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Mittwoch, den 9. April 1890.

17. Jahrgang

uldaer Zeitung

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reich).

Für dir Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

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Deutsches geid),

Berlin, 7. April.

* Der .Staatsanzeiger' veröffentlicht eine König!. Ordre, welche die Nothwendigkeit betont, einen ge­eigneten und möglichst zahlreichen Ersatz für die etatsmäßigen Offiziersstellen zu schaffen. Die Kreise für einen solchen Ersatz seien durch den gestei­gerten Bildungsgrad unseres Volkes erweitert. „Nicht der Adel der Geburt allein kann heutzutage wie vor­dem das Vorrecht für sich in Anspruch nehmen, der Armee ihre Offiziere zu stellen. Aber der Adel der Gesinnung, der das Offizier-Korps zu allen Zeiten beseelt hat, soll und muß demselben unverändert er­halten bleiben. Und das ist nur möglich, wenn die Offizier - Aspiranten aus solchen Kreisen genommen werden, in denen dieser Adel der Gesinnung zu Hause ist. Neben den Sprossen der adligen Geschlechter des Landes, neben den Söhnen Meiner braven Offiziere und Beamten, die nach alter Tradition die Grund­pfeiler des Offizier - Korps bilden, erblicke Ich die Träger der Zukunft Meiner Armee auch in den Söhnen solcher ehrenwerther bürgerlicher Häuser, in denen die Liebe zu König und Vaterland, ein warmes Herz für den Soldatenstand und christliche Gesittung gepflegt und anerzogen werden." Der Erlaß wendet sich so­dann dagegen, daß für die Annahme eines jungen Mannes die Ablegung der Abiturienten - Prüfung als unabweisbare Bedingung hingestellt oder daß der Ein­tritt abhängig gemacht wird von einer übermäßig hohen Privatzulage. In de: Regel sollen die Kommandeure bei der Infanterie, den Jägern, der Fußartillerie und den Pionieren nicht mehr als 45 Mk., bei der Feld­artillerie nicht mehr als 70 Mk. und bei der Kavallerie nicht mehr als 150 Mk. an monatlicher Zulage fordern. „Ich will nicht, daß in Meiner Armee das Ansehen der Offizier-Korps nach der Höhe der Eintrittszulage bemesfen werde, und schätze diejenigen Regimenter be­sonders hoch, deren Offiziere sich mit geringen Mitteln einzurichten und doch ihre Pflicht mit der Befriedigung und Freudigkeit zu erfüllen wissen, die den preußischen Offizier von altersher ausgezeichnet haben." Den Kom­mandeuren wird erneut zur Pflicht gemacht, den mancherlei Auswüchsen des Luxus zu steuexn und gleich­zeitig wird der Auffassung entgegengetreten, als sei der Kommandeur selber, vermöge seiner Dienststellung, zu umfangreichen Ausgaben für Repräsentationszwecke ver­pflichtet. Zum „Repräsentiren" seien nur die komman- direnden Generale verpflichtet, — „und darf es in Meiner Armee nicht vorkommen, daß gutgediente Stabs­offiziere mit Sorgen den Geldopfern entgegensetzen, die mit dem etwaigen Erreichen der Regimentskom­mandeurstellung vermeintlich ihrer warten. Wie Ich

In harter Schule.

Roman von G. I.

(8. Fortsetzung.)

„Ich komme auch keineswegs, um den Dank von Ihnen einzukassiren," antwortete Gringmuth, „Sie sind vielleicht weit eher geneigt, mir Vorwürfe zu machen."

„Ja, die mache ich Ihnen!" rief sie leidenschaftlich und ihre blaffen Wangen bedeckten sich mit einer leich­ten Röthe. „Wie kamen Sie dazu, mir von Neuem einen Kampf aufzulegen, denn ich beendet glaubte?"

„In Ihrem Alter ist der Kampf um's Dasein noch nicht beendet, da beginnt er erst," antwortete der alte Herr ruhig.

„Ich wollte ihn beendet haben, ich hatte genug da­von!" rief sie und die Linie des Trotzes, welche sich in ihrem leblosen Gesichte ausgeprägt, trat jetzt beim Sprechen noch schärfer hervor.

Er betrachtete sie mit einem mitleidigen Lächeln, vor dem sie unwillkürlich die Augen senkte.

„Das hängt nicht so gänzlich von unserem Willen

Jnein liebes Kind, da hat auch noch die Gottes­furcht, da haben auch noch Gott und andere Faktoren mitzureden."

„Ich will aber das Leben nicht mehr ertragen!" schmollte sie.

„Das Leben muß ertragen werden. Das Unheil

hiermit bestimme, daß Mir solche Offiziere namhaft । zu machen sind, welche den auf Vereinfachung des : Lebens gerichteten Einwirkungen ihrer Vorgesetzten nicht \ entsprechen, so werde ich die Kommandeure wesentlich mit danach beurtheilen, ob es ihnen gelingt, einen ge­eigneten und ausreichenden Nachwuchs an Offizieren heranzuziehen und das Leben ihrer Offizier-Korps ein­fach und wenig kostspielig zu gestalten. — Ich wünsche von Herzen, daß ein jeder Meiner Offiziere nach er­füllter Pflicht seines Lebens froh werde. Dem über- ! handnehmenden Luxus in der Armee muß aber mit ; allem Ernst und Nachdruck entgegengetreten werden."

* Die russischen Manöver, denen der deutsche Kaiser beiwohnen wird, versprechen diesmal besonders imposant zu werden. Es nehmen daran mehr Truppen als gewöhnlich Theil; auch werden dabei Versuche mit dem rauchlosen Pulver gemacht. Die Manöver, welche in der Umgebung der russischen Hauptstadt stattfinden, beginnen Anfangs August und dauern mehrere Wochen.

* Ein Gesetzentwurf über die Verwendung der ge­sperrten Gelder der katholischen Kirche ist aus­gearbeitet. lieber den Inhalt aber ist Genaues noch nicht zu sagen, nur wird versichert, die Lösung enthalte keine diskretionären Fonds mehr, wie das früher be­fürchtet werden mußte. In nationalliberalen Blättern heißt es dagegen, daß das Sperrgeldergesetz ebenso wie eine Novelle zum Berggesetz für die nächste Landtags- sesfion Vorbehalten bleibe, um die jetzige Landtagssesfion nicht allzulange netzen dem Reichstag auszudehnen.

* Wenn von der offiziösen Presse die Rede ist, so denkt man gewöhnlich alsbald an den sogen. „Rep- tilienfonds". Dieser etwa 48 Millionen Mark be­tragende, das sequestrirte Vermögen des Königs Georg von Hannover bildende Fonds, stellt aus seinen Ein­nahmen der Regierung mindestens eine Million jähr­lich zur Verfügung, über deren Verwendung sie keine Rechenschaft zu geben hat. Nach allgemeiner Annahme wird diese Million zum guten Theile für die offiziöse Presse des In- und Auslandes — denn auch über das Ausland hat das Preßbureau seine Fäden ausgespannt — verwendet. Die Überzeugung, daß die Beschlag­nahme des „Welfen-Fonds" sich nicht mehr rechtfertigen lasfe, ist allgemein; selbst Herr von Bennigsen hat schon 1882 die Auslieferung des Geldes empfohlen. Man muß nun aber nicht glauben, daß mit dieser Auslieferung dem offiziösen Preßunwesen, soweit es um die materiell unterstützte Presse sich handelt, das Wasser abgegraben sei. Der Regierung stehen noch zwei ge­heime Fonds von 210,000 M. jährlich zur Ver­fügung. Die Regierung kann aber ihren Lieblingen in der Preffe auch in anderer Weise Wohlthaten zuwen­den. Bei der gegenwärtigen Ausgestaltung des Zeitungs­wesens, wo das eine Blatt das andere an Neuheit

kommt nur daher, daß so viele Menschen glauben, das Leben fei ein Vergnügen. Ich sage Ihnen, es ist kein Vergnügen, cs ist eine Pflicht und von seiner Pflicht darf sich Niemand fortstehlen. Ich habe Ihnen nicht das Leben gerettet, sondern Sie Ihrem Gott und Ihrer Pflicht zurückgebracht, ob mir die Menschheit dafür Dank zu wissen hat, wird abzuwarten sein."

„Mein Herr —"

„Diese Sprache hat noch Niemand mit mir geredet," wollen Sie doch sagen. Das glaube ich gern; hätten Sie früher die Sprache des Glaubens und der christ­lichen Weltanschauung gehört, Sie wären nicht in die Sage gerathen, in der Sie sich jetzt befinden. Sie würden nicht glauben, jetzt schon am Ende Ihrer Lauf­bahn zu stehen."

„Aber, mein Herr, hören Sie mich an. Ich bin arm, freundlos, schutzlos, ohne Existenzmittel, was sollte ich thun?"

„Arbeiten!" antwortete der alte Herr kalt und ruhig.

„Ich habe zn arbeiten versucht, es ist mir nicht gelungen."

„Zwischen Arbeiten und Arbeiten ist ein großer Unterschied, es will gelernt sein," versetzte Gringmut, und in den Sphären, denen Sie entstammen, lernt man nicht viel davon."

„Was wissen Sie, welchen Sphären ich entstamme!" fuhr sie auf.

und Raschheit seiner Mittheilungen zu überbieten sucht, hat eine Nachricht großen Werth. Bekannt ist, daß der Leiter einer Berliner offiziösen Korrespondenz oft mit wichtigen Nachrichten, der Inhaltsangabe neuer Gesetz- Entwürfe u. s. w., versehen wird. Wie den Zeitungen ohne Zuwendung baarer Geldmittel durch amtliche Inserate, behördliches Abonnements u. s. w. zum Dank für allerlei Gefälligkeiten unter die Arme gegriffen werden kann, dürfte auch für das große Publikum längst kein Geheimniß mehr sein. Man sieht danach, das Offiziösenthum läßt sich am Ende auch ohne den Neptilienfonds im Schwünge halten. Der n e u e R e i ch s- kanzler hat wohl noch keine Entscheidung in Sachen der offiziösen Presse getroffen. Daß er sie ganz und gar abschaffen sollte, wollen wir ihm nicht zumuthen. An und für sich ist es ja keineswegs ein unehrenhaftes Handwerk, die Regierungspolitik publzistisch zu ver­treten, und gewiß hat die Regierung ein hohes und berechtigtes Jnteresfe daran, ihre Meinung unter das Volk gebracht zu sehen. Was man fordern muß, ist, daß dabei die häßlichen Auswüchse vermieden wer­den, die schon oft gekennzeichnet sind. Zu Herrn von Caprivi hegen wir das Vertrauen, daß er der offi­ziösen Mißwirthschaft zum Vortheil feiner Politik selbst ein Ende machen wird. Sein bisheriges Auftreten im Reichstag zeigt, daß er fachliche Erörterungen liebt. Wird die offiziöse Presse angewiesen, nur mit sachlichen Gründen die Regierungspolitik zu verthei- digen, so wird das Land manchen Unfrieden los sein und eine ruhigere Verstäy,hiZung zum Wohle des Ganzen Platz greifen.

* Während es die englische Presse Emin PckschÄ- sehr übel nimmt, daß er seinem Vaterlande dienen will, ist Stanley anderer Meinung. Er hat dem ,Times'-Korrespondenten in Kairo erklärt, daß er den Entschluß Emins sehr natürlich finde, daß er, da die Jnteresfenphären klar befinirt seien, keine Schädigung der Interessen Englands befürchte, und daß er noch von keiner Handlungsweise der Deutschen oder Emins gehört habe, die seine Sympathie erkalten lassen könnte. Von sonstigen ostafrikanischen Nachrichten fei erwähnt, daß arabischen Sklavenhändlern wieder einmal eine an­sehnliche Bente abgejagt wurde. Boote des englischen Kreuzers „Conquest" haben bei Pomba den Arabern 78 Sklaven abgenommen, die nach Sansibar eingebracht worden sind.

* Der .Köln. Ztg.' wird aus Mo mbasfa vom Freitag gemeldet: Die Sendung des Lieutenants Ehlers zu dem Sultan von Mandara ist erfolgreich gewesen. Der Sultan von Mandara und acht andere Häupt­linge haben die deutsche Flagge gehißt.

* Mit Bezug auf eine im preußischen Abgeordneten­hause zur Sprache gebrachte Angelegenheit bringt das

Statt der Antwort griff Gringmut in die Tasche holte die beiben von ihm wieber sehr geschickt ver­schlossenen Briefe hervor unb legte sie vor sie hin.

„Wer vor feinem Abgänge ans biefer Welt zwei Schriftstücke an biefe Adressen richtet, wer sich einer Freihemkrone als Petschaft bedient, von dem darf man auch annehmen, daß er jenen Kreisen angehört."

„O das ist abscheulich! Unerhört!" schrie sie auf. „Sie drängen sich in meine Geheimste! Vollenden Sie jetzt ihr Werk, sagen Sie, daß Sie meine Ver­folger herbeigerufen haben! Daß Sie mich Ihnen überliefern wollen."

„Vielleicht handle ich damit eben so richtig, wie damit, daß ich Sie dem Tode entriß. Sie sind den­jenigen, die Sie ihre Verfolger nennen, möglicherweise ebenso unbedacht und unbegründet entflohen, wir Sie dem Leben entfliehen wollten."

„O nein, nein" rief sie und der Trotz und Hoch­muth in Ton und Miene machte jetzt, dem tiefsten aufrichtigsten Weh Platz. „O wenn Sie wüßten, wenn Sie wüßten!"

„Ich weiß, ich weiß, armes Kind," sagte er, feine Hand auf ihren Arm legend und in feinen harten, verwitterten Zügen malte sich der Ausdruck eines so echt menschlichen Erbarmens, wie man diesem seltsa­men Manne unmöglich zugetraut hätte. „Ich weiß,