partei beschloß einstimmig, sofort für Grohe als eigenen Kandidaten, und zwar energisch in die Agitation einzutreten.

* Straßburg, 15. Juli. Das Befinden des erkrankten Herrn Bischofs Dr. Stumpf hat sich in den letzten Tagen so erfreulich gebessert, daß auf die gänz­liche Wiederherstellung des Kirchenfürsten gehofft wer-

„Antwort!"

„Es ist so!"

gesagt hat?

Sie zögerte.

„Antwort!" mahnte der Baron.

herrschte Ehmig.

Sie wand sich unter seinen Blicken.

Deutsches Keich.

Berlin, 15. Juli.

* Die ,Nordd. Allg. Ztg.' erllärt, daß die Blätter­meldung, der Kaiser kürze seine Nordlandreise ab, weil er vom Reichskanzler unter dem Hinweis auf politische Vorgänge um seine Rückkehr gebeten worden, durchaus unbegründet sei. Das Reiseprogramm sei nur ganz unwesentlich geändert worden wegen des anfangs durch ungünstiges Wetter verursachten Zeitverlustes, nicht aus politischen Gründen.

* Das ehrende Zeugniß, welches Major Wiss­mann, der in Kolonial-Fragen gewiß kompetent ist, den katholischen Missionen in Afrika ausgestellt hat, muß alle Katholiken mit Freude erfüllen, denn Wiss­mann hat gerade ein Moment hervorgehoben, welches dem katholischen Klerus zur höchsten Ehre gereicht, nämlich die musterhafte Disziplin und die Hingabe an ihren Beruf. Die Missionäre erfüllen denselben eben nicht um irdischen Lohn, sondern um Gottes Lohn und das verleiht ihrem Wirken auch eine höhere Weihe. In gewissen lutherischen Pastoren - Blättern ist man über dieses ehrende Zeugniß für die katholische Kirche be­greiflicher Weife nicht sehr erbaut.

* Der Bundesrath hat die bei der Berathung des zweitm Nachtragsetais vom Reichstage angenommenen Resoluttonen betteffend die Erhöhung der Beamten­gehälter dem Reichskanzler überwiesen und damit seine Zustimmung zu denselben ausgesprochen.

1 Fürst Bismarck wird morgen in Schönhausen erwartet. . ,r

* Eine Unterredung mit dem italienischen Afrika- Reisenden Cassati hat ein römischer Korrespondent gehabt. Danach glaubt Cassati nicht, daß der deutsch­englische Vertrag eine Niederlage Deutschlands bedeute. Für Deutschland bleibe immer noch ein immenses Terri­torium übrig, das dem Mutterlande reiche Früchte tragen könne, doch müsse man Geduld haben. Afrika sei auch klimatisch besser als Südamerika; den Aus- wanderungs - Strom nach Afrika zu lenken sei schwer, aber nicht unmöglich. Ueber sein und Emin's Verhält- niß zu Stanley sprach sich Cassati nicht aus. Der deutschen Kolonial-Politik und deren Vertretern, speziell Wissmann, spendete Cassati hohes Lob.

* Der 10. internationale medizinische Kongreß findet Anfang August in Berlin statt. Mit demselben ist eine wissenschaftliche Ausstellung verbun­den Aus dem Programme der Vorträge sei nntge- theilt, daß Robert Koch über bacteriologische Forschun­gen berichten wird.

* Die Konferenz des Herzogs Ernst von Koburg mit dem Fürsten Ferdinand in Karlsbad soll aus-

* Gerüchtweise verlautet, daß in der S ch w e i z ein katholisches Erzbisthum errichtet werden soll und zunächst Freiburg hiezu ausersehen sei. — Bezeichnend für das in der Schweiz immer noch vorhandene Kultur- paukerthum ist die Thatsache, daß der Stadtrath von Genf jede persönliche Betheüigung an der festtichm Begrüßung des neuen Kardinals Mermillod ablehnte.

* Rom, 15. Juli. Allgemeine Unzufriedenheit herrscht in Rom, weil Crispi einen Sizilianer zum königl. Kommissar für die Stadtverwaltung des banke­rotten Roms ernannt hat. Finocchiaro-Aprile, der nun­mehrige Leiter der städtischen Angelegenheiten, ist ein treuer' Freund Crispi's und ein Mitglied der Loge, wo er zu den 33 . '. aus dem hohen Rathe gehört. Finocchiaro wählte sofort einen anderen Sizilianer zum Sekretär und so- ist jetzt Rom völlig in den Händen der Sizilianer. Crispi, Minister-Präsident, Gravina, der Präfekt von Rom, Finocchiaro und sein Sekretär, Alle sind aus Sizilien. Der stolze Römer wird das Crispi nicht verzeihen. Man glaubt, daß bei den Ge­neralwahlen für die Gemeinderäthe die Römer entweder gar nicht erscheinen oder, um gegen Crispi zu prote- stiren, den von ihm früher abgesetzten Bürgermeister Torlonia einstimmig als Kandidaten aufstellen werden.

* Die Arbeitseinstellung der Londoner Post­boten hat ein vollständiges Fiasko gemacht. Von den 400 entlassenen Beamten suchte die Hälfte beim Generalpostmeister um die Wideranstellung nach, die

Wieder schleppte sich Hortense zu den Füßen ihres Gemahls. ,

„Verzeihung! Verzeihung!" schluchzte sie.

Erst will ich aus Deinem Munde das Bekenntniß Deiner Schuld hören. Ist es so, wie dieser Herr

aber den meisten verweigert wurde. Den Entlassenen ist angezeigt worden, daß sie ihre Uniformen sofort zu­rückzugeben hätten, widrigenfalls Strafverfolgung Jgegen sie eingeleitet werden würde.

Verband katholischer Kehrer Deutschlands.

* Auf der kürzlich in Bochum abgehaltenen Dele- girten-Versammlung des „Verbandes katholischer Lehrer Deutschlands" wurden folgende Resolutionen ange­nommen :

I. Resolutionen, betreffend den Standpunkt des Verbandes katholischer Lehrer.

1. In Erwägung, daß der Verband katholischer Lehrer eine pädagogische Vereinigung ist, welche theils zum Studium und Austausch der christlichen Erziehungs­grundsätze, theils zur Förderung anderer durchaus legi­timer Standrsinteressen seiner Mitglieder gestiftet ist und durchaus nichts bezweckt, was den Pflichten eines katholischen Lehrers gegen Gott, König und Vaterland auch nur entfernt entgegen wäre; in weiterer Erwägung, daß die Grundsätze des Christenthums die besten Quellen der Ordnung und die geeignetsten und wirksamstm Mittel zur Bildung guter Staatsbürger sind, indem sie in der Obrigkeit die Stellvertretung Gottes erblicken lassen, die Autorität sicher stellen, Gerechtigkeit und Liebe lehren und den Gehorsam adeln, frei und freudig machen, so daß der Verband zugleich als ein nicht zu unterschätzendes Mittel gegen den weiteren Fortschritt der die Gesellschaft bedrohenden Jrrthümer und Be­strebungen der Sozialdemokratie sich darstellt, spricht die heutige Delegirtenversammlung die Hoffnung aus, daß die königl. Staatsregierung respektive die Schul­aufsichtsbehörden der Ausbreitung dieses Lehrerverbandes allen möglichen Vorschub leisten werden.

2. Die Delegirtenversammlung des Verbandes kathol. Lehrer hält daran fest, daß die naturalistische, Gott und sein Gesetz verleugnende Pädagogik die Lehre des Stolzes, des schrankenlosen Individualismus und der Revolution ist und auf den Weg einer unheilvollen Agitation, zur Anarchie und zu einer verhängnißv ollen Auflösung führt.

3. Die Delegirtenversammlung des Verbandes kath. Lehrer hält jede Erziehung für falsch, welche nicht die Anbetung eines persönlichen, überweltlichen dreieinigen Gottes als des Urgrundes aller Dinge lehrt und nicht zur Liebe dieses Gottes als des Urgrundes aller Dinge hinleitet. Dementsprechend erblickt derselbe Verband den Endzweck und die höchste Aufgabe der Pädagogik darin, daß dieselbe zeige, wie das Kind mit Verstand und Herz zur Erkenntniß und Liebe Gottes hinzuordnen sei.

4. Die Delegirtenversammlung des Verbandes kath. Lehrer hält daran fest, daß pädagogische Vereine, in deren Erörterungen, Aufstellungen und Bestrebungen wirken; Sie hören aber schon von dieser Stunde ab auf, seinen Namen zu sühren. Binnen drei Tagen muß ich den Beweis besitzen, daß Sie Deutschland verlassen haben, und wagen Sie, je zurückzukehren, so gibt es keine Nachsicht, keine Schonung mehr. Jetzt gehen Sie auf Ihr Zimmer und bereiten Sie Alles zur Abreise vor. Der Herr Baron gestattet Ihnen bis morgen früh hier zu bleiben."

Eilig, als fürchteten sie, der milde Spruch könne noch zurückgenommen werden, verließen die Beiden das Zimmer.

„Ich kann nicht hier bleiben!" stöhnte der Baron, „ich kann nicht mehr dieselbe Luft mit ihr athmen."

Das sollen Sie auch nicht, Herr Baron, ich will Sie "vielmehr bitten, mit mir noch diesen Abend nach Berlin zu reisen, um dort Ihre Verfügungen über den Grafen und Vivienne zu treffen."

So sei es denn, sagte der Baron, Ulrich, handle Du 'für mich, ich kann nicht. Gib Befehl, daß gepackt und angespannt werde, und dann bleibe hier, bis — bis sie das Schloß verlassen hat."

„Ich will Alles thun, was Du wünschest, Onkel," versprach der junge Mann in tiefer Bewegung. „Wenn aber hier Alles vollbracht ist, dann darf ich doch auch kommen und nach Leontine fragen?"

„Sie sollen sie bald Wiedersehen," versprach Ehmig.

Fuldaer Zeitung

— . ... « . . ~ — Druck u. Verlag der Fuldaer Acttendruckerei (A. Dillmann).