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Dienstag, den 1. Juli 1890.

17. Jahrgang

Fuldaer Zeitung

Für dir Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

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Deutsches Keich.

Berlin, 28. Juni.

* Major v. Wißm ann hat aus seiner Heimreise eine Unterredung mit einem Mitarbeiter der Münchener ,Allg. Ztg/ gehabt. Der Bericht enthält folgende Sätze: „t>. Wißman betonte vornehmlich die unberechtigte und unheilstiftende politische Rolle, welche sich die englischen, wie gleichfalls die deutschen evangelischen Missio­nare anmaßen, und er verglich deren intriguantes Treiben nicht eben Vortheilhaft mit den guten Werken, christlichen Einfluß, Kultur und Sittlichkeit fördernden Bemühungen der opferfähigen und unermüdlich wirkenden katholischen Missionare. Während er die letztern als Grundpfeiler der Zivilisation bezeichnete, versicherte er mir, daß die englischen wie deutschen protestantischen Missionare geradezu sein Werk erschwerten und hinderten, so daß die großen auf Missionswesen verwendeten Summen in der That weggeworfen seien, ja daß diese Herren, statt zu nützen, durch ihre politische Agitation nichts wie Unheil anrichteten." Noch auffallender als diese Aeußerungen ist folgender Zusatz des (protestan­tischen) Reichsboten: „Mr konstatiren, was uns dieser Tage ein hervorragendes Mitglied des v. Wiß- mann'schen Verwaltungs-Generalstabes in Afrika per­sönlich bestätigte, daß ihnen die deutschen evangelischen Missionare vielfach unerträgliche Schwierigkeiten machten durch Mangel an Takt und Rücksicht auf die Wiinsche der deutschen Verwaltung. Man hoffe aber, daß es fetzt, nachdem ein evangelischer Geistlicher ausgesandt sei, unter dessen Disziplin die Missionare gestellt werden, bester werden wird. Jedenfalls aber müsse man eine andere und zwar eine mehr bischöfliche Organisation der Mission wünschen; in der bisherigen Weise, daß jeder Missionar auf eigene Hand und nach eigenem Gutdünken arbeite, könne es nicht weiter gehen. Auch dieser Herr, ein positiver evangelischer Christ und Sohn eines vornehmen, positiv evangelischen Elternhauses, bestätigte, daß es bei der katholischen Mission in dieser Beziehung viel besser stehe und die deutsche Verwaltung besser mit derselben auskomme. Dieselbe hätte aber auch viel mehr Erfolg bei den Heiden, weil sie es besser verstände, dem Sinne und den Sitten der Heiden sich anzubequemen, und ihnen auch in der Kultur für das Auge und Ohr etwas zu bieten, während der evan­gelische Missionar nur durch das Wort der Predigt und Lehre wirken wolle."

* Daß der Kriegsminister General v. Verdy seine Entlassung nachgesucht habe, wird der ,Nordd. Allgem. Ztg.' von vertrauenswerther Seite mit dem Bemerken bestätigt, daß der Kriegsminister die Ge­schäfte, so lange dies erforderlich, weiterführen werde. Als muthmaßlicher Nachfolger des Generals v. Verdy wird der Kommandant des kaiserlichen Hauptquartiers, General-Lieutenant v. Wittich, genannt, welcher sich

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In harter Schule.

Roman von ®. I.

(76. Fortsetzung.)

Dieser „Morgen" hatte denn auch für dm Direktor wie für den Regisseur der Arbeit und Aufregung viel gebracht. Leontinens Erscheinen unter dem Bühnen- völkchm hatte die ganze Scala aller der Emfindungen angeregt, welche in einem solchm Verbände das Auf­tauchen jedes neuen Mitgliedes zu erwecken pflegt. Sämmtliche Schaufpieler vom polternden Alten bis zum Naturburschen waren von Fräulein Schmidt's Schönheit hingerissen, geblendet, entzückt; die Schau­spielerinnen dagegen hatten mit seltener Einstimmigkeit mehr erwartet.

Die Vorstellung des gesammten Personals einerseits und Les Fräulein Schmidt andererseits war beendet, die Probe nahm ihren Anfang und die Klingel des Inspizienten, wie das Machtgebot des Regisseurs ver­bannte Alles von der Bühne, was nichts darauf zu thun hatte. Die Aufforderung mußte aber wiederholt werden, die Wogen der Aufregung gingen heute zu hoch, um sogleich abzufluthm und machten sich auch, als endlich den Anordnungm des Direktors und Ehlert's Folge geleistet war, in einer gewisten Hast und Un-

zur Zeit im Gefolge des Kaisers auf der Fahrt nach Dänemark befindet, v. Wittich wurde am 19. Sept. 1888 zum General-Lieutenant befördert. Vorher kom- mandirte er als General - Major die 12. Infanterie- Brigade. Er wurde Sekonde - Lieutenant 1855, Pre­mier-Lieutenant 1860, Hauptmann 1866, Major im Juli 1870, Oberst-Lieutenant 1875, Oberst 1879 und General-Major 1885.

* Der Vorstand des Deutschen Emin Pascha- Komitees hielt gestern unter Vorsitz des Staatsmi­nisters von Hofmann eine Sitzung ab, welcher Major von Wißmaun, sowie die früheren Mitglieder der Emin Pascha-Expedition, Kapitän-Lieutenant a. D. Rust und Oskar Borchert beiwohnten. Es wurden die Be­richte des Dr. Peters, eine Abhandlung über Afrika­reisen im Allgemeinen und die resumirende Auseinan­dersetzung über die Ergebnisse der Expedition vorgelesen, welche bald ausführlich veröffentlicht werden. — Vom Lieutenant v. Tiedemann, dem Begleiter von Dr. Peters, sind zwei Briefe eingetroffen, der eine auf der Insel Teste (im Nordwesten des Vikioria-Nyanza) am 20. März, der andere in der Missionsstation Niagesi (Usukama) am 13. April geschrieben. Ersterer enthält in kurzen Zügen eine Schilderung der Kämpfe, welche die Expedition mit den Wagalla, Wandorobbo, Wal- hakka, Wakikugu und Massai zu bestehen gehabt.

In dem einen Massai-Gefecht, das mit der gänzlichen Nieder­lage unserer Feind endete (sie ließen 43 Tobte auf dem Platze), ging es uns auf ein Haar an den Kragen. Ich selber bekam einen Giftpfeil durch die linke Brusttasche; die Kerle kämpften wie leibhaftige Teufel: wir zahlten ihnen aber mit vollwichtiger Münze heim. . . . Äls wir noch etwa drei Tagemärsche von Emins nächster Station entfernt waren, erhielten wir die Nach­richt von seinem Abmarsch und entschlossen uns, nach Uganda zu marschiren, vielleicht der gefährlichste Schritt der ganzen Reise. Jakson hat mit 500 Mann nicht gewagt, was wir mit 60 unter­nahmen. Der König Mwanga hat uns überaus freundlich und mit den höchsten Ehren ausgenommen. Unser Marsch von Usoga nach Uganda glich einem Triumphzuge. Uganda ist entsetzlich verwüstet; überall Spuren von Mord, Brand und Greueln; Skelette und halbverweste Leichname lagen zu Hunderten umher. Hier auf der Insel ist's paradiesisch, und meine Gastfreunde, die katholischen Missionare, sind charmant, vor Allem der Vicaire apovtolique du Nyanza, Monseigneur Livinhac, in dessen Zimmer ich schreibe. Meine Aufgabe ist augenblicklich, Boote aufzutreiben, um unsere Expedition über den See nach Ukusuina zu bringen.

In dem zweiten Briefe wird berichtet, daß die Ex­pedition nach 16 tägiger Fahrt über den Viktoria- Nyanza in dreißig Kanoes und Piroquen wohlbehalten in Niagesi angelangt sei, von da in Gesellschaft des Monseigneur Livinhac nach der Küste zu marschiren gedenke und dort gegen Ende Juni einzutreffen hoffe.

* Im Reichstage drängt alles zum Schluß. Heute beschäftigte er sich zunächst mit dem Anträge, betr. die Vertagung des Reichstags vom 8. Juli bis 18. November. Mit Unterstützung des Centrums beantragte der Abg. Graf Ballestrem in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Arbeiterschutz-Kommission, der Ver­tagung zuzustimmen, zugleich aber die zur Vorberath-

aufmerksamkeit der Spielenden bemerkbar. Damit kam man aber nicht durch. Lohmeyer und Ehlert hatten nun einmal ihr Herz daran gehängt, daß der König Lear eine Musterleistung werden müsse, und so wurde denn Scene für Scene mit der größten Genauigkeit und manche drei, vier Mal durchprobirt, ehe das „Tyran­nenpaar", wie man murrend die beiden Freunde nannte, zufrieden war und der Direktor nach Beendigung der Probe, die sich weit über die Mittagsstunde aus­gedehnt hatte, sagte:

„Da wir heute Abend keine Vorstellung haben, so bitte ich die Herrschaften, sich um sieben Uhr wieder zur Probe einzufinden; morgen, am Tage der Vor­stellung, läßt sie doch nur noch eine abhalten."

„Das hat ihm wieder der Ehlert eingeblasen!" rief der Charakterspieler wüthend. „Was der nur an meinem Edmund zu mäkeln hat. Wenn ich in einer Rolle etwas mache, so ist's wahrhaftig in der."

„Merken Sie denn nicht, daß man sich nur vor der fremden Kollegin brüsten will?" warf Fräulein Berger, der die Rolle der Goneril zu Theil gewordm war, ein.

„Brüsten will man sich vor ihr?" nein, einspielen will man sie," sagte Frau Schindelmeyser verächtlich. „Wo habt Ihr denn die Augen, Kinder? Das eine berühmte, routinirte Schauspielerin? Wenn die heute

ung des Arbeiterschutz-Gesetzes gewählte Kommission zu ermächtigen, behufs Weiterführung ihrer Arbeiten bereits vom 4. November c. ab zusammenzutreten. Dieser Vorschlag wurde auch genehmigt, nachdem Staatssekretär v. Bötticher noch erklärt hatte, daß die Regierung hohen Werth darauf lege, daß das Arbeiter­schutzgesetz bis zum 1. Januar n. I. erledigt werde. Sodann beschäftigte sich das Haus mit der dritten Berathung der Militärvorlage. Es sprachen in der zunächst eröffneten Generaldebatte die Abgeord­neten Dr. Reichensperger, Rickert, Frhr. v. Friesen, der Antisemit Liebermann von Sonnenberg und Frhr. v. Münch (Volkspartei). Dr. Reichensperger befür­wortete u. A. eine baldige internationale Abrüstung, während der Abg. Liebermann von Sonnenberg den Militarismus pries und stärkere Besteuerung der Börse und die Einführung eines Jnseratenmonopols empfahl, ebenso internationale Maßnahmen gegen den Börsen­schwindel, weil dieser eine stetige Kriegsgefahr bedeute. Die Militärvorlage wurde nach unerheblicher Spezial­debatte mit derselben Mehrheit wie in der zweiten Lesung angenommen. Die gestern ausgesetzte end- giltige Gesammtabstimmung über die Gewerbe­gerichte ergab die Annahme der Vorlage gegen Frei­sinnige, Sozialdemokraten und Volkspartei. Der III. Nachtragsetat wurde nach kurzer, unerheblicher Debatte der Budgetkommission überwiesen, und der zweite Nach­tragsetat, betreffend die Erhöhung der Gehälter der Reichsbeamten und Offiziere unter Ausscheidung der für die Offiziere und höheren Reichsbeamten ausge- worfencn Gehaltserhöhungen in der von der Kommission vorgeschlagenen Form in zweiter Lesung genehmigt. Die Ferienstimmung ist nach dem Sitzungsberichte der .Germania' bereits so stark vorherrschend, daß die Ver­handlungen zumeist unter Unaufmerksamkeit des Hauses geführt wurden.

* Nach Privatmittheilung aus Bagamojo wird Dr. Karl Peters in den nächsten Tagen aus dem Innern an der Küste erwartet.

* Der Araber Mohamed bin Kassim, welcher 1886 den deutschen Kaufmann Giesecke in der Nähe von Tabora ermordete, wurde vom stellvertretenden Reichskommissar in Ostafrika vor ein Kriegsgericht gestellt und nach erfolgter Verurtheilung gestern mit dem Tode bestraft.

* Elberfeld, 28. Juni. Zwölf Hauptlehrer hie­siger Stadt erlassen folgende Erklärung: „Die unter­zeichneten Hauptlehrer Elberfelds verwahren sich gegen die weit verbreitete Auffassung, als sei der Deutsche Lehrertag der Vertreter der christlichen Anschauung der deutschen Lehrerschaft. Die Durchführung der zu Pfingsten auf dem achten Deutschen Lehrertag zu Tage getretenen religiösen Grundgedanken würde ihrer Ueber- zeugung nach den Niedergang der religiös-sittlichen Bildung unseres Volkes herbeiführen; sie halten mit nicht zum ersten Male die Bretter betreten hat, will ich mein Lebtag nicht wieder gerufen werden!"

„Wer wird solchen vermessenen Laut ausstoßen," höhnte der erste Liebhaber. „Die Schindelmeyser hat Recht!" rief der Komiker, die Schmidt ist ein Neuling, aber sie ist schön und hat Talent, der Direktor macht einen glücklichen Coup."

„Den man ihm leicht zu Falle bringen könnte," sagte Fräulein Berg-Goneril und sah Frau Schindel- meyser-Regan bedeutungsvoll an.

Diese schüttelte bedenklich den Kopf. „Mit Lohmeyer ist nicht gut zu spaßen, das wißt ihr."

„Ah, bah, was frage ich nach Lohmeyer," lächelte Fräulein Berg überlegen.

„Sie haben sicher die Anerbieten von sechs Hof- theater-Jntendanten in der Tasche," sagte der Komiker mit gut gespielter Treuherzigkeit. „Um so gleichgültiger kann es Ihnen ja sein, was an dieser Bühne noch geschieht."

„Lohmeyer begeht einen Frevel an der Kunst, rief sie pathetisch, die müssen wir rächen!"

„Da müßten wir Neu-Brandenburg anzünden," lachte der Komiker, „denn es ist eine Sünde an der Kunst, daß hier gespielt wird."

„Was ist ihm Hekuba!" dellamirte der Helden-