1
M
„Jahre lang hörte ich von Hortense nichts; erst im vorigen Jahre habe ich sie unter ihrem jetzigen Namen mit ihren beiden Helfershelfern, welche bald die zärtlichsten Verwandten, bald die treuen Diener spielen, in Baden-Baden getroffen, konnte damals aber nicht bemerken, was zu dem Verdachte Anlaß gegeben hätte, sie habe es wiederum auf Opfer abgesehen. Sie hielt sich von den Spielsälen fern und führte ein ver- hältnißmäßig eingezogeues Leben. Ich beobachtete sie aus der Ferne, überzeugt, daß sie wieder etwas im Schilde führe.
„Eines Tages redete mich auf der Promenade ein Knabe an und bat mich, ihm zu folgen, eine Dame wünsche mich zu sprechen. Ich willigte ein und er geleitete mich zu einem einsamen Platze, wo meiner eine schwarzgekleidete, tief verschleierte Dame wartete. Sie
„Ich erwiderte ihr, Baden-Baden scheine mir nicht gerade der geeignete Ort, in sich zu gehen, indeß ich sei nicht ihr Richter, ich würde schweigen, bis ich Jemand wieder durch sie in Gefahr gebracht sähe, dann aber würde ich reden.
„Sie gab mir, wie gesagt, in jenem Jahre keinen Anlaß zum Verdacht und ich konnte ihre Annäherung auch in der letzten Saison nicht gut von mir weisen. Lassen Sie mich Ihnen das Geständniß machen, daß ich es auch nicht wollte. Mich interessirte zu wissen, wohin sie eigentlich steuerte — erst durch Sie habe ich es heute erfahren —, sie wollte eine reiche Heirath machen. Ihr Onkel ist zum Opfer ausersehen. Ich habe meine Drohung wahr gemacht und ihn gewarnt; was blieb mir weiter zu thun übrig?"
Er schwieg. Ulrich hatte ihm, ohne ihn ein einziges Mal zu unterbrechen, zugehört. Die Handlungsweise des Grafen erfchien ihm keineswegs im milden Lichte; am liebsten hätte er ihm das Wort: „Ehrloser!" zugedonnert, aber er gedachte des Leontine gegebenen Versprechens.
trat näher, schlug den Schleier zurück und sank mir zu Füßen. Es war Hortense. Mit Thränen beschwor sie mich, Niemand von ihrer Vergangenheit etwas zu
--- ;--v—- ..... — —j sagen, sie wolle jetzt still und ruhig durch die Welt
denn als ich mich^ in Hamburg, woher der junge | gehen, ich möge dm Schleier nicht lüften, der entsetz- «n n. .l- —- Ä r * liche Ereignisse verhülle.
Mann stammte, nach jenem Handlungshause erkundigte, sagte man mir, der Besitzer sei gestorben, die Firma in fremde Hände übergegangen und von dem Sohne wisse man nichts, er sei verschollen. Der Vater hätte ihn übrigens enterbt, das große Vermögen sei an einen Fremden gefallen.
hört, ob es ihm geglückt ist, sich durch die Flucht zu reiten, ob er noch in den römischen Gefängnissen schmachtet, oder ob er den Tod gesucht und gefunden hat. Das Letztere scheint mir das Wahrscheinlichste,
Roman von G. I.
(19. Fortsetzung.)
„So ärgerlich ihr Treiben war, muß ich doch ge- stehm, daß sie mir in dieser Gestalt noch am Erträglichsten erschien. Sie trug doch wenigstens keine Maske, sie zeigte sich wie sie war; wer ihr jetzt zum Opfer fiel, war wenigstens sehenden Auges in sein Verderben gerannt.
„Weit schlimmer war es im nächstm Jahre in Rom. Sie hatte sich wieder in den Mantel der Sittsamkeit gehüllt, spielte die Kunstmthusiasttn und veranlaßte ihre Verehrer, rasende Summen für Gemälde und Kunstschätze auszugeben, die sie unter der Hand schleunig wieder zu Geld machte. Am Uebelsten soll es dabei einem jungen Deutschen, dem einzigen Sohn eines reichen Banquiers, ergangen sein. Der junge Mayn verbrauchte ungeheure Summen, da ihm oblag, die Vorliebe der Dame für Gemmen, geschnittene Steine und antik gefaßten Schmuck zu befriedigen. Der Vater weigerte sich endlich weiterer Geldsendungen; so wußte sie ihn zu bereden, Wechsel auf den Namen der Firma zu fälschen und als sie auch das dafür erlangte Geld eingeheimst, ward er ihr unbequem. Sie entledigte sich seiner, indem sie ihn heimlich als Fälscher denun- cirte. Man fahndete auf ihn, ich habe aber nicht ge-
Dnick u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß).
i k ?le -3*0-' bezeichnet in ihrer Nr. 85 vom Nationalität
Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.
Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Die Möglichkeit eines „Eentrums" in Gesterreich.
Katholiken zum Leitstern wurde, wohin sie ihre Schritte lenken sollten, so muß dieses wahrhaft teuflische Geheul lebem österreichischen Katholiken, welcher auch angehören mag, vollends die Augen öffnen. Oesterreich mit seinen 96°/0 Katholiken MJett zwei Decennien ein Schulgesetz, welches in
Mit der Erklärung der Bischöfe ist auch eine ernste Pflicht der Wähler viel klarer und dringender geworden. Kein Katholik darf bei den nächsten Wahlen einem Manne seine Stimme geben, der nicht vorher versprochen, an
Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig
3. Bei Anstellung h« L-br-r «.* --rr—-—
Schulen ist den Organen der katholischen Kirche jene Einflußnahme zu gewähren, welche nothwendig ist, um sich der eutsprechenden Wirksamkeit des anzustellenden Bewerbers zu vergewissern.
4. Der Religions-Unterricht ist an diesen Schulen durch Mitverwendung des Lehrers zu erweitern und der übrige Unterricht, die Lehrpläne, sowie auch sämmtliche Lehr- und Lernmittel so einzurichten, daß darin nicht nur nichts vorkomme, was für katholische Kinder anstößig wäre, sondern A l le s in einheitlicher Beziehung zu dem katholischen Charakter der Schule stehe.
5. Was die Beaufsichtigung der katholischen Volksschulen uud Lehrerbildungsanstalten betrifft, so ist e^ der Kirche zu ermöglichen, den konfessionellen Charakter durch ordnungs- mäßig von ihr bestellte Organe nach allen Richtungen in wirksamer Weise zu wahren und zu fördern.
War, so fragt sich nun der Verfasser des Artikels, diese Erklärung opportun? Wenn noch irgend ein Zweifel daran möglich wäre, erwidert er, die liberal- jüdffche Presfe hat die Lösung gegeben. Ein wahres Wuthgeheul ist gegen die rettende That der Bischöfe losgebrochen; mit Hohn, Spott, Gift und Geifer sind die Worte der Hochwürdigsten Herren Bischöfe überschüttet worden. Wie aber zur Zeit des Concils gerade die Wuth der grimmigsten Gegner der Kirche gegen die Erklärung der Unfehlbarkeit für manche schwankende
der Regel ohne Vermischung mit Kindern Konfessionen zu besuchen.
n . 2' Äs' katholischen öffentlichen Volksschulen haben sämmt- VAe. der katholischen Kirche anzugehören, sind für dieselben an katholischen Lehrerbildungsanstalten auszubilden und haben auch die Befähigung zur Erthei- !rw"e?ben k°th°lischen Relig i°'nsun?errichtes'zu
ba§ Programm der fVIrn-lUtreten- Das ist Gewissenssache. .au§ dem unumstößlichen Satze: Jede Rücksicht, set es auf Freunde, sei es auf Sprache, sei es auf Nationalität, muß zurück- treten vor der hetltgsten Gewissenspflicht, seinen Kin- dem und den Kindern seiner Mitbürger eine christliche Schule und Erziehung zu ermöglichen. Das ist nur möglich, wenn die Forderungen der Bischöfe erfüllt Ä' .Die Bischöfe haben mit Berufung auf ihr Se SR&?1 se FSerungen erhoben und damit zugleich die Pflicht der Gläubigen außer Zweifel gesetzt: die Mchst°n a6" Smi •»» d-°
gegen ine Entscheidung. Ist damit, fragt nunmehr d!r Verfasser 6 &on" ' die Möglichkeit des vielbesprochenen und viel Sösterreichischen Centrums gegeben? Wir stehen heute, erwiedert er, ttotz klarer Erkenntniß ^ rä^bn Schwierigkeiten nicht an, die Bildung eines tnenh ^f1 ntrum$ tn Oesterreich nicht nur als noth- wendig, sondern auch als möglich zu behaupten.
(Schluß folgt.)
^Dienstag,den 22. April 1890. 17. Jahrgang
Fuldaer Zeitung.
Ji H _ Druck u. Verlaa hpr ... ~
Deutsches Keich.
Berlin, 19. April. -. --------^Das..Pch o.e n_r. ttu
Abgeordneter v. Czarlinski (Pole) bestritt die gestrige Behauptung des nationalliberalen Abgeordneten Dr. Sattler, die Polen suchten systematisch die Deutschen in den östlichen Landestheilen zu polonisiren; er erklärte, daß man sich bei solchen Behauptungen unwillkürlich umsehen müsse, wer denn den Beruf des Dr. Wehr rühmlichen Andenkens übernommen habe. Abg. Johannsen (Däne) erinnerte daran, daß der Kultusminister einmal bemerkt habe, den Polen und Dänen gegenüber werde er sich immer gleich bleiben. Doch vielleicht könne man ihm sagen: „Balde, ach! balde findest auch du — dein Friedrichsruh!" (Große Heiterkeit.) Redner polemisirte sodann gegen einige Behauptungen, die der nationalliberale Abgeordnete Jürgensm bei der zweiten Lesung aufgestellt. Die Abgeordneten Knörcke (dfr.) und Freiherr v. Zedlitz sprachen sich im Namen ihrer Parteien gegen den Windthorft'schen Schulantrag aus. Einer Revision des Gememde-Kirchen- vermögens - Gesetzes hingegen war der freikonservative Redner nicht abgeneigt, da er eine Fortentwickelung der Selbstverwaltung auf allen Gebieten wünsche, wobei es allerdings darauf ankommt, wie er sie will. Doch müßten auch die Protestanten an einer Reform
,1.?, d- einen im ersten Aprilhefte der ,Historisch-poli- tlschen Blatter erschienenen Artikel mit obiger Auf- schnft als „interessant und lobenswerth". Indem w r I Wiber'ftrei?"mi^.7»77"'7 77 weicyes tn
S™ ®ä“K "* -"-""--ich ** Dienst',U
Ter SBertaffer knüpft frine »ärterung™ an die S
Erklärung an, welche die Schulkommission des öfter- ft* T^rr r?n7 katholischen Oesterreicher haben reichischen Herrenhauses am 12 v L j» eben bi em ÄiL lQffen' baV‘-e Se^rer ^rer Kinder heranhohen Hause bezüglich der Schulfraqe abgegeben bat M F9ett Chnstenthum und
In Vertretung des gesammtlnöfter? idSbÄ Zehrer öffentlich als Feinde Pates haben die drei Unter eichnerdiff!r Erklä?una' m^?'Z7°"^raten, daß die Schulbücher ihrer katho- nämlich Franz Kardinal von Schönborn, Fürsterzbischch Lehren bie
von Prag, Johannes flweraer Jürftbiscbns nnn I ? rr « ■ Kirche enthielten. Ohne Kon-
6n„R79:; ° ,ne ^brm'schunq mit Kindern anderer l Wiederum em eigentliches Prv-
Sonfe.f,nne„ duft der konfessionslosen Staatsschule. Die Solial-
i demokratie und Anarchie erklären laut die konfessionslose Schule und die moderne glaubenslose Wissenschaft für ihren besten Bundesgenossen.
Alle Katholiken, fährt dann der Verfasser fort I nachdem er einzelne Wuthausbrüätze der liberal-jüdischen I gegeben hat, alle Katholiken, die es ehrlich mit ihrem Glauben und der Kirche meinen, müssen das Programm der Bischöfe zu dem ihrigen machen. Die Forderungen der Bischöfe enthalten nichts, was nicht die Kirche wiederholt als unbedingtes Recht beansprucht hat: von Uebertreibnng kann keine Rede sein. Die Bischöfe haben aber auch jetzt ganz deutlich gesprochen, und es darf jetzt keinem Katholiken mehr einfallen, aus politischem oder nationalen Gründen Opposition gegen diese Erklärung zu machen ober diesem Programm seine Mithilfe zu entziehen. Politik und Nationalität kommt erst an zweiter Stelle, zuerst steht die Pflicht gegen Gott und den Ausspruch der von ihm bestellten Hirten. Mag also auch Jemand ein noch so begeisterter Pole, Czeche, Deutscher sein, in dieser Frage ist er nicht mehr frei: Opposition gegen das Programm der Bischöfe wäre eine Versündigung an der katholischen Kirche.