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JM 78179.

Sonntag, den 6. April 1890.

17. Jahrgang

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß).

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.

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Fuldaer Zeitung

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. ' - ■»-*- - <■ ~ - • - • — - -

Das frohe Lied vom Aufersteh'n? E

Zu wecken in der Menschenbrust ' Des Lenzes Auferstehungslust.

Hell blitzt des Ack'rers Spaten Fern auf im Sonnenschein: Bald senkt er seine Saaten Dem lock'ren Boden ein. O legt das Ohr, zu lauschen, Hart an den schwarzen Grund, Ihr hört die Aehren rauschen Schon mit dem gold'nen Mund! Der fromme Sämann wird's versteh'»: Das frohe Lied vom Aufersteh'n.

Auf leichter Schwinge gaukelt Ein bunter Falter dort, Im Spiel der Lüftchen schaukelt Er mühelos sich fort. Wie ist sein Kleid so prächtig!

Und doch, ihr wißt es noch, Wie er im Staub ohnmächtig Als garst'ge Raupe kroch. Sein Flug in reinen Aetherhöh'n Ist Auferstehungslustgetön.

Wohin das Auge schauet Von Berg auf Flur und Thal, Soweit der Himmel blauet, Springt uns der volle Strahl Des Lebens neu entgegen . . . O Lenz, Vielwillkomm' du! Du singst auf allen Wegen Das frohe Lied uns zu Vom Auferstehungsmorgenroth, Vom Enden aller Nacht und Noth.

» Und was in allen Landen Sich starrer Haft entrafft, —

ichts ist so schön auf Erden, Als wenn erwartungsstill Zum neuen Blüh'» und Werden Sich Alles regen will. Noch raschelt an den Bäumen Das dürre Laub im Wind; Doch wie aus tiefen Träumen Erwachend, hört man lind Durch goldumwallte Wipfel weh'» Das frohe Lied vom Aufersteh'n.

Es ist, als wenn im Sehnen Das lichte Firmament Sich strecken will und dehnen Von Pol zu Polesend', Um Alles zu umfangen Mit seiner blauen Pracht; Zu künden, daß vergangen Die lange Winternacht;

♦) Nachdruck nicht gestattet.

Erstes Blatt.

Ostern!

„Ostern, Ostern, Frühlingswehen, Ostern, Ostern, Auferstehen Aus der tiefen Grabesnacht.

Frühling blühet jetzt auf Erden, Frühling soll's im Herzen werden, Denn der Heiland ist erwacht! —

Ostern ist gekommen! — Das hohe Fest der Auf­erstehung und des Frühlings, das Freudenfest der Hoff­nung — hier und dort! — feein anderes Fest ist wichtiger, bedeutungsvoller, ist so froh und heilig, so freudig nach vorangegangener Trauerzeit der düstern Klage und stiller, bitterer Leidenstage, keines ist so reich an sinniger, tiesinniger Symbolik, die zurück schon streift bis in graue, ferne Nebel der Vergangenheit, als noch nicht des Christenthums Helle Gnadensonne aufgeleuchtet für die Erde, und noch nicht aus des Erlösers Dornen­krone die Freudenrosen seiner Auferstehung ihren Glo­rienschimmer über diese arme, sündenvolle Welt gewor­fen! Und wie es endlich strahlend aufgegangen war, das neue Morgenroth der Völker, das alle sie zu Brü­dern einte, da verklärte und idealisirte,es mit seinem milden, klaren Glanze die im Volkssinn und Herz tief eingewurzelten Naturgebräuche — Aeußeres und Inneres verschmelzend, zum Heile der Menschheit!

Gleich einem vollen Blumenkranz, immer frisch und duftend, reich gesegnet an Knospen und an Blüthen, durchziehen ja die feierlichen Feste des Christenthums jene Spanne Erdenfrist, die wir ein Jahr benennen! — sie zieren und sie weihen eine jede Jahreszeit und stehm im engsten, innigsten Zusammenhänge mit dem Weben und Walten der Natur, die Gott der Herr ge­schaffen, dem müden Staubgeborenen zu Trost und Wonne und zu labender Erquickung. — Und deshalb |

feierten auch schon die alten Germanen, unsere Vor­fahren, im „Ostarmanoth" ihr „Ostarafest", zu Ehren ihrer Frühlings-Gottheit „Ostara", in fernen, längst verklungenen Zeiten, als ein schönes und bedeutungs­volles Fest, denn auch ihre Herzen pochten froh dem Lenz entgegen, auch ihre Brust schlug höher, freudiger, wenn die Natur, die junge, knospende, geschmückt mit frischen Blüthen und mit grünen Schleiern, auferstand vom starren Todesschlummer aus des Winters kalten Eisesbanden, auch sie empfanden schon den Auferstehungs- Hauch des Frühlings, der durch die ganze Schöpfung feilten gnaden-,' seinen wrmdenvollen Odem wehen ließ, empfanden ihn als etwas Göttliches und Heiliges, das ihren Geist erhob und ihren Körper stärkte. Acht Tage feierten sie darum dies Fest des neu erwachten Lebens und des Hoffens, dankerfüllt streckten sie die Arme aus nach Osten, zum Aufgang alles Lichtes hin, und brach­ten froh herbei zum Opfer Alles, was an Blumen auf der Flur erblühte; singend fällten sie in ihren „Oster­waldern" Bäume, helle Freudenfeuer auf den „Oster­bergen" zu entzünden, um symbolisch kundzugeben, daß neues Licht und neues Leben durch die aufsteigende Sonne hell und freudig jetzt das neuerblühende Jahr verklärten!

Dann ging das Christenthum als Gnadensonne auf, deren Strahlenglanz — die Nacht des Heidenthums erhellend — Lenzespracht der Menschenseele brachte! — Wie der Lenz die Wohlthat ist des Leibes und wie er triumphirt über den finsteren, trüben Bann der winterlichen Zeit, so trieb es Knospen, Blüthen, Früchte für die, welche der Segensfpur des Kreuzes folgten und dem erhabenen Vorbilde des erstandenen Erlösers, der Roth und Tod ja überwand als Gottesheld, wie der Schöpfung Auferstehungs-Feier draußen die Natur be- fteit. Der äußere Lenz, der sichtbare, verband sich mit dem unsichtbaren, inneren, die Wiedergeburt der Erde

Von Jenem, der erftiuibcn Siegreich in eig’ner Kraft, Erneuert es bie Kunde Vom starke» Gottesheld, Der sterbend schloß die Wunde Der todeskranken Welt;

Der, als entseelt Er niederlag, Im Grab des Todes Fesseln brach.

O sei uns hoch gesegnet, Du Lenzes-Ostertag, Wo uns der Herr begegnet Im dämmergrünen Hag! Mit weichem Hauch erfasse Das kalte Menschenherz, Daß es vom Wahne lasse Und jubelnd himmelwärts Dem Herrn der Herrlichkeit entbiet' Des Dankes Auferstehungslied!

L. v. Heemstede.

mit dem geistigen, ewigen Frühlinge — das Osterfest wird zur Verschmelzung des himmlischen und irdischen Frühlings-Sonnenscheines, und wie auf Wintersnacht der lichte Frühling erwacht zur Labe und zur Stärkung für die körperliche Hülle, so erstand nach der Leidens­pein von Golgatha aus Kreuz und Dornenkrone, das Fest des Heils und von des Todes Ueberwindung das hohe Fest des Lichtes und Lebens für die bangende, verzagte Menschenseele; — mit neuer Kraft kann nun der Erdenpilger — auch der müde, arcke, kranke zum Wanderstabe greifen! Osterfest bringt ja frisches Laub nnd frisches Hoffen, bringt cs dem sterblich - staudge- borenen Theil, wie dem unsterblichen, der nicht von der 8Velt ist.

Und Alles, was an Osterfeier, Sitten, Freuden den Menschen heute lieb und theuer ist, trägt ja das hohe, heilige Sinnbild dieses Doppel-Frühlings an und in sich, und die Gläubigen früherer christlicher Jahr­hunderte, denen das Heil ihrer Seele mehr am Herzen lag als ihre Erdenwohlfahrt, kannten deßhalb auch keine schönere, wichtigere und größere Feier, als die des Versöhnungstodes und der Auferstehung des Er­lösers! Wie hoch war einst die heilige Ehrfurcht, die fromme Andacht beim Begehen des Osterfestes! „Christus ist erstanden!" lautete das feierliche Segenswort des Friedens und der Freude, das zum Gruß erschallte beim Eintritt in die Gotteshäuser, deren Pforten und Hallen bestreut waren mit Blumen, geziert mit knos­penden Zweigen, blühenden Pflanzen, während'Fahnen von den, Altären wehten ; — Freuden- und Liebes- Mähler fanden statt an diesem Fest der Liebe und der Freude, — besonders für die Armen und Bedürftigen, wovon noch jetzt gar mancher alte Brauch und manche milde Stiftung zu erzählen weiß, kam es doch sogar auch vor, daß man Gefangenen die Freiheit schenkte, zu Ehren dieser frohen, hohen Zeit, die ehedem länger

In harter Schule.

Roman von G. I.

(7. Fortsetzung.)

„Das lassen Sie nur meine Sache sein, Frau Hart. Bitte, sagen Sie mir, wenn sie ausgeschlafen hat und mich empfangen kann."

„Und was soll ich ihr denn zu essen geben?"

„Eine Wassersuppe.*

„Eine Wassersuppe! Daß Gott erbarme, das arme Ding, wer weiß, wie lange die gehungert hat, und nun eine Wassersuppe! Herr Gringmuth ängstigen Sie sich nicht, Sie sollen nicht bezahlen, wenn Sie auch vorhin in der Hitze so was gesagt haben."

„Wenn Sie sie tobten wollen, so geben Sie ihr, was Sie für gut finden, ich wasche meine Hände in Unschuld," antwortete Gringmuth kalt. „Uebrigens denke tch gar nicht daran, bezahlen zu wollen, was Fräulein Schmidt verzehrt, wie käme ich dazu? sie ist ja nicht meine Mietherin, sondern die Ihrige."

„Apropos. Herr Gringmuth", begann Frau Hart und I^snte beide Arme in die Seiten, „was haben Sie sich denn mit meinem armen schwachen Mann für emen fchlechten Spaß gemacht? Der kann sich ja gar

nicht zufrieden geben, so haben Sie ihm eingeheizt." — „Und habe ich etwa nicht Recht? Können Sie sich nicht die größten Ungelegenheiten zuziehen, wissen Sie, wer Fräulein Schmidt ist?"

„Ra, thun Sie nur nicht so geheimnißvoll, Herr Gringmuth, wer wird sie denn sein, eine Putz- oder Blumenmacherin, die ohne Arbeit ist und sich eine un­glückliche Liebeständelei in den Kopf gesetzt hat.

„Das glauben Sie selbst nicht, was Sie da reden meine gute Frau Hart," sagte der alte Herr, ihr auf die Schulter klopfend. „Verstellen Sie sich, wie Sie wollen, Ihnen ist auch nicht wohl bei der Sache zu Muthe. Seien Sie einmal offenherzig und sagen Sie mir, wie das junge Mädchen zu Ihnen gekommen ist.

Frau Hart ließ sich mit einem tiefen Seufzer in den Stuhl sinken.

„Mit Ihrer Erlaubniß, Herr Gringmuth", sagte sie, „aber es wird mir von Allem, was ich heute durchgemacht, ganz schwach. Ja, es ist eine vertrackte Geschichte, meine Gutmüthigkeit hat mich da in eine dumme Patsche gebracht. Das arme Ding dauerte mich, sie kam Anfang September, hatte keine Wohnung und sagte ihre Papiere würden ihr nachgeschickt, ich sollte sie nur inzwischen aufnehmen, und da habe ich

sie bei der Polizsi als eine Verwandte von außerhalb die auf unbestimmte Zeit bei mir zu Besuch ist, an­gemeldet."

„Und heute hat man sie schon bei Ihnen gesucht."

„Das wissen Sie auch schon!" kreischte Frau Hart.

„Beruhigen Sie sich, das weiß ich von Ihrem Mann. Können Sie mir den Mann, der nach ihr fragte, beschreiben?"

„Wenn ich nur wüßte, warum Sie das Alles wissen möchten?"

„Weil ich Ihnen dann vielleicht viel nützen kann."

„Was haben Sie denn mit einem Male für einen Nützlichkeitsdrang bekommen, den habe ich ja noch gar nicht bei Ihnen bemerkt! Nun meinetwegen, ich kann Ihnen ja den Herrn beschreiben. Es war ein Mann von vielleicht fünfzig Jahren, sehr fein gekleidet, mit blondem Backen- und Schnurrbart, bald wie ein Offi­zier in Civil."

„Etwas schnarrende Aussprache?"

„Ja gewiß, kennen Sie ihn?"

„Ich habe so meine Vermuthung. Ich will Ihnen etwas sagen, Frau Hart. Der Herr kommt sicher in den nächsten Tagen wieder und findet er dann Fräulein