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Samstag, den 28. Juni 1890

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Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

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„Das biete ich Ihnen vorläufig auch gar nicht an,

die wir vereinbaren werden.

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Auch dazu kann ich mich nicht entschließen." Nun, so treten Sie nur das eine Mal als Cor-

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„Ich zweifle gar nicht an der Vortrefflichkeit Ihrer Gesellschaft, dennoch kann ich ein Engagement nicht annehmen."

^mn«ne ; es traf sich eigenthümlich, daß sie diese Rolle beinahe auswendig wußte. Sie hatte den König Lear in letzter Zeit so ost gelesen. Das Schick­sal Cordelia's die von ihrem Vater verstoßen wird, r^r ihrigen verwandt erschienen, sie hatte , „ ri} 1 s..

llch ln "lesen Charakter versenkt — und nun stellte meine Verehrte, gastiren Sie nur in etlichen man ihr das Ansinnen, die Rolle zu verkörpern! ‘ ’ • *■ "

Lohmeyer sah, daß sie nachdenklich ward und deu­tete diesen Umstand zu seinen Gunsten.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der

belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.

Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Keich.

Berlin, 26. Juni.

* Der Kaiser hat sich nach Kiel begeben und von dort aus seine diesjährige Nordlandsfahrt angetreten, an welche sich später der Besuch in Eng­land schließen wird.

* Die Kaiserin Friedrich ist heute Vormittag mit den Prinzessinnen-Töchtern nach Bückeburg abge­reist, von wo morgen Nachmittag die Weiterreise nach England erfolgt. Die Ankunft auf Schloß Windsor wird am Sonnabend erwartet. In England wird die Kaiserin Friedrich einige Zeit bleiben und sich sodann zum Besuch an den griechischen Königshof in Athen und später von da noch zu mehrwöchigem Aufenthalt nach der Insel Corfu begeben.

* Ein Komitee von Reichstagsabgeordneten ist auf Anregung des Abg. Oechelhäuser zusammengetreten, um am Sonnabend zu Ehren des Reichskommissars von Wißmann einen Kommers zu veranstalten, dem Reichstagspräsident von Levetzow präsidiren wird. Auch Dr. Windthorst gehört dem Komitee an.

* Der deutsche Botschafter in London Graf Hatz­feld erhielt wegen seines Antheils an dem deutsch­englischen Abkommen den Schwarzen Adlerorden.

* Der Reichstag setzte heute die 2. Berathung der Militärvorlage fort. Abg. Payer tadelt, daß in Deutschland immer der Militärstaat in den Vordergrund gestellt werde, wovon die Vorlage wieder ein Beweis sei. Abg. v. Bennigsen (natl.) tritt für die Vorlage ein, wünscht aber, daß die Regierung in Zukunft Aeußerungen in der Kommission unterlasse, wie man sie diesesmal habe hören müssen. Er geht auf die Gründe der Vorlage, die fortwährenden Rüstungen Rußlands und Frankreichs, ein und meint, wir seien Erhöhung unserer Wehrkraft unseren Bundesgenossen schuldig. Redner wünscht nicht den Tag zu sehen, an welchem Deutschland aus innerem politischen Zwist die Mittel für Kräftigung seines Heeres ablehne. Abg. Hietze (dst.) tritt für die 2jährige Dienstzeit ein,' die man wohl in Folge der Vorlage, welche der Anfang einer neuen Reihe von Belastungen sein werde, fordern könne, zumal sich derselben nicht unüberwindliche Schwierig­keiten entgegenstellten. Abg. v. Kar dorff (Rp.) weist darauf hin, daß die 2jährige Dienstzeit nicht das biete, was das Volk erwarte, Ersparniß an Geld und Menschen, sie werde nur die Lasten erhöhen. Redner wendet sich gegen die Sozialdemokraten, denen er das Recht ab­spricht, über die Vertheuerung der Lebensmittel zu klagen, da durch die Lohnerhöhungsstrike dieselbe erfolge. — Die Debatte wird geschloffen. In namentlicher Abstim­mung werden die Anträge Bamberger abgelehnt, die Vorlage angenommen. Gegen die Vorlage stimmten

„Wir haben sehr schöne Kostüme, mein Fräulein. Sie dürfen nicht glauben, daß Sie es hier mit einer gewöhnlichen ambulanten Truppe zu thun haben. Meine Gesellschaft fpielt im Winter über im Hoftheater zu Strelitz, giebt in den Frühjahrsmonaten Vorstellungen im hiesigen Theater und gastirt den Sommer über in einem Bade."

Ans Stadt, Arovinz und Vachbargediet.

Fulda, 27. Juni.

* In seiner am 25. d. zu Köln abgehaltenen Ge­neral - Versammlung hat der Central - Vorstand des Afrika-Vereins deutscher Katholiken für ein in Deutsch - Afrika zu errichtendes Missionshaus vor­läufig eine Summe bis 100,000 Mark, für die Väter vom heiligen Geist in Bagamoyo 10,000 Mark und für die Weißen Väter von Algier 20,000 Mark ange­wiesen. Verlesen wurde das bekannte Breve des heil. Vaters an den hochw. Herrn Erzbischof von Köln, in welchem derselbe sich für Gründung eines deutschen Missionshauses für Afrika ausspricht. Dieser Gegen­stand wurde in eingehende Berathung gezogen. Die Einzelheiten der Ausführung des betreff. Beschlusses sind, wie in der Versammlung mitgetheilt wurde, der demnächstigen Konferenz der deutschen Bischöfe in Fulda Vorbehalten. 4

222 Die Feier des Stiftungsfestes des kath. Kasino's findet nach gestrigem Beschluß nicht Sonntag, den 29. ds., sondern Sonntag den 6. Juli, Abends 8 Uhr statt.

* Der gestern Hierselbst abgehaltene Schaf markt war mit 925 Stück Schafen befahren. Preise erhielten zu 20 Mk.: Nikolaus Bickert-Maberzell; Preise zu 15 Mk.: Johannes Schmidt-Oberbimbach, Domänen­pächter Funk-Blankenau; Preise zu 10 Mk.: Storch- Fritzhof, Bürgermeister Brähler - Eichenau, Leonhard Becker-Blankenau, Joseph Ritz-Petersberg, Anton Hoh­mann-Sickels, Karl Helferich- Riesig, Joseph Reith- Großenlüder ; Preise zu 6 Mk.: Diegelmann-Künzell, Johannes Schneider-Mahr, Schmidt-Eichenau, Wendelin Hahn-Zell, Valentin Quell-Besges, Friedrich Hornung- Unterbimbach, Oswald Krönung-Lüdermünd, Ferdinand beim auf. Das verpflichtet Sie ja noch zu gar nichts," bat der Direktor.

Leontine hatte die letzten Einwände in einer immer unsicherer werdenden Art und Weise gemacht. Während der Direktor sprach, war es ihr plötzlich gewesen, als öffne sich hinter ihm ein Vorhang und sie schaue auf ein reiches buntbewegtes Bild, ein Bild, dessen Mittel­punkt sie war. Sie, die Verstoßene, die Vereinsamte, sand plötzlich den Boden, auf den sie gehörte. „Schau­spielerin, ja Schauspielerin!" rief es in ihr. „Die Bühne, das ist der Ort, auf den dein Geschick dich weist, dort kannst Du ihm Worte leihen, dem tiefen gewaltigen Schmerz, der Dich durchwühlt, dort kannst du Leid und Lust verkörpern, dort alle Gefühle aus­strömen lassen, die du im verschwiegenen Busen trägst. Ja, Schauspielerin, das ist das Loos, das für Dich sich eignet!"

Lohmeyer bemerkte, daß in ihrem Innern etwas vorgehen müsse, das sich zu seinen Gunsten deuten ließ.

„Schlagen Sie ein, sagen Sie ja, mein Fräulein!" bat er.

„Nun wohlan, Herr Direktor, sagte Leontine tief aufathmend, „ich willige ein, schicken Sie mir die Rolle der Cordelia, ich spiele sie, aber auf Ihre Gefahr."

Der Direktor ergriff ihre Hand und drückte sie an seine Lippen. „Haben Sie Dank, mein Fräulein, für dieses Zugeständniß," versetzte er. Sieji retten mich da-

In harter Schule. -

Roman von G. I. (.74. Fortsetzung.)

„Mein Fräulein, ich bin ein alter Praktikus. Er­lauben Sie mir zu sagen, daß man mit einer Figur, wie Sie sie haben, mit solchen plastischen Bewegungen mit solcher Stimme und solchem Gesicht Mittel besitzt, mit denen man spielen kann wäre man sonst noch nie­mals als Zuschauer im Theater gewesen. Ich sage Ihnen, Sie können spielen, sobald Sie wollen."

„Lasten wir mein Wollen bei Seite, so kann ich trotz Ihrer gütigen Voraussetzung doch nicht spielen, dazu muß man doch Rollen gelernt haben."

„Vorläufig lernen Sie nur eine, die lernen Sie in etlichen Stunden; sie ist Ihnen ja doch bekannt; zur ersten Gastrolle war die Cordelia im König Lear bestimmt."

ledigt worden. Ob es bei der Fülle der letzteren da­zu noch kommen wird, erscheint fraglich. Crispi hat sich zu dem Anträge sympathisch ausgesprochen.

* Amtlichen Mittheilungen zufolge sind in der spa­nischen Provinz Valencia bisher 196 Cholera-Fälle konstatirt worden, wovon 113 tödtlich verlaufen sind. Bei der Ausdehnung des Gebietes, in dem die Erkran­kungs-Fälle vorkamen, hat man auf die ursprünglich angeordnete Jsolirung desselben verzichten müssen.

* Das amerikanische Repräsentantenhaus hat sämmtliche vom Senat zur Silberbill angenommene Amendements einschließlich desjenigen über die freie Ausbildung von Silber abgelehnt. Es wird nunmehr eine gemeinsame Kommission beider gesetzgeberischer Körperschaften eingesetzt, welche die Herbeiführung eines Ausgleichs anbahnen soll.

Freisinnige, Sozialdemokraten, Volkspartei, Deutsch­hannoveraner und 21 Mitglieder des Centrums. Die Resolutionen Windthorst's werden sodann gleichfalls angenommen. Die 2. Lesung der Vorlage ist beendet. Nächste Sitzung: Freitag. Tages-Ordg.: 3. Lesung, Gewerbegerichte.

* Jetzt nach Erledigung der Militärvorlage ist der Reichstag in die Berathung des Nachtragsetats, betr. die Beamtenbesoldungs-Verbesserung en ein­getreten. Die Budgetkommissivn hat die Verbesserungen auf das Maß reduzirt, welches bei bett Beamten- besolduitgs - Verbesserungen in Preußen eingehalten worben ist. Die Verbesserungen für bie Offiziere unb die höheren Beamten sinb somit gestrichen.

* Gegen Janssens unbequeme Geschichtsschreibung ist ttneberum eine Broschüre erschienen, lieber bieselbe wird geschrieben: „Der .kleine Janssen' ist nunmehr von dem durch Pastor Th ümmel bekannt gewordenen evangelisch-bündlerischen „Verlag von D. B. Wiemann" in Barmen als Novität angekündigt, unter dem thümmel- mäßigen Titel: „Der kleine Geschichtsfälscher oder Janssen in der Westentasche. Geschichte des deutschen Volkes seit dem Ausgang des Mittelalters. 150. Band: Die Geschichte der Gegenwart. Erste bis neunhundert­neunundneunzigste Auflage. Mit Porträt des Ge­schichtsforschers Janssen. Von Dr. Quellebold Falsifizinsky Jesuitowitsch." Die Selbst­charakteristik, die dem Machwerk schon in seinem Titel ausgeprägt ist, könnte durch eine Bemerkung hierzu mir abgeschwächt werden.

* Straßburg, 26. Juni. Der hochw. Herr Bischof Stumpf wurde mit den Sterbsakramenten ver­sehen. Die Schwäche des hohen Kranken ist äußerst groß, so daß man auf das Schlimmste gefaßt sein muß.

Ausland.

* Der neue deutsch-schweizerische Nieder­lassungs-Vertrag ist, nachdem er die emmüthige Zu­stimmung des deutschen Reichstags gefunden, nunmehr auch vom Schweizer Nationalrath einstimmig genehmigt worden.

* Rom, 26. Juni. Der Papst hielt heute Vor­mittag ein öffentliches Konsistorium ab, wobei er den neu ernannten Kardinälen Mermillod und Galleati den Kardinalshut überreichte. In dem daran sich schließenden geheimen Konsistorium präkonisirte der Papst unter anderen Prälaten den Weihbischof Gockel von Paderborn.

* Im italienischen Parlament ist die Einsetzung eines internationalen Schiedsgerichts zur Lösung aller zwischen den Nationen entstehenden Streitigkeiten ein­gebracht worden. Der Antrag soll zur Berathung kommen, nachdem alle dringenden Angelegenheiten er-

„Darf ich Ihnen die Rolle schicken?" fragte der Direktor.

„Aber Herr Direktor, Sie würden ein sehr gefähr­liches Experiment machen, wenn Sie mich auftreten ließen."

„Das lassen Sie meine Sorge sein."

„Ich habe nie daran gedacht, Schauspielerin zu werden."

„Das ist schade genug, aber es ist noch gar nichts verloren. Sie können es noch sehr weit bringen."

„Ich bin in keiner Weise mit Garderobe versehen."

Fuldaer Zeitung

Für die Redactton verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. ~