und das viel
* Für Lehrer und Lehrerinnen, welche mit ihren Schülern oder Schülerinnen per Bahn Ausflüge ru machen gedenken, dürften auf Grund einer Ans- kunftsertheilung feitens der Königl. preußifchen Staatseifenbahn folgende Bestimmungen vom 1. Mar 1890 im Tarif für die Beförderung von Personen und Rerfe- qepäck von Interesse sein. Für Schulfahrten und Ferienkolonieen von mindestens 10 Schülern, öffentlichen Schulen unter Aufsicht der Lehrer erfolgt die Beförderung auch der begleitenden Lehrer und Lehrerinnen in der dritten Wagenklasfe zum Militärpreise.
* Zum letzten der vier Unzuchts-Fälle, welcher im Februar in der Nähe von Unterfotzbach spielte, ergab die vorgestrige Schwurgerichts-Verhandlung dem ,Han. Anz.' zufolge ein fo unsicheres Bewers-Materlal, daß die königl. Staatsanwaltschaft selbst dre Anklage nicht aufrecht zu halten vermochte. Der Angeklagte Schreiner Wilhelm Oestreich von Hellstem wurde deshalbfreigesprochen. — Freitag, den 27 Ium: Verhandlung gegen Taglöhner Johann Heinrich Schlegel von Ravolzhausen wegen Brandstiftung (Vertheidiger:
* Der Bundesrath hatdieZollbeh örden ermäch- ! tigt, für Kränze aus künstlichen Blumen, welche mit Leichen 1 eingehen und ausschließlich bestimmt sind, auf dem Sarge : oder auf dem Grabhügel niedergelegt zu werden, auf Antrag der Betheiligten Zollfreiheit zu gewähren.
«e. Aus Oberhessen, 26. Juni, wird uns geschrieben: Gestatten Sie mir noch nachträglich die Berichte der ,Fuldaer Zeitung' über die Firmungsreise unseres Hochw. Herrn Bischofs fortzusetzen, die sich zu einer jubelnden Bethätigung des kath. Glaubens seitens der besuchten Pfarrgemeinden und für den Oberhirten zu einem wahren Triumphzuge ausgestaltete. Montag, den 16. ds. kamen Se. Gnaden in Schröck an, wo des Abends Fackelzug mit Feuerwerk arrangrrt wurde und spendeten Tags darauf die hl. Firmung für die Gemeinden Schröck, Bauerbach und Ginseldorf. Auf der Reise von Schröck nach Amöne bürg bereitet die Pfarrei Roßdorf dem Herrn Bifchof einen festlichen Empfang. Nach Ertheilung des Bischöfl. Segens in der restaurirten Kirche, stattete der Hochwürdlgste Herr dem Pfarrhaufe einen Besuch ab. Tags darauf wurde die Firmung in Amöneburg an Bewohner der Stadt, von Mardorf, Roßdorf und Erfurtshaufen er- theilt. Donnerstag früh begann die Konsekration der umgebauten und schön renovirten Kirche in Niederklein und schloß mit Spendung der hl. Firmung. Nachdem Se. Gnaden den Freitag die neu errichtete Niederlassung der barmherzigen Schwestern und deren Kinderbewahranstalt besichtigt, erfolgte die Abreife nach Allendorf, dortselbst am Samstag, in Neustadt am Sonntag und in Anzefahr am Montag die Ertheilung des Sakramentes der Firmung. Allerorts holte eine stattliche Kavalkade den Herrn Bischos ab und begleitete ihn zur nächsten Station; überall waren Straßen und Häuser festlich geschmückt mit Fahnen, Guirlanden und Ehrenpforten und alle Herzen frohbewegt über die Ehre des Bischöflichen Besuches. Seitens der hochw. Dekanats- Geistlichkeit, die den Oberhirten bei den geistlichen Amtshandlungen umgab und gastlichst empfing, seitens der Herren Lehrer, die sich durch Gesangeinübung, seitens der Gemeindebehörden, die durch Ehrenbezeugungen und seitens der ganzen kathol. Bevölkerung, die durch prächtigen frohen Empfang ihrem Bifchof ihre Anhänglichkeit bekundete, war das Möglichste gefchehen. Und das ist Recht. So war's zu St. Paulus Zelten, da die Gläubigen ihm das Geleit gabm auf fernen apostolischen Reisen, so ist es immer und auch jetzt gewesen bei uns und so soll's bleiben bei dem Besuche der Nachfolger der Apostel in ihren Gemeinden. Wenn Bischof, Priester und gläubiges Volk in so enger Verbindung sich zeigen, die an Ehre, Gehorsam und Lrebe, die an Freundlichkeit, Sorge und Theilnahme einander aneifern, dann wird Niemand eine Spaltung zu Wege bringen, die Kirche wird blühen und der Glaube Früchte bringen. Das walte Gott! Wie wir aus der ,Fuldaer Zeitung' ersahen, ist der Hochwürdigste Herr Dienstag Abend glücklich und wohl nach der anstrengenden Firmungsreise in Fulda angelangt. Gott erhalte uns Bischof Joseph noch recht lange und er kehre bald
zu uns wieder!
* Kassel, 24. Juni. Wie die ,K. A. Z.' zuverlässig erfährt, steht der Besuch der kaiserlichen Prinzen auf Wilhelmshöhe in Aussicht. Die Zeit der Ankunft ist noch nicht bestimmt, doch sind diesbezügliche Befehle nach hier gelangt und werden die Wü- helmshöher Räumlichkeiten zu diesem Zwecke bereits hergerichtet. Die Anwesenheit der Prinzen hier in Wilhelmshöhe ist zur Zeit der Reise des Kaisers nach dem Norden vorgesehen, also Ende dieses, bezw. Anfangs nächsten Monats. — Heute (Mittwoch) trafen die Abgeordneten der Hauptversammlung des Verbandes öffentlicher Feuerversicherungs-Anstalten in Deutschland in großer Zahl aus allen Theilen des mit Dir, fo ruf' ich mein Jahrhundert in die Schranken." Er schwenkte den Hut, den er während der ganzen Unterredung in der Hand gehalten und jämmerlich bearbeitet hatte, und war wie ein Wirbelwind zur Thür hinaus."
„Viktoria! Viktoria!" rief er, das Gastzimmer auf- reißend und den Kopf hineinsteckend, „ich habe sie, ich habe sie! Pfannenberg, Sie sollen leben neunmal hoch!" Damit fiel die Thür wieder ins Schloß, ehe der Wirth und einige der bereits versammelten Tischgäste noch recht wußten, wie ihnen geschehen war.
Leontine trat, nachdem der Direktor sie verlassen, ans Fenster und blickte sinnend in den beschneiten Garten hinab. Wie im Fluge zogen die Ereignisse des letzten Jahres an Ihr vorüber.
„Wer mir das gesagt hätte, daß ich auf der Bühne einer Keinen mecklenburgischen Stadt den erften theatralischen Versuch machen würde!" sagte sie. „Leonüne von Reina — Schauspielerin!"
„Halt!" unterbach sie sich, „nicht Leontine von Reina. Die ist tobt. Sie starb an jenem Tage, an welchem man ihr die ungeheure Schmach anthat. Aus ihrer Asche ist eine andere auferstanden, eine andere, die keine Welt, kein Vaterhaus mehr hat, die ruhelos wandert, ohne Namen, ohne Heimath, die nicht glücklich sein darf. Wohlan, ich nehme mein Schicksal an. DaS Sein hat mich ausgestoßen, ich widme mich der Welt des Scheins! Ein neues Leben im Reiche des
Rausch - Leimbach , Daniel Friedrich - Großenlüder, Johannes Frank das., Adam Dümmerlmg dal i^rd. Kreß-Eichenzell, Sylvester Hohmann-Weihershof, Anton Köhl-Salzschlirf, Domänenpächter Klütsch-Maberzell; Preise zu 5 Mk.: Clemens Gräb-Herbstem, Friedrich Hergenröder-Rixfeld, Johann Gräb-Herbstein, Johann Euriq - Schlechtenwegen, Georg Marx - Hartershausen, Gregor Witzel-Engelhelms, Hermann Rith-Großenluder, Daniel Köhl das., Bernhard Michel-Kerzell, Johannes Scheel-Hofbieber.
* Für die Kreise Fulda, Hünfeld, Gersfeld und Schlüchtern sind pro Monat Juni folgende Durch- schnittspreife für die Vergütung von Fonrage festgefetzt: Hafer 9,49, Heu 2,89, Stroh 2,89 Mark '3r' ?Eine Regelung der Lehrerbesoldung nimmt zur Reit die Regierung zu Kassel vor, wobei folgende Grundsätze maßgebend sein sollen. Für Lehrer, welche keinen Kirchendienst zu besorgen haben, wird em festes Minimaleinkommen gefordert, das außer freier Wohn- unq und Feuerung auf dem Lande und in Städten mit weniger als 2000 Einwohnern 850 Mark, in Städten mit mehr als 2000 Einwohner 1000 Mark beträgt. Indessen soll es den Gemeinden überlassen bleiben, statt dieser Minimalfätze Gehaltsskalen anzusetzen, welche mit 800 bezw. 950 Mark beginnen und von fünf zu fünf Jahren entsprechende Erhöhungen gewähren. Für Lehrer, welche zugleich Kirchendlenste leisten, ist ein der Mehrarbeit entsprechendes höheres Minimaleinkommen festzusetzen, das bei umfangreichem Kirchendienst um 250 Mark, bei geringerem nur 150 Mark, über jene Sätze hinausgeht. Diese Normalsatze sollen eine höhere Normirung der Gehälter in Kreisen mit teuereren Lebensverhältnifsen nicht ausschließen. Die Gemeinden sind aufgefordert worden, sich über diefe Vorschläge zu äußern.
Reiches ein. Von hier aus nehmen an der Versammlung Theil als Oberleiter der hiesigen Brandkaffe Herr Landes-Direktor v. Hundelshausen und als Abtheilungs- vorstand Herr Landesrath Dr. Knorz. Die Äbgeord- neten fanden sich Vormittags 10 Uhr im Saale des Ständehauses zu einer Vorzusammenkunft ein. Danach wurde im „Hotel Prinz Friedrich-Wilhelm" das Früh- tück eingenommen. Später begab man sich mittels Sonderzuges der Trambahn nach Wilhelmshöhe. Dort and im „Hotel Schombardt" gemeinsames Mittagsmahl statt, und nachher wurden die Wasserkünste in Augenschein genommen. Die eigentlichen Verhandlungen, welche nichtöffentlich sind, beginnen morgen Vormittag.
* Limburg, 25. Juni. Ein 89jähriger Einwohner in dem benachbarten Lindenholzhausen, welcher an Asthma litt, suchte ärztliche Hilfe nach und bekam zur Linderung Tropfen verschrieben, von welchen er täglich dreimal je 15 Tropfen nehmen sollte. 15 Stück hielt der Patient für seine Person zu wenig und trank deshalb das Arzneiglas auf einmal ans. Bald darauf verfiel der Mann in einen tiefen Schlaf. Die Angehörigen, welchen der Zustand des Kranken bedmklich vorkam, schickten zum Arzte und dieser konstatirte nach einem Zeitraum von einer neunstündigen Schlafzeit den Tod des Mannes. .
* Aus dem Eifenacher Oberlande, 24. Juni, wird der ,Tagespost' geschrieben: Die Ernte-Aussichten hier zu Lande sind, nachdem der Frostschaden vom Ende vorigen Monats so ziemlich, abgesehen vom Roggen, wieder gehoben ist, keine schlechten. Mit der fast beendeten Heu-Ernte ist man zufrieden, nur dürre, trockene Wiesen lieferten in Folge der angehaltenen trockenen Witterung wenig Ertrag. Die Rhön-Thäler haben jedenfalls auch dieses Jahr ihr Ansehen, welches sie vor den Wiesen des Flachlandes in Bezug auf ihre Ernte-Ergiebigkeit voraus haben, gewahrt, das herrlichste Futter wurde auch in diesem Jahre in ihnen gebaut. Für eine ebenfalls gute Grummet-Ernte spricht die jetzige feuchte Witterung recht sehr. Die Halm- Früchte sind bis jetzt in einem recht guten Wachsthume begriffen gewefen, fo daß man auch hier eine gute Ernte erhoffen kann. Freilich der Körner-Ertrag des Roggens wird, nachdem diese Frucht-Art zu einem ziemlichen Prozentsatz, wenngleich nur streckenweise, erfroren ist, kein allzugroßer sein, doch dürfte das so viel nicht zu bedeuten haben, da man in unferen ländlichen Kreisen mehr dem Bau der Sommer-Fmcht, als wie demjenigen der Winter-Frucht zugethan ist, indem man sich sagt, daß im Allgemeinen bei dem erfteten ein weit besserer Erfolg zu erzielen ist, als bei dem letzteren. Was die Kartoffeln anbelangt, so haben dieselben sich von dem zu Anfang des Monats erlittenen Schaden inzwifchen vollkommen erholt und daS ist tn : unserer Gegend mit besonderer Freude zu begrüßen, und zwar um deswillen, weil für unsere Bewohner • eine gute Ernte mit schlechtem Kartoffel - Erttag eben - eine schlechte Ernte ist, da die Kartoffel der Haupt- Bestandtheil der Nahrung unserer Bevölkerung ist. Auch das Gedeihen der übrigen Hack-Früchte läßt nichts zu wünschen übrig. Die früher gehegten Hoffnungen auf eine gute Obst-Ernte in diesem Jahre haben sich, tote anderwärts, so auch hier bedeutend vermindert, inbem auch bei uns die Jnsekten-Welt viel vernichtet hat. Es ist das sehr zu beklagen und hat dies unzweifelhaft feinen Grund in dem Umstande, daß das Vogelheer, welches in Schaaren uns zu früheren Jahren auffuchte, dieses Jahr in weit geringerer Anzahl bei uns vertreten ist, beispielsweise sieht man im jetzigen Sommer fast keine Schwalbe in nuferer Gegend.
* Der Erbprinz und die Erbprinzessm von Sa ch s e n - M e in ing en sind nach Wiesbaden abgereift, woselbst der Erbprinz die Massagekur bet Dr. Metzger gebraucht.
„Ich gehe! Ich fliege!" rief der Keine Mann in der Freude über den gewonnenen Sieg kam Burleske wieder zum Vorschein. „Es gibt noch zu ordnen; sogleich sende ich Ihnen die Rolle, die Garderobiere soll Jhnm das Kostüm vorlegen und sich Jhnm zur Verfügung stellen; morgen bei der Probe mache ich Sie mit dem gesummten Personal bekannt und Sie werden sehen, ich darf sagen: „Arm in Arm
Rechtsanwalt Uth).
* Eine Zeit lang hieß es, die großen 20-Pfennig- Nickelstücke hätten sich als unpraktischerwiesen und man wolle es mit einer anderen Prägungsart versuchen, event. auch die kleinen alten Silbermünzen beibehalten. Und wirklich wurden die großen Stücke seltener un Verkehr, während die Keinen, fo leicht dem Verlieren ausgesetzten Münz-Sorten, die nahezu von der Bildfläche zu verschwinden begannen, wieder häufiger auf- tauchten. Nun scheint man aber doch an der Form der großen Nickelstücke festzuhalten, denn die Prägung der Nickel-20-Pfennigstücke wird jetzt an den deutschen Münzstätten mit solch' regem Eifer betrieben, daß von dieser Münz-Sorte nunmehr gegen 19*/z Millionen Stücke geprägt sind. ____________________________
durch aus einer peinlichen Verlegenheit, das gestehe ich ganz offen ein, und dennoch entspringt meine Freude über Ihren Entschluß nur zum kleinsten Theil diesem Umstande. Weit mehr erfüllt mich die Genugthuung, ein Talent, das Epoche machen wird, der Bühne gewonnen zu haben."
„Herr Direktor, Sie scheinen mir ein großer Optimist" zu sein."
„Nein, mein Fräulein, ich bin nur ein Kenner; der Erfolg wird mir Recht geben. Würde es Ihnen genügen, wenn Sie heute die Rolle durchgingen und wir morgen die erste, übermorgen Vormittag die zweite Probe und am Abend die Aufführung hätten?"
„Ich habe Ihnen mein Wort gegeben, Herr Direktor —" ,
„Lohmeyer ist mein Name, Wenn s gefällig ist, unterbrach er sie.
„Also, Herr Lohmeyer, ich habe Ihnen mein Wort gegeben, jetzt bin ich in Ihren Händen, richten Sie Alles ein, wie Sie es füv nöthig halten."
Schönen will ich mir gestalten, einen Namen will ich mir schaffen, eine Heimath mir aufrichten tn einem unermeßlichen Reiche. Kommt, kommt, ihr Gestalten eines Schiller, eines Shakespeare, kommt, ich gehöre Euch an, ich bin Eure Schülerin."
Wie ein Rausch war es über sie gekommen. Ihre Gestalt schien gewachsen zu sein, ihre Augen leuchteten, ihre Wangen glühten. Er ward ihr zu eng un Zimmer, sie eilte in den Garten hinunter und machte einige Gänge, die schneebedeckten Beete entlang. Die kalte Luft kühlte ihre Erregung etwas ab, ihr Vorsatz aber ward um so scher. _
Was werden die Freunde dazu sagen? fragte sie sich. " ,Gringmuth und Frau Meinhold sind vorurtheils- frei, sie achten das Recht der eigenen freien Selbstbestimmung, sie werden meinen Entschluß billigen. Und Wollenberg? O, er ist selbst ein so begeisterter Jünger seiner Kunst, daß er verstehen wird, was mich der meinigen in die Arme führt. Ja der meinigen!" jauchzte sie. „Ich fühle es, diese Kunst wird mir, ich werde ihr gehören, mein erstes Auftreten ist ein entscheidender Wendepunkt für mich. Dennoch sollen die Freunde nicht eher davon erfahren, bis der Erfolg der Hoffnung Recht gegeben hat, die laut und freudig ttt meinem Busen spricht. Für jetzt will ich ihnen nur melden, daß ich glücklich angekommen und geborgen bin und dann schleunig an das Studium meinet Rolle.
Schnell kehrte sie in ihr Zimmer zurück.
(Fortsetzung folgt.)