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Sonntag, den 20. April 1890.

Druck u. Verlag der Fuldaer Aetlendruckerei (PH. Reuß).

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen.

Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

__ _____________ 17. Jahrgang

Fuldaer Zeitung Für bw Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. .. , .... Druck u «,rtan h,r »„rh™.

In harter Schule.

Roman von G. I.

(18. Fortsetzung.)

„Fräulein von Reina besitzt einen bewunderns- werthen Scharfsinn; ich kann allerdings etwas von Mademoiselle de Barras erzählen und habe keinen Grund, damit zurückzuhalten, nur sehe ich immer noch nicht ein, was das nützen soll. —"

„An der Hand solcher Thatsachen wird es ihr ge- lingm, ihren Vater der Sirene abwendig zu machen."

„Da kennen Sie die dämonische Macht dieser Per­son wenig, der Baron wird dabei bleiben. Alles sei ein hellloses Lügengewebe, ersonnen, die reinste Unschuld ju. schwärzen. Ihr kann Keiner widerstehen. Wagen feie sich in Ihren Dunstkreis und Sie sind verloren" rtt f“rt^e ich doch nicht," lachte Ulrich, „im Gegentheil, ich bin entschlossen, den Kampf mit ihr zu wagen.

®*e' Sie stürzen sich in's Verderben." „Richt doch. Geben Sie mir die Details. So bewaffnet, suche ich. die Bekanntschaft meiner Tante in spe zu machen, ich führe mich bei ihr ein und in Gegen­wart meines Onkels reiße ich ihr die Larve vom Ge­sicht, schleudere sie zurück in das Nichts, aus dem Sie hervorgegangen ist. Bitte, Herr Graf, geben Sie mir

geldergesetzes sprach er seinen Dank aus und wünschte nur, daß es auch in Form und Inhalt für Alle an­nehmbar sein möge. Abg. Dr. v. Stablewski (Pole) führte Beschwerde über die Unterdrückung der polnischen Sprache und Nationalität und erwartete von dem neuen Ministerpräsidenten eine bessere Behand­lung. Abg. Jmwalle (Centrum) trat lebhaft für eine Gehaltsaufbesserung der Professoren am Lyceum Hosianum in Braunsberg ein. Kultusminister v. Goßler versprach eine solche im nächstjährigen Etat. Abg. v. Strombeck (Centrum) brachte Material bei über die Verhältnisse der Missionspfarrer, zur wohlwollenden Prüfung durch den Minister und die Parteien, namentlich in Bezug auf die vom Minister für die Gehaltszuschüsse aufgestellte Erforderniß der „festen Anstellung". Hierauf glaubte der unvermeidliche, wie die .Germania' ihn nennt, „ober-nationalliberale" Herr v. Eynern es seinen Wählern schuldig zu sein, dem Abg. Windthorst zu entgegnen. Er erregte, wie ihm das häufig passirt, unbeabsichtigte Heiterkeit, als er zu seiner Genugthuung konstatirte, daß aus der Rede des Ministers v. Goßler „ein frischer, fröhlicher Wind geweht" habe. Erasmus von Rotterdam meinte ferner, Windthorst wolle mit seinem' Schulanttage eine Katastrophe inner­halb seiner eigenen Partei machen; doch er — v. Eynern — hoffe, daß sich die Spaltung im Centrum, die sich so hoffnungsvoll (!) in der be­kannten Stellungnahme der 36 rheinischen Adligen ge­zeigt, noch immer mehr verbreitern werde. Gelächter im Centtum war die einzig richtige Antwort auf diese politische Weisheit. Abg. Dr. v. Stablewski (Pole) wies den Vorwurf zurück, die polnische Geistlichkeit suche die deutschen Katholiken zu unterdrücken und zu polonisiren; hiergegen erhob der nationalliberale Abg. Dr. Sattler mit der ihm eigenen Emphase Wider­spruch. Derselbe erklärte auch, man müsse nicht nur das Deutschthum zu retten und die Eroberungen des Polonismus rückgängig zu machen, sondern auch das „Vordringen des Germanismus" zu fördern suchen. Das Haus vertagte sich schließlich auf morgen 2 Uhr.

* Der Bundesrath hat gestern der vom Reichs­tag beschlossenen Abänderung zur Militär-Strafgerichts­ordnung (wonach verabschiedete Offiziere der Militär­gerichtsbarkeit nicht mehr unterliegen) zugestimmt und das Arbeiterschutzgesetz, sowie die Verordnung wegen Ausdehnung der Italien und Spanien zugestandenen ‘ Zollermäßigungen auf Marokkanische Provenienzen den i zuständigen Ausschüssen zur Vorberathung überwiesen. ! Das Gleiche geschah mit der Vorlage wegen Ermäßigung i des Posttarifs für Nachnahmesendungen. Die Post­verwaltung plant übrigens noch weitere Erleichterungen, darunter, wie verlautet, Herabsetzung des Portos für Drucksachen im Gewicht von über 50 Gramm.

* Die Eisenbahnkommission des Abgeord-

das Geschoß; es zu richten, es zu entsenden, sei meine Aufgabe."

Er war aufgesprungen und durchmaß einige Male mit hastigen Schritten das Zimmer. Auch Graf Kurt erhob sich. Langsam trat er an den Aufgeregten heran, legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte leise, aber jedes Wort scharf betonend:

„Junger Mann — so darf ich Sie nennen, denn ich bin an Jahren und noch weit mehr an trüben Lebenserfahrungen älter als Sie — junger Mann, die Geschichte steht Ihnen zu Diensten, aber ich warne Sie nochmals, sich ihrer, wie Sie sagen, als Geschoß zu bedienen, es fliegt auf Sie zurück."

„Seien Sie ohne Sorgen, ich bin gefeit," versetzte Ulrich mit einem leuchtenden Blick.

»Tu Fas voulu, George Dandin!“ sagte Kurt achselzuckend, „Wohlan, setzen wir Ms, und da unferc Unterredung sich doch etwas lang ausdehnen könnte, so erlauben Sie, daß ich für uns zuvor eine Erfrischung bestelle."

Er klingelte und befahl dem Diener, Wein zu brin­gen. Nachdem dies geschehen, schenkte er aus der auf silbernem Präsentirbrett stehenden geschliffenen Karaffe zwei grüne Gräser voll goldenen Rheinwein, präsenttrte Ulrich eine frische Cigarre, zündele sich selbst eine solche an und begann, sich bequem in den Fauteuil zurück-

l netenhauses hat die Tarifmäßigungsanträge des Aba. Brömel (freis.) abgelehnt.

* Der Bischof von Münster Dr. Hermann Dingelstad ist heute Abend hier eingetroffen und wird morgen vom Kaiser empfangen.

Ausland.

* Wien, 17. April. Pöbelkravalle im kleineren Style sind noch stets an der Tagesordnung, es zeigt sich hierbei ein großer Haß gegen die Juden und eine traurige Verrohung. Es kam mehrfach in den letzten Tagen vor, daß schulpflichtige Knaben zu den Exzessen haranguirten und Steine in die jüdischen Branntweiu- läden warfen. Das sind die Früchte der konfessions­losen Schule, die gerade von der liberalen Semiten­presse so sehr vergöttert wird. Auch im Rathhause kam es zu einer großen antisemitischen Demonstration, in­dem der Führer der „Vereinigten Christen" Dr. Lueger von den Massen aus der Sitzung mit brausenden Hoch­rufen heimgeleitet wurde und dann unausgesetzt Rufe: „Nieder mit den Juden" erschollen. Es scheint sich jetzt in Wien über die Häupter Israels eine sehr ernste Krise zusammenzuziehen. Man spricht übrigens auch von einem Wechsel in der Polizeidirektion, da sich der Kaiser über die Leitung derselben bei den letzten Pöbel- krawalleu ungünstig ausgesprochen hat. — In Ungarn sind in letzter Zeit wieder mehrfache antimonarchische Demonstrationen vorgekommen.

* DieStrikebewegung inBöbmen und M „ . hat Dimensionen angenommen, wie sie bisher nur in Belgien vorgekommen. Auch der Charakter ist wesent­lich derselbe. Gewaltsam haben strikende Arbeiter die Einstellung der Betriebe im ganzen Ostrauer Revier herbeigeführt. Web'- als 30,000 Arbeiter feiern, die mit ihren Familien - g^pölkerung von 100,000 Seelen repräsentiren. Die Deptzer der bedrohten Werke sind die Nordbahn, Erzherzog Albrecht, Gras Wilczek, Baron v. Rothschild, der Erzbischof von Olmütz, Gutt- mann, Müller, Aichholz, Fürst und Altgraf Salm und zwei Grafen Larisch. Die tägliche Gesammtproduktion beträgt 120,000 Meter-Centner. In Ostrau fand am Donnerstag Nachmittag ein Zusammenstoß zwischen Stickenden und den Truppen statt. Erstere griffen an, und der Kommandant ließ feuern, worauf drei Exze­denten tobt blieben und viele verwundet wurden. Viele Verhaftungen wurden vorgenommen. Später bedräng­ten die Exzedenten die Soldaten so stark, daß Verstär­kung gefordert werden mußte. Alle Kaufläden wurden geschloffen, die Bürger fürchteten für ihr Gut und Blut. In der Umgebung von Osttau kam es zu Raub und Plünderung durch herumziehende Schaaren Sttiken- der. Der Sttike hat wenig Aussicht, bald beigelegt zu werden. Die Grubenbesitzer werden sich heute über die zu ertheilende Antwort einigen. Die Industriellen lehnend und von Zeit zu Zeit aus seinem Glase nip­pend, seine Erzählung.

„Vor zehn Jahren, ich hatte erst ganz kürzlich die diplomatische Karriere betreten, befand ich mich bei der Gesandtschaft in Paris und lernte dort, wie, das ist ja gleichgültig, eine junge Schauspielerin vom Theater Porte St. Martin kennen, die durch ihre Anmuth, Naivetät und Zierlichkeit Alles entzückte. Sie galt für siebenzehn, höchstens achtzehn Jahre, einige böse Zungen wollten ihr aber vierundzwanzig nachrechnen, ebenso galt sie für tugendhaft, wozu ebenfalls Skeptiker die Achseln zuckten. Was soll ich es leugnen, ich selbst sann darauf, in ihre Nähe zu kommen, was gar nicht leicht war, da sie von einer angeblichen Mutter wie der Schatz eines Drachen gehütet wurde.

Deutsches Keich.

Berlin, 18. April.

* Im Abgeorduetenhause gelangte heute der Kultus-Etat in dritter Lesung zur Berathung. Abg. Dr. Windthorst entwickelte die unerfüllten Forderungen des Centrums, die schließlich in der einen zusammen­laufen: restitutio in integrum (Wiederherstellung des Zustandes vor 1870 für Kirche und Schule). Er be­klagte die Beseitigung der katholischen Abtheilung im Kultus-Ministerium, um so mehr, als die neueren Er­nennungen in demselben keineswegs zur Beruhigung der Katholiken dienen könnten. Weiterhin verlangte Redner eine bessere Regelung und Handhabung des Einspruchsrechtes, die Rückgabe der Sperrgelder, die Zulassung der Orden — wobei er auf die verschieden­artige Behandlung derselben hinwies — Regelung der Schulaufsicht, Regelung des Kirchenvermögens-Gesetzes. Der Eid der Bisthumsverweser gab ihm ferner Anlaß zur Beschwerde, sowie auch die ungelöste Altkatholiken- Frage — was Herr v. Lutz könne, werde doch auch Herrn v. Goßler nicht unmöglich sein. Auf eine ein­gehende Behandlung der Schulfrage ging der Centrums­führer heute nicht ein, da hierzu demnächst sein Schul- anttag Gelegenheit geben würde. Redner verwies zum Schluffe auf das Kaiserwort, daß Kirche und Schule heranzurufen sind zur Bekämpfung des Umsturzes; die jetzige Schule sei aber nicht christlich. Kultusminister v. Goßler erwiederte zunächst mit der Redewendung, daß die Regierung von allen ben verschiedenen Wün­schen ber einzelnen Gruppen ber Bevölkerung bie Diago­nale ziehen müsse unb bie Wünsche Einzelner nicht be- friebigen könne, wenn bie anberen Theile ber Bevölkerung dadurch beschwert werben. Der prak- ttsche Effekt tiefer Auffassung des Herrn Ministers war natürlich der einer durchgängigen Ableh­nung. Nur bezüglich ber Sperr - Gelber er­klärte Herr v. Goßler, baß in wenigen Tagen bem Hause ber erwartete Gesetzentwurf vorgelegt wer­den würde. Auch die Rede des konservativen Abg. Grafen Limburg-Stirum war durchaus ablehnend gegen­über den Forderungen des Centrums. Namentlich schien der Herr über die große (?) Anzahl von katholischen Ordensleuten in Deutschland bereits so entsetzt zu sein, daß er weitere „im Interesse des konfessionellen Frie- dens" weit von sich wies. In seiner Antwort gab Abg. Dr. Windthorst eine knappe Skizze der Geschichte des Kulturkampfes, um daran die Mahnung an den Minister zu knüpfen: so wie er dem Fürsten Bismarck geholfen habe, bie Beenbigung des Kultuskampfs zu beginnen, so solle er dem neuen Ministerpräsidenten helfen, dieses Friedenswerk zu vollenden. Er kritisirte im Weiteren die einzelnen Ausführungen der Vorredner. Für die Erklärung des Ministers bezüglich des Sperr -

„ Endlich fand sich ein Schauspieler, welcher das Fach der Heldenväter mit großem Aufwand von Ge- chicklichkeit gab, bereit, mich bei der Mama eiuzu- ühren, bei Leibe nicht unter meinem wahren Namen ondern als einfachen Herrn Falkenburg, Künstler, ber "ach Paris gekommen war, um zu ftubiren. Nur aus solchen bescheidenm Sphären bürsten bie sein, bie Ma­dame Albert zu ihren Cirkeln zuließ.

„Ich fand in dem kleinen, bescheiden, aber behaglich möblirten Hause der Madame Albert denn in ber That auch eine echt bürgerliche, höchst anständige Gesellschaft