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Beilage zu Nr. 96 der „Fuldaer Zeitung".

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß).

Sonntag, den 27. April 1890.

Waldbrände.

Es gehört gerade keine besondere Prophetengabe dazu, um mit Bestimmtheit vorherzusagen, daß wir in den nächsten Wochen und den verschiedensten Gauen des deutschen Vaterlandes zahlreiche Berichte über Wald­brände zu lesen bekommen werden. Wenn im Frühjahr bei sonnigem warmem Wetter und bei austrocknenden Winden das lange dichte Gras, weches an vielen Stellen den Bodenüberzug des Waldes bildet, sehr dürr wird und ein neues frisches noch nicht vorhanden ist, so genügt ein einziger Funken und ein schwacher Luft­zug, um ein Lauffeuer zu erzeugen, das mit sprich­wörtlich gewordener Geschwindigkeit weitergreift, da es an Dürrgras, Laub und Moos, an Heidelbeer- und Farrenkräutern, niederen Staudengewächfen u. dgl. reichliche Nahrung findet.

In vielen Gegenden wird im Frühjahr auf den Feldern das „Wurzelbrennen" mit Eifer betrieben. Wie kleine Vulkane habe ich vor wenigen Tagen erst im oberen Donauthale Dutzende von angezündeten Wurzel-, Stoppel- und Unkrauthaufen an den Aeckern nahe an den Rändern der Waldberge rauchen gesehen. Blies dann der Wind in die Haufen, so schlug die Flamme empor und die Funken stoben. Wie schnell und unauf­haltsam eine angezündete dürre Graswand weiter brennt, daran werden sich alle äejenigen erinnern, welche als Knaben an trockenen Feldrainen im Frühjahr zur Kurz­weil „gezündelt" haben; aber auch der Angst werden sie noch gedenken, welche ihnen damals in die Glieder fuhr, als das Feuer in der Nähe des Waldes immer weiter um sich griff, als sie es es nicht mehr austreten und ausklopfen konnten und dann schließlich wie Ver­brecher mit schlechtem Gewissen davonliefen. „Wahr- fcheinlich trifft die Schuld Knaben, die mit Zündhölzern gespielt haben" — so oder ähnlich heißt es in vielen Waldbrandberichten.

Der Waldsaum mit freier Aussicht, in wetter- gefchützter, sicherer Lage war von Alters her bei fah­rendem Volk als jeweiliges Standquartier ganz befonders beliebt. Landstreicher, Zigeuner und Kesielflicker zündeten da ihr Feuer an und durch diese letzteren entstanden erwiesenermaßen so häusig Waldbrände, daß schließlich diesen „Freileuten" das Feuern in und zunächst den Waldungen gesetzlich verboten werden mußte.

Für diejenigen, welche ihres Gewerbes wegen im Walde Feuer anmachen müssen, wie Kohlenbrenner, Theersieder, Holzhauer, sind besondere Vorschriften da in Bezug auf die Entfernung des Feuers von Holz­beständen und Reinigung des Bodens von dürren Pflanzen. Auch dürfen sie den Platz nicht eher ver- lasfen, als bis der letzte Funken ausgelöscht und die Brandstelle ganz mit Erde bedeckt ist.

Im Frühjahr 1887 entstand im Königheimer Forst (Württemberg) ein großer Brand dadurch, daß ein Eigenthümer auf seinem dem Walde nähegelegenen Gute Bäume veredelte; in einer Blechbüchse wurde am offenen Feuer Baumharz warm gemacht und der Wind trug die Funken in das dürre Gras.

Als die Eisenbahnen noch eine neue Einrichtung waren, mehrten sich dort, wo die Schienenstränge zu­sammenhängende Waldstrecken durchschnitten, die Brände durch das Funkensprühen der Lokomotiven in hohem Grade. Mit der stetigen Vervollkommnung der Maschinen und durch zweckmäßige ^Aufforstung längs der Linien — Sicherheitsstreifen, Schutzbänder — ist das besser geworden. Die Gesahr ist dort am größten, wo die Bahn stark ansteigt, in Nadelschonungen größer als in Laubwäldern. In dem ausnahmsweise trockenen Früh­jahr und Sommer 1857 sind im damaligen Königreich Hannover an Holzbeständen gegen 5000 Morgen zerstört worden. Aus der Linie Celle-Harburg zündete am

24. August die Lokomotive zweimal in der angrenzenden Haide. Der erste Brand ward gelöscht, beim zweiten ging der Wind mit dem Feuer davon; dieses durch­raste die Haide, warf sich auf die Kiefernbestände, theilte sich in mehrere Stränge, die sich bald zu einem großen Feuermeer vereinigten. In der einsamen Gegend konnte eine größere Löschmannschaft nicht schnell genug zur Stelle sein. Erst das mit Extrazügen herbeigeholte Militär, namentlich das Pionierkorps aus Hannover mit seiner Anstelligkeit und seinen guten Geräthschaften, wies das verheerende Element in seine Schranken.

Und nun zu guter Letzt noch das Rauchen! „Ohne Zweifel hat ein Waldspaziergänger den letzten Rest der glimmenden Cigarre oder ein brennendes Zündhölzchen weggeworfen," heißt es in einem Brandbericht, der vor uns liegt. Ja, das Rauchen! Es schmeckt so gut, und man kann es dem, der's gerne treibt, auch im Wald nicht verwehren. Dem Holzmacher und Kohlenbrenner, dem Förster und Jäger wird die Pfeife zur Trösterin in der Einsamkeit; Botaniker, Käfersammler und Schlangenfänger haben ihre Freude an den blauen Wölkchen, welche die würzige Luft nicht gerade ver­bessern. Deßhalb steht im Gesetzbuch: „Das Tabak­rauchen in Waldungen ist nur aus mit Deckeln ver­schlossenen Pfeifen erlaubt." Auch wäre hier das alte bewährte Feuerzeug: Zunder, Stahl und Stein den Zündhölzchen vorzuziehen.

Ganz besonderen Anlaß zur Betrübniß bietet ein Waldbrand dem Freunde der Thierwelt. Nach der vorhin erwähnten Feuersbrunst im Hannöverschen wurden beim Abräumen der Unglücksstätte die ange­brannten, theilweise verkohlten Kadaver vieler Hirsche und Rehe aufgefunden. Welche Todesangst, welche ent­setzlichen Qualen mögen die armen Thiere vor ihrem schrecklichen Ende ausgestanden haben! Auch gegen 1000 Bienenstöcke wurden damals durch die Flammen zerstört.

Die Wenigsten denken daran, daß durch das An­zünden von Dürrgras und Hecken draußen im Felde sämmtliche- Nistplätze der Singvögel an den betreffenden Stellen für immer zerstört werden. Durch die sich fort­während steigernde Ausbeutung des Bodens für Kultur­zwecke geschieht ohnedies schon mehr als genug zur Verminderung dieser treuen Freunde der Land- und Forstwirthschaft, welche durch ihr heiteres, munteres Wesen und durch ihren Gesang zur Belebung der Land­schaft unendlich viel beitragen. In dem Buschwerk am Waldsaum, in dem Unterholz des Forstes finden unsere Sänger, wenn sie aus dem Süden zürückkommen in die nordische Heimath, passende Stätten für den Nestbau in reicher Auswahl; bald beginnt das Brutgeschäft und nach ihm die Jungenpflege. Ein Frühjahrshrand an solcher Stelle zerstört eine Fülle von Glück und Freude. Darum möchten wir zum Schluß an Alle, die es jetzt aus dumpfer Stube hinaustreiht in den sprossenden Wald, den Mahnruf des Wächters richten:

„Bewahrt das Feuer und das Licht!" ____________________________________________(Frkf. Ztg.)

Vermischtes.

(Die erste telegraphische Depesche in Deutsch­land.; Nach einer im Post-Museum befindlichen Zeitung, der Hanauer Europäischen Zeitung', vom 13, Dezember 1794, ist in dem genannten Jahre in Deutschland die erste telegraphische Depesche befördert worden, und zwar mit dem optischen Zeichen- Telegraphen. Es war dies bei Gelegenheit des Geburtstags- Festes des Markgrafen von Baden, und wurde das nachstehende Gedicht durch den Telegraphen des Mechanikers Böckmann (opti­scher Telegraph) aus einer Entfernung von l1/» Stunden nach Karlsruhe signalisirt:

„Groß ist das Fest und schön! Triumph, der Gute lebt, Um dessen Fürstenthum der Vorsicht Auge schwebt: Heil ihm, so tönt es fern und nah';

O Fürst, sieh hier, was Deutschland noch nicht sah, Wie Dir der Telegraph heut' Segenswünsche schicket." — Heute, nach noch nicht 100 Jahren, erhält selbst der ärmste

Mensch oft seinen Geburtstags-Wunsch--telegraphisch. Die

Zeiten ändern sich!

(Was ist eine Billion?) Jedermann weiß, daß eine Billion eine Million mal die Million ist. Dies auszusprechen genügen zwei Sekunden, es niederzuschreiben etwa zehn, aber doch ist kein Mensch im Stande, eine Billion zu zählen. Hier der Beweis: Es ist möglich, in einer Minute 160—170 zu zählen; doch nehmen wir an, man könnte es bis 200 bringen, so kommt man in einer Stunde auf 12000, in einem Tage auf 288,000, in einem Jahre, dasselbe zu 365 Tagen gerechnet, auf 105,120,000. Die Schalttage kann der Zähler ausruhen. Hätte nun Adam, vom ersten Augenblick seines Lebens an, sich das Vergnügen gemacht, eine Billion zu zählen, so wäre er, das Alter der Erde nach der Bibel angenommen, heute noch lange nicht damit fertig; denn um diese ungeheuere Summe zu zählen, bedürfte es eines Zeitraumes von 9512 Jahren, 34 Tagen, 5 Stunden und 40 Minuten.

* Der Cylinder begeht gegenwärtig sein hundertjähriges Jubiläum in Europa. Franklins einfacher Quäkerhut, den er als amerikanischer Deputirter in Paris trug, gab Anlaß zur Ein­führung dieser Hutform an Stelle des Dreispitzes. Der Cylinder hatte in seinen ersten Jahren einen demonstrativen Charakter und galt als Zeichen revolutionärer Gesinnung. In Deutsch­land duldeten die Behörden diese Tracht nicht, und in Rußland ging man so weit, ihn bei strenger Strafe zu verbieten. Ende der 40er Jahre hat der Cylinder seinen Charakter vollständig geändert, er gilt als Zeichen der Gutgefinnten, wodurch er die Benennung als Angströhre erhalten haben mag. Das frühere Schicksal seines Rivalen theilt der später zur Einführung ge­langte weiche, niedrige Filzhut, mit welchem sich die Polizeiorgane viel zu schaffen machten. Die Zeit und ihr Wechsel hat alles ausgeglichen; denn heute existiren beide friedlich neben einander, und nur noch die Mode nimmt Korrekturen an ihnen vor ohne Rücksicht auf Rang und Gesinnung ihrer Träger.

* Ein alterJunggeselle findet ein Haar in der Suppe. Mit freundlichem Lächeln wendet er sich zur Köchin mit der Be­merkung : „Ich danke Ihnen, Josephine, für das zarte Angebinde. Ich bitte nur, mir dasselbe das nächste Mal in einem Medaillon zu serviren."

sSelbsterkenntniß.j „Du, Juste, warum hast Du denn Deine Herrschaft jekündigt?" — „Na, weeßt De, an so'ne Herr­schaft, die 'n Mädchen, wie mich, so lange behält, kann doch nischt dran sein."

(Rücksichtsvoll.) „Nun sagen Sie blos mal, Sie ver-- kehren doch schon seit Jahren in der Familie des Oberlehrers S., weshalb Heiratheu Sie denn nicht eine von seinen 5 Töch­tern?" — „Hm! Ja, wissen Sie, ich möchte nicht gerne den übrigen vor den Kopf stoßen!"

(Boshaft.) „Hast Du schon gehört, daß hier ein neues Operetten-Theater gebaut werden soll?" — „Nein — wozu denn?" — „Jedenfalls, um einem schreienden Bedürfniß abzuhelfen?"

(Wörtlich genommen.) In einer Wirthschast bestellt ein Gast zwei weiche Eier, und ein anderer ruft dem davon­eilenden Kellner zu: „Mir auch zwei, aber frische!" Kell­ner in der Küche: „Vier weiche Eier, zwei mikfst-7-ffrisch sein!x"

(Wissenschaftlich.) Professor (zu seinem weinenden Töchterchen): „Höre doch auf mit D-knem Weinen! Sieh, Thrä- nen helfen ja gar nichts. Ich habe sie untersucht, und was sind sie? Ein wenig Kaliumphosphat, Chlor und das Uebrige — Wasser!"

(Höherer Befehl.) Hauptmann: „Also, wenn ich meine Befehle ertheile, und es fragt Euch Jemand, wer's befohlen habe, dann sagt Ihr, es müsse auf „hohen Befeyl" geschehen; wenn ihr aber sagen müßt „auf höheren Befehl", wer hat dann be­fohlen?" Kautke: „Die Frau Hauptmann."

(Aus der Schule.) Der Lehrer läßt in einer Klaffe Beispiele zu dem Sprichwort „Borgen macht Sorgen" bilden und richtet folgende Frage an die Klasse: „Wenn ich mir beim Schneider ein Paar Hosen bestelle, und ich kann sie nachher nicht bezahlen — was habe ich bann?" Der kleine Fritz: „Pump­hosen!"

(Kleiner Unterschied.) Max: „Da wird aber Dein Vater einen panischen Schrecken gehabt haben, als Du vom Apfelbaum herunter fielst?" Fritz (kläglich): „Nein, das nicht, aber einen spanischen Stecken!"

Literarisches.

„Van ussen Hierguede. Ein Preuweken iut ner platt- duitschen Mucke" betitelt sich ein Merkchen, das soeben in Pader­borner Mundart im Verlage der Bouisatius-Druckerei in Pader­born erschienen ist. Es ist eine allerliebste Sammlung von Sprichwörtern und Aussprüchen, wie sie nur in der urwüchsigen Volkssprache sich erhalten haben. Das Schristchen liest sich leicht auch für Denjenigen, welcher des Plattdeutschen nicht vollständig kundig ist. Dafür sorgen die in Klammern eingefügten „Ver- hochdeutschungen", sowie eine kurze Darstellung über die Laut- Verschiedenheit zwischen dem Hochdeutschen und dem Niederdeut­schen des Schriftchens, welches an der Spitze des letzteren abge­druckt ist.

Junge fette Gänse 0,60 Mk. per Pfd. Graue Bettfedern 1,30 M.p. Pfd. Gute kraft. Gänse­federn 2,— Mk. per Pfd.

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J>r. <J. Lucanus, Augenarzt in Hanau,

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