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JV 147.

Sonntag, den 29. Juni 1890.

17. Jahrgang

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (91. Dillmann).

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der

belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Die ,Fuldaer Zeitung' end)eint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.

Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Psg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Fuldaer Zeitung ffür die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. -* *■ ** — * - • —

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Einladung

zur

37. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands

in Koblenz.

Die 37. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands wird in den Tagen vom 24. bis 28 August d. I. m Koblenz abgehalten werden.

Mit freudiger Erregung hat die gesammte katholische Bürgerschaft unserer Stadt die Kunde von der ihr zu Theil gewordenen hohen Auszeichnung begrüßt, und Männer aus allen Schichten der Bevölkerung sind eifrig bemüht, an der Geburtsstätte des großen Görres die Versammlung würdig zu empfangen, der an seinem Grabe zu tagen nicht vergönnt worden.

Wofür Görres, „der Stern des Rheinlandes, die Zierde Deutschlands, der Vorkämpfer für Wahrheit, Recht und Freiheit mit edlem Muthe und mächtig zündendem Worte gewirkt und gestritten hat, das ist das Programm der von seinem Geiste geweckten General-Versammlungen der deutschen Katholiken geworden, die von Jahr zu ^ahr großartiger sich entfaltend, reichen Segen über alle Gaue unseres Vaterlandes verbreitet haben. Unzählige haben aus ihnen Anregung und Trost, Belehrung und Ermuthigung gefunden; durch sie erhielten die Werke der christlichen Liebe, die Missionen, christliche Kunst und Wissenschaft kräftige Förderung; hier wurden die Jrr- thümer der Zeit mit den Wasten des Glaubens bekämpft und an die sozialen Schäden die heilende Hand gelegt; sie haben m den Herzen der Katholiken die Liebe für Gott und die heilige Kirche entzündet. So schaaren sich hbute trotz aller Stürme der Zeiten die Katholiken Deutschlands fester denn je um den Felsen der Kirche, in unerschütterlicher Treue die unwandelbaren Lehren der katholischen Wahrheit bekennend. Freudig geben sie dem Kaiser was des Kaisers, aber auch Gott was Gottes ist; sie stören nicht, sonder» fördern den wahren Frieden, tf)!' 9ute3 Recht, die Freiheit der Kirche und die Grundlagen der staatlichen Ordnung vertheidigend, jene aber bekämpfend, welche auf den Trümmern des Christenthums das Reich ihrer Umsturzideen gründen wollen.

Darum ergeht an alle Katholiken deutscher Zunge, besonders an die Mitglieder der katholischen Vereine oie katholische äugend unser Ruf: Rüstet Euch zur Reise nach Koblenz! Was die von Nord und Süd von West und Ost so leicht erreichbare Stadt am deutschep-M, deren Umgebung sich an landschaftlichen Schön­heiten mit jedem Punkte Deutschlands messen kann, zu bieten im Stande ist, soll den lieben Gästen aus vollem Herzen geboten werden.

Das nähere Programm wird später bekannt gemacht werden.

Koblenz, 24. Juni 1890.

Der Vorstand des Lolml-Somites ;ur Vorbereitung der 37. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands.

Müller, Eduard Rechtsanwalt und Stadtverordneter, Präsident; Weißbrodt, Dechant und Pfarrer von St. Castor, I. Bice- proftbent; oenary, Johann Rechtsanwalt und Stadtverordneter, II. Vicepräsident; Grünewald, Dinops, Rentner, I. Schriftführer; l)r. med. Be rflass en, prakt. Arzt, II. Schriftführer; Henrich, Clemens, Rechtsanwalt, III. Schrift- Fuller CAug. Kaufmann und Stadtverordneter, Schatzmeister; Meurin, Pfarrer zu U. L. Fr.; Duhr, Jak., Rechtsanwalt; Dr. Ehses, steph., Kaplan zu U. L. Fr.; Grisar, Hartm., Bäckermeister und Stadtverordneter; ^^"^"gf.oüer,^ak., Rentner; Lutke, Alb., Kaufmann; Maeckler, Wilh., Stadtbanrath; Maur, Frz., Rechts­anwalt; Muller-Graebe Kaufmann und Stadtverordneter; Rottmann,' Alb., Rentner; Saurborn, Johann, Kaufmann; Schuth, I., Buchhändler; Settegast, Rud., Rentner: Stein, A., Kaufmann; Wellstein, Amtsrichter.

Alle Anfragen rc. sind an den Präsidenten, Herrn Rechtsanwalt Müller in Koblenz zu richten.

MF Erstes Blatt.

d Zur Lage in Kaden.

Die schönen Tage des badischen „Geschäftsland­tages" sind nun vorüber und trotzdem dieser Landtag 1889/90 nach dem Willen der maßgebenden Stellen nur ein reiner „Geschäftslandtag" sein sollte, so ist er doch interessanter, lehrreicher als mancher andere. Die nationalliberale Kammermehrheit unter Kiefer-Fieser'- scher Führung ist um einen großen Schritt' näher dem Untergange, lediglich durch eigene Schuld, das katho­lische Volk und die katholische Kirche sind um viele Erfahrungen reicher, auch das Volk, gleichviel welcher Konfession, muß sich abkehren von dem gewaltthätigen Egoismus der nationalliberalen Kammermehrheit, wie er aüs jeder Verhandlung hervorspringt. Und inso­fern wird man mit Genugthuung auf den verflossenen Landtag zurückblicken. Er wird die schärfsten Waffen der Opposition in die Hand liefern. Eines vor Allem muß sich das katholische Volk klar machen, von der natinalliberalen Partei im Lande Baden ist Gerechtigkeit und Wohlwollen gegen die durch­aus berechtigten Forderungen der katholischen Kirche nicht, auch rein gar nicht zu hoffen. Das beweisen die verschiedenen kirchenpolitischen Debatten (über die Orden, Altkatholikengesetz rc.) Wo alle Welt sich vom Kulturkampf abwendet und mehr oder weniger der katholischen Kirche das gibt, was sie verfassungs­mäßig und als freie Kirche beanspruchen muß, kämpft im Lande Baden eine Kiefer-Fieser'sche Engherzigkeit, Verblendung und politische Kurzsichtigkeit auf dem altm, fast tobt gerittenen Klepper ruhig weiter. Dafür ist aber Baden auch ein „Musterstaat", und was

für einer! Nur zu! Aber nicht nur die Katholiken, alle freiheitlich und rechtlich gesinnten Elemente des badischen Volkes können gerade aus dem verflossenen Landtag erkennen, daß es mit dem „musterstaatlichen" Nationalliberalismus nicht mehr weit her ist. Denn gerade auf diesem Landtage hat sich das innere, wahre Wesen des Nationalliberalismus so deutlich enthüllt, als ein durch und durch gewaltthätiges, selbstsüchtiges, reaktionäres, daß ein wahrhaft liberaler Mann sich mit Abscheu von einer solchen „liberalen" Partei ab­wenden muß. Die Gutheißung derneuenGemeinde- orbnung, damit die Bevormundung der Gemeinde- angehörigen durch indirektes Wahlrecht, und die Ein­führung der Herrschaft des Geldsackes infolge der Klassenwahlordnung; das hartnäckige Festhalten am indirekten Wahlrecht, das eine Fälschung des wahren Volkswillens bedeutet, und in vielen Fällen ein unsittliches genannt werden muß (vergl. Freiburger Landtagswahl vom vorigen Jahre); das hartnäckige Festhalten am System der Amtsverkündiger, das ein Hohn ist auf die politische Gleichberechtigung aller Parteien, der stärkste Gegensatz zum Grundsatz der Sparsamkeit und Gerechtigkeit — nach dem Ausspruche des Staatsministers sollen die Amtsverkündiger „ein Kampfmittel ber Regierung gegen ine Oppo­sition" sein. Nun, bie edlen Amtsverkündiger rechtfertigen voll und ganz das Vertrauen, das man in sie setzt. Ge­hässiger gegen alle Opposition, gehässiger gegen die katholische Kirche kann kein liberales Blatt sein, als ein Amtsverkündiger. — Durch das Verhalten in allen diesen Fragen hat sich die nationalliberale Partei das denkbar schlechteste Zeugniß ausgestellt. Nach ihrem Verhalten ist die nationalliberale Partei nicht der frei« heitlichen Entwickelung, dem fteiheitlichen Ausbau der

Verfassung hold, sondern abhold, nicht auf das wahre Volkswohl bedacht, sondern nur aus dem krassesten Egoismus handelnd, nur auf Erhaltung ihrer Macht bedacht. Das ist die Partei, in der ein Rotteck einst' gesessen. Die Katholiken stehen vor der nackten That- sache: von der Regierung unter dem Ministerium Tur­ban ist für sie nichts zu erwarten — denn sie hat ihre Bestrebungen „staatsgefährlich" genannt und ist voll­ständig im Schlepptau des Nationalliberalismus; — von der nationalliberalen Partei ist nicht mehr zu er­warten als ein starres „Nein" auf wahlberechtigte Forderungen. Darum kann sich das katholische Volk Badens nur aus seine eigene Kraft und Arbeit ver­lassen und nur das sein eigen nennen, was es mit diesen Mitteln erreicht. Darum gilt für dasselbe der Wahlspruch: Auf zur Arbeit!

Deutsches Deich.

Berlin, 26. Juni.

* Der,Natzioual-Zeitung' zufolge ist das deutsch- englische Abkommen wegen Ostafrika gestern definitiv zu Stande gekommen.

* Die ,National-Ztg.' verzeichnet das im Reichs­tage verbreitete Gerücht, daß der Kriegsminister v. Verdy seine Demission eingereicht habe.

* Der ,Reichsanzeiger' veröffentlicht die Ernennung des Staatssekretärs von Marschall zum wirklichen Geheimen Rath mit dem Prädikat Exzellenz.

* Der Reich stag beschäftigte sich in seiner heutigen schwach besuchten Sitzung mit der dritten Berathuug der Vorlage über die Gewerbegerichte. In der Generaldebatte nahm nur der Abg. Auer das Wort, um im Namen der Sozialdemokraten zu erklären, daß dieselben ihre endgiltige Zustimmung zu der Vorlage von der Annahme ihrer wieder eingebrachten Anträge abhängig machten, nach welchen die Altersgrenze für das aktive und passive Wahlrecht auf das 21. bezw. 25. Lebensjahr herabgesetzt, den Arbeiterinnen min­destens das aktive Wahlrecht verliehen und die Jnnungs- schiedsgerichte ganz aus dem Gesetze beseitigt werden sollen. In der Spezialdebatte wurde bei § 1 auf An­trag des Abg. Ackermann die in der zweiten Lesung auf Antrag des Abg. Dr. Harmening beschlossene Ein­schränkung, wonach die Genehmigung des Ortsstatuts nur versagt werden soll, wenn dasselbe den Gesetzen widerspreche, wieder gestrichen, so daß nunmehr der Regierung die Möglichkeit bleibt, aus Zweckmäßigkeits­gründen die Genehmigung zu versagen. Eine längere Debatte knüpfte sich an die vom Wahlrecht handelnde Bestimmung. Die soz.-demokr. Anträge wurden unter Aufrechterhaltung der Beschlüsse zweiter Lesung abgelehnt. Es wurden unter Ablehnung aller Abänderungsanträge die Beschlüsse der zweiten Berathuug bestätigt. Besonders heftig wurden von den Abgg. Eberty und Grillenberger die Jnnungsschiedsgerichte bekämpft, die in dem Cen­trumsabgeordneten Metzner einen Vertheidiger fanden. Im Uebrigen boten die Verhandlungen kaum etwas Neues, da durch die umfassende zweite Berathuug der Gegenstand erschöpft worden war.

Die Vertagung des Reichstags beantragt Reichskanzler von Caprivi beim Reichstage wie folgt:

Mit Ermächtigung Seiner Majestät des Kaisers beehrt sich der Unterzeichnete dem Reichstage den Antrag,

zur Vertagung des Reichstags vom 8. Juli cr. bis zum 18. November cr. die Zustimmung zu ertheilen, zur verfassungsmäßigen Beschlußnahme vorzulegeu.

Der Reichskanzler von Caprivi.

Der Schluß einer Session erfolgt durch den Kaiser, die Vertagung des Reichstags aber, d. h. Die Unterbrechung einer Session, bedarf, sofern sie die Frist von 30 Tagen übersteigt, nach Artikel 26 der Reichsverfassung, der Zustimmung des Reichstags. Die Dloße Vertagung ist dieses Mal wünschmswerth, schreibt Die .Germania', damit die begonnenen gesetzgeberischen Arbeiten, insbesondere die Berathungen der Arbeiter- chutzkommissionen, im Herbste wieder da fortgesetzt werden können, wo sie jetzt sistirt werden, während nach einem Sessionsschluß bekanntlich von vorne be­gonnen werden müßte. Wie es heißt, soll die Arbeiter-