17. Jahrgang
Samstag, den 26. April 1890
AS 95
Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.
Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Psg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
In harter Schule.
Roman von G. I.
(23. Fortsetzung.)
Man wird doch aber auf die Mittheilungen des Herrn Grafen zurückkomrner, Essen/'.
„So stellen Sie Mich als einen Feind, als einen Eifersüchtigen, üts einen verschmähten Bewerber dar. Ich gebe Ihnen plein pouvoir."
„Und wenn es nicht gelingt, den Lieutenant zu übertölpeln?" fragte der Oberst.
„Dann ist die Tölpelei auf Ihrer Seite und Sie haben die Folgen zu tragen. Bringen Sie mich jetzt ohne Geräusch wiebe^ hinunter. Für heute sind unsere Verabredungen get'^fsen. Meine Damen, ich habe die Fr/' Mch Ihn m ganz gehorsamst zu empfehlen." r£Leiner cT*n Verbeugung verließ er, vom Obersten gefolZ^mer.
D W,t Mensch, wie ich ihn hasse!" knirschte HEenst r^d sah ihm mit Blicken wie Dolchspchen nach.
s r / fiebe ihn wahrlich auch nicht," nickte Madame, "E pabe auch keine Ursache dazu, aber wir dürfen J??, ihn nicht zum Feinde machen. Er hat uns in mden."
„Wissen wir nicht ebenso viel von ihm rote er von Das würde uns in diesem abscheulichen Lande
Gehaltsaufbesserung für Deamte und Lehrer.
Die Vorlage in Betreff der Diensteinkommens-Verbesserungen der preußischen Beamten ist bekanntlich am Dienstag Vormittag dem Abgeordnetenhause zugegangen. Es handelt sich darnach um Einkommens-Verbesserungen zum Betrage von 18 Millionen Mark. Es ist dies derjenige Betrag, welcher nach dem Etatsentwurf ursprünglich zu außerordentlicher Schuldentilgung bestimmt war. Von dem Betrag von 18 Millionen Mark entfallen 15 Millionen Mark auf Staatsbeamte und 3 Millionen Mk. auf Volksschullehrer. Die 15 Millionen Mark für Staatsbeamte vertheilen sich mit 10,510,000 Mark auf die etatsmäßigen unteren Beamten, mit 1,994,000 Mk. auf Beamte der mittleren Stellen, mit 1,325,000 Mk. auf diätarische Beamte und mit 1,170,000 Mk. auf neue. Stellenzulagen. Eine dem Etat beigefügte Denkschrift theilt darüber Folgendes mit:
Bei den nachfolgenden Borfchlägen wegen der Gewährung von Tiensteinkommensverbesserungen aus dem einstweilen unter Kap. 37 Tit. 2 des Entwurfs zum Staatshaushaltsetat für 1890/91 in Ausgabe gestellten Betrage von achtzehn Millionen Mark ist davon ausgegangen, daß zur Zeit noch darauf verzichtet werden muß, auch nur für die mittleren und unteren Bcamtenklasfen die Tiensteinnahmen durchweg auf diejenigen Beträge zu erhöhen, welche als das Ziel der von der Staatsregierung erstrebten allgemeinen Erhöhung der Diensteinnahmen der Beamten ins Auge zu fassen sein würde, daß es sich vielmehr gegenwärtig nur darum bandeln kann, innerhalb der durch den Betrag der verfügbaren Mittel gezogenen Grenzen Einkommensverbesserungen für diejenigen Beamtenklassen, bei welchen dazu ein besonders dringendes Bedürfniß obwaltet, insoweit eintreten zu lasten, als zur Abhilfe dieses dringenden Bedürfnisses erforderlich ist. Die darnach für jetzt zu berücksichtigenden Beamtcnklassen sind insbesondere nahezu fämmt- liche Klaffen der u nteren Beamten,fowie einzelne Klaffen von mittleren Beamten und die Bolks- schullehrer. , t „ „
Da auch innerhalb der zu berücksichtigenden Beamtcnklasten das Bedürfniß der Diensteinkommensverbesserung seinem Maße nach ein sehr verschiedenes ist, so würde eine etwaige gleichmäßige procentuale Erhöhung der seitherigen Gehälter ein geeignetes Mittel zur Befriedigung des Bedürfnisses nicht bieten. Gegen ein Borgehen auf diesem Wege spricht aber, was die vornehmlich in Betracht kommenden unteren Beaißten betrifft, auch noch der weitere Umstand, daß es in höherem Grade wün- fchenswerth erscheint, in Verbindung mit der Erhöhung der Gehälter zugleich auch eine allgemeine anderweite Regelung derselben zu dem Zwecke vorzunehmen, um die gegenwärtig bestehenden zahlreichen Verschiedenheiten in den Besoldungsfätzen, soweit diese Verschiedenheiten, wie vielfach der Fall, der inneren Berechtigung entbehren, zu beseitigen und für den gesammten Bereich der'Staatsverwaltung alle unteren Beamten in bestimmte Befoldungsklassen nach dem Grundsätze einzureihen, daß überall für gleichwerthige Stellung und Obliegenheit auch gleiche Besoldung gewährt wird. Eine solche Regelung liegt ebenso tm Interesse der Beamten selbst, welchen die bisherigen Ungleichheiten vielfach begründeten Anlaß zur Klage boten, rote in demjenigen der Verwaltung, welcher bei dem jetzigen Zustande häufig
Fuldaer Zeitung
Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. — - Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß).
die Besetzung der geringer dotirten Stellen mit geeigneten Personen Schwierigkeiten bereitete. Auch ermöglicht eine Zusammenfassung der Beamten in größere Besoldungsktaffen in weiterer Ausdehnung als gegenwärtig, im Bereiche jeder einzelnen Verwaltung die im Interesse der Beamten wünschenswerthe Bildung von Besoldungsgemeinschaften, innerhalb welcher ein Aufrücken in die höheren Gehaltsstufen stattfindet.
Die Anlage 2 enthält die Zusammenstellung der dem Vorstehenden nach für die unteren Beamten zu bildenden Besol- dungsklasfen und weist nach, in welche derselben jede einzelne Kategorie von Beamten eingcreiht werden soll, unter Angabe der jetzigen Besoldungen, sowie des künftig erforderlichen Mehrbedarfs. Jnsgesammt berechnet sich der letztere auf rund 10,511,000 Mark, das heißt rund 13 Prozent der bisherigen gesammten Besoldungen der unteren Beamten.
Für welche Klassen von Beamten der mittleren Stellen und in welchem Betrage für jede einzelne dieser Klassen eine alsbaldige Erhöhung' des Diensteinkommens als ein besonders dringliches Bedürfniß zu erachten ist, ergiebt die Anlage 3. Ter gelammte hierdurch erwachsende Mehrbedarf berechnet sich aus rund 1,994,000 Mark.
Neben der vorerörterten Erhöhung der Gehälter für etatsmäßige Beamte erscheint auch eine Verbefferuug der Einkommens- Verhältnisse der diätarisch beschäftigten Beamten des unteren und des Bureau - Dienstes, sowie der bei einzelnen Verwaltungen, namentlich der Gestüt-Verwaltung, im Lohn-Verhältnisse stehenden Bediensteten erforderlich und bedarf es hierzu für die meisten Verwaltungs - Zweige der Bereitstellung erhöhter Mittel. Auch in dieser Beziehung kann aber zur Zeit nur dem dringendsten Bedürfniß Rechnung getragen werden, und es ist daher im Allgemeinen nur eine Verstärkung der Fonds zur Remunerirung von Diätarien im Ilnterbeamten-Dienste bezw. zur Löhnung derartiger Bediensteter, um etwa 10 Prozent, derjenigen zur Remunerirung von Diätarien im Bureau-Dienste um etwa 5 Prozent in Aussicht genommen. Der gejammte Mehrbedarf für alle in Bktraäbt kommenden Kategorien berechnet sich, rote Anlage 4 ergibt, auf 1,325,000 Mark.
Cs wird sodann beabsichtigt, das Dienst-Etnkommen der Lehrer und Lehrerinnen an Volksschulen durch weitere Ausgestaltung des bestehenden Systems der staatlicherseits gewährten Dtenst- alters-Zulagen zu verbessern, und zwar in der Weise, daß statt der gegenwärtigen Regelung, wonach Dienstalters-Zulagen nach einer Dienstzeit von bezw. 10, 20 und 30 Fahren in Beträgen von 100, 200 und 300 Mark an Lehrer, sowie von 70, 140 und und 210 Mark an Lehrerinnen gewährt werden, eine anderweite Regelung erfolgen foll, daß 'die Alters-Zulagen nach einer Ttenst- -eit von bezw. 10, 15, 20, 25 und 30 Tienstjahren in Beträgen, von jährlich 100, 200, 300, 400 und 500 Mark an Lehrer, sowie von 70, 140, 210, 280 und 350 Mark an Lehrerinnen gewährt werden. Der dadurch erwachsende Mehrbedarf ist auf rund 3,000,000 Mark zu veranschlagen.
Endlich ist als nothwendige Ergänzung der vorbemerkten Maßnahmen und zur Vermeidung sonst fortdauernder Unzufriedenheit in Aussicht genommen, in weiterem Umfange als bisher bei verschiedenen Klassen von mittleren und unteren Beamten, und zwar sowohl solchen, deren Gehälter erhöht werden, als auch solchen, bei denen dies nicht der Fall ist, für einzelne Dienst- Stellen besondere Stellen - Zulagen zu gewähren. Es soll dies geschehen für solche Stellen, bereit Wahrnehmung wegen der Art ober des Umfanges ber Obliegenheiten besonders schwierig, verantwortungsvoll oder gefährlich ist, oder bei welchen mit außergewöhnlich ungünstigen örtlichen Verhältnissen — wohm unter Umständen zum Beispiel auch besondere Theuerungs-Verhältnisse zu rechnen sein würden — zu kämpfen ist, überhaupt für Stellen bei welchen besondere Umstände irgend welcher Art es gerechtfertigt und beziehungsweise zur Ermöglichung einer geeig- roenig nützen. Wir können ihm nicht schaden, ohne uns zu verderben! Darum Ruhe, Schweigen, Abwarten. Untere Zeit wird kommen."
IX.
„Herr Gras von Falkenburg," meldete der Diener.
Führen Sie ihn in den blauen Salon", antwortete Fräulein von Reina und schritt selbst nach wenigen Minuten durch mehrere Gemächer dem bezeichneten Raume zu, in welchem ihre Mutter meistens die Visiten empfangen hatte und wo sie deshalb auch den Besuch des Grasen entgegenzunehmen für statthaft sand.
Die Februarfonne schien warm und hell durch die laubleeren Bäume des Gartens, nach dem die Fenster des Salons gingen, sie warf ihren Strahl durch die hohen Spiegelscheiben dieser Fenster und gab der Einrichtung, in welcher lichtes Blau und Silber vorherrschten, die entsprechende Beleuchtung. Die Wände waren mit blauem Seidenstoff bekleidet, der durch breite Silberleiften in Felder gecheckt war, und um welche ein Fries und ein breiter Fuß von schwer versilbertem geschnitztem Holze lief. Auch die Decke, von der em silberner Kronleuchter herabhing, war m Blau und Silber gemalt. Von schwer versilbertem Holze waren die Möbel, die Polster, der Divan, die Fauteuils und sonstigen Stühle aus lichtblauer Seite, ebenso die Portieren und Vorhänge. Spiegel in schweren Silberrahmen hingen zwischen den Pfeilern der Fenster,
neten Besetzung geboten erscheinen lassen, dem Inhaber ber Stelle für bie Dauer des Verbleibens in berselben ein höheres Dienst- Einkommen, als bie normalmäßige Besoldung der betreffenden Beamten-Kategorie, zu gewähren.
Solche Stellen-Zulagen sind, theils unter dieser Benennung, theils unter der Bezeichnung von Funktions-Zulagen, schon gegenwärtig mehrfach im Staatshaushalts-Etat ausgebracht, so für Oberförster, Förster und Waldwärter, für Kreis-Thierärzte, für Kreis-Physiker; ferner für die Vorsteher der Central-Bureaus in den Ministerien u. f. w., für Kanzlei-Inspektoren und für Botenmeister bei verschiedenen Provinzial-Behörden, für erste Geschäftsdiener bei Gerichts-Behörden, für verschiedene Beamte der Ge- fängniß- und der Strafanstalts-Verwaltung. Insbesondere sind auch in dem Entwürfe zu dem Staatshaushalts-Etat für 1890/91 insgefammt 1,020,000 Mark zu Stellen - Zulagen für untere Beamte der Eisenbahn-Verwaltung und 40,000 Mark zu Stellen- Zulagen für Stations - Assistenten neu ausgebracht. Auch bie Dienst-Einkünfte, welche unter ber Bezeichnung als Lokal-Zulagen im Bereiche mehrerer Verwaltungen an Beamte in Berlin nnb Frankfurt a. M. gewährt werben, finb unter die Stellen-Zulagen mit zu begreifen.
Um nicht zum Nachtheile des Dienstes die Verfetzbarkeit der betreffenden Beamten zu erschweren, und da auch an sich keine Veranlassung vorliegt, diese Zulagen bei Berechnung des Ruhegehaltes mit zu berücksichtigen, sollen dieselben fortan nur als nicht pensionsfähiges Dienst-Einkommen bewilligt werden, und es sollen auch bei denjenigen Beamten, welche derartige Zulagen gegenwärtig als pensionsfähige beziehen und deren Gehälter jetzt erhöht werden, die jetzigen Zulagen auf die Gehalts-Erhöhung angerechnet und durch entsprechende nicht pensionsfähige Zulagen ersetzt werden.
Sollte mit der Ausdehnung des Systems der Stellenzulagen in dem an sich für wünfchenswerth zu erachtenden Umfange vorgegangen werden, so würde es dazu der Bereitstellung einer Summe von mehr als 3,000,000 M. bedürfen. Da indessen von den jetzt zu Einkommensverbesserungen äußersten Falls zur Verfügung stehenden 18,000,000 M. nach Berücksichtigung der daraus dem Obigen nach zunächst zu befriedigenden —
nur noch ein Betrag von 1,170,000 M. verbleibt, so kann zur Zeit auch nur die Verwendung dieses Betrages zu Stellenzulagen in Aussicht genommen werden, und müssen demgemäß bie bisher in dieser Beziehung geltend gemachten Anforderungen eingeschränkt werden.
Wie aus der vorstehenden Denkschrift sich ergibt, sollen alle unteren Beamten Besoldungserhöhungen erhalten ; von den mittleren sind solche den folgenden zugedacht:
Oberförster, Verwalt. Revierförster, Hauptzoll- und Haupt- steueramtskontroleure; bei ber Bergwerks- tc. Verwaltung: Obere Werksbeamte; bei ber Eisenbahnverwaltung: Lokomotivführer unb Maschinisten, Kanzlisten nnb Zeichner, Betriebs- sekretaire; Stationsvorsteher 2. Klasse, sowie Schiffskapitäne 1. Klasse; Stationseinnehmer, Güterexpebienten unb Güterkassirer; Werkmeister, Bahnmeister, Stationsaufseher unb Stationsassistenten, sowie Schiffskapitäne 2. Klasse: bei der Bauverwaltung: Bauinspektoren, Maschinisten, Schiffsführer u. s. w.; Hanbels- und Gewerbeverwaltung: See-Oberlootsen rc.; Justizverwaltung: Gerichtsvollzieher, Gefängnißinspektoren; Verwaltung des Innern: Bezirksförster in Sigmaringen: Landwirthschaftliche Verwaltung: Bauinspektor, Meliorationsbauinspektoren; Ministerium ber geistlichen io. Angelegenheiten: Bauinspektoren, Zweite Lehrer an Präparanbenanstalten, Hilfslehrer an Seminaren in ben Provinzen, Elementar- unb technische Lehrer an ben höheren Unterrichts-Anstalten in ben Provinzen._____________________________
ringsum an dm Wänden sah man silberne Wandleuchter, ein dunkelblauer Teppich bedeckte den Fußboden und dämpfte jeden Schritt. Zwei schöne Marmorgruppen vor den Fenstern, so daß man sie umgehen und das einfallende Licht ihnen die geeignete Beleuchtung geben konnte, waren der einzige künstlerische Schmuck des Gemaches, in dem man nichts von jenen Nippesfiguren und Spielereien sah, mit denen ost die Zimmer überladen werden.
Es war ein Zufall, aber ein sehr anmuthiger Zufall, daß Leontine mit der Einrichtung des Salons übereinstimmend, ein blaues, schlicht bis an den Hals heraufaehendes Seidenkleid, mit seinen gestickten Batist- streifeu um Hals und Aermel trug und daß Brache und Ohrringe aus kunstvoll gearbeiteten silbernen Blättern bestanden. Die schöne, schlanke, aristokratische Gestalt hob sich von diesem Hintergründe vorzüglich ab, das reiche blonde Haar war kunstlos aufgesteckt und von einem blauen Bande gehalten.
Mein gnädiges Fräulein, Sie sehen einen Sünder vor sich, der sich Ihnen in Verzweiflung naht, nicht um Ihre Verzeihung zu erflehen, sondern um sich Ihnen in unbeschränktester Weise zur Verfügung zu stellen," begann der Graf, der sich bereits im Salon befand, sobald er ihrer ansichtig ward.
„Ich mißtraue den Leuten, die in Superlativen reden", dieser Ausspruch ihrer Mutter fiel Leontine