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Bierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der

belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Donnerstag, den 17. April 1890.

17. Jahrgang

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß).

Fuldaer Zeitung

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. « g; Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (Pb. Reuß).

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.

Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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? Die Katholischen Provinzial- und Diözesan­versammlungen.

Von den Anträgen, welche auf den katholischen Ge­neralversammlungen zur Annahme gelangen, sind viele welche trotz ihrer Wichtigkeit nicht genügend zur all­gemeinen Kenntniß kommen und deshalb auch nicht die gewünschten Früchte tragen. Dieses hat seinen Grund darin, daß es in den geschlossenen Versamm­lungen, in welche sie nach der Vorberathung in den Ausschußsitzungen zur Beschlußfassung gelangen, mei­stens an der nöthigen Zeit zu einer eingehenden Mo- tivirung und Diskussion fehlt. Auch in der öffent­lichen Schlußversammlung fehlt es an Zeit, um sämmt- liche in den vorhergehenden geschlossenen Versammlungen angenommenen Anträge noch einmal vollständig zu verlesen und auf diese Weise zur allgemeinen Kenntniß zu bringen, sondern man muß sich dort nur auf Ver­lesung der allerwichtigsten Resolutionen und Anträge beschränken.

Bei der in den ersten Tagen des Monats Sep­tember v. I. zu Leobschütz abgehaltenen Generalver­sammlung der Katholiken Schlesiens suchte das Prä­sidium diesem Uebelstande dadurch zu begegnen, daß es in der öffentlichen Schlußversammlung außer der vollständigen Mittheilung der wichtigsten Resolutionen noch eine kurze und übersichtliche Aufzählung aller übrigen Anträge verlesen ließ.

Vielleicht würde es möglich sein, auch bei den all­gemeinen Generalversammlungen der Katholiken Deutsch- zu greifen, oder durch die katholischen Zeitungen am Schluß von deren Berichterstattungen noch eine besondere übersichtliche Zusammenstellung aller Beschlüsse der Generalversammlung zu veröffentlichen. An einer solchen fehlt es meistens bis zum Erscheinen des steno­graphischen Berichtes, welcher nur in die Hände der Mitglieder und auch erst nach Verlauf mehrerer Mo­nate gelangt. „ .

Um nun den auf den Generalversammlungen ge­faßten Beschlüssen möglichst weite Verbreitung zu geben kann vor Allem die katholische Presse durch nähere Besprechung derselben helsend eintreten. -

Von den auf der letzten Generalversammlung zu Bochum angenommenen Anträgen ist unter Anderem der vom Kaufmann und Stadtverordneten Herrn Hartmann aus Erfurt in Betreff der Abhal­tung von Provinzial- und Diözesanver- s a m m l u n g e n gestellte von einer nicht zu unterschätzen­den Bedeutung. Derselbe gelangte in derselben ge­schlossenen Versammlung wegen Mangel an Zeit ohne eingehende Motivirung durch den Herrn Antragsteller und ohne weitere Diskussion zur Annahme, Deshalb

In harter Schule.

Roman von G. I.

(15. Fortsetzung.)

Madame verwies ihm, das arme kleine Mädchen in so arge Verlegenheit zu bringen, mein Vater nahm aber den Wink mit großer Lebhaftigkeit auf und sagte:

Nun jetzt sind Sie hier, auch wir haben uns nach dm Freunden aus Baden-Baden gesehnt und wollen nun viel zusammen sein. Meine Tochter bedarf des Schutzes in der Gesellschaft und ich werde Madame d'Arcourt sehr dankbar sein, wenn sie Leontine nut unter ihre Flügel nehmen will." ..

, Madame d'Arcourt versicherte mit überschwäng­lichen Ausdrücken ihre Bereitwilligkeit dazu, ich aber erklärte ganz kühl: _ .

„Verzeihe, lieber Vater, Frau Baromn Willlsen, Frau Gräfin Brandt und Frau von Bandener haben sich schon gütigst bereit erklärt, mich zu umgeben, ich bedars keines weiteren Schutzes." _

„O, es werden doch Veranlassungen kommen, wo Du Madame d'Arcourt für ihre Begleitung sehr dankbar sein wirst," entgegnet er und schleuderte mir einen Blick zu, wie ich aus seinen Augen noch keinen ge­sehen hatte."

„Ich fand es nicht angemessen, in Gegenwart der Fremden daraus etwas zu erwidern, als er später aber

erlaubt sich der Unterzeichnete, welcher Vorsitzender des betreffenden Ausschusses der Generalversammlung in Bochum war, auf Wunsch des Herrn Kommissärs, Sr. Durchlaucht des Fürsten zu Löwenstein, zu dessen Aufgabe es ja gehört, für die Ausführung der Beschlüsse möglichst Sorge zu tragen, jenen Antrag noch einer besonderen Besprechung zu unterziehen. Dieses kann nicht besser geschehen, als durch Wieder­holung des Antrages wie er von der Generalversamm- ung angenommen worden ist, sowie durch Anführung der hauptsächlichsten Gründe, welche den Hsrrn Antrag­teller bei Einbringung seines Antrages geleitet haben und welche er zu diesem Zweck gütigst mitgetheilt hat.

Der Antrag selbst lautet:

„Die 36. Generalversammlung, der Katholiken „Deutschlands empfiehlt auf das Dringendste die „Berufung von Provinzial- oder Diözesan- „Katholiken-Versam mlungen zur Hebung „und Stärkung katholischer Ueberzeugung, nament- „lich durch Besprechung der auf den katholischen „Generalversammlungen gefaßten Beschlüsse."

Der Herr Antragsteller motivirt ihn nun in folgen­der Weise:

„Welche Ziele find den kleineren, den Provinzial­oder Diozösanversammlungen zu stecken und sind diese den jährlichen. Generalversammlungen gegenüber noch nothwendig? Um dies klar zu stellen, gestatte ich mir ein Bild aus dem Nil-Thale vorzuführen, das mich auf meiner Pilgerfahrt nach Palästina überrascht hatte, nämlich das fast messerscharfe Aneinanderstoßen von Erwe^mK'äbfblMr vegelationsioser'sandwuste.r wie dort die Fellahs das Wasser aus dem natürlichen, aber für das meiste Land zu tief liegenden wasserreichen Nilarme durch sinnreiche mechanische Vorrichtungen, aber auch durch schwere Menschenarbeit in immer höher liegende und immer kleinere Wasserrinnen schöpfen, nm dadurch, soweit als immer möglich, dem Lande Wasser zuzuführen und es damit fruchtbar zu machen (da dazu das alljährliche Austreten des Niles weitaus nicht aus­reicht), ja um demselben ganz außergewöhnliche Ertrage zu ermöglichen, so sollten auch die Schätze der Arbeit der General-Versammlungen durch die kleineren Ver­sammlungen immer weiteren katholischen Kreisen be­fruchtend zugeführt werden und namentlich auch tn der Diaspora, wo es mit dem Halten und Lesen katholischer Blätter zum Theil noch recht traurig aussieht Es sollte diese „Laien-Mission", wie Exzellenz Wmdthorst die katholischen Versammlungen so treffend nannte, durch steten Wechsel der Orte, an denen sie abgehalten werden, auch denen zugänglich gemacht werden, welche wegen örtlicher Entfernung, wegen Mangel an Zeit und Geld darauf verzichten müssen, die eine oder andere

der General-Versammlungen zu besuchen, um sich dort mit ihren Glaubensgenossen zu erbauen, zu stärken und zu begeistern.

Diese Provinzial- und Diözesan - Versammlungen sollten namentlich darin ihren schönen und segensreichen Beruf erblicken, die innere Glaubenskraft der zerstreut wohnenden Katholiken zu heben, um dem Abfall von der Kirche entgegen zu arbeiten, der sich, Gott sei es geklagt, als Frucht katholikenfeindlicher Blätter, durch gemischte Ehen und bergt nur zu leicht einstellt. Sie würben weiterhin auch noch den Vorzug haben, in kleinen Stabten abgehalten werden zu können, welche wegen Raum-Mangel die General-Versammlungen nicht aufzunehmen vermögen. Auch wird man nicht bestrei­ten, daß das in feierlicher Versammlung vor Tausenden von in Andacht lauschender Männer und Frauen ge­sprochene lebendige, begeisterte und begeisternde Wort noch eindringlicher zu Herzen geht, als das Lesen des best-stylisirten Artikels.

Wenn dies schon allgemein gut, um wie viel mehr unter den in Betracht kommenden Verhältnissen. Um das voll würdigen zu können, muß der liebe Gott einem die Gunst erwiesen haben, an einer größeren Anzahl der katholischen Generalversammlungen Theil nehmen zu können. Man muß die geistige Atmosphäre geathmet haben, die wie ein Hauch Gottes über den Tausenden schwebt, die da 2—3 Stunden lang in engem Raume eingekeilt stehen, das Herz bebend vor Begeisterung, leuchtenden Blickes, andächtig lauschend ans jedes Wort der gefeierten geliebten Männer, die UlU t/C-V «rvtpCT - ’S ’ *ri

und anfeuern für Alles was hehr, hoch und hettlg-si.- Ja, ich habe Männer gesehen, die im Kampfe des Lebens ergraut, gehärtet und gefestigt waren, wie Stahl, die aber, von Rührung übermannt, Thränen vergossen als sie zu Hause über ihre Theilnahme an einer solchen Versammlung berichteten, und über die gehobene Stimmung, von der, mit der ersten Be­grüßungsrede beginnend, auch sie getragen wurden bis Mr letzten Stunde des Abschiedsmahles.

Die Nothwendigkeit, diese Laien-Misston möglichst zu vervielfältigen, nach Zeit und Ort, wird uns aber auch täglich eindringlicher nahe gelegt durch die Seud- linge und Schwärmer des sogen, evangelischen Bundes i des Protestantenvereins und seiner „Affilürten", durch Lutherspiele, Lutherfeste und Lutherdenkmals-Enthullun- qen, sowie durch die Parteilichkeit der akatholischeu Presse, die stets Raum findet, wenn es gilt uns zu verletzen, uns die albernsten Märchen anzudichten, die ! aber hermetisch geschlossen ist gegen jeden Versuch unserer Rechtfertigung. O, diese Parität, diese Gerechtigkeit! Soll ich schließlich nur ganz beiläufig noch Hinweisen

darauf zurückkam, erklärte ich ihm mit, Bestimmtheit, ich würde mich mit den Damen nie öffentlich zeigen, weil ich von ihren eigentlichen Verhältnissen gar nichts kenne. Ich beharrte um so mehr bei diesem Entschlüsse, als ich ihnen nirgend in der Gesellschaft begegnete. Es konnte ihnen also nicht gelungen sein, sich irgendwo Eingang zu verschaffen." .

Das kannst Du doch nicht mit solcher Gewißheit folgern", bemerkte Ulrich, „vielleicht wollen die Damen qar nicht eingeführt sein und beabsichtigen von Anfang an, ihren Verkehr auf einen kleinen Freundeskreis zu beschränken." r . , ,

„Möglich; ich weiß nur soviel, daß auch mein Vater seit jener Zeit sich wenig mehr in unseren Kreisen sehen läßt und alle Einladungen ausschlägt. Er hat zwar nichts dagegen, wenn ich gehe, da ich aber die Fragen fürchte, weshalb mein Vater nicht anwesend sei, und nicht immer als Waisenkind erscheinen mag, so habe ich mich schon seit Wochen gänzlich zurückgezogen

,Du sagtest mir auf mein Befragen, Du seiest unwohl", bemerkte Ulrich vorwurfsvoll. Warum erfahre ich überhaupt erst heute, welcher Kummer an Deiner Seele nagt?" . . ,

Du würdest auch heute noch Nichts davon erfahren, wenn die Schmach nicht bald in Aller Munde (ein würde. Es ist eine elende Schwäche, nichts allem tragen zu wollen und bei jeder Gelegenheit nach schultern zu

suchen, denen man seine Last auslabet. Mein Vater hat mir heute Andeutungen gemacht, aus denen her­vorgeht, daß er bereits entschlossen ist, die Französin zu heirathen."

„Hoffentlich doch die junge?" wollte der Offizier unwillkürlich fragen, besann sich aber und unterdrückte die Aeußerung, deren Frivolität seine Cousine tief ver­letzt haben würde."

„Siehst Du aber nicht zu schwarz?"

„Nein, Ulrich, er sagte ju mir, als soeben wieder eine Einladung zur Soiree beim russischen Gesandten ausgeschlagen werden mußte, ich würde noch ganz zur Einsiedlerin, das dürfe nicht länger so fort gehen, er könne mich nicht überall hin begleiten, dazu habe er zu viele ernste Verpflichtungen gegen das Land und den Wahlkreis, der ihm sein Vertrauen geschenkt habe; da er aber darüber seine Pflichten gegen mich nicht versäumen dürfe, so wolle er mir eine Gefährtin geben, bie mir durch ihr Alter und ihre Llebenswürdigkett Freundin sein könne und doch zugleich durch die Stel- ! lang, die er ihr anweise, trotz ihrer Jugend die Au­torität besitze, in seinem Hause und anderwärts seinen Namen zu repräseutiren." .

„Das heißt so viel, er heirathet Dir zu Gefallen.

'.Es heißt so viel, er steht im Begriffe, sich und mich unglücklich zu machen, zum Gespött der Welt zu werden, unfern Namen mit Schmach zu bedecken!" rief