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v. Stumm angefochten werden. Als Anfechtungs­gründe werden u. A. geltend gemacht: Ermittelung des Wahlergebnisses bei verschlossenen Thüren, An­wendung von Stimmzetteln, welche durch ihr Aeußeres als Stumm'sche kenntlich waren, Uebergabe gefalteter Stimmzettel an Arbeiter unmittelbar an der Thüre des Wahlzimmers, Ueberwachung im Wahlzimmer selbst, ob diese Zettel auch abgegeben würden.

* Stuttgart, 16. Mai. Laut Bekanntmachung des Ministeriums des Innern gestattete der Reichskanzler die Einfuhr lebender Schweine aus Oesterreich- Ungarn über Friedrichshafen nach den Schlachthäusern von Stuttgart und Ulm unter scharfen Vorschriften über Vorsichtsmaßregeln.

Ausland.

* Wien, 15. Mai. Die Lohnbewegung ist noch immer eine lebhafte und werden fortgesetzt neue Stri ke r gemeldet. — Für die demnächst in Wien stattfindenden Bezirksausschußwahlen herrscht eine lebhafte Agitation. Die „Vereinigten Christen" erhoffen sich neue Erfolge. — Die Jungczech en entfalten jetzt eine heftige Opposition gegen den nationalen Ausgleich in Böhmen. — Exkönig Milan von Serbien weilt zur Zeit in Wien und harrt auf günstige Nachrichten, ob er nach Belgrad kommen kann. Gegen einen franzö­sischen Korrespondenten hat er sich bedauernd über die russischen Wühlereien ausgesprochen. — Der Prozeß Panitza in Sophia soll öffentlich geführt werden, um den Antheil russischer Hetze klar zu stellen.

* Das Wiener Tageblatt, gewöhnlich Zuavenblatt genannt, weil es französische Interessen in Oesterreich vertritt, spricht sich abfällig aus über die neuen mili­tärischen Forderung'en der deutschen Reichsregierung, macht aber dabei auf Grund seiner Kenntniß französi­scher Verhältnisse einige bemerkenswerthe Mittheilungen über den gegenwärtig en Stand des französi­schen Heeres. Die Ernennung des Generals Miribel zum Chef des Generalstabes sei bedeutungsvoll, da dieser General bisher der Kommandant der im Osten an der deutschenGrenze aufgestellten französischen Truppen­macht gewesen sei. Mit der Ernennung Miribel's er­halte die neue Organisation der französischen Heeres- macht gewissermaßen ihren sichtbaren Abschluß. Mit dieser Ernennung werde ausgedrückt, daß nunmehr das französische Heer vollständig aktionsfähig und aktionsbereit geworden sei. Freilich habe schon Bou­langer als Kriegsminister das behauptet, indessen sei erst jetzt diese Behauptung ernst zu nehmen. Die Er­nennung und die Annahme dieser Ernennung durch den General Miribel sei ein bedeutungsvolles Symptom dafür, daß Frankreich in dem Gedanken lebt, seine militärische Kraft wiedergewonnen zu haben.

* Konstantinopel, 15. Mai. Nach einer Mel­dung der ,Agence de Constantinople' sollen auf den kaiserlichen Domänen Djedil und im Dorfe Bellek in der Mähe Bagdads von dreizehn verdächtig erkrankten Personen sechs gestorben seien, die Anzeichen deuten auf Cholera hin. Aerzte und ein Gensdarmerie- kordon sind bereits nach Bellek abgegangen.

* In Tomsk (Sibirien) wurde der untere Theil der Stadt vorgestern durch eine Ueberschwemmung, der obere Stadttheil durch eine Feuersbrunst zerstört; 30 Menschen sind umgekommen. Die Stadt Zydrv Gouvernement Kaluga, wurde ebenfalls durch eine Feuersbrunst zerstört.

* London, 15. Mai. Im Unterhause theilte der Unterstaatssekretär des Aeußeren, Sir James Fergusson auf eine Anfrage mit, Stanley habe mit den Häupt­lingen im Innern Afrikas in seinem Namen Abmach­ungen getroffen, aber nicht unter der Autorität der englischen Regierung. Im östlichen Sudan herrsche noch große Unsicherheit und Noth; Abtheilungen der Derwische beunruhigten fortwährend die dortige Gegend durch Einfälle. Die Handelskompagnie im Sudan habe

Ulrich war bei all diesen Vorgängen und Feier­lichkeiten gar nicht wohl zu Muthe. Der Auftritt mit Leontine hatte ihn tief erschüttert, und so fest er in seiner Leidenschaft für Hortense verstrickt war, empfand er es doch wie eine große schmerzliche Lücke, daß die Gespielin seiner Jugend, der so lange seine Neigung gehört, sich gänzlich von ihm losgerissen hatte. Es war ihm in jüngster Zeit peinlich gewesen, zu ihr zu gehen, er hatte sich in seinem Schuldbewußtsein in ihrer Nähe unbehaglich gefühlt, ihr gehaltenes Wesen, ihre ernste Unterhaltung hatten einen Vergleich zu dem neckischen, spielenden, anmuthigen Auftreten und Ge­plauder der Französin geboten, der bei ihm nicht zu Gunsten seiner Kousine ausfiel — und dennoch, nun er wußte, er werde sie nicht mehr sehen, er dürfe nicht mehr in alter vertraulicher Weise mit ihr verkehren, schien es ihm doch, als sei ihm eine schöne edlere Welt für immer versunken.

Solche Stimmungen überkamen ihn freilich nur in den Stunden, in denen er fern von Hortense weilte. Sobald er in ihrer Gesellschaft war, übte sie auf ihn eine Wirkung aus wie Champagner; das perlte, glitzerte, schäumte und erzeugte einen angenehmen Rausch, nach dessen Verfliegen man sich abermals nach dem Genüsse des süßen Getränkes und nach neuem Rausche sehnt. Aber die Stunden, in denen er von dem berauschenden Tranke schlürfen durfte, waren gezählt. Schon stand

mit den Häuptlingen vorläufige Abmachungen getroffen behufs des Baues von Baumwolle und der Oeffnung der Handelsstraße nach Berber. Was die Proklamation der Br i ti sch-osta frikanisch en Gesellschaft vom 3. Mai angehe, so werde durch dieselbe die Sklaverei in einem gewissen Bezirke des Gebietes der Gesellschaft und in einem Umkreise von zehn Meilen verboten. Die Proklamation berühre jedoch nicht die Sklaverei, wie sie jetzt bestehe.

* Wie eine Londoner Korrespondenz wissen will, ist Sir Adrian Dingli, erster Richter des Civilgerichts- hofes von Malta, dazu ausersehen, um mit dem Vatikan über Gründung einer Anzahl neuer katho­lischer Bisthümer in Indien zu verhandeln.

* Aus PortoAlegre,der Hauptstadt des Staates Rio Grande do Sul werden Ruhestörungen gemeldet. Eine am 13. d. abgehaltene Volksversammlung wurde von der Polizei zerstreut, jedoch nicht ohne Blutver­gießen. Die Truppen fraternisirten mit dem Volke. Die Ruhe ist wiederhergestellt, doch wurde der Gouverneur des Staates genöthigt, abzudanken. Die neuen Bank­gesetze des Finanzministers werden als die Haupt- ursache der Ruhestörungen betrachtet.

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 17. Mai.

* Gutem Vernehmen wurde Hr. Pfarrer Heinrich Kaul zu Kirchhasel zum Dechanten des Dekanates Eiterfeld ernannt.

* Die schon seither zum 1. Juni d. I. erwartete Eröffnung der Haltestelle Milseburg der Rhönbahn Fulda-Tann, wird zum Bedauern aller Rhönbesucher nun doch nicht erfolgen. Von der zuständigen Behörde ist der Termin bis auf Weiteres verschoben worden, trotzdem die Arbeiten im Tunnel bis auf Geringfügig­keiten beendet sind und selbst das Wärterhäuschen der Haltestelle vollständig fertiggestellt ist. Wie es scheint, bestehen noch Schwierigkeiten bezüglich der Herstellung eines Fußweges für die Passagiere von dem Bahnhof ab, worüber zur Zeit noch Verhandlungen mit den Grundeigenthümern schweben. Daß die Eröffnung noch im Laufe dieses Sommers stattfindet, ist nicht zu be­zweifeln, es ist aber um so mehr zu bedauern, als gerade jetzt die Zeit der Gebirgspartien beginnt und die Haltestelle Milseburg wegen ihrer hohen Lage sich so vorzüglich dazu eignet, die Ausflüge von da zu beginnen. Die Eröffnung der ganzen Strecke soll zum 1. Dezember d. I. erfolgen, es ist aber mehr als fraglich, ob auch dieser Termin nicht das Schicksal des obigen theilt.

* Dem katholischen Lehrer und Küster Kramm zu Gelnhausen wurde der Adler der Inhaber des k. Haus­ordens von Hohenzollern verliehen.

* Einige preußische Landräthe fordern, wie aus Berlin gemeldet wird, von ihren untergeordneten Be­amten Berichte darüber ein, ob und inwiefern von den Arbeitgebern Schritte zur Hebung der Lage des Arbeiterstandes gethan worden find. Als Maß­nahmen der in Rede stehenden Art werden u. A. an­zusehen sein: die Errichtung von Arbeiterwohnhäusern für ländliches Gesinde und für Fabrikarbeiter seitens der betreffenden Grund- und Fabrikbesitzer, die Ein­richtung besonderer Spciseanstalten, Badeanstalten, Bibliotheken sowie Räumlichkeiten zu geselligem Ver­kehr für die in einem industriellen Betriebe beschäftigten Arbeiter seitens der betreffenden Unternehmer, ferner diejenigen von den Arbeitgebern getroffenen Einricht­ungen, welche ihren Arbeitern den billigen Bezug von Lebens- und Genußmitteln, sowie sonstigen Lebensbe­dürfnissen zu ermöglichen bestimmt sind, endlich auch Stiftungen zum Besten der Arbeiter.

* Der Kultusminister hat eine neue „Ordnung der praktischenAusbildung der Kandidaten für

der Wagen vor der Thür, welcher die Neuvermählten zu einer mehrmonatlichen Abwesenheit entführen sollte. Und wenn sie selbst geblieben wären? Wenn sie zurück­kehrten? Was durfte ihm Hortense, was durfte er ihr sein? Sie war die Frau seines Onkels, der jetzt den Neffen, in dem er noch immer den Schwiegersohn sah, in ihrer Nähe duldete, hinter dessen gelegentlich hin­geworfenen scherzenden Bemerkungen sich aber bereits eine Eifersucht kundgab, die sicher hervorbrach, wenn er Ulrichs Bruch mit Leontine erfuhr und dieser auch ferner sich so viel um seine Gemahlin bemühte. Und nicht nur die Furcht vor der Eifersucht des Barons, vielmehr noch die eigene Ehre, das eigene Rechtsgefühl geboten Ulrich, der Frau seines Onkels fern zu bleiben.

Hätte er nur gewußt, was er mit sich anfangen, womit er die Leere ausfüllen solle, die ihn umgab, als nun auch Hortense seinem Gesichtskreise entschwunden war. In Berlin konnte, wollte er nicht bleiben, vor der Einsamkeit seiner Güter graute ihm ebenfalls, und so nahm er denn einen längeren Urlaub und ging auf Reisen. Wohin, das war ihm für den Augenblick gleichgiltig, er bedurfte nur eines Wechsels der Szene, er bedurfte der Zerstreuung und Aufregung, um sich selbst zu entfliehen. Als ob uns dies gelänge, als ob wir nicht überall, wohin wir uns auch wenden, den eigenen Schatten mit uns schleppen, über den nun ein­mal Niemand zu springen vermag.

das Lehramt an höheren Schulen" erlassen. Zunächst wird darin verlangt, daß der Kandidat ein bedingungsloses Zeugniß haben muß, ehe er zur prak­tischen Ausbildung einer Anstalt überwiesen wird. Die praktische Ausbildungszeit ist auf zwei Jahre be- mesfen, von denen das erste ein Seminarjahr, das zweite ein P r o b e j a h r, vorzugsweise der selbständigen praktischen Bewährung des im Seminarjahr erworbenen Lehrgeschicks dienen soll. Ueber das Seminarjahr erhält die „Ordnung" eingehende Weisungen, in welcher Weise der Direktor und diejenigen Lehrer, denen der Kandidat überwiesen wird, dessen Thätigkeit zu leiten und zu überwachen haben. Rach Ablauf des Seminarjahres erstattet der Direktor an das Provinzialschulkollegium Bericht; das Provinzialschulkollegium hat das Recht, solchen Kandidaten, welche es für den Lehrerstand un­geeignet erachtet, den Rath zu ertheilen, von der be­gonnenen Laufbahn Abstand zu nehmen. Während des Seminarjahres sind die Kandidaten mit größeren zu­sammenhängenden Lehraufgaben zu betrauen und mit 8 bis 10 wöchentlichen Stunden zur Unterrichtsertheilung heranzuziehen. Dabei soll darauf geachtet werden, daß die Kandidaten in mehreren Fächern und auf mehr als einer Klassenstufe unterrichten. In dringenden Fällen ist eine Heranziehung derselben bis zu 20 Stunden gestattet; sie erhalten dann eine „angemessene" Ver­gütung. Nach Ablauf des Probejahres wird von dem Direktor ein ähnlicher Bericht erstattet wie nach dem Seminarjahr, und nunmehr hat das Provinzialschul­kollegium über die Anstellungsfähigkeit des Kandidatm zu entscheiden. Die neue Ordnung würde von der ge­jammten höheren Lehrerschaft mit Genugthuung begrüßt werden, wenn einige Aussicht vorhanden wäre, daß den immer verschärften Bestimmungen und immer neuen Opfern endlich einmal ein Ausgleich in der besseren Besoldung folgen wird.

* Die Gefährlichkeit der Insektenstiche, denen man mit Eintritt der wärmeren Jahreszeit wieder aus­gesetzt ist, scheint noch immer nicht genügend bekannt. Die Insekten, die sich auf unsere Haut setzen, nähren sich nicht nur von den Säften lebender, sondern auch todter Thiere, saugen also sogen. Leichengift. Durch die Insektenstiche kann derartiges Gift auf uns über­tragen werden und Blutvergiftung erzeugen, die oft den Tod zur Folge hat. Da hilft nun am besten Salmiakgeist, den man sofort in die Wunde reibt. Es empfiehlt sich, auf Spaziergängen stets ein Fläschchen Sa lmiakgeist bei sich zu tragen.

* Der. am 1. Juni ds. Js. auf den preußischen Staats-Eisenbahnen zur Einführung kommende Som­mer-Fahrplan wird außer der regelmäßigen Ver­mehrung der Personenzüge in den Sommer-Monaten weitere zahlreiche Verbesserungen und Er­gänzungen des gegenwärtigen Fahrplanes bringen. Neben einer reichlichen Vermehrung der Züge für den Lokalverkehr und den Wechselverkehr engerer Bezirke werden für den großen durchgehenden Verkehr neue Schnellzüge zur Einführung kommen. Wir ent­nehmen in dieser Beziehung dem ,Staatsanzeiger' fol­gende nähere Angaben: Eine zweite neue Schnellzug- Verbindung zwischen Leipzig (auch Thüringen) und Köln wird gejchaffen durch einen neuen Zug von Leipzig über Erfurt, Kassel, Arnsberg, Elberfeld nach Köln und zurück, welcher

von Leipzig um 6,10 Vm. abfahren und in Kassel um 11,12 Vm.,

in Köln um 4,44 Nm. eintreffen beziehungsweise

von Köln um 12,52 Nm. abgehen und

in Kassel um 6,14 Nm.,

in Leipzig um 11,51 Abends ankommen wird. Zwischen Hamburg und Frankfurt a. M. roerben neue beschleunigte Tagesschnellzüge nach folgendem Fahr­plan zur Einführung kommen:

So war denn auch Ulrich entfernt, der Einzige, der wahrscheinlich energische Nachforschungen nach Leontine angestellt haben würde, wenn ihre Flucht ruchbar geworden wäre, aber sie ward nicht ruchbar, dazu hatte der Graf seine Anstalten viel zu umsichtig getroffen, dazu hatte er an den Ort, von dem sie ent­flohen, eine viel zu schlaue und geschickte Agentin postirt. Madame d'Arcourt hatte auf Anstiften des Grafen dem Baron den Vorschlag machen müssen, nach Reina zu Leontine zu gehen; sein Betrieb war es gewesen, daß dem schwachen Manne eine unbeschränkte Machtbefugnis für die alte Dame abgeschmeichelt worden war, nach feinen Instruktionen hatte sie ihre Handlungsweise ein­zurichten.

Der Vortheil der Französin ging übrigens mit dem des Grasen Hand in Hand. Es war ihr ganz ange­nehm, den Sommer auf den Gütern des Barons zu­zubringen und dort festen Fuß zu fassen. Weniger zufrieden war Hortense mit dieser Einrichtung. Sie hatte im Stillen den Plan entworfen, sich von ihren beiden Genossen frei zu machen und sah sich durch die Jnstallirung ihrer angeblichen Tante auf dm Besitz­ungen ihres Gemahls darin gehemmt, denn sie kannte Madame d'Arcourt und wußte, dieselbe sei nicht leicht sortzuschaffen, wenn sie einmal Fuß gefaßt habe. Jn- deß es half nichts, sie mußte sich für den Augenblick fügen und günstigere Zeit abwarten. . (Forts, folgt.)