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gelassen, daß gute Beziehungen Serbiens zu Rußland gewünscht seien und kein feindseliges Verhältniß zu Oesterreich-Ungarn nöthig machten. Auch diese Dar­legung des Grasen Kalnoky entspricht der Lage voll­kommen. Serbien steht im Begriff, sich fester und fester an die russische Politik anzuschließen; Kalnoky macht daher die Serben auf die Gefahr ihrer Schritte auf­merksam; aber eine Hoffnung spricht er nicht aus. Zu Rumänien und dessen Regierung seien die Beziehungen sehr freundliche. Leider sei die Stagnation der han­delspolitischen Beziehungen trotz beiderseitiger eifriger Bemühungen noch nicht beseitigt,

Bildet Serbien den dunklen Punkt in der äußeren Politik Oesterreichs, weil es zur Zeit die Wand ist, hinter welcher sich die bekannten Balkan - Pläne Ruß­lands verbergen, so bildet für das deutsche Reich das Verhältniß zu Frankreichs immer noch lebendigen Rache- Gelüsten die wunde Stelle, die uns zwingt, den Krieg vorzubereiten — gleich Oesterreich. Daher erhalten alle die friedlichen Darlegungen der Lage erst die richtige Beleuchtung durch die fortwährenden Anträge der Re­gierungen auf erhöhte Rüstungen und auch die öster­reichischen Delegationen müssen wieder neue Mittel hierzu bewilligen.__________________________________

Deutsches Keich.

Berlin, 14. Juni.

* Nichts kennzeichnet unsere Lage besser als die dunklen Konfliktsgerüchte, welche gegenwärtig herumschwirren. Die ,Freis. Ztg.' nahm in einem „Hinter den Coulisfen" überschriebenen Artikel von diesen Gerüchten Notiz, worin es u. A. heißt: „In den Foyers des Reichstags flüstert man sich allerlei merkwürdige Dinge zu. Es sollen allerlei Leute umher­gehen, nicht Regierungsvertreter, aber Personen, welche man bisher für Freunde der Regierung angesehen hat, und geheimnißvolle Andeutungen machen. Wenn die Militärvorlage nicht in der Weise, wie es die Re­gierung verlange, angenommen würde, so könnten selt­same Dinge sich ereignen. Etwa eine Auslösung des Reichstags? Nein, so sagt man, die Regierung weiß, daß bei der gegenwärtig im Volke herrschenden Stimmung eine Auflösung ihr nur noch mehr Frei­sinnige und mehr Sozialdemokraten in den Reichstag besorgen würde. Aber was kann denn sonst passiren? Das ist es ja gerade, was die Sache bedeutungsvoll macht, erwidern jene geheimnißvoll. Das allgemeine Wahlrecht ist dann in Gefahr." Es soll eben Leute geben, welche meinen, die Regierungen seien ebenso berechtigt, durch freie Entschließung die Reichs­verfassung wieder aufzuheben, wie sie dieselbe gegeben haben. Selbst die ,Franks. Ztg.' meint, daß diesen dunklen Phantasien etwas Wahres zu Grunde liege. Jedenfalls fehlt es aber auch nicht an Solchen, welche in der Ausstreuung solcher Gerüchte nur ein Mittel erblicken, die Forderungen des Militarismus im Reichs­tage durchzudrücken.

* Der Reichstag soll dem Vernehmen nach am 29. Juni vertagt werden.

* Es steht jetzt fest, daß der Reichskanzler v. Ca­privi den Kaiser nach Rußland begleiten wird.— Die Zusammenkunft des Kaisers Wilhelm mit dem Kaiser von Oesterreich in Liegnitz war, wie von be­rufener Stelle englischen Blättern gegenüber festgestellt wird, bereits vor 2 Monaten beschlossene Sache.

* Das dem Reichstage zugegangene neue Weiß­buch über Samoa umfaßt den Zeitraum von An­fang 1889 bis zum 22. April 1890. Die 15 darin dicht an die Freundin heran. Diese legte ihren Arm um Alwinen's Schulter, bot Wollenberg die Hand und sagte mit einem gewissen Pathos:

„Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust!"

„Wie schön Du das sprichst, Leontine!" rief Alwine.

„Wie plastisch Ihre Stellung ist, Fräulein Leon­tine," sagte der Maler, und seine Blicke hingen bewun­dernd an der schönen Gestalt des Mädchens. „Sie haben entschieden Talent für die darstellende Kunst."

„Ei, ich will froh sein, wenn mein kleines Talent für die Malerei sich ausgiebig erweist."

„O, Leontine, Du wirst bald reich werden, wenn das so fort geht," plauderte Alwine. „Herr Gring- muth ist soeben gekommen und bringt Bestellungen. Doch, da stehe ich hier und schwatze, deshalb bin ich ja heraufgekommen. Ich soll den Herrschaften melden, daß Herr Gringmuth heute seit langer Zeit zum ersten Male sich wieder nach der Zeichenstunde hier eingefunden hat. Mama läßt sich deshalb von Herrn Wollenberg die Ehre zum Thee ausbitten. Ist es den Herrschaften gefällig?"

Mit einem zierlichen Knix wandte sie sich der Thür zu. Leontine und Wollenberg folgten ihr nach dem Wohnzimmer, wo sie Gringmuth mit Frau Meinhold im eifrigen Gespräch fanden.

Noch einmal genoß der kleine Kreis einen Abend im traulichen Verein. Keiner von ihnen ahnte, daß dies für lange Zeit der letzte sei, daß sie bald, sehr bald auseinandergerissen werden und sich erst nach manchen Fährlichkeiten und unter recht veränderten Verhältnissen wieder so zusammenfinden sollten.

XXII.

Die Saison nahte sich ihrem^Ende. Im Hause des

enthaltenen Aktenstücke enthalten die einleitenden Schritte zur Abhaltung der Samoa-Konferenz, die Generalakte der Konferenz, die Erlasse des Reichskanzlers an die Gesandten und die Dokumente über die Wiedereinsetz­ung des Königs Malietoa.

* Eine Erwiderung wird der .Post' zufolge auf die Broschüre „Videant consules“ von militärischer Seite in den nächsten Tagen erfolgen.

* Der Reichstag trat heute in die 2. Berathung der Vorlage über die Gewerbegerichte. Zu dem § 1 derselben sind zwei Anträge gestellt: Ein Antrag Auer, der obligatorische Gerüchte will und ein Antrag Eberty, der den Zusatz will : die Genehmigung des Ortsstatuts darf nur dann versagt werden, wenn dessen Bestim­mungen den Anforderungen der Gesetze widersprechen. Die Diskussion dreht sich im Wesentlichen um diese Anträge. Abg. Dresbach (Szd.) vertritt den Antrag Auer, ohne dessen Annahme das Gesetz unvollkommen bleiben werde und verlangt Ausdehnung auf die länd­lichen Arbeiten. Abg. Eberty (dfr.) bestreitet die Noth- wendigkeit des Antrags Auer. Abg. Kurtz (kons.) ist für obligatorische Gerichte. Minister v. Boetticher spricht sich dahin aus, daß, wenn man den Grundsatz der Ein­führung der Gerichte durch Ortsstatut festhalte, eine Einschränkung der Verwaltungsbehörden nicht angäng- lich sei, denn die Fälle, wo eine Remedur nöthig sei, würden nicht ausbleiben und wie diese dann bewirken? Abg. v. Pfetten (Ct.) gegen die Anträge. Abg. Singer (Soz.-Dem.) für den Antrag Auer, ohne welchen das Gesetz den Arbeitern nichts nützen werde. Abg. v. Cuny (nl.) gegen beide Anträge. Man könne bei Einführung von Gerichten mit Zwangsbefugnissen die freie Er­wägung des Staats nicht beschneiden. Abg. Harmening (dfr.) für obligatorische Gerichte, um sie nicht vom Wohl aller höheren Beamten abhängig zu machen. Redner beantragt die Versagung der Genehmigung der Gerichte nur dann zuzulassen, wenn das Statut gegen die Ge­setze verstoße. Abg. Heine (Soz.-Dem.) plaidirt für die Einführung ländlicher Gerichte. Abg. Meyer-Berlin (dfr.) findet, -daß dadurch die Einführung des Gesetzes verzögert werde. Abg. Windthorst (Ctr.) gegen beide Anträge und für die Kommissions-Beschlüsse. Abg. Eberty (dfr.) zieht seinen Antrag zu Gunsten des An­trag Harmening zurück. Min. v. Boetticher wendet sich auch gegen diesen Antrag unter Hinweis auf das ostdeutsche gemeine Recht, während Abg. Eberty (dfr.) denselben nicht im Widerspruch mit der Städteordnung findet. Der Antrag Auer wird abgelehnt, bei der Ab­stimmung über den Antrag Harmening stellt sich die Beschlußunfähigkeit des Hauses heraus. Nächste Sitzung: Montag. Tages-Ordnung: Niederlassungsvertrag, Ge­werbegericht.

* Die Arbeiterschutzkommission des Reichs­tags nahm heute unverändert folgende Bestimmung der Vorlage an: „Kinder unter dreizehn Jahren dürfen in Fabriken nicht beschäftigt werden. Kinder über drei­zehn Jahren dürfen in Fabriken nur beschäftigt werden, wenn sie wcht mehr zum Besuche der Volksschule ver­pflichtet sind. Die Beschäftigung von Kindern unter 14 Jahren darf die Dauer von 6 Stunden täglich nicht überschreiten."

* Koblenz, 14. Juni. „DerVorstand der General- Versammlung der Katholiken Deutschlands" hat sich gestern Abend definitiv konstituirt. Er besteht nun aus folgenden Herren: Erster Vorsitzender, Ed. M ü l l e r, Rechtsanwalt und Stadtverordneter, zweiter Vorsitzender, Dechant Weißbrodt, erster stellvertr. Vorsitzender, N. Leonartz, Anwalt und Stadtverordneter, zweiter stellvertr. Vorsitzender, Meurin, Oberpfarrer, erster

Barons von Reina hatte man einen sehr geselligen Winter verlebt; größere Festlichkeiten hatten mit kleineren Diners und Abendgesellschaften abgewechselt und es gab noch einen kleinen Kreis, der sich noch öfter zusam­menfand, wobei man denn auch ein Spielchen nicht verschmähte.

Der Baron war noch immer vernarrt in seine Frau und wiederholte ihr jeden Tag, wie unsäglich glücklich sie ihn mache; dies hinderte jedoch nicht, daß sein Glück etwas beängstigend auf ihm zu lasten begann. Es gab eben eine Anzahl von Umständen, zu denen seine junge Frau theils in gar keiner, theils in sehr mittelbarer Beziehung stand, welche sich vereinigten, ihm trübe Stunden zu bereiten.

Zuvörderst war es ihm, dem stolzen Edelmann, der gewohnt gewesen war, eine bedeutende Stellung in der Gesellschaft einzunehmen, doch gar nicht gleich­gültig, daß man sich von ihm zurückzog und ihm zu verstehen gab, man wünsche den Verkehr mit der neuen Baronin nicht. Wo er sich allein zeigte, da begegnete ihm die alte Herzlichkeit, wo es sich um die Gemahlin handelte, da schob sich jene Wand glatter, eiskalter Höflichkeit vor, mit welcher die Aristokratie sich zu um­geben und jedes störende Element von sich ferne zu hallen weiß. Gesellschaft konnte er in seinem Hause die Menge haben und hatte sie, es war aber nicht die „allerbeste" und das schmerzte ihn sowohl um seinet­willen, wie Hortenses halber. Man that dem holden Wesen das schreiendste Unrecht; sie fühlte es, duldete aber mit der Miene einer Märtyrerin um seinetwillen. Um so mehr fühlte er die Pflicht, Alles zu thun, was er ihr an den Augen absehen konnte, und so ertrug er denn auch, um sie nicht zu kränken, ohne ihr ein Stirn-

Schriftführer, Dionys Grünewald, Rentner, zweiter Schriftführer, Dr. med. Verflassen, dritter Schrift­führer, Rechtsanwalt Henrich und Schatzmeister C. A. Müller, Kaufmann und Stadtverordneter. Ferner aus den beiden Vorsitzenden der Kommissionen: Aus der Redner-Kommission die Herren: Kaplan Dr. Ehses und Rechtsanwalt Maur; aus der Preß- Kommission dir Herren: Buchhändler Schuth und Rechtsanwalt Duhr; aus der Finanz- und Anmelde- Kommission die Herren: Rottmann, Rentner, Alb. Lütke, Kaufmann; aus der Bau- und Ausschmückungs- Kommission die Herren: Stadtbaurath Mäckler, Rentner I. Kannengießer; aus der Ordnungs- Kommission die Herren: Anton Stein, Kaufmann, Rud. Settegast, Rentner; aus der Wohnungs- Kommission die Herren: Müller-Gräbe, Kaufmann und Stadtverordneter, Kaufmann I. Saurborn und aus der Begrüßungs- und Vergnügungs-Kommission die Herren: Hartmann Grisar, Bäckermeister und Stadtverordneter und Amtsrichter Wellstein. Die vorbereitenden Arbeiten schreiten rüstig vorwärts und in den nächsten Tagen dürfte die Vorstandssitzung stattfinden, in welcher bei Anwesenheit des Vertreters des Kommissars der Generalversammlungen definitive Beschlüsse bezüglich der Zeit der Abhaltung und des Programmes gefaßt werden. Die nahe gelegenen und mittelst Bahn, Dampfboot oder besondere Verbindungen leicht erreichbaren Orte, wie Moselweiß, Güls, Neuen- dorf, Vallendar, Pfaffendorf, Horchheim, Ober- und Niederlahnstein, (neben Ehrenbreitstein und Lützel- Koblenz) werden nach Beschluß der Wohnungs-Kom­mission als zur Stadt gehörig betrachtet und sollen zur Unterbringung von Mitgliedern und Theilnehmern der Versammlung geeignet erllärt werden, weßhalb Wohnungsanmeldungen erwünscht sind. Die Vorschläge des Komitees für das mittelrheinische Turnfest und die gestellten Bedingungen wurden angenommen, so daß also die Mitbenutzung der auf dem Klemensplatz herzustellenden vergrößerten und den Anforderungen der Katholiken-Versammlung entsprechenden Halle ge­sichert ist. — Der Kürze der Zeit wegen kann leider mit dem Katholikentage keine Kunst- und Kunst­gewerbe-Ausstellung für kirchliche Zwecke ver­anstaltet werden.

* München, 15. Juni. Das Befinden des Frei­herrn v. Lutz war während der letzten Nacht sehr be­friedigend.

Ausland.

* Wien, 14. Juni. Morgen wird von den Kan­zeln der katholischen Kirchen Oesterreichs ein gemein­sames Hirtenschreiben der österreichischen Bischöfe ver­lesen^ welches die Stellung der Bischöfe in der Schul­frage von Neuem kundgibt. Das Hirtenschreiben er­klärt, die Bischöfe nähmen in der Schulfrage denfelben Standpunkt ein wie früher, denselben, auf den auch der Papst und die Katholikentage sich gestellt haben. Angesichts der Schulvorlage der Regierung sei es die Pflicht der Bischöfe gewesen, sich über dieselbe auszu­sprechen. Der Hirtenbrief schließt mit der Aufforde­rung an die katholische Wählerschaft, nur solche Männer in die Vertretungskörper zu entsenden, welche für die konfessionelle Schule voll und ganz einstehen.

* Rach einer Pariser Meldung der ,Post' hat Frankreich die brasilianische Regierung aner­kannt.

* Wie schon gemeldet, werden am 22. Juni die Gemeinderathswahlen in R o m stattfinden. Der Bürger­meister und die Gemeinderäthe haben, wie man der runzeln zu zeigen, Onkel Viviennes häufige Gegenwart, die ihm doch recht störend zu werden begann. Der alte Soldat ward in seinem Auftreten immer martialischer, seine Anekdoten wurden immer bedenklicher, er trank auch meistens mehr, als sich für einen Salon schickte, und was dem Baron am empfindlichsten ward: er legte zuweilen eine kleine Bank, bei der schon mancher seiner Gäste übel weggekommen war.

Auch Tante d'Arcourts fortdauernde Anwesenheit in seinem Hause erschien ihm nicht gerade als eine Annehmlichkeit. Sie hatte eine Manier, die Dinge nach ihrem Ermessen einzurichten, Befehle zu geben und Anordnungen zu treffen, die dem „Neffen" gar nicht behagte und gegen die er sich doch nicht aufzulehnen vermochte. Einige Versuche hatten mit seiner schmäh­lichen Niederlage geendet. Madame hatte Hortense eine Scene gemacht, augenblicklich abreisen zu wollen, und diese war dann in Lach- und Weinkrämpfe verfallen, fo daß der Baron die Tante schließlich fußfällig bat, ihn nur nicht so hart zu strafen und sein Haus zu verlassen.

Ein anderer Grund seines Kummers war Leontine's andauerndes Verschwinden. Zu der Sorge und dem Gram um die Tochter gesellte sich der stille Vorwurf, den er in den Mienen seiner Standesgenosfen las, und die beständigen Klagen und Vorwürfe, die er von seiner Frau und Tante zu hören bekam, daß er die Entflohene noch immer nicht wieder aufgefunden habe. Er fand es doch hart, daß Diejenigen, welche, wenn auch un­schuldig, die Ursache zu dieser Flucht gewesen waren, ihm jetzt Vorwürfe daraus machten.

(Fortsetzung felgt)