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M 84.

Sonntag, den 13. April 1890

17. Jahrgang

Fuldaer Zeitung

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Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Rcuß).

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.

Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Psg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Kus nach Kam!

Die größeren katholischen Zeitungen brachten kürzlich die Mittheilung, daß für die Anwesenheit der deutschen Pilger in Rom nunmehr definitiv die Zeit vom 1. bis 12. Mai c. in Aussicht genommen sei. Nachdem die Zeit der Pilgerfahrt damit fest stand, konnten auch die Programme für die Fahrt nach Rom festgestellt werden, und nun ist es denjenigen, welche die Reise mitzumachen beabsichtigen, möglich geworden, ihre Vorbereitungen zu treffen.

Im Ganzen werden zwei Hauptzüge organisirt werden, je ein Zug 1. und 2. Klasse ab München und Freiburg und je ein Zug 3. Klasse von denselben Orten aus. Die fämmtlichen bayerischen Diözesen haben sich zu gemeinsamen Reisen ab München verbunden; ihnen schließen sich Breslau, und die Diözesen Dresden und Bautzen, die Paderborner und die Pilger aus Württemberg an. Den Freiburger Pilgern werden sich diejenigen aus den Diözesen Köln, Mainz, Limburg, Fulda, Osnabrück und Hildesheim, sowie diejenigen aus der Diözese Trier anschließen, welche nicht schon am 14. c. mit Professor Dr. Schütz aus Trier die Fahrt antreten, um nach einem Abstecher nach Neapel sich am 2. Mai mit den übrigen deutschen Pilgern in Rom zu vereinigen.

Die genauen Reiseprogramme sind durch die Diö- zesan-Organisatoren zu erhalten und alles Wissenswerthe ist aus dem in zweiter Auflage in der Frankfurter Bereinsdruckerei, Frankfurt a. M. - Sachsenhausen er­schienenen Pilgerbüchlein zu entnehmen.

Von Interesse dürfte eine ausführlichere Mitthei­lung über die Organisirung des Pilgerzuges 3. Klaffe, welcher am 30. April von München abgehen wird, sein, weil diefelbe nicht mehr in das Pilgerbüchlein Aufnahme finden konnte, aber besonders geeignet ist, weniger Bemittelten, der Landessprache nicht Mächtigen und des Reisens Unkundigen die Möglichkeit zu ge­währen, die Wallfahrt nach Rom zu unternehmen.

Dieser Wallfahrtszug wird unter Führung eines hochwürdigen Franziskaner - Paters geschlossen von München ab die Reise nach Rom mit einem Besuche in Padua in vier Tagen zurücklegen, ist Rom acht Tage verweilen und über Assisi nach München zurück­kehren. Dank dem Entgegenkommen der italienischen Bahndirektion und der durch die Freigebigkeit des hl. Vaters in dem Hospize von St. Marter gewährten überaus wohlfeilen Unterkunft, kann die ganze Reise von München ab bis dahin zurück mit einem Kosten­aufwande von 300 Mk. (inklusive des Beitrags zu den Führungsunkosten in Rom) bestritten werden. Die

Am weißen Sonntag, "i.

Tag, der aus des Himmels Räumen Strahlt in's Erdendunkel Licht! Engeltraum die Kinder träumen Mit verklärtem Angesicht.

Wenn die Sündenschatten sanken Bei der Gnade Sonnenwende. Kinderherz durch Engelhände Ahnest du ein süß Umranken. Blüthenkränze in den Locken, In den Herzen Blüthenflor, Ihrer Stimmen Andachtglocken Läuten fromm zu Gott empor. Und von oben in die Seele Flüstert es fo leis und lind. Und es ist dir, glücklich Kind! Wie als ob dich Gott erwähle. Dich erwähl', ihm zu gehören Treu dein ganzes Leben lang. O, laß nimmer dich bethören Durch der Welt Sirenensang! Und wenn je die Schritte wanken Aengstlich auf dem schmalen Pfade, Stärken wird dich seine Gnade Mit dem Kusse der Gedanken. Mit dem weißen Kleid geschmücket Kniest du da, ein Engel rein: Wer ermißt es, wie beglücket Heut' dein junges Herz muß sein? Deinem Heiland nichts verhehle, Bitt' ihn, daß er dich belehrt, Wenn er bei dir eingekehrt, Heimzusuchen deine Seele.

Programme für diesen Zug können von allen Diözesan- Organisatoren, durch deren Vermittlung die Anmeldung erfolgt, bezogen werden.

Der von Freiburg abgehende Zug 3. Klasse wird etwas theuerer sein, da dessen Reise über Aneona- Loretto geht. Immerhin dürfte die Ersparniß gegen­über dem Zuge 2. Klaffe an 70 bis 80 Mark betragen Auch für diesen Zug können Programme bei den Herren Diözesan-Organisatoren bezogen werden.

Möchten recht viele Deutsche von der gebotenen Gelegenheit, Rom, den hl. Vater, zu sehen, Gebrauch machen! Die Zeit des diesjährigen Pilgerzuges ist die günstigste für einen Besuch in Rom, was die Jahres­zeit anbelangt. Aber auch in geistiger Beziehung bietet dieselbe mehr als eine andere Zeit, da gerade in die Tage zwischen 2. und 12. Mai hohe kirchliche Feste in Rom fallen.

Der hl. Vater selbst verfolgt mit großem Interesse die Vorbereitungen für den deutschen Pilgerzug und beabsichtigt, die deutschen Pilger in einer ganz beson­ders ausgezeichneten Weise zu empfangen, indem er die­selben zu seiner hl. Messe zulassen und danach in Defi- lir-Audienz empfangen will, so daß jeder einzelne Pil­ger das Glück haben wird, dem heil. Vater die Hand zu küssen und mit ihm zu sprechen.

So ist denn einmal wieder so günstig wie selten den deutschen Katholiken die Gelegenheit geboten, den Herzenswunsch, der in jeder katholischen Brust wohnt, zu erfüllen, Rom, die ewige Stadt, die Gräber der Apostelfürsten, den Stellvertreter Christi auf Erden zu schauen, Ihm, der so warm die Interessen der deutschen Katholiken verfolgt, dafür Dank und Huldigung darzu­bringen, aus seinem Munde Worte des Trostes und der Belehrung zu vernehmen, für seine heiligen Rechte Zeugniß abzulegen, gegen die Vergewaltigung seiner ge­heiligten Person, seines hochheiligen Amtes feierlich zu protestiren. Alle Nationen der Welt werden in diesem Frühjahre wiederum in diesen Gedanken, angeregt durch die Säkularfeier eines seiner größten Vorgänger, des heil. Gregorius des Großen, sich zu Füßen des päpst­lichen Stuhles zusammenfinden. Möge die deutsche Nation würdig ihrer hervorragenden Stellung im Völ- ker-Concerte bei diesem Anlasse vertreten sein!

Gerade jetzt, wo Deutschland in der Lösung der sozialen Frage unter Vorantritt seines thatkräftigen jugendlichen Kaisers zur lebhaften Freude des Ober­hauptes der katholischen Kirche die Führer-Rolle über­nommen hat, müssen Deutsche aus allen Gauen dem hl. Vater es von Mund zu Mund sagen, wie durch­drungen sie von dieser hohen Aufgabe sind, die ja vor Allem eine Aufgabe der Kirche ist.

II.

Kann es aus dem Erdenrund Jemals etwas Schön'res geben. Als wenn zu dem heil'gen Bund Kinder ihre Kränze weben? Ewig wollen sie gehören Ihrem Heiland ganz allein: O wie schön macht sie dies Schwören! Diese Anmuth ist kein Schein.

Nein! es fällt aus Himmelsauen Mild ein Strahl vom ew'gen Licht, Der — wie wunderbar zu schauen! — So verklärt ihr Angesicht.

Ungetrübt noch ist die Tugend, Von dem Kampf noch narbenfrei; Diese Schönheit, dieser Mai Ist nicht bloß der Glanz der Jugend.

O, wenn Gottes Ebenbild Sich im Hellen Äug' noch spiegelt, Wenn die Seele liebcrfüllt, Sich zum höchsten Flug beflügelt. Wenn ein Kind im HeiligthuM Seine Hände faltet rein, Das ist eine Wunderblume, Nichts vermag so schön zu sein.

Heiland, o behüte sie, Laß den Frost sie nimmer tödten! Laß die weiße Blüthe nie Schuldbewußt vor Scham erröthen! Stell' sie in des Engels Hut, Der belehre ihre Jugend, Daß es gibt kein höh'res Gut Als der ew'ge Glanz der Tugend.

Deutsches Keich.

Berlin, 11. April.

* Dem ,Standard' zufolge wird die Zusammenkunft von Caprivi, Kalnoky und Crispi Ende Mai in Karlsbad stattfinden.

* Für den am 6. Mai zusammentretenden neuen Reichstag sollen nur die vier bereits bekannten Gesetz­entwürfe vorbereitet sein, nämlich der über die Ge­werbe-Gerichte, die Novelle zur Gewerbe-Ordnung, be­treffend Abänderung des Titels 7 derselben, auch sonst als Arbeiterschutz-Borlage genannt, dann die Militär- Vorlage und die Kolonial - Vorlage, die beide einen Nachtrags-Etat erfordern. Von diesen vier Entwürfen ist bis jetzt nur der über die Gewerbe-Gerichte an den Bundesrath gelangt und von diesem erledigt. Eine Vermehrung dieser Vorlagen gilt nach dem jetzigen Stande der Dinge für ausgeschlossen. Es ist aber eine alte Erfahrung, daß im Laufe der Session sich immer das Bedürfniß herausstellt, noch weitere Gesetzentwürfe einzubringen, weshalb auch die Schätzung einzelner Blätter, daß die Session kaum 2 Monate dauern werde, nicht zutreffen wird, zumal die Pfingst - Festtage da­zwischen fallen.

* Der Hauptzweck der Emin-Expedition ist, wie aus Berlin mitgetheilt wird, die Karawanen- Routen von der Küste nach dem Ost- und Süd - Ufer des Nyanza-See's via Kilimandscharo resp. Tabora zu eröffnen und zu sichern und gleichzeitig ÄneLinie deut­scher Stationen in der Richtung auf.den Tästtzanika- See vorzuschieben, damit die Engländer nicht in" b'eir Besitz der Wasserweg-Routen, welche die Zambesiquellen mit den Nilquellen verbinden, gelangen können. Die nördliche Hälfte des Viktoria-See's mit dem größeren Theil des Albert-Eduard - See's, der ganze Albert- Nyanza, sowie die Aequatorial - Provinz würden von den Deutschen als innerhalb der englischen Einfluß- Sphäre liegend betrachtet. Emin werde auch die Auf­gabe haben, das arabische Element in den deutschen Territorien zwischen der Küste und den Sem zu ver­söhnen.

* Die ,Franks. Ztg.' ist entrüstet über die Aus­weisung ihres Korrespondenten Grunwald aus Ita­lien. Mit diesem gleichzeitig ist der Vertreter des französischen Telegraphenbureaus Havas', Lavalette ausgewiesen worden. Die Ausweisung erfolgte wegen Verbreitung angeblich falscher Nachrichten, welche den öffentlichen Kredit Italiens geschädigt haben sollen. Das Bankgeschäft Gattoni Silo hat, unterstützt von der Regierung gerichtliche Anklage gegen die .Frank­furter Zeitung' und den ,Figaro' wegen Verleumdung

In harter Schule.

Roman von G. I.

(12. Fortsetzung.)

Der Baron war durch den Tod seiner Gemahlin ganz betäubt, ihm war zu Muthe wie dem Blinden, dem man plötzlich den Stab genommen und der sich nun erst bewußt wird, was er verloren hat. War sie auch in letzterer Zeit räumlich von ihm entfernt ge­wesen, so hatte doch ihr Geist über ihm gewaltet und ihn gelenkt. Das war jetzt plötzlich anders geworden; die Baronin war tobt und hatte nach Art Abzehrender ihre Krankheit nicht für bedenklich gehalten, die Mög­lichkeit eines nahen Todes nicht in's Auge gefaßt und deshalb keine Vorkehrungen getroffen. Herr von Rema war trostlos und was noch schlimmer ist, rathlos — am rathlosesten, was er mit seiner erwachsmen Tochter beginnen solle.

Verwandte seiner Frau boten ihm an, ste wollten Leontine für die nächste Zeit zu sich nehmen, er konnte sich nicht dazu entschließen. Einmal mochte er die Tochter in diesem Augenblicke, wo er die Frau ver­loren hatte, nicht so weit von sich geben, dann erschien es ihm auch nicht angemessen, daß ein Fiäulein von Reina, wenn auch als Gast, auf längere Zeit zu Ver­wandten gehen solle, weil im Vaterhause so zu sagen kein passender Aufenthalt für sie sei.

Eine unverheirathete ältere Kousine seiner Gemahlin gab ihm nicht undeutlich zu verstehen, sie sei nicht ab-