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Freitag, den 18. April 1890.

17. Jahrgang

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß).

die lokalen Bedürfnisse zu berathen, um, dem Wunsche des heil. Vaters entsprechend, mit den von ihm ange­gebenen Mitteln zu helfen, die dem Untergange zutau­melnde Gesellschaft noch zu retten und sie auf den Fundamenten des Christenthums von Neuem wieder aufzurichten. R. v. Rochow.

„Du sitzest ja hier im Finstern!" rief der Baron erstaunt, ^n der Thal war der kurze, trübe Wintertag während ihrer Unterredung mit Ulrich in Dämmerung und diefe während ihres Selbstgespräches in Nacht ge­sunken, ohne daß sie es bemerkt hatte, und da sie den

sammlungen in allen Ländern aufgefordert und sie mit seinem apostolischen Segen begnadigt.

Als Leo XIII. den päpstlichen Stuhl bestieg, waren die Beziehungen desselben zu den Regierungen in Folge der feindlichen Haltung derselben vielfach abgebrochen oder getrübt. Aller Welt ist es bekannt, wie sehr der neue Papst sich nun bemühte, diese Beziehungen wieder herzustellen, und wie er sich nicht scheute, bis an die äußerste Grenze des Entgegenkommens zu gehen, um die Regierungen zu veranlassen, der Kirche wieder die­jenige Freiheit zu gewähren, welche sie von Gott- und Rechtswegen beanspruchen kann und welcher sie bedarf, um ihre göttliche Mission zum Heile der Völker und zur Wiederherstellung der durch die Revolution erschüt­terten Gesellschafts-Ordnung zu erfüllen. Ebenso ist es aber auch bekannt, wie wenig die weltlichen Autoritäten jenen Warnungen, Ermahnungen, ja Bitten gefolgt sind.

So wendet sich denn nun der Vater der Christen­heit mit um so lauterer Stimme an seine treuen Söhne | unter allen Völkern des Erdkreises und fordert sie auf, sich aller rechtlich und gesetzlich zu Gebote stehenden Mittel zu bedienen, um ihm zu helfen, die Interessen der Kirche und der christlichen Gesellschaft zu wahren.

Dabei beschränkt der Papst sich nicht darauf, dies nur im Allgemeinen zu thun, sondern er zeigt der Welt in einer Reihe der herrlichsten Rundschreiben, welches die Gefahren sind, die der Kirche und Gesellschaft drohen und gibt die Mittel an, um denselben erfolg­reich zu begegnen.

Diesem Rufe des gemeinsamen Vaters zu folgen und die von ihm in großen Zügen ausgesprochenen Wahrheiten mit Hilfe des jetzt so weit verzweigten Vereinswesens im Einzelnen auf die lokalen Verhält­nisse anzuwenden — das ist die hohe und bedeutungs­volle Aufgabe der großen und kleinen Katholiken-Ver­sammlungen.

Damit aber diese Aufgabe auch ganz nach dem Sinne des Oberhauptes unserer hl. Kirche ausgeführt werde, müssen die Berathungen und Beschlüsse dieser sogenannten „Laien-Missionen" derart sein, daß sie sich stets der vollen Billigung der kirchlichen Autoritäten erfreuen.

Ist doch die geordnete kirchliche Hierarchie jener große Strom, durch welchen das reine Wasser der christlichen Wahrheiten dem Menschengeschlechte zuge­führt wird und aus welchem nach dem so zutreffenden Bilde des Herrn Antragstellers die Laien gleich jenen Fellahs das Wasser schöpfen müsfen, um damit das ganze Land zu befruchten.

So mag denn jener zu Bochum gefaßte Beschluß dazu beitragen zur Abhaltung von Katholiken-Versamm- lungen in allen Theilen Deutschlands anzuregen, um

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Roman von G. I.

(16. Fortsetzung.)

Leontine blieb wie in halber Betäubung zurück. „Das ist schnell gekommen, wenn auch nicht unerwartet," sagte sie endlich. „Ich weiß es ja, daß Ulrich seit seinen Knabenjahren keinen höheren Wunsch kennt, als daß ich seine Frau werde, und auch mir wird es in dieser Stunde klar, daß die Zuneigung für den Jugendgespielen sich in herzliche Liebe umgewandelt hat. Ulrich ist gut, offen, ehrlich, liebenswürdig, von gutem Adel. Papa wird gewiß zufrieden sein und ich habe einen Halt, einen treuen Freund, auf den ich mich stützen, ein liebe­volles, edles Herz, dem ich mich rückhaltlos an­vertrauen kann."

Sie bedeckte mit der Hand die (Stirne und versank m tiefes Sinnen.

Ein Klopfen an der Thür schreckte sie aus ihren Bestachtungen und ehe sie noch im Stande war, aus chren Träumen in die Wirklichkeit zurückzukehren, trat

Die katholischen DrovinMl- und Diözesan­versammlungen.

(Schluß.)

Die Gegenwart gehört neben der Presse der Redner­bühne. Das haben auch unsere Gegner erkannt, als sie anfingen, auf der ganzen Linie mobil zu machen. Ihnen steht helfend die Macht zur Seite und die Majorität, die Bequemlichkeit der menschlichen Natur und des Schwimmens mit dem Strome.

Achten wir wohl darauf, daß wir nicht überflügelt werden. Schöpfen wir, wie die ägyptischen Fellahs im Nilthale, unermüdet aus dem unergründlichen Schatze unserer hl. Kirche und leiten wir das reine Wasser katholischer Wahrheit durch immer neu zu erschließende Kanäle so reich wie möglich den breiten Massen des Volkes zu. Gottes Segen wird dieser Arbeit zur Ehre seines Namens sicher nicht fehlen, ja, er wird es sicher jedem einzelnen Katholiken selbst, dann aber auch dem Ganzen um so reichlicher lohnen, je schwerer es dem oder jenem fällt, sich durch weltliche Bedenken nicht abhalten zu lassen von dem Entschiedenen und rückhalt­losen Eintreten für die gute Sache!"

Der vorstehenden, so klaren und sachlichen Moti- virung durch den Herrn Antragsteller wollen wir nur noch einige allgemeine Bemerkungen hinzufügen.

Wie zeitgemäß die Abhaltung von Provinzial- und Diözesanversammlungen ist, und wie sehr sie den augen­blicklichen Bedürfnissen entspricht, steht man daraus, daß seit der allgemeinen deutschen Generalversammlung Ende August zu Bochum noch fünf andere Ver­sammlungen und zwar mit größtem Erfolg stattge­funden haben, nämlich vom 3. bis 4. September die alljährliche Generalversammlung der Katholiken Schle­siens zu L e o b s ch ü tz, am 26. September die so glänzend verlaufene Versammlung der bayerischen Katholiken zu München, am 12. November der zweite Berliner katholische Vereinstag, am 12. und 13. November die Katholikenversammlung des gesammten Eichsfeldes und der Provinz Sachsen zu Heiligenstadt und am 8. Dezbr. diejenige zu Aschaffenburg/

Alle diese Versammlungen waren aus der eigenen Initiative der Betheiligten zur Besprechung der lokalen Bedürfnisse hervorgegangen, und doch waren sie alle vom selben Geiste getragen und schlossen sich in ihren Beschlüssen eng an die auf der allgemeinen General­versammlung zu Bochum gefaßten an.

Diese, für die Katholiken auch kleinerer Bezirke ab­zuhaltenden Versammlungen entsprechen aber auch so ganz den Wünschen unseres glorreich regierenden hl. Vaters P a p st L e o XIII. Hat derselbe doch besonders in neuerer Zeit wiederholt zur Abhaltung von Ver­

sunken, ohne daß sie es bemerkt hatte, und da sie den „Wohl nicht ganz ohne Deine Schuld, mein Töchter- Befehl gegeben, sie nicht zu stören, so hatte der Diener | chen", sagte der Baron, ihr mit der Hand liebkosend

Deutsches Keich.

Berlin, 16. April.

* Der neue Reichskanzler und Minister- Präsident hat sofort die erste Sitzung des Abge­ordnetenhauses benutzt, um sich der preußischen Volks­vertretung mit einer kurzen Ansprache vorzustellen, welche fast bei jedem Satze mit lebhaftem Beifall be­grüßt wurde. Der Ton war selbstbewußt, ohne unbe­scheiden zu sein, verbindlich, ohne der Würde des ersten Rathgebers der Krone etwas zu vergeben. Ausmerksam- keit beanspruchen namentlich diejenigen Stellen, in welchen Herr v. Caprivi sich über das Verhältniß zu seinem Vorgänger ausspricht. Er hat den Fürsten Bismarck in den wärmsten Ausdrücken gefeiert und es ausdrücklich ab gelehnt, das Programm einer „neuen Aera" zu entwickeln, aber doch deutlich ausgesprochen, daß Manches ganz anders werden wird. Man erinnert sich an die hervorragende Rolle, welche bei dem Rück­tritt des Fürsten Bismarck die Kabinets-Ordre von 1852 gespielt hat, deren Schwerpunkt in- der beherr­schenden Stellung lag, die sie dem Minister-Präsident^ gegenüber den Ressortministern annürs. Jetzt erklärt sein Nachfolger, die einzelnen Ressorts würden einen größern Spielraum gewinnen, die alte kollegiale Ver­fassung mehr zur Geltung kommen, bisher zurück- gehaltene Wünsche und Bestrebungen geprüft und nach Möglichkeit durchgeführt werden. Daß dies bisher nicht geschehen, führt er in geschickter Wendung gerade auf die hervorragenden Eigenschaften, auf die mächtige Persönlichkeit seines Amtsvorgängers zurück, aber der Gegensatz des alten und des neuen Regiments gelangt trotz der komplimentösen Umhüllung zu deutlichem Ausdruck. In freundlichen Worten hat er versprochen, das Gute zu nehmen, von welcher Seite es auch kommen möge, und die Wortführer der ehemals „reichsfeind­lichen" Parteien haben dieses Entgegenkommen mit dem Ausdruck des Vertrauens erwidert. Die wiederholte Versicherung, „daß der Curs der alte bleiben soll", ist gewiß nicht buchstäblich zu nehmen, vorläufig aber bleiben die Aenderuugen im Curs abzuwarten.

* Die Ernennung des Direktors der 3. Abtheilung des Reichspostamts Dr. Fischer zum Staatssekretär des Reichspostamts soll nach der ,Allg. Rchs.-Korr/ bevorstehen. Dr. von Stephan würde alsdann eine

über den Scheitel streifend, „nun, es freut mich, daß du Vernunft annimmst."

Sie blickte verwundert auf. „Vernunft annehmen? Was willst Du damit sagen, Vater?

„Nun, daß Du Dich der Gesellschaft nicht länger entziehst, in der ich Dich zu sehen wünsche!"

„Werden wir nicht allein sein, Vater?"

Er lachte. „Nein Kind, daraus ist es nicht ab­gesehen. Madame d'Areourt, Mademoiselle de Barras und der Oberst werden mit uns in der Loge sein."

„Für diesen Fall muß ich auf das Vergnügen verzichten", versetzte Leontine kalt.

Der Baron fuhr auf. „Jetzt habe ich die Kinde­reien satt, Leontine; ich habe Dir Andeutungen genug gemacht, aus denen Du meine Wünsche und Pflichten errathen konntest, es wäre weiblicher und kindlicher von Dir gewesen, mich nicht durch Trotz aufzubringen und muthwillig das Verhältniß zwischen Dir und Derjenigen zu trüben, der Du als meiner Gemalin Achtung und Rücksichten schuldig sein wirst."

Das entscheidende Wort war gefallen. Einen Au­genblick herrschte eine Todtenstille im Gemache, man hätte das Fallen einer Nadel hören können. Endlich sagte Leontine:

„Deiner Gemahlin, der Nachfolgerin meiner Mutter wird es von mir nie an den schuldigen Rücksichten fehlen, mein Vater, Achtung erwirbt aber jeder nur durch seine eigene Persönlichkeit. Noch ist indeß Ma-

nicht gewagt, ohne ihren Ruf Licht zu bringen. Leon­tine klingelte. „Wir «erben sogleich Licht erhalten."

„Es wäre überhaupt besser, Du säßest nicht so viel allein und gäbest Deinen Gedanken Audienz", bemerkte der Baron, der sich übrigens in rosiger Saune zu be­finden schien. „Ich will Dir für heute Abend einen Vorschlag machen, oder hast Du bereits über Deine Zeit disponirt?"

„Durchaus nicht, Vater."

Der Diener brachte zwei Lampen, setzte die eine auf den Schreibtisch, die andere auf den kleinen am Kamin vor einem Fauteuil stehenden Tisch und ließ die Vorhänge herab. Das mäßig große Zimmer, dessen blaßgraue Wände außer den meisterhaft gemalten Portraits des Barons und seiner verstorbenen Ge­mahlin mit werthvollen Kupferstichen nach älteren italienischen Meistern geziert waren, erhielt mit seinen zierlichen Möbeln von Rosenholz, Polstern aus kirsch- rother Seide und dem das ganze Gemach bedeckenden Teppich in Grau und Roth durch das Lampenlicht und die herabgelassenen schweren kirschrothen Vorhänge ein überaus trauliches Gepräge.

„Komm mit mir in die Oper", fuhr der Baron fort, sobald der Diener sich entfernt hatte.

„Mit Vergnügen, ich bin so lange nicht mit Dir ausgegangen."

Fuldaer Zeitung

Fitr die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. - „ SRprfnn her »„..&■>