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Mittwoch, den 9. Juli 1890.

17-Jahrgang

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (9t. Tillmann).

Die ,Fuldaer Zeitung' scheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.

Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

ul-aer Zeitung

Für die Rcdaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. - _ Deuck >■ srm-Iah ™ cm« x

Eröffnung der Ausstellung hessischer Drucke

in Marburg.

(Schluß.)

So sind wir mit dem Ueberblick über die Entwick­lung der Hanauer Druckereien auch bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts gelangt. Von größeren, jetzt Hessi­schen Druckstätten müssen wir nunmehr Rinteln und Fulda behandeln. Auch Rinteln verdankt seine erste Druckerei, wie Marburg, der Gründung der Uni­versität. Es war Petrus Lucius, welcher in Rinteln bald nachdem die ursprünglich in Stadthagen gestiftete Hohe Schule hierher übertragen und zu einer vollen Universität erweitert war, 1622 druckte. Auch er hat in seiner langen Geschäftsthätigkeit — er starb 1656 — schöne und umfangreiche Werke gedruckt. Noch bis 1669 blieb seine Druckerei in der Familie. Aber schon 1666 tritt ein Drucker auf, welcher wohl das typo­graphisch prächtigste Buch druckte, welches überhaupt in Hessm gedruckt ist. Es ist Gottfried Caspar Wächter, welcher sich 1666—83 als Drucker nach­weisen läßt, und das erwähnte Prachtwerk ist die 1669 erschienene Ehren-Säule, ein Werk auf den 1663 verstorbenen Landgrafen Wilhelm VI. (es liegt auf dem Mittelpulte.) Natürlich lebte Wächter hauptsäch­lich vom Drucke von Universitätsschriften, wie denn auch seine Nachfolger, Hermann Augustin Enax (1681 —1717) und Johann Gottfried Enax (1720—1772) meist Universitätsschriften druckten. — In Fulda ist noch später gedruckt wie in Rinteln; der erste er­reichbare Fuldaer Druck stammt frühestens aus dem Jahre 1658. Er ist von EliasMichael Zinck hergestellt. In weiteren Kreisen als Drucker bekannt ist sein Nachfolger Markus Bloß, welcher 1670 die erste Ausgabe des Immerwährenden Kalen­ders von Grimmelshausen druckte. Es ist aus dem XVII. Jahrhundert von Fuldaer Druckern noch zu nennen Simon Zeil er, welcher von 1699—1721 druckte; er hatte schon viele Aufträge; bedeutender aber ist Anton Köß, dessen Druckthätigkeit die Jahre 1725—52 ausfüllt. In seine Zeit fällt die Stiftung der Umversität durch den Fürstabt Adolf 1734. Waren es bisher meist Erbauungsschriften, welche aus den Fuldaer Pressen hervorgingen, so waren jetzt daneben auch viele Universitätsschriften zu drucken.

Wenn ich noch erwähne, daß in Allendorf vor­übergehend 1712—16, in Grebenstein zeitweilig 1630—37, in Hersfeld gleichfalls fporadisch 1631 und 1636, dauernd seit 1709 durch Johannes P f i n g- ften, in Hofgeismar auch einmal 1645 gedruckt wurde, so habe ich Ihnen, hochgeehrte Anwesende, in kurzen Zügen die Geschichte des Druckes in Hessen bis zur Mitte des achtzehnten Jahrhunderts skizzirt. Von allen den erwähnten und von einer Reihe nicht er-

In harter Schule. '

Roman von G. I.

(83. Fortsetzung.)

An diesem Nachmittage war ihre Langeweile und damit ihre üble Laune auf das Höchste gestiegen. Sie hatte alles Mögliche versucht, um sich die Zeit zu ver­treiben, aber vergebens, die Dinge, die sie zerstreut hätten, waren nicht vorhanden, und was sie beschäf­tigen konnte, hatte keinen Reiz für sie. Selbst die Toilette, bekanntlich eine Verrichtung, die sie als Kunst betrieb, unterhielt sie nicht. Sie besorgte sie nach allen Regeln, aber sie konnte sich des Gelungenen nicht er­freuen, sobald sie nicht auf eine bestimmte Wirkung hinarbeitete, die hier fehlte. Die Kammerjungfer hatte bn den Handreichungen, die sie der gnädigen Frau leisten mußte, heute einen sehr schweren Stand gehabt, Hortense hatte ihren Unmuth an ihr und den Dienern die ihr in den Weg gekommen waren, ausgelassen, und mit einem gewissen Grauen lauschte man in der Dienerstube dem Ton der Klingel, der wieder einen neuen Blitzableiter zu der heute so ungnädigen Gnä­digen bescheiden werde.

Die Frau Baronin hatte aber für den Augenblick wenigstens allen Ingrimm gegen sich selbst gekehrt; wie eine Hyäne im Käfig lief sie aus einem ihrer Ge­

wähnter kleiner Drucker, liegen Drucke aus. Gern würde ich die Entwicklung des Hessischen Druckes bis in unsere Tage Ihnen noch vorführen; aber es handelt sich da um mehr als 30 Druckstätten mit mehr als 200 Druckern. Ich darf Sie bei dieser zweiten Ab- theilung aber nicht mehr länger aufhalten und will noch anführen, daß in Schauschrank 51 Drucke an Hessen angrenzender Orte, 52—53 Werke berühmter Hessischer Schriftsteller des XVI. und XVII. Jahrhunderts ausgelegt sind. Durch ein näheres Eingehen auf diese Nebengruppen der Haupt- abtheilung II. will ich Sie nicht ermüden; ich kann Sie nur bitten an der Hand des demnächst erscheinen­den Führers unserer Ausstellung die ausgestellten Druck­werke selbst sich eingehend anzusehen.

Es seien nur noch die Namen der in der letzten Gruppe dieser Abtheilung zusammengestelltcn Hessi­schen Schriftsteller genannt. Es sind: Eoban Hessus, Euricius Cordus, Petrus Lotichius, Lorichius Hadamarius, E. Alberus, G. Nigrinns, B. Waldis, O. Melander, H. W. Kirchhof, B. Schupp, Grimmels­hausen, der Romanschriftsteller und Publizist E. W. Happel von Kirchhain und eine fast vollständige Samm­lung HessischerDramatiker desXVI. und XVII. Jahrhunderts.

Wollen Sie mir zu Abtheilung III folgen. Hier haben sich unsere Marburger Drucker und Buch­händler ausgestellt. Urtheilen Sie selbst über die Leist­ungen und den Geschäftsstand derselben, indem Sie die ausgestellten Drucke prüfen. Freilich müssen Sie berück­sichtigen, daß eine Druckerei für fremde Rechnung druckt, ihre Produkte bald aus dem Hause schickt, und daß kaum eine Druckerei in der Lage ist, ihre Druck­erzeugnisse in annähernder Vollständigkeit auszustellen. Auch war der Raum, welcher den hiesigen Geschäften zur Verfügung gestellt werden konnte, nur ein verhält- nißmäßig kleiner. — In Abtheilung III sind auch zwei auswärtige Firmen vertreten.

Wenden wir uns nunmehr zur IV. Abtheilung, den Hessisches Zeitungen. Es war beabsichtigt von allen politischen Zeitungen, welche je in Hessen erschienen sind, mindestens einen Jahrgang auszu­stellen um einen möglichst vollständigen Ueberblick über dieEntwicklung der periodischen politischen Presse in Hessen von ihren ersten Anfängen bis zur Gegenwart zu bringen. Dieser Plan konnte in an­nähernder Vollständigkeit durchgeführt werden. Sie werden hier fast alle jemals erschienenen Hessischen Zeitungen vertreten sehen. Lassen Sie Sich ein kurzes Bild der Entwicklung der Hessi­schen periodischen Presse vorführen.

Da eine angeblich 1618—1630 in Fulda heraus­gegebene Zeitung, Fuldaischer Postreuter, nicht nachweisbar ist, so ist die seit 1678 in Hanau heraus- mächer ins andere, bald sich auf einen Divan werfend, bald wieder aufspringend, bald zum Fenster hinaus­blickend, bald in dem Kamin störend, daß die Funken umherstoben.

„Was ist das für ein elendes, erbärmliches Leben!" rief sie und stampfte mit dem Fuß auf den weichen Teppich. „Da sitze ich nun hier wie eine verwünschte Prinzessin in dem abscheulichen alten Kasten. Kein Mensch kümmert sich um mich, nach Berlin traue ich mich nicht, denn da fällt die ganze infame Rotte wie­der über mich her. Habe ich mich darum abgemüht, den alten, langweiligen Baron zu fangen? Habe ich darum die Kindliche, Tugendhafte gespielt und so viel Langeweile in Monaten auf mich genommen, wie ich zuvor in meinem ganzen Leben ausgestanden hatte, um hier endlich vor Langeweile umzukommen? Ich halte es nicht mehr aus!" rief sie schluchzend, „hier sterbe ich; ich muß fort, entstehe daraus, was wolle!"

„Wenn nur wenigstens Ulrich hier wäre!" fuhr sie nach einer Pause fort; „er ist zwar auch nichts weiter als ein deutscher Bär, aber er ist doch jung und ein leidlich hübscher Mann. Wäre er jetzt hier, ha, ha mein Herr Gemahl, dann sollten Sie nicht allein Ihr Jagdgehege auf fremdem Gehege haben!" Es war ein sehr böses Lachen, das sie ausstieß.

„Wo bleibt der Narr? Warum kommt er nicht?"

gegebene Zeitung, der Hanauische Mercurius' als die älteste Hessische politische Zeitung anzusehen. 1682 ging sie in die Europäische Zeitung über, hieß dann Hanauer Neue Europäische Zeitung, ging in Großherzoglich Frankfurter Zeit ein, hieß von 1814 ab Neue Hanauer Zeitung und besteht heute noch als Hanauer Zeitung (Kittsteiner). — Diese älteste Hessische Zeitung ist äuch die einzige selbständige ältere politische. Die anderen führen den Namen: Zeitung von politischen, Commercien und anderen dem Publikum nützlichen Sachen, oder Polizei- und Ge- lehrten-Zeitung, gemeinnützige Nachrichten oder Anzeiger, Privilegirte wöchentliche Nachrichten, Zeitungen von Staats- und Gelehrten-Sachen, Jntelligenzblätter, seit 1822 durchweg Wochenblatt und gehen dann in die Kreisblätter über. Es sind offzielle Blätter. In Kassel erschienen sie zuerst 1731, in Marburg 1753, in Rinteln 1762, in Hersfeld 1763, in Fulda 1765, in Hanau 1767. Ein etwas selbständigeres Blatt ver­suchte sich 1802 in Hersfeld, das Jntelligenzblatt, später Magazin genannt, welches aber 1804 wieder einging. Während der Französischen Zeit durften nur der Moniteur und die Departemental-Blätter erscheinen. Dann gab es neben der Hanauer Zeitung noch eine Kasseler Allgemeine Zeitung und denpopulär gehaltenen Boten aus Kassel, redigirt von Hofrath Niemeyer. Erst die bewegten Jahre 1830—1831 brachten einen Umschwung. Es erschienen in Kassel, Rinteln, Rotenburg, Fulda, Witzenhausen politische selbständige Blätter, aber nicht in Marburg. Sie ver­schwinden jedoch meistens wieder schon nach 5 — 6 Jahren; selbst der Versuch Dingelstedt's, im Jahre 1837 eine politische Zeitung zu gründen, scheitert bald wieder. Man begnügt sich wieder mit schönwissenschaft- lichen, pädagogischen und kirchlichen Zeitschriften. Auch der Impuls, welchen die Jahre 1848, 1849 gaben, verflog bald. Die in Kassel, Hanau, Marburg, neu erschienenen Zeitungen hielten sich nicht lange. Vil­mars in Marburg erscheinender Volksfr eund war das maßgebende Blatt. Das bedeutendste Ereigniß auf dem Gebiete der politischen Tagespresse ist dann die Gründung der Hessischen Morgenzeitung durch Fr. Oetker 1859. Eine totale Veränderung brachte das Jahr 1866. Jetzt besitzt jebe politische Partei in Hessen Parteiorgane. Außer den amtlichen Blättern, welche fast jeder Kreis hat, erscheinen jetzt: in Kassel das Tageblatt und Anzeiger, die Morgen­zeitung, die Kasseler Allgemeine Zeitung, Stadtanzeiger, Generalanzeiger, Kasseler Journal, das Reichsgeld­monopol, Hessische Post; in Esch Wege die Fulda- Werra-Zeitung; in Fechenheim der Mainbote; in Fritzlar die Fritzlarer Zeitung; in Fulda die Fuldaer Zeitung, das Fuldaer Tageblatt; in Hanau die Hanauer Zeitung, Hanauer Volkszeitung; in Hers-

Ich habe es ihm doch deutlich genug gemacht?" rief sie, immer heftiger werdend. „Mag es biegen oder brechen,hier bleibe ich nicht, Rema muß mit mir fort, aber nicht nach Berlin, wir können ja nach Paris, nach London, meinetwegen nach Madrid gehen; Claire und Vincent und Falkenburg brauchen nicht zu wissen, wo wir sind. Macht sich die verwünschte Leontine unsichtbar, so kann ich es auch! Was soll es? herrschte sie den Diener an, welcher die Thüre geöffnet hatte.

„Frau Baronin wollen verzeihen —"

Ehe sie dem Diener noch ein zorniges Wort über sein Eintreten zurufen konnte, erblickte sie hinter ihm in der Thür eine Gestalt, deren Erscheinen ihr einen Ausruf der Verwunderung entriß. — „Tante!"

„Meine liebe Hortense", entgegnete Madame d'Ar- court, mit ausgebreiteten Armen auf sie zugehend, aber die Umarmung ward nicht ausgeführt, dmn der Diener hatte schnell die Thür geschlossen und sich in Sicherheit gebracht.

„Wo kommst Du her? Was willst Du?" fragte Hortense weniger heftig als Madame es vermuthet hatte. Die Langeweile war ihr so unerträglich ge­worden, daß sie selbst diese Abwechselung momentan als eine Erleichterung empfand. Dennoch setzte sie hinzu: „Ich denke, Du wollteMich nicht wieder nach Reina verbannen?"