Fuldaer
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Deutsches Keich.
Berlin, 31. Juni.
* Der Kriegsminister v. Verdy hat, wie er in Parlamentskreisen selbst mittheilte, ein Abschiedsgesuch nicht eingereicht. Auch andere Quellen berichten, daß die Gerüchte über den Rücktritt des Kriegsministers, soweit bisher kontrolirbar, der tatsächlichen Grundlage entbehren.
* Ueber den im Hotel de Rome abgehaltenen Fest- Kommers zu Ehren Wissmann's meldet die ,Germania' u. A. folgendes: Der Saal war mit Pflanzen und Flaggen, welche die Kolossalbüste des Kaisers umgaben, festlich dekorirt. Die Festgeber waren etwa 120 an der Zahl. Major v. Wissmann war mit 6 seiner Offiziere von der Schutztruppe erschienen. Den ersten Toast auf den Monarchen brachte Major Liebelt aus, worauf unter Klavierbegleitung das „Lied vom Deutschen Reich" gesungen wurde. Regierungs- Baumeister Wiskow toastete auf Major v. Wissmann und Direktor Strauß widmete sein Hoch der Wissmann-Truppe. Nun erhob sich unter allgemeiner Spannung Wissmann und sagte mit klangvoller Stimme ungefähr: „Mein Dank gebührt in erster Linie meinen braven Offizieren, die mehr unter den Widerwärtigkeiten des Klimas zu leiden hatten, als ich. In zweiter Linie aber Ihnen, den Förderern der Kolonialpolitik hier zu Hause. Es thut uns ein ferneres festes Zusammenhalten Noth, soll die Saat aufgehen. In Betreff der Beurtheilung des deutsch-englischen Abkommens geht mein Rath dahin, vollstes Vertrauen zur Regierung zu haben. Unsere alte Politik im Heimathland muß der so jungen Kolonialpolitik vorgehen. Wir können nicht immer hinter den Schleier sehen und müssen das Vertrauen haben, daß das Richtige geschehen ist. Meine Herren! Ich bitte Sie, mir und meiner Schutztruppe auch Ihr ferneres Wohlwollen zu schenken, damit es gelingt, unser jetzt abgerundetes Besitzthum und unsere jetzt voll und fest vorgezeichneten Rechte bestens zu verwerthen. Ich trinke auf das Wohl meiner Truppe und auf das Wohl aller Freunde und Verehrer der Kolonialpolitik!" Damit war gleichsam der offizielle Theil des Festes vorüber, und in zwangloser Unterhaltung blieb man bis 8 Uhr beisammen und lauschte den Einzelschilderungen Wissmann's und seiner Offiziere. Im Laufe des Abends wurde folgende Depesche an den Fürsten Bismarck gesandt: „Die zur Feier der Rückkehr Wissmann's im Gasthof zur Stadt Rom versammelte
In harter Schule.
Roman von G. I.
(77. Fortsetzung.)
„Sie werden es übrigens bald an uns selbst er- fahrm, wie sehr das Kostüm, die Koulissen, der ganze Bühnen-Apparat auf uns wirkt," hatte ihrEhlert noch gesagt. „Mögen wir es mit unserer Rolle noch so ernst nehmen, so bleiben wir doch in den Proben immer wir selbst und sehen noch mehr in den Mitspielenden nur die Personen unserer Kollegen vor uns. Erst die Aufführung bewirkt die Verklärung, und je mehr wir uns alsdann mit der Rolle identifiziren, desto mehr identifiziren wir auch unsere Partner mit den ihrigen."
Leontine sollte bald die Wahrheit dieses Ausspruches an sich erfahren, denn die Stunde der Enscheidung war angebrochen.
Im Kostüm der Kordelia harrte sie hinter der Scene auf den Trompetenstoß, der das Auftreten des Königs mit den Töchtern und den Freiern verkündete. Einen Augenblick war sie wie geblendet, die Bühne, die Mitspielenden und der dichtgefüllte Zuschauer-Raum schienen sich wie im Wirbel zu drehen, aber bald war es, als stiege sie aus diesem Chaos hervor, nicht als die, welche sie vor wenigen Minuten noch gewesen, sondern wirklich und wahrhaftig als Kordelia. Jener alte König war wirklich ihr Vater, seine Töchter waren
Gesellschaft hat Euer Durchlaucht in dankbarster Erinnerung ein schmetterndes Hoch ausgebracht. Wissmann. v. Cuny. Wiskow, v. Aufseß. Liebert."
* Der Reichstag wird, wie man in maßgebenden parlamentarischen Kreisen annimmt, am Mittwoch geschlossen werden können. Auf die Tagesordnung der Dienstagsitzung wird die zweite Berathung des dritten Nachtragsetats gesetzt werden. Wird die- elbe aller Wahrscheinlichkeit nach am Dienstag beendigt, o kann die dritte Berathung des Nachtragsetats am Mittwoch stattfinden. — In der heutigen Sitzung des Reichstags wurde vor spärlich besuchten Bänken der Rest des zweiten Nachtragsetats berathen. Der Abg. Singer brachte bei dieser Gelegenheit abermals die schlechte Lage der Hilfsarbeiter beim Statistischen Amte zur Sprache, worauf Staatssekretär v. Bötticher erwiderte, daß Beschwerden seitens der Betheiligten bisher nicht zu seiner Kenntniß gelangt seien. Gegen den betreffenden Artikel der.Volkszeitung' sei überdies die Klage eingeleitet worden. — Im Anschluß an den zweiten Nachtragsetat wurde über die Diensteinkommensverbesserungen für die diätarisch beschäftigten Beamten verhandelt und eine Resolution der Budgetkommission angenommen, wonach das Verhältnis der etatsmäßigen Stellen zu den diätarisch beschäftigten Beamten allgemein einer Prüfung unterzogen und vorhandenen Mißverhältnissen nöthigen Falls durch Vermehrung der etatsmäßigen Stellen abgeholfen werden, auch eine Erwägung darüber eintreten soll, ob nicht eine allgemeine Einführung der Dienstaltersstufen für die Besoldungen der etatsmäßigen Beamten sich empfiehlt. Eine von sozialdemokratischer Seite ausgehende Resolution, welche auch in dieser Session den pensionirten Beamten- und Militärpersonen, sowie den zu Reliktenbezügen berechtigten Hinterbliebenen von Beamten und Pensionäre eine entsprechende Pensions-Zulage resp. eine Zulage zum Wittwen- und Waisengelde verschaffen wollte, wurde abgelehnt. Sehr bemerkt wurde die scharfe Art, mit der sich der Abg. Richter gegen den sozialdemokratischen Antragsteller Singer wandte, gleichsam als ob er in demselben einen bedenklichen Konkurrenten in der Fürsorge für die unteren Beamten erblickte. Der Antrag der verbündeten Regierungen, betreffend die Errichtung eines Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm I. wurde auf Antrag des Abg. Frhr. v. Heeremann einer 14er Kommission überwiesen, die auf Wunsch des Staatssekretärs v. Bötticher dem Plenum noch vor der Vertagung über die Angelegenheit Bericht erstatten soll. (Germ.)
* Zur Bismarck'schen Reichstags-Kandidatur in Kaiserslautern schreibt ein Berliner Korrespondent des .Franks. Journ.'folgendes: „Wie ich aus sicherer Quelle erfahre, hat Fürst Bismarck sich einer vertrauten Per- —al "■ll ' " "
ihre Schwestern, und als Goneril ihre maßlosen Liebesbetheuerungen beendet hatte, da sagt" sie, nicht weil es ihre Rolle bloß so vorschrieb, sondern aus ihren innersten Empfindungen heraus und deshalb mit überwältigender Wahrheit.
„Was sagt Kordelia nun? Sie liebt und schweigt." Als dann im weiteren Verlaufe des Stückes ihre schlichten Worte den Zorn des Vaters erregten, als er sie verstieß, da ging wieder eine andere Metamorphose mit ihr vor. König Lear und ihr eigener Vater, der Baron von Reina, flössen zusammen, sie war Kordelia und doch Leontine, die verstoßen ward, weil der gleißende Schein das Herz und die Sinne des Vaters umnebelt, ihn taub gemacht hatte für die Stimme der Wahrheit. In Burgund, der um sie geworben und sie verließ, als sich des Vaters Zorn über sie ergoß, sah sie Ulrich, in Frankreich, an dessen Herz sie sich flüchten durfte, Wollenberg.
Eine Gluth durchströmte sie, wie sie bis dahin nie empfunden, sie fpielte sich selbst, was sie empfunden in jener Stunde, da sie sich zur Flucht aus dem Vaterhause wandte, das strömte in Kordelia's Worten aus, was sie den Schwestern zum Abschied zurief, das schien an die Französinnen gerichtet, und als ihr Frankreich endlich mit den Worten: „Komm, liebe Kordelia!" die Hand bot, da war der Uebergang von der gekränkten Tochter, der zürnenden Schwester zur strahlenden, glück-
sönlichkeit gegenüber, die ihn darüber intecpellirte, ob er das durch die Ernennung Dr. Miquels zum Finanzminister erledigte Mandat für Kaiserslautern annehmen würde, dahin ausgesprochen, daß von seiner Seite :eine Schwierigkeit einem diesbezüglichen Vorschlag entgegengebracht werden würde." Dagegen wird in Berliner nationalliberalen Blättern versichert, daß bei der Centralstelle der Partei nichts über eine Kandidatur des Fürsten Bismarck für Kaiserslautern bekannt ei. „Ueber die Frage hat in erster Linie die Ver- trauensmänner-Versammlung des betreffenden Wahlkreises zu entscheiden. Wie man indessen hört, ist das Mandat bereits einem Gutsbesitzer in Lauterthal angetragen worden."
* Mehrere große Hamburger Häuser beabsichtigen unter Zuhilfenahme englisch-holländischen Kapitals Südwestafrika zu erschließen, nachdem dort eine gewisse Friedenssicherheit gegeben ist.
* Koblenz, 27. Juni. Die Arbeiten des Orts- Komitees zur Vorbereitung der 37. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands schreiten rüstig voran. Am Montag kommender Woche wird mit dem Bau der Festhalle begonnen, welche bekanntlich zunächst den Zwecken des Mittelrheinischen Turnfestes dient, um später von den Katholiken Deutschlands zu ihrer diesjährigen Tagung benutzt zu werden. Hr. Stadtbaurath Mäckler hat den ursprünglichen Plan der nur für die Zwecke des Turnfestes in Aussicht genommenen Festhalle so praktisch umgestaltet, daß diese allen billigen Anforderungen entsprechen wird. Auf dem Clemensplatze gelegen, wird sich die dreischiffige Festhalle von Ost nach West in einer Länge von 74 Meter erstrecken bei einer Tiefe von 26 Meter, von welchen auf das Mittelschiff 16, auf die beiden Seitenschiffe je 6 Meter entfallen. Die Höhe des Mittelschiffes beträgt 16 Meter, die der Seitenschiffe, über welchen die Tribünen sich erheben, 7*/2 Meter. Die für die Zwecke der Katholikenversammlung benutzbare Fläche der Festhalle beträgt rund 1750 Qu.-Meter. Sie faßt also mehr Besucher als der Kölner Gürzenich mit seinen 1172 und die Karlsruher Festhalle mit ihren 1629 Qu.-Meter Grundfläche. Für 6—7000 Menschen bietet das Koblenzer Festlokal der 37. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands bequem Raum. Wie schon mitgetheilt, ist für vorbehaltene und nicht vorbehaltene Sitzplätze genügend gesorgt, ebenso für guten Lüftungswechsel und bequeme Ausgänge. Die nach den Skizzen des Hrn. Stadtbaurathes Mäckler auszuführende Ausschmückung des Riesensaales ist einem bewährten Meister übertragen.
* Aus Hohenzollern, 28. Juni, wird der ,Germ.' berichtet: Kultusminister v. Goßler hat dem Kloster Beuron einen Besuch abgestattet; er hat bei den gastlichen Mönchen das Mittagsmahl eingenom- lichen Braut ein so wunderbarer, daß die bis dahin athemlos lauschenden Zuschauer in einen Sturm des Beifalls ausbrachen, der nicht enden zu wollen fchien.
Ebenso vortrefflich brachte sie in den letzten Scenen den Zorn und den Schmerz der Tochter zur Anschauung, die auf die Kunde von dem ungeheuren Frevel, den die eigenen Schwestern an dem greisen Vater verübt, herbeieilt, ihn zu retten und zu rächen. Als aber endlich Lear, die gemordete Kordelia tragend, erschien, da war der auf diesen stummen, bleichen Zügen, in dieser hingegossenen Gestalt liegende Ausdruck rührender Klage, stiller Ergebung ein so überwältigender, daß es wie ein einziges Aufschluchzen durch das Haus ging und eine feierliche Stimmung über der Verfammlung lag, die noch anhielt, als bereits der Vorhang gefallen war.
Erst nach mehreren Minuten ward die Stille unterbrochen durch Töne des Beifalls, die, immer lauter anschwellend, das Erfcheinen der Künstlerin verlangten. Es währte lange, ehe sie kam, sie konnte sich fchwer dazu entschließen; das Heraustreten, um die Ovation des Publikums zu empfangen, erschien ihr ein größeres Wagniß, als das Auftreten in ihrer Rolle. Aber unablässig rief es „Kordelia! Kordelia!" und so erschien sie denn endlich an Lear's Hand und dankte mit sichtlicher Befangenheit für die ihr gewährte Auszeichnung.
„Nun, was habe ich gesagt?" fragte Lohmeyer, ihr herzlich die Hand schüttelnd. „Ist der Versuch nicht