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Mittwoch, den 7. Mai 1890.

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckcrei (A. Dillmann).

schulen wurden wieder reichlich bedacht, wenn auch mit

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I nicht hoffen konnte, die Thatsache nämlich, daß der [ bayerische Staat jährlich eine ganze Reihe von U eb e r- I schössen erzielt. Diese Erübrigungen betragen für die 18. Finanzperiode, also für die Jahre 1886 und 1887 rund 24 Millionen, für die 19. Finanzperiode, für die ^ahre 1888 und 1889, sogar noch mehr. Sie werden verwendet zur Errichtung zahlreicher nothwendiger Staatsgebäude, wie das Justizgebäude, zur Verbesserung unserer Post-, Eisenbahn- und Telephon-Verhältnisse rc kurz in durchaus nützlicher Weise und für Zwecke, die man sonst, da sie auch der Zukunft zu gute kommen, durch Anlehen hätte bestreiten müssen. Nennen wir von diesen Bauten noch die Errichtung einiger Rentamts­gebäude in der Pfalz, sowie die Herstellung von Geleise- Verbindungen zwischen Bahnhof und Main in Würz­burg, Ochsenfurt, Marktbreit und Kitzingen zur Hebung des Holzhandels, sowie die allmälige Aus­führung eines Telephonnetzes im Lande, die Erbauung emer unterirdischen Telegraphen - Verbindung zwischen München, Ingolstadt und Berlin u. s. w. Ein Anlehen wird nur nothwendig für die zweiten Geleise und den Centralgüterbahnhof in München. Unsere Staats­schuld (ohne die Eisenbahnanlehen) wird bekanntlich durch den Ertrag des Malzaufschlages verzinst und durch ihn auch allmälig getilgt. Die Höhe der direkten Steuern bleibt wie bisher, eine Steuererhöhung wird also vermieden. Dabei ist noch zu erwägen, daß Bayern unter allen deutschen Staaten perKopf die niedrigsten direkten Steuern hat, wie Finanzminister v.Riedel ! am Donnerstag in der Kammer der Abgeordrklten' erklärte. Jene Erübrigungen sind überhaupt sehr an­genehm; so wurde ein bereits bewilligtes Staatsänlehen im Betrage von mehr als 12 Millionen auf sie verwiesen, ferner, wie bereits erwähnt, eine Reihe nothwendiger Erweiterungsbauten für Eisenbahn, Post und Telegraph, eine Summe von 3 Millionen zur rascheren Förderung der Flußcorrectionen u. s. w. Auch für die Jahre 1889 und 1890 stehen Erübrigungen in Aussicht. Von mancher Seite wird die Zweckmäßigkeit so reicher lieber - schüsse bezweifelt, aber sie lassen sich nicht immer ver­meiden, da ein großer Theil des bayerischen Budgets sich niemals ganz sicher veranschlagen läßt und sehr schwanken kann, wie der Ertrag der Eisenbahnen, der indirekten Steuern und Zölle, die Matrikularbeiträge an das Reich u. s. w. Jedenfalls sind die Ueberschüsse angenehmer wie das frühere Defizit, und auch verfas­sungsmäßig kann nichts gegen sie eingewendet werden, da die Regierung über ihre Verwendung sich mit dem Landtage verständigen muß.

Im Interesse des Handwerker- und A r b e i t e r st a n d e s lag die Interpellation der Centrums­partei in Sachen des deutschen Jndustrievereins und

werden solle. FürPostund Eisenbahnbauten hat der Landtag große Summen bewilligt. Besonders ist hier zu erwähnen, die Anlage eines Central­güterbahnhofes in München, die Erbauung eines Postgebäudes am Centralpersonen-Bahnhofe daselbst, wie überhaupt die Interessen der Haupt­stadt vom Landtage eine leider nicht immer aner­kannte und oft aus Parteigründen absichtlich ver­dunkelte Würdigung und Pflege fanden und stets finden werden. Die Genehmigung, noch einige besonders wichtige Eisenbahnlinien mit zweiten Geleisen zu versehen, lag ebenfalls im Interesse des Landes, das an der erhöhten Sicherheit des bayerischen Eisenbahn­verkehrs hoch betheiligt ist. Eine ganze Reihe von Beamten wurde aufgebessert, und es sei in dieser Beziehung nur daran erinnert, daß die Karrenzz eit für die Erlangung der Wohnungsgeld-Zuschüsse auf­gehoben wurde, was dem Lande eine Mehrausgabe von rund 300,000 Mk. jährlich ausmacht.

In Bezug auf Aufbesserungen und Gehaltszulagen hat der Landtag überhaupt seit Jahren sehr viel ge- than, was leider nicht immer gebührend gewürdigt

jedoch nicht über sich gewinnen, in die Anklage gegen Leontine einzustimmen und fürchtete, man werde nun gar seine Vermittelung anrufen wollen.

„Meine Cousine wird sich der vollzogenen Thatsache fügen," sagte er, als Madame ihn fragend anblickte.

„Ich möchte meine Hortense aber doch nicht dem ersten Anprall dieser Fügsamkeit aussetzen," lächelte die alte Dame, „und habe mich deshalb zu einem schweren Opfer entschlossen, was thut man nicht alles für ein geliebtes Kind! Ich habe mit dem Baron die Verabredung getroffen, daß ich, während er mit seiner Gemahlin die Hochzeitsreise macht, bei seiner Tochter auf Reina bleiben werde. Es schickt sich nicht, daß die junge Dame in Abwesenheit ihres Vaters allein Haus hält, also werde ich ihr ein passender Schutz sein und während der Monate, die wir zusam­men verleben, hoffe ich sie durch Sanstmuth, Frömmig­keit und die Liebe, die ja Alles trägt, Alles duldet, Alles überwindet, für mich zu gewinnen, ihr über Hortense's Charakter und deren Gesinnung gegen sie die richtige Ansicht beizubringen und sie der rückkeh­renden Baronin Reina liebevoll und versöhnt in die Arme zu führen. Ist mir dieses Werk gelungen, so kehre ich nach Frankreich zurück, wohin mein Bruder mir schon vorangeht."

(Sie machte eine Pause. Ulrich sah sie erwartungs­voll an. Er wußte noch immer nicht, was man von

Der bayerische Landtag.

i.

München, 2. Mai.

keme Ahnung, wozu ihn Madame d'Arcourt wohl hier­her citirt haben mochte und sehnte sich in den Salon, m dem Hortense und sein Onkel saßen. Ihr fröhliches Lachen und Plaudern schlug an sein Ohr, schon geizte er mit jeder Minute, die er in ihrer Nähe sein konnte und war eifersüchtig auf den Baron, der diesen Schatz nun bald sein Eigen nannte und entführte, denn das Paar wollte sogleich nach der Hochzeit eine längere Reye antreten.

„Ja, sie bleibt in guter Hut," wiederholte die alte Dame, „und damit trösten wir uns auch. Dennoch scheiden wir nicht ohne schwere Sorgen und deßhalb wollte ich eben mit Ihnen reden. Sie haben sich uns als Freund erwiesen, dürfen wir ferner auf Sie zählen?"

„Das dürfen Sie", versetzte Ulrich schnell, erschrak aber doch, als Madame d'Arcourt nun fortfuhr:

„Zunächst ist es das Verhältniß mit der Stief­tochter, in das wir unser junges, argloses, weltuner- ^hrenes Kind mit recht schwerem Herzen gehen sehen. Wir hatten gehofft, vor der Vermählung freundliche Beziehungen zwischen Beiden anbahnen zu können, sie hätten ja einander Freundinnen, Schwestern sein kön­nen; Hortense hatte und hat noch die reinsten, besten Absichten, Fräulein von Reina hat aber alle Annäher­ungsversuche schroff zurückgewiesen."

Ulrich sah beschämt zu Boden. Er konnte es

Sieben Monat währte der jetzige Landtag, aber diese sieben Monate waren nicht vergeblich. Schon lange zwar brachte ein Landtag nicht solche Kämpfe, Mühen und Schlachten, wie der gegenwärtige, aber gerade von unserem Standpunkte aus können wir mit Befriedigung darauf zurücksehen, zumal wenn der praktische Politiker bedenkt, daß eine so feste Position wie sie das liberale Regierungssystem in Bayern inne hat, nicht auf einmal erstürmt werden kann. Wenn irgend wo, so gilt in der Politik der Grundsatz des allmählichen Vorrückens, und dieses Vorrücken wäre vielleicht weniger allmählich, wenn es nicht im eigenen Lager manche gute Leute aber schlechte Musikanten gäbe, die ihren Einfluß, ohne es zu wissen und zu wollen, eher zur Stärkung des Systems Lutz verwenden, als zu dessen Schwächung.

Blicken wir zurück auf die Thaten dieses Land-

sUn^ ^en materiellen Verhältnissen. , .yuu, >vu» tciuti muji immer geouyreno gewürdigt

Eine der ersten Handlungen des Landtages war, daß wird. Auch die Bedürfnisse der Mittel- und Hoch- e rrI<Vorschlag der Staatsregierung den Malz- schulen wurden wieder reichlich bevachi wenn auw mit aufschlag für die kleineren und mittleren Bierbrauer der nothwendigen Einhaltung Weiser Mäßigung und ermäßigte. Damit war diesem wichtigen Gewerbe und 1 < 1 “ ? ^yer wcatzigung und

?uch der heimischen Landwirthschaft, die vielfach mit ihm zusammenhängt, eine hohe Erleichterung gewährt, eine Ersparniß von ca. 2-/, Millionen Mark. Diese behalt der weitaus größte Theil der bayerischen Brauer nunmehr in der Tasche, er kann sie zur Beschaffung besserer Einrichtungen verwenden und sich dem Groß­kapital gegenüber konkurrenzfähiger machen. Die Groß- brauerei wurde dafür etwas höher belastet, aber nur ganz unbedeutend, und es ist absolut ungerechtfertigt, d,e nunmehr eingetretene Erhöhung des Bierpreises mit jener leichten Höherbesteuerung der sonst so ge­winnbringenden Großbrauerei zu rechtfertigen. Der wahre Grund liegt (so weit er die Aktienbrauereien betrifft) m der Ueberhöhung des Aktienkapitals durch die Sucht der Gründer, sich allzu rasch zu bereichern.

Die günstige Finanzlage erlaubte deifi Landtage ferner, die Gebühren herabzusetzen und auch hier eine Erleichterung eintreten zu lassen, welche man ganz gut auf über 2 Millionen jährlich veranschlagen darf, und die wesentlich dem kleineren Landwirthe zu Statten kommt. Weiter wurde die Im mobil ar- brandversicherung der Pfalz mit der rechts­rheinischen Anstalt vereinigt, eine Maßregel, die nicht nur im Interesse der Pfalz, sondern auch des ganzen Königreiches lag und den rechtsrheinischen Landestheilen das ministerielle Versprechen eintrug, daß die rechts­rheinische Bauordnung bald erleichtert

In harter Schule.

Roman von G. I.

(32. Fortsetzung.)

„Meine Vorbereitungen sind jetzt nach allen Seiten getroffen; die Mine kann springen; ich werde meine Befehle ertheilen."

In Folge dieser Befehle winkte Madame d'Arcourt Ulrich eines schönen Abends in ihr Zimmer.

„Die Vermählung unserer lieben Hortense mit dem Herrn Baron steht jetzt nahe bevor", begann sie in ihrer feierlichen, salbungsvollen Weise, „wir werden das theure Kind zum Traualtar geleiten und dann nach unserem schönen Frankreich zurückkehren." UlridP*6 toer^en "ich* in Deutschland bleiben?" fragte

„Ich glaube, mein armer Bruder müßte sterben, eJm . Vaterland noch lange meiden müßte, no auch mich zieht es dahin!" versetzte Madame mit Seufzer. „Es ist schmerzlich, sehr schmerz- l*tn Obstes in der Fremde zurücklassen zu müssen ; das ist aber der Lauf der Welt. Wir hätten lieber ge- sehen, . sie hatte einen Franzosen gewählt, aber ihr Herz hat gesprochen, wir fügen uns "

Sle blickte schweigend vor sich nieder.

... .^i>re Nichte bleibt in guter Hut zurück", bemerkte Ulnch, dem die Situation peinlich ward. Er hatte

I Sparsamkeit. Mit der endlich beschlossenen Errichtung eines großen monumentalen Justizgebäudes in München hat der Landtag eine alte Seeschlange zu beseitigen gesucht und hoffentlich beseitigt. Diese Frage mußte endlich gelöst werden; ihre Lösung wird dem Staate nach Abwicklung der Schlußrechnung etwa 3 [ Millioen kosten, was angesichts dessen, was hiefür ge­leistet wird, gewiß nicht zu viel ist. Ebenfalls der Stadt München zu gute kommt die Verlegung der Militäbildungsanstalten auf das Marsfeljd für welche der Landtag im Ganzen etwas über 3 Millionen gegeben hat.

Das bayerische Budget für ein Jahr der laufenden (20.) Finanzperiode umfaßt eine Gesammt- ausgabe von 280 Millionen, also über eine viertel Milliarde. Eine ebenso große Summe steht als Ein­nahme gegenüber, da man ja stets abgleicht. Von jener Summe kommen auf die Verwaltung im Ganzen 115, auf den Staatsaufwand 165 Millionen. Die Staats­eisenbahnen werden nach dem Voranschläge eine reine Rente von etwa 38 Millionen abwerfen, die Verzinsung des Anlagekapitals der Staatsbahnen (etwa eine Milliarde) erfordert rund 39 Millionen, und es I muß daher aus den Erträgnissen des Malzaufschlages nur etwas über eine Million zugeschossen werden, um jenen Zinsbedarf zu decken. Das ist gegen frühere Jahre ein sehr günstiges Verhältniß. Außerdem ist ein Um­stand eingetreten, den man noch vor wenigen Jahren

_____________________ 17. Jahrgang

Fuldaer Zeitung.

Für dir Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. .. ... _ T„Icf „