JV 127.
Donnerstag, den 5. Juni 1890.
Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).
17. Jahrgang
Fuldaer Zeitung.
Mr Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. ,z e - _ Druck u. Berlaa der Fuldaer Aeti.ndrnck^ (9X
dort, wenn sie überhaupt jemals dort wär. Die Leontine W-
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Wirthsleute bleiben dabei, Fräulein Schmidt sei abgereist und auf der Polizei ist sie richtig abgemeldet. Es kann sein, man täuscht uns, wir haben doch aber
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MF* Wege« ves hl. Krohnleichnamsfestes gelaugt die nächste Nummer ds.Bl. erst am Freitag zur Ausgabe.
um wie viel mehr zur Rettung der Seelen, zur Erhaltung des Glaubens!
Frohnleichnamsfeier und St. Bonifatius-Fest an einem Tage! Man sollte doch denken, daß die Gedanken, welche dieses Zusammentreffen erregt, eine wirksame Anregung üben zur Bekämpfung der fchlimmsten aller Wohnungsnöthen, der Obdachlosigkeit des Allerheiligsten'
die Gleichmäßigkeit mit einer ganz anders gearteten Anschauung und Sitte nicht stören zu lassen.
Es wird vielleicht noch die Zeit kommen, wo man die verbesserten Verkehrsmittel benutzt, um aus den „gemischten" Gegenden hinauszufahren in die katholischen Ortschaften, welche noch die volle Frohnleichnamsfeier haben, wie man jetzt zu dem Rest der ehemals allgemein üblichen Passionsspiele wallfahrtet.
Und doch — wie glücklich und bevorzugt erscheinen Diejenigen, welche noch in ihrer Nähe dem heiligsten Sakramente Blumen streuen können, im Vergleich mit den Zerstreuten und Verlassenen, die keine Kirche, keinen Altar, keinen Seelsorger unter sich haben! Der Herr Erzbischof von Köln hat in einem ergreifenden Hirtenbrief, der an das Doppelfest des 5. Juni anknüpft, die Gläubigen ermahnt, das Werk des Boni- fatius-Vereins, die religiöse Versorgung der Katholiken in der Diaspora, aus allen Kräften zu unterstützen.
Wenn der Apostel der Deutschen und seine heiligen Mitarbeiter heute unter uns erscheinen würden, sie stimmten zweifellos ein in die Klage über den Verlust so zahlreicher Seelen, in die Mahnung zur Hilfe mit vereinten Kräften. Wenn nur alle Hände, die es können, zu einem kleinen Geldopfer sich öffnen, dann ist es den Bischöfen möglich, Arbeiter zu senden in die gefährdeten Theile des Weinberges und viele Tausende von unsterblichen Seelen der Roth und dem Verderben I zu entreißen.
— Zum 5. Juni.
Die Frohnleichnamsfeier und das Fest des hl. Bonifatius fallen dieses Jahr auf denselben Tag. Während wir in der Prozession das höchste Geheimniß unseres Glaubens verehren, gedenken wir zugleich dankbar des Apostels der Deutschen, der weiten Theilen unseres Vaterlandes das hochwürdigste Gut gebracht hat.
Das Frohnleichnamsfest ist ein katholisches Fest im hervorragenden Sinne des Wortes. Es beruht auf einem Glaubenssatze, den der Protestantismus preisgegeben hat, und es wird in einer Weise begangen die dem Sitzbank-Ritus der Protestanten vollständig fremd ist. Der Tempel, den Menschenhände gebaut, erscheint zu klein für das erhabene Geheimniß, zu dunkel und zu enge für die Freude des Volkes; es begleitet sein Heiligthum hinaus in jenen unendlichen Dom, dessen blaues Gewölbe die Hand des Schöpfers cmsgespannt hat in unendlichen Maßen. An die Stelle des irdischen Lichtchens, das vor dem Tabernakel brennt und an die Zeit der Flucht in die Katakomben erinnert, tritt die ewige Lampe des Himmelszeltes. Dieselbe Sonne, welche vor dem Entsetzlichen auf Golgatha ihr Antlitz verhüllte und das Wunder des Ostermorgens strahlend beleuchtet hat, überfluthet die segnende Monstranz und die andächtig gebeugten Häupter der lobsingenden Gefolgschaft mit ihrem warmen Licht. Wie der Herr einst durch die Fluren Palästina's gewandert, so zieht er jetzt durch unsere Straßen, Felder und Wälder, umbraust vom Hosannah eines treuen Volkes, dem keine Verleugnung und kein Verrath folgen soll.
Doch leider ist im Zeitalter der „Freiheit" das ■ Heiligste vielfach am wenigsten frei. An manchen Orten müssen die Katholiken verzichten auf die Prozession im Freien, auf einen Umgang in den Hallen der Kirche sich beschränken, um die Konfessionslosigkeit der öffentlichen Wege nicht zu stören. Es giebt viele Tausende von Katholiken, die niemals den erhebenden Zauber einer rechten, freien Frohnleichnamsprozeffion unmittelbar auf sich wirken lassen konnten, die nur aus der Beschreibung sich ein mühsames Bild von dem Gotteswege durch die geschmückten Straßen und die prangenden Fluren zu bilden suchen. Man fordert die Zurückdrängung des Kultus in die Kirchenmauern im Namm des Friedens und der Parität; aber es steckt Härte und Imparität dahinter, wenn man die schönsten Blüthen der katholischen Kultusformen abschneidet, um
In den letzten Wochen sind zu zwei neuen protestantischen Kirchen im Berliner Bezirk feierlich die Grundsteine gelegt worden. Jedermann weiß, daß die kirchliche Roth der Katholiken dort noch größer ist, als die der Evangelischen. Aber wann wird der erste Grundstein zu einer neuen katholischen Pfarrkirche gelegt werden? Wenn uns nicht so hohe Gönnerschaft und so freigebige Hilfe von Oben zu Theil wird, wie I den Evangelischen, so muß um so mehr die Freigebig- i keit der Massen des Volkes sich regen. Kommt nicht eine Gabe von Hunderttausend aus einer Hand, so müssen Hunderttausende ihre Groschen zusammentragen, und es ist dieselbe Summe da!
Wer seines irdischen Gutes recht von Herzen froh sein will, der gebe den Armen. Wer mit vollem Hochgefühl die schöne Frohnleichnamsfeier begehen will, der trage ein Scherflein bei, damit dem Herrn dort Altäre erbaut werden, wo die Versprengten bisher vergebens nach dem Quell des Heiles geseufzt haben. Das Christenthum schickt sich an, zur Lösung der sozialen Krisis entscheidend mitzuwirken, indem es vor Allem dte Besitzenden mahnt, gerechte Verwalter des ihnen anvertrauten Eigenthums zu sein und den Besitzlosen christliche Bruderliebe zu bethätigen. Wenn zur körper- lichen Wohlfahrt der Mitmenschen Opfer Pflicht sind,
„Und Graf Falkenburg's Augen. Er will sie auf der Straße erkannt haben und ihr bis zu jenem Hause in der Alexandrinenstraße gefolgt sein.
„Ich traue dem Grafen nicht."
„Weshalb sollte er uns täuschen? Die Auskunft der Polizei, daß in jenem Hause eine Leontine Schmidt wohnt, spricht doch sehr für seine Angabe."
„Gewohnt hat," verbesserte der Baron. „Ihre Spur ist wieder verloren."
Deutsches Keich.
Berlin, 3. Juni.
* Das Abgeordnetenhaus hat heute seine durch die Pfingstferien unterbrochenen Arbeiten wieder ausgenommen. Zunächst erledigte das Haus debattelos in dritter Lesung den Nachtragsetat, um sodann in die zweite Berathung der Sperrfondsvorlage einzutreten. In der Kommission ist bekanntlich der 8 1 der Vorlage mit 10 gegen 8 Stimmen abgelehnt worden; die unveränderte Regierungsvorlage bildet also heute die Grundlage für die Berathung. Es lagen hierzu verschiedene Abänderungsanträge der Abgg. Windthorst und Brüel vor. Außerdem beantragen die Abgeordneten Hobrecht, Graf zu Limburg-Stirum und Freiherr v. Zedlitz und Neukirch eine neue Fassung des Art. 3, durch welche eine Beschränkung der dis- | kretionären Befugnisse des Kultusministers erreicht werden soll. Es wird zunächst über § 1 und den Antrag Windthorst verhandelt. Abg. Dr. Windthorst bedauerte, daß die Angelegenheit in der Kommission keine befriedigende Lösung gefunden. Daß keine Verständigung erzielt worden, sei nur auf unbegründetes Mißtrauen gegen die katholische Kirche und deren Verwaltung zurückzuführen. Dieses Mißtrauen gefährde den Frieden und widerspreche zugleich der Gleichberechtigung der Konfessionen. Wolle man den Frieden ernstlich, so möge man das gesperrte Geld denen zurückgeben, denen es entzogen worden. (Lebhafter Beifall im Centrum.) Das sei auch schon deßhalb noth- wendig, damit gewisse gegen das Private igenthum gerichtete Strömungen im Lande sich nicht auf dieses Beispiel berufen könnten. Es sei durchaus nicht die Absicht des Sperrgesetzes gewesen, den Sperrfonds zu einem Staats-Fonds zu machen. Das beweise die ganze Geschichte des Sperrgesetzes. Der Staatsfonds sei nur ein Produkt des Neids; es gebe Leute, welche die katholische Kirche am liebsten als Bettlerin vor der Thür des Ministers sähen. Gegenüber dem „verstümmelten Aktenstück", welches der Minister vorgelegt, und durch welches der Eindruck hervorgerufen werden sollte, als würden Papst und Bischöfe das vorliegende Gesetz toleriren, versichert Redner, daß die kirchlichen Behörden nichts gethan hätten, was irgendwie die freie Entschließung über diese Angelegenheit nach
„Du mußt sie weiter verfolgen, Edgar. Nimm dazu die Dienste, die Graf Falkenburg Dir angeboten hat, an, er besitzt weitverzweigte Verbindungen."
„Kannst Du vergessen, was er Dir gethan hat?"
„Bringt er uns Leontine zurück, so ist seine Schuld gesühnt," antwortete sie; mit einem bezaubernden Lächeln fügte ste hinzu: „Heißt es ihn überdies nicht am empfindlichsten strafen, wenn wir ihn zum Zeugen des Glückes machen, das er uns rauben gewollt?"
„Ja, Du hast Recht," rief der Baron, „der Glückliche kann leicht großmüthig sein."
„Er klagt sich an, durch einige unvorsichtige Worte
In harter Schule.
Roman von G. I.
(55. Fortsetzung.)
XIX.
Die Frau Baronin von Reina hatte Toilette gemacht, ein Geschäft, das immer etliche Stunden des Tages in Anspruch nahm und vor dessen Vollendung sie für Niemand, auch nicht für den Gemahl, sichtbar war. Der Baron, der denn doch an etwas frühere Tagesstunden gewöhnt war, hatte sich darin finden chüssen, das Frühstück allein einzunehmen und seine lunge Frau erst zu einer späteren Tageszeit zu be- ll^üßen. Dann ward er aber für sein langes Harren entschädigt. Hatte Hortense am Abend zuweilen in ihrem Gesichte einen Ausdruck der Abspannung, zeigten Leint und Züge dem genauen Beobachter doch hin und wieder eine Welke und Schlaffheit, die auf ein höheres tter schließen ließen, als ihr Taufschein angab, der Lcorgen strafte alle diese Symptome Lügen und ließ oie junge Baronin in ihrer Frische und Schönheit erscheinen, die täglich von Neuem das Entzücken des sie verehrenden Gatten bildete. Der Glückliche durfte ja zu seinem Heile das Toiletten - Zimmer nicht betreten
so blieb ihm der Anblick der Büchsen, Schachteln, Flaschen u. s. w., aus denen seine Huldgöttin Jugend und Schönheit schöpfte, erspart, so sah er nicht die
Pinsel und Stiftchen, vermittelst derer das „Emailliren," welches sie als Kunst betrieb, ausgeführt ward.
und im reizenden > iu»n irt«, um» mujiyi uns, wir yaoen oocy aver toiVn9 M b i, dle Baronin den Gemahl. Sie für unsere Annahme keinen Anhalt, als den gleichlau- schien sich aber heute m einer besonderen Auflegung tenden Vornamen." W befinden, denn ste rief ihm entgegen: .....
. ,'Gdgar, lieber Edgar, ich habe die ganze Nacht mcht geschlafen! Leontinen's Schicksal läßt mir keine Ruhe. Wir müssen sie finden!"
„Wie gut, wie edel Du bist!" sagte der Baron, ihre Hand an seine Lippen drückend. „Sie hat diese Fürsorge nicht um Dich verdient."
„Ich bin die Ursache ihrer Flucht, ich kann den Gedanken nicht los werden, daß ich sie in's Verderbm ge,agt habe!" rief Hortense leidenschaftlich.
„Welche Vorstellungen, Kind, ihr eigener Trotz trieb 1te Uon bannen," beruhigte der Baron seine Gemahlin.
„Gleichviel, ich mache mich dafür verantwortlich, und wenn das auch nicht wäre, sie ist Deine Tochter, ich liebe sie um Deinetwillen. Die Angst um sie läßt mich nicht rasten, noch ruhen, sie trübt mein Glück an Deiner Seite, das sonst vollkommen wäre," sie blickte ihm mit einem seligen Lächeln in die Augen. — „Edgar, hast Du keine Spur von ihr? Gehe nochmals nach jenem Hause."
„Das ist vergeblich, liebe Hortense, sie ist nicht