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Madame schüttelte mit mildem Lächeln das Haupt. "~Q habe ich besseres Vertrauen zu der guten Natur >;hrer Cousme, ich hoffe Alles von meinem Zusammenleben mit ihr.
UWcf) seufzte; er dachte an Leontines grenzenlosen Abscheu vor diesem Zusammenleben.
Insofern in den kirchenpolitischen Zuständen Bayerns eine Besserung eingetreten ist, darf die C en t rums -
Der bayerische Landtag.
n.
München, 2. Mai.
Ulric^ senkte den Blick zu Boden, diese Bemerkung war unwiderleglich.
„Wir haben Hortense die ärgerliche Geschichte ge-
dienst daran beimessen. Sie verdankt es vor Allem ihrer Einigkeit, die sie durch die ganze Session bewahrte, dann der Festigkeit, mit der sie stets auftrat und die, in Verbindung mit der Einigkeit, im Lande, noch mehr aber vielleicht bei der Regierung einen großen Eindruck machte. Möge die Fraktion in derselben Einigkeit und Festigkeit fortwirken und das Vertrauen der Wähler wird ihr bleiben.
Rechenschaft?" fuhr Ulrich auf. „Warum hat ihn der Oberst mcht gefordert?"
„Rächet Euch selber nicht, sondern gebet Raum dem Zorn ; die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr!" versetzte Madame d'Arcourt pathetisch Er wird seiner Strafe nicht entgehen, Sie sehen ja, uns hat er nicht geschadet."
„Das hat er doch, er hat Leontine in einer Weise gegen Sie eingenommen, daß kaum jemals sich ein freundliches Verhältniß zwischen Stiefmutter und Stieftochter Herstellen wird."
erzählen Sie Fräulein von Reina, was Sie heute von mir erfahren haben?"
„Ja, das will ich und werde ich, so wahr ich ein Edelmann bin!" gelobte Ulrich mit Wärme.
„Ich danke Ihnen, ich habe es nicht anders von
Ihnen erwartet, aber ich fordere noch mehr."
„Gebieten Sie über mich, Madame."
„Sehen Sie unser holdes Kind, wie es sich in so
; I Die Thronrede,
’ mit welcher heute der Reichstag eröffnet wurde, lautet . folgendermaßen:
' Geehrte Herren!
Nachdem Sie durch die Neuwahlen zu gemeinsamer Arbeit ; mit den verbündeten Regierungen berufen worden sind heiße Ich Sie bei dem Eintritt des Reichstages in die achte Lcqis- laturperiode willkommen. Ich hoffe zuversichtlich, daß es Ihnen gelingen wird, die bedeutsamen Fragen der Gesetzgebung, die an ®.te Aantreten, einer befriedigenden Lösung entgegenzuführen. Ein Theil dieser Fragen ist so dringlicher Natur, daß es nicht tyunlich^erschien, die Einberufung des Reichstages länger hinaus-
Jch rechne dahin vornehmlich den weiteren Ausbau der Ar- beiterschutz-Gesctzgebung. Die im Laufe des verflossenen Jahres m einigen Landestheilen vorgekommenen Ausstandsbewequnqen haben Mir Anlaß gegeben, eine Prüfung der Frage herbeizufuhren, ob unsere Gesetzgebung den innerhalb der staatlichen Ordnung berechtigten und erfüllbaren Wünschen der arbeitenden Bevölkerung in ausreichendem Maße Rechnung trägt. Es handelte sich dabe, in erster Linie um die den Arbeitern zu qewähr- leistende Sonntagsruhe, sowie um die durch Rücksichten der Menschlichkeit und im Hinblick aus die natürlichen Entwickelunasgesetze gebotene Beschränkung der Frauen- und Kinderarbeit. Die verbündeten Regierungen haben sich überzeugt, daß die von dem letzten Reichstage in dieser Beziehung gemachten Vorschläge ihrem wesentlichen Inhalte nach ohne Nachtheil für andere Interessen zu gesetzlicher Geltung gebracht werden können. Im Zusammenhänge damit hat sich aber noch eine Reihe weiterer Bestimmungen als der Verbefferung bedürftig und fähig erwiesen Hierhin gehören insbesondere die gesetzlichen Anordnungen zum Schutze der Arbeiter gegen Gefahren für Leben, Gesundheit und Sittlichkeit ,owie über den Erlaß von Arbeitsordnungen Auch die Vorschriften über die Arbeitsbücher bedürfen einer Ergänzung zu den, Zwecke, um das ellerliche Ansehen gegenüber der MwF" ' ~ menden Zuchtlosigkeit jugendlicher Arbeiter zu' stärken. Ne hiernach erforderliche Umgestaltung und weitere AusbildMfl der Gewerbeordnung findet ihren Ausdruck in einer Vorlage welche Ihnen unverzüglich zugehen wird.
Eine weitere Vorlage erstrebt die bessere Regelung der qe- werblichen Schiedsgerichte und zugleich eine Organisation der- elben die es ermöglicht, diese Gerichte bei Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitern über die Bedingungen der Fort- I Atzung oder Wiederaufnahme des Arbeitsverhältnisses als Einigungsämter anzurufen.
Ich vertraue auf Ihre bereitwillige Mitwirkung, um über die ^hnen vorgeschlagene Reform eine Uebereinstimmunq der ge- fetzgebenden Körperschaften und damit einen bedeutsamen Fort- lchritt in der friedlichen Entwickelung unserer Arbeiterverhältniffe herbeizuführen. Je mehr die arbeitende Bevölkerung den ge- wiffenhasten Ernst erkennt, mit welchem das Reich ihre Laae befriedigend zu gestalten bestrebt ist, desto mehr wird sie sich der Gefahren bewußt werden, die ihr aus der Geltendmachung maßloser und unerfüllbarer Anforderungen erwachsen müssen In der gerechten Fürsorge für die Arbeiter liegt die wirksamste Stärkung der Kräfte, welche, wie Ich und Meine hohen Verbündeten berufen und Willens sind, jedem Versuche an der Rechtsordnung gewaltsam zu rütteln, mit unbeugsamer Entschlossenheit entgegenzutreten.
Immerhin kann es sich bei dieser Reform nur um solche Maßnahmen handeln, welche ohne Gefährdung der vaterländischen Gewerbthatigkeit und damit der wichttgsten Lebens-Interessen der Arbeiter selbst ausführbar sind. Unsere Industrie bildet nur ein Glied in der wirthschaftlichen Arbeit derjenigen Völker welche an dem Wettbewerb auf dem Weltmärkte Theil nehmen. Mit Rücksicht hierauf habe Ich es Mir angelegen sein lassen, unter
Was die Behandlung des Kultus-Budgets und die kirchenpolitischen Angelegenheiten betrifft, so sind die betreffenden Vorkommnisse noch frisch im Gedächtniß. Wir können uns daher auf einen kurzen Hinweis beschränken. Die Bewegung begann mit dem glänzenden Verlaufe des pfälzischen und des bayerischen Katholiken-Tages und endete damit, daß die bayerische Regierung ihre anfängliche Stellung in den kirchenpolitischen Dingen und zum „Kultur- karchife" wesentlich verändern mußte. Das Zwangs- Mittel, wenn man es so nennen will, war der feste Wille derCentrums-Partei, eine ganze Reihe von Regierungs-Vorlagen im Gebiete von Kunst und Wissenschaft zu verweigern, also die Wunden gerade dort zu schlagen, wo sie am meisten schmerzen mußten. Vorher schon gingen die berühmten November-Verhandlungen, die stets ein Glanzpunkt in der Geschichte der bayerischen Katholiken sein werden. Die Staatsregierung hat damals durch den Mund des Herrn v. Lutz formell an ihrer „kulturkämpferischen" Ansicht von der „Staatsgefährlichkeit" des Unfehlbarkeits-Dogma's festgehalten, befleißigt sich aber des besten Einvernehmens mit dem Oberhaupte dieser „staatsgefährlichen" Kirche, nicht ohne die Nebenabsicht, diese Beziehungen für sich und gegen die entschiedene Richtung unter ihren Katholiken auszunutzen. Die Erklärung der Centrums-Abgeordneten vom 8. November, daß ihr Verfassungs-Eid die Ausdehnung des Plazets auf die Glaubens- und Sittenlehren der katholischen Kirche nicht in sich fasse, wurde von der Staatsregierung stillschweigend anerkannt, und damit wurde eine solche nachträgliche Auslegung des Verfassungs-Eides als zulässig erklärt. In der ersten Kammer hat erst dieser Tage die Staatsregierung durch den Mund des Freiherrn von Crailsheim, welcher überhaupt in diesen Dingen nicht so hartnäckig doktrinär ist, wie Herr von Lutz, zugestanden, es sei die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß die jetzt beliebte Ausdehnung des Plazets auf die katholische Glaubenslehre einst beseitigt werden könne. Die Centrums-Partei ist mit dem Minister aber darin nicht einverstanden, ..... cllmCUCim in uarr oie Zentrums-
fei sie“XyteSÄÖlä । sich jedenfalls ein Ber-
Auslegung der Verfassung, welche seit ihrem Erlasse unter den drei ersten Königen Bayerns galt und erst von Herrn von Lutz in „kulturkämpferischer" Absicht geändert worden ist. In Bezug auf die Rückberufunq der Redemptoristen nach Bayern hat die Staatsregierung in Folge der November-Debatten sich einer freundlicheren Auffassung zugeneigt, es sei denn, man möchte ihren ausdrücklichen Versicherungen mißtrauen,
wozu bis jetzt kein Grund vorliegt. Die „Altkatholik en "-Frage hat in der Kammer der Reichsräthe durch die Haltung des Prinzen Ludwig eine Wendung genommen, die Herr von Lutz im November nicht in Aussicht stellte. Die entschiedenen Worte des Prinzen Ludwig in Verbindung mit der Einigkeit und festen Haltung der Centrums - Fraktion nöthigten die Regierung endlich, nachzugeben. Die „Altkatholiken" wurden wenigstens thatsächlich als aus der katholischen Kirche für ausgeschlossen erklärt, die Regierung lieh den weltlichen Arm zum Vollzug des Urtheils der Bischöfe. Die Losung in der Form, wie Herr v. Lud sie beliebte, ist allerdings eine kirchen- und staatsrechtliche Ungeheuerlichkeit und läßt eben dadurch sowohl die Verlegenheit des Ministers, wie den üblen Willen desselben erkennen, aber die Ausscheidung der „Altkatholiken" ist wenigstens thatsächlich erfolgt, und die rechtlichen Mängel ganz zu beseitigen, wird nun eine der weiteren Aufgaben der Centrums - Fraktion sein. Sie wird wieder gut zu machen haben, was die Diplomatie verdorben hat.
Zum Schlüsse sei noch hingewiesen auf die Verhand- ! hingen der Kammer der Abgeordneten über die Kunst. Es wurde dort einem Theile der modernen Kunst ein Spiegel vorgehalten, der überall dort Beifall fand, wo man die Aufgabe der Kunst in der Pflege I t>es Edlen, Ewigen und Schönen, nicht aber in der Huldigung vor dem Materialismus erblickt. Nachdem diese Ansichten der Centrums-Partei allerseits die gebührende Beachtung gefunden, nachdem so das Augenmerk aller gebildeten Kreise auf die bedauerlichen Auswüchse der Kunst gelenkt war, nachdem die richtige Auffassung über Wesen und Aufgabe der Kunst auch in der ersten Kammer aus hohem Munde zum Ausdruck gebracht waren, konnte die Centrums-Partei in der Kammer der Abgeordneten in diesem Punkte schließlich nachgeben und zum Ankauf von Kunstwerken für die Staats - Sammlungen eine höhere Summe bewilligen, als Anfangs beabsichtigt war. Sie that das aber mit einer Begründung und Erklärung, die weder vom Liberalismus noch von Herrn von Lutz als Sieg anerkannt werden kann.
grenzenlosem Vertrauen an den Mann ihrer Wahl schmiegt," fuhr die Dame fort, durch die offen stehende Thür in den Salon deutend, wo Hortense mit dem Baron saß und mit ihm plauderte. „Sie gibt sich ihm mit voller Seele hin, verläßt Vaterland und Verwandte um seinetwillen. Sollte je der Graf versuchen, Zwietracht in diese Ehe zu säen, den Baron seiner Gemahlin zu entfremden, so stehen Sie ihr schützend zur Seite."
„Ich schwöre es Ihnen!" rief Ulrich, dessen Blut durch die sich seinen Blicken darbietende Gruppe ohnehin in heißere Wallung gerathen war. „Lassen Sie mich diese Möglichkeit gar nicht abwarten, lassen Sie mich den Bösewicht sofort vor meine Klinge fordern."
Roman von G. I.
(33. Fortsetzung.)
„Es ist mir immer noch unbegreiflich, wie Graf Falkenburg so kopflos handeln konnte," sagte Ulrich, sich an die Stirn greifend, es fing ihm selbst an, ganz konfus zu werden. „Ihm hätte ich dergleichen am wenigsten zugetraut."
. „Verleumde nur immer frisch darauf los, etwas bleibt doch hängen," war ein lateinisches Citat, das F^!n verstorbener Gatte oft gebrauchte und mir über- ictzte, lächelte Madame d'Arcourt.
„Der Graf hat sich übrigens wohl gehütet, seine ^T^UI&.Unr9en "°ch weiter zu tragen. Ist Ihnen in r?eifen etwas davon zu Ohren gekommen?" fntrna ^rmiute; daß er die Geschichten aus Falken- burgs Munde gehört habe, verschwieg er.
die Personen, denen er sie mit- n / • r(^ *£re Stellung zu uns gezwungen waren, benn glaubte sie der Baron selbst Ja US babur$ Abbrechen der Beziehungen zu uns bestimmen, so mußte ihm und seiner Tochter doch daran hegen, daß nichts davon an die Oeffmt- lichkeit drang. "
„Warum ziehen Sie aber den Grafen nicht zur
„Gemach, gemach, junger Freund, keinen Eclat!" beschwichtigte Madame d'Arcourt, die Hand auf feinen Arm legend, den Aufbrausenden. „Wie das doch so-
len Sie SntaM» .......1 ^and. Nein, Herr von §reiberge§W^Irer jungen
! Tante einen schlechten Dienst leisten, wenn man sich in der Gesellschaft erzählte, Sie hätten sich ihretwegen wenige Tage vor der Hochzeit mit dem Grafen geschlagen." 3
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Donnerstag, den 8. Mai 1890.
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__ _____ 17. Jahrgang
Fuldaer Zeitung.
Für die Redaetion verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. a Druck u. Verlag der Fuldaer Acttendruckerei (A. Dillmann).^^