„V 124.
Sonntag, den 1. Juni 1890.
Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).
zu
* Zur Frage derRückberufung der R e d e m p t o r i st e n wird der ,Franks. Ztg.' aus München geschrieben: Die hier vor Allem ausschlaggebende Preußische Regierung hat sich zur Sache noch nicht geäußert, und die bayerische Regierung setzt die vor einigen Monaten begonnenen Erhebungen noch fort, um erschöpfendes Material für die Beurtherlung des Hauptpunktes, nämlich ob die Redemptoristm dem Jesuitenordm verwandt (affiliirt) sind, zu beschaffen. Wird der erschöpfende Nachweis
uns in Bayern um. Die gesammte öffentliche Armen- pflege erfordert nach amtlichen Ermittelungen 1882 einen Betrag von 8,666,465 Mk. oder 1 Mk. 62 Pf. auf den Kopf der Bevölkerung, 1885 9,420,401 Mk' ober 1 Mk. 74 Pf. pro Kopf, pro 1888 9,934,552 Mk. ober 1 Mk. 81 Pf. pro Kopf. Dieser ständig steigenden Ärmenlast stehen die Sparkassen mit ebenfalls ständiger Vermogensmehrung und Erhöhung der auf eine Einlage treffenden Summe gegenüber. So trafen auf einen Einleger 1869 177 Mk., 1878 265 Mk., 1882 282 Mk. 1887 295 Mk. Trotz dieser hohen Sparsummen steigende Armenlast und täglich wachsende Unzufriedenheit. Es ist daher zweifellos, daß man aus solchen Ziffern, wie ste der ,Relchsanzeiger' brachte, nicht Schlüsse ziehen darf, ohne die anderen Faktoren zu berücksichtigen
Betracht gekommen, jetzt aber tritt in derThatBonn in den Vordergrund.
n deren herrliche Lage sie zu einem hervorragenden An- i« I ziehungspunkt für fremde Gäste stets gemacht hat Schon einmal (1881) hatte Bonn das Glück eine Katholikenversamnilung in seinen Mauern tagen zu sehen
In harter Schule.
Roman von G. I.
(52. Fortsetzung.)
ebenso schnell wieder in das Gesicht treten, wie es der Schreck daraus verscheucht hatte.
Der erste Tag im Hause der Frau Meinhold war ihr wie im Fluge vergangen und doch war es ihr, als habe sie sehr viel erlebt. Es hatte sich ihr eine ganz neue Seite des Daseins aufgerollt, eine Seite, von deren Beschränkung und Fülle sie keine Ahnung gehabt. Sie sah ein kleines, streng geregeltes Hauswesen, einen Fleiß und eine Thätigkeit, die jede Minute auszunutzen verstand. Die beiden Frauen, zu denen sie eine so wunderbare Fügung gebracht, arbeiteten mit ihren Dienstboten, einer Magd und einem in Garten und Hof hantirenden alten Tagelöhner um die Wette, hatten kein Hehl, daß es ihnen um den Erwerb zu thun war und fanden dabei doch eine so reine Freude an der Arbeit, waren, wie ihr aus vielen Aeußerungen von Mutter und Tochter hervorging, doch nichts weniger als unempfänglich für die höheren Güter des Lebens Unwillkürlich hatte sie es ihnen nachgethan, im Hause mit Hand angelegt, Sämereien sortiren, Sträuße winden helfen und dabei das Grübeln über ihr Schicksal vergessen. Gringmuth's Ankunft brachte ihre Lage ihr wieder zum vollen Bewußtsein.
Gringmuth in's Wohnzimmer gefolgt, o < n • • ci ihrer Arbeit sitzen blieb, aber von Zeit zu Zelt emen Blick ihrer kluger, braunen Augen durch die Thür warf. Es entftanb, nachdem der Maler
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Deutsches Keich.
Berlin, 30. Mai.
* Der Besuch des Kaisers am Hofe zu Kopenhagen erfolgt Ende Juni. Am 28. Juni trifft der Kaiser in Schloß Fredensborg ein und am 30 setzt er die Weiterreise nach Norwegen fort.
* Zum diesjährigen deutschen Katholikentag schreibt die Bonner .Deutsche Reichszeitung': „Der Plan, die diesjährige Katholikenversammlung in Köln tagen zu lassen, mußte wegen der Schwierigkeit, ein ausreichendes Lokal zu beschaffen, fallen gelassen werden, da der Gürzenich wegen umfaffender Umbauten nicht
„Wieder eine neue Bekanntschaft," brummte dieser, „und wer kann wissen, was sich daraus ergibt. Ich hatte es doch nicht zusagen sollen, aber nein, es wäre rvh gewesen, es abzuschlagen. Sei's denn, am Ende kann mich doch Niemand weiter drängen, als mir recht erscheint. Ich habe ja immer als Schranke für mich to,e gegen Andere meinen festen Willen." ß ^ingmuth mit seinem Begleiter Abends gegen r die Wohnung der Frau Rath Meinhold auf- er angenehm überrascht, Leontine daselbst m heisch Zu finden. Sie saß mit Alwine em “n das Wohnzimmer stoßenden kleineren Ge- bpr <w,?U5 Weichem den Herren ein etwas berauschen- n best ib7?uft entgegenquoll, und reichte aus einem Alwin-n's Korbe Kamelien und Veilchen, die i „Sie n ernte«. 6i‘fe fertig ju werden suchen." schöbe em^H^i
jugendlichen Mädchen-Gestalt-»^^ x .. beiden | mitgebracht, den ich ihr vorzustellen wünsche. Herr Erscheinung so verschieden au$e5n Wollenberg, der Maler, hat die Güte gehabt, mich zu , „v.yvVvu. ^lulyUU
beit vertieft, umgehn von^Rln^-" gemeinsamer Ar- begleiten, fugte er, sich an Leontine wendend, schnell wieder zum vollen
während die aus tL™ zu sehen, hinzu. Es war ihm nicht entgangen, daß ihre von Leontine war ($h
scharf beleuchtete unö^b^JeSumTn^ln^^ /eicht geröthele Wange bei seiner Aeußerung während Alwine bei
Dämmerung ließ. ® * Ura9e6un9 lH bcr ^nell erbleicht war. Das Mißtrauen war neu auf- Zeit zu Zeit einen
gezuckt; die Beschämung darüber ließ ihr das Blut 1 durch bie Thür war
Frau Meiuholb, welche bie Herren zufällig auf bem Hausflur empfangen hatte, öffnete auf Gringmuth's Frage, rote sich ihre neue Hausgenossin befinde, statt aller Antwort leise die Thür des Wohnzimmers, in dem noch fern Licht brannte und ließ ihn einen Blick aus bie tm Rahmen ber gegenüberliegenden Thür sichtbar »erbenbe Gruppe thun. Wollenberg sah mit dem Auge des Künstlers und kam dadurch, ohne recht zu wissen wie, über die Verlegenheit hinweg, die ihm sonst jebe neue Begegnung einzuflößen pflegte.
Das lebenbe Bilb, bas sich ben Blicken der Ein- getretmen geboten, löste sich übrigens schon in der nächsten Sekunde. Die Magd brachte Licht in's Wohn- zimmer. Gringmuth reichte beiden Mädchen die Hand — So fleißig?" sagte er. v
„Der Strauß wird sogleich abgeholt," antwortete Alwine und band dabei eifrig weiter, Leontine hilft mir, ste ist so geschickt." ; '
Sie müssen aber doch ohne Fräulein Schmidt's
-------------- 17. Jahrgang
Fuldaer Zeitung.
Mr Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. ' .. a- - Drnck » Q-J
I bei Spareinlagen ebenfalls ausspricht. Wenn man diese Dmge als Beweise für eine Besserung unserer allgemeinen Verhältnisse ausschlachten will, so muß man sehr vorsichtig sein, denn eine Statistik wirft den ganzen Aufbau wieder um, das ist die Armen- ^.atistik, welche in beinahe allen Staaten wachsende Zcfiern zeigt, wie die Sparkasseneinlagen.
Ehe wir aber hier die Ziffern geben, wollen wir mit einigen Worten noch die angeführte Thatsache der Mehrung des Fleischkonsums streifen. Dieselbe ist ziemlich leicht zu erklären, aber gewiß nicht durch die besser gewordenen Verhältnisse, sondern einzig und allein durch die im Großen und Ganzen veränderte Lebenshaltung des Arbeiters und der Mittelschichten der Bevölkerung. Leute, welche früher einmal in der Woche Fleisch aßen, genießen dasselbe jetzt täglich oder wenigstens mehrere Male. Aehnlich ist es am Laude. Die Klage unserer Landwirthe, daß die Knechte täglich Fleisch verlangen, ist zu einer stehenden geworden. Dazu kommen beim Arbeiter überhaupt die erhöhten Anforderungen au seine Leistungsfähigkeit und ein die Zeit kennzeichnender ßuq dfs Luxus der sich in der Lebsucht sehr geltend macht. All diese Dmge gelten aber nicht allein für Sachsen, sondern für ganz Deutschland. Der Fleischverbrauch hat uach Tausenden von Kilogrammen abgenommen. Fleisch-, Speck-, Schnaps- und Bierkonsum nehmen in I gewissen Zeiten gerne zu, aber die Listen der konscri- birten Armen werden ebenfalls immer voller. Sehen wir uns einmal kurz einige LWem an. , I
Einl?aen Toasten- zu haben ist. Es muß also eine ^Äer7'Swd7'gesücht
Umlagen und den wachsenden Fleischkonsum m Sachsen werden. Da wäre wobl keine aeeianetcr nfa hi»
ftÄ? bk «menttatiftit , d-r-n Ä7 «SS.
1. Dezember 1872 betrugen bie Kosten für bie sächsischen Lanbarmen 21,604 Mk, 1877 215 071 Mk Ek^Ok'649 Mk 1881 448,322 Mk. für 93,699 _iyvutc,lvtt|UUlHUUng m ierneu wcauern tagen zu seben Personen ober 3,15 pCt. ber Bevölkerung. Dabei muß bie nach bem Urtheil aller Tbeilnebmer r» h?n WinJLn' noch bemer t werden, daß nach statistischen Erfahrungen gehörtes welche je ftattqefunben ba6 n
wohner' Bonns mit ^reub a 5 im 2?
ausweisen Richtig ist, daß bie Zahl ber Unterstützten vergeßlichen, festlichen Tage, unb würben es iick rur b^rr^hnfi^^91”9^ ®“8. wird aber sofort erklärt Ehre rechnen, wie damals, so auch heute der Katholiken- firhtin?' n t 'nb5n Jndustnebezirken eine etwas vor- Versammlung eine glänzende Aufnahme zu bereiten "
^^^unMorm gewählt und daraus ge- Neben Köln war zuerst Mainz vorzugsweise in
wirklich arbeiten^ ^pr^hnrTh-betracht gekommen, jetzt aber tritt in dnTbatRonn roirntc9 arbeiten. Außerdem darf die Einführung der Krankenversicherung nicht unterschätzt werden und führt dies der Bearbeiter der sächsischen Armenstatistik selbst aus- Haben wir sonach für Sachsen gezeigt, daß nicht Alles Gold ist, was glänzt, so ist das z. B. für das Königreich Bayern noch leichter. Wir bemerken auch zu Sachsen, daß im Jahre 1885 bie Gesammt-Armen- ausgabe 5,447,885 Mk. betrug, so daß bei einer Be- tioltreung von 3,182,003 Personen auf ben Kops 1 Mk. " Pfi faktische Armenausgaben treffen. Sehen wir
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WV* Hierzu eine Beilage.
Gute Zeiten?
= Aus Bayern, Enbe Mai 1890.
Gute Zeiten kommen wieber. So möchte man glauben, wenn man im ,Reichsanzeiger' die dort veröffentlichten Zahlen über den Fleischkonsum unb bie Erhöhung ber Sparkasseneinlagen im Königreich Sachsen liest. Es wirb in biefen Zahlen festgestellt, daß ber Verbrauch von Rinb- unb Schweinefleisch auf ben Kopf von 15 Kilogramm auf 37,1 Kilogramm gestiegen ist unb zwar in ber Zeit von 1840—1888. Die Sparkasseneinlagen stiegen von 6,18 M. im Jahre 1849 ans 151,17 M pro Kops der Bevölkerung im Jahre 1887. Solche Zahlen beweisen! meint dazu die gedankenlose Presse, welche einfach die hohen Zahlen steht, nicht aber mit den Begleitumständen rechnet. Freilich passen solche schöne Ziffern zu den Redensarten von guter Lebenshaltung der Arbeiter und Landleute und läßt sich an ihrer Hand alles Mögliche und auch Unmögliche nachweisen. Eh-> wir uns auf einen ziffermäßigen Nachweis der Unrichtigkeit der Behauptung einlassen, daß die Besserung des Lebenshaltes der Bevölkerung, besonders der industriellen, nicht mehr zu leugnen sei, wollen wir bloß daran erinnern, daß, wenn man die Sparkassen betrachtet, in erster Linie die Zahl derselben seit 1840 zu berücksichtigen ist. Je mehr man den Sparern Gelegenheit gibt und gab, ihr Geld ohne besondere Unbequemlichkeiten anlegen zu fönnen, desto höher wurde naturgemäß die Summe des eingelegten Kapitales. Um aber behaupten zu können daß diese Summen aus Arbeiterkreisen stammen, müßte die Statistik den Nachweis über die Einleger führen den sie aber unseres Wissens nirgends führt, angeblich weil das zu zeitraubend für die Beamten der Kaffen I wäre. Wir haben aber darüber unsere eigene Ge- danken. Die Zahl der Einleger rekrutirt sich seit Jahren schon nicht mehr aus der Schichte des Volkes für welche die Sparkassen ursprünglich bestimmt waren' stndern ein sehr großer Theil der Einleger gehört Personen an, denen bei der heutigen Unsicherheit unserer politischen Lage, Staats- oder gar Jndustriepapiere nM wehr sicher genug sind, welche den fast überall ans 3 Vs Prozent stehenden sicheren Sparkassezins dem unsicheren Papierzins vorziehen. Möge das bei Beur- theilungen über die Mehrung der Sparkasse-Einlagen wohl berücksichtigt werden.
Die erhebliche Erhöhung des Einlagenstandes ist zum größten Theil gerade auf diesen Umstand zurückzuführen, abgesehen von der seit fünfzig Jahren ein- getretenen bedeutenden Entwerthung des Geldes, welche durch erhöhte Löhne ihr Gegengewicht findet und sich