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17. Jahrgang

Freitag, den 4. April 1890.

Fuldaer Zeitung

— . . .... Tmirf u SRerlaa der Jtulbaer Actiendruckerei C$fi. Sieu&l

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß).

Für dir Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

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WM- Wegen des hl. Charfreitags erscheint die nächste Nummer d. Bl. erst am Samstag.

= Der Gag des Gpfers.

Die Glocken schweigen, die Christenheit trauert. Ein erdrückendes Gefühl der Scham muß uns er­fassen, in dem Bewußtsein, ein Theil jener elenden Menschheit zu sein, deren Missethaten das Opfer auf dem Kalvarienberge nöthig machten, derselben Mensch­heit, aus welcher die Henker des Gottessohnes hervor­gingen.

Und doch will das Geheimniß des Charfreitags uns nicht in Verzweiflung hinabdrücken; es erhebt den zerknirfchten Geist die Erwägung: Wie hoch fchätzte die Liebe des Schöpfers den Werth der Menschen, daß er seinen Sohn zur Erde sandte und lehren, leiden und sterben ließ, um der Menschheit willen.

Die Menschenwürde hochzuschätzen, die Menschen zu lieben und für das Wohl der Menschheit aus allen Kräften zu wirken, lehrt uns der Ewige nicht bloß durch sein Gebot, sondern auch sein erhabenes Bei­spiel.

Unter den Ungläubigen gibt es „Weise", welche behaupten wollen, die Welt sei nichts als ein Tummel­platz für Unvernunft und Unglück, die Menschheit gehe unrettbar der Verzweiflung entgegen, das Heil sei nur im Nichtsein, in der Vernichtung der geschaffenen Welt zu finden. Der Christ ist solchen pessimistischen An­schauungen oder Stimmungen nicht zugänglich, am wenigsten in dieser heiligen Zeit, wo der sterbende und auferstehende Erlöser ihm kzuruft: -Ich habe an der Erlösungsfähigkeit der Menschheit nicht gezweifelt; wie kannst du kurzsichtiges Menschenkind den Zweifel an der Zukunft zum Deckmantel deiner Trägheit oder Selbstsucht nehmen wollen?

„Folge mir nach," heißt das Gebot. Auch auf dem Wege des Opfers wird die Nachfolge gefordert. Welch' einen kläglichen, dem Niveau der Thiere gleichen Standpunkt nimmt der Mensch ein, der nichts als die Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse vor Augen hat, der sich nicht der ehrenvollen und be­glückenden Pflicht bewußt ist, als ebeiibürtiges Glied der menschlischen Familie gemäß dem Auftrage, den ihm der Herr gegeben, für das Wohl des Ganzen mitzusorgen, mitzukämpfen, mitzufchaffen. Das Wort „Gemeinsinn" hat vielfach seinen edlen Klang ein­gebüßt; aber wer es recht versteht, findet in ihm den treffenden Namen einer großen und heiligen Tugend. Keine natürliche Sittenphilosophie gibt einen so sicheren und fruchtbaren Boden für den Gemeinsinn, als die christliche Offenbarung, welche aus der ganzen Mensch­heit aller Stände und Stämme, aller Zungen und Zonen eine solidarische Brüderschaft macht.

In harter Schule.

Roman von ®. I.

(6. Fortsetzung.)

„Bravo, der Brief gefällt mir entschieden besser als der erste," entschied Gringmuth, nachdem er ihn gelesen. „Darin ist Race, das muß man sagen. Der Rede Sinn ist zwar dunkel, so viel geht aber daraus hervor, sie ist ein Opfer des Grafen Falkenburg und jener Weiber, das allein genügte schon mich zu ihrem Befchützer zu machm. Sie ist hilfsbedürftig und mit oder ohne ihre Schuld durch Menschen unglücklich ge­macht, die ich allen Grund zu hassen und zu verfolgen habe. Da läßt sich ja wieder einmal das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden. Ich werde noch heute Abend zu ihr gehen und mit ihr berathen, was für ihre nächste Zukunft geschehen soll. Aber halt, da muß der äußere Mensch doch wohl ein klein wenig dazu herausstaffirt werden, wenn ich mich in diesem meinem geliebtm Hauskostüm, dem aristokratischen Dämchen vorstelle, bekommt sie wahrscheinlich solch' Entsetzen, daß sie mich gar nicht anhört und ich habe doch eine ganze Reihe Wahrheiten zu sagen. Also machen wir eine Konzession." —

Gringmuth hatte von Frau Hart zwei Zimmer, ein Wohn- und ein Schlafzimmer, gemiethet, sich aber

Das Werk der Erlösung und Beglückung des Menschengeschlechts, dessen Geheimnisse wir jetzt feiern, nimmt zu seiner Vollendung die Kräfte aller Guten in Anspruch. Jeder kann und soll nach seinen besten Kräften, soweit sein Wirkungskreis reicht, dazu Mit­wirken, daß jenes Reich sich ausbreite, welches die dritte Bitte des Vaterunsers herbeiwünscht, und das Nebel schwinde, um dessen Beseitigung die letzte fleht.

Der Kreis, in welchem wir für das Wohl der Gesammtheit thätig sein können, hat sich in der neueren Zeit wunderbar erneuert. Die Nöthen und Bedürfnisse unserer schwarzen Brüder im Innern des dunkeln Erdtheils sind uns jetzt so nahe gerückt, wie unseren Vorfahren die Krisen in einem benachbarten Landstrich. Die Arbeit an der sozialen Ordnung und Wohlfahrt, welche früher sich innerhalb enger Gemeindegrenze hielt, dehnt sich jetzt auf riesige Staatseinheiten aus, ja sie nimmt neuerdings einen universellen, auf das gemeinsame Wohl der ganzen Kulturwelt gerichteten Charakter an. Die Erweiterung der politischen Rechte der großen Masse der Staatsbürger legt auch von staatlicher Seite dem Einzelnen die Pflicht auf, mit- zurathen und mitzuthaten in dem Webstuhl der Zeit, der die Zukunft des ganzen Menfchengeschlcchts wirken soll.

Schließ' dich nicht ab in selbstsüchtiger Beschränkt­heit, sondern wirke mit zum allgemeinen Besten! — so lehrt uns das Christenthum. Wirke mit im Geiste der ewigen Wahrheit und der unendlichen Liebe, selbstlos und opferwillig! — so mahnen uns be- loüders die hekkigen Gedenktage dieser Wochen.'

Wenn die Katholiken ihres Namens nnd ihrer Gnaden würdig sein wollen, so darf es niemals und nirgends bessere Bürger und opferwilligere Menschen geben, als sie.

Am Charfreitag ist es gut und recht zu seufzen: Meine Schuld, meine größte Schuld. Aber am Ostermorgen wollen wir sagen: Der Herr ist uns auferstanden, Allen soll sein Heil zu Theil werden, und ich will das Meinige dazu beitrogen,, daß es Ostern wird auf der ganzen Welt, Ostern für Seele und Leib, in den Tiefen und auf den Höhen der menschlichen Gesellschaft, in der Nähe und in der Ferne, Ostern im Herzen, im Hause, in der Werk­statt, im Staats- und Völkerleben. _____

Deutsches getrf).

Berlin, 2. April.

* Der dem Reichstag zu unterbreitende Arbei­terschutz-Gesetzentwurf ist nunmehr fertig gestellt. Er unterliegt nur noch einer Schlußberathung des Mi­nisteriums. ' Alsdann geht er als Antrag Preußens an den B u n d e s r a t h. Er stützt sich auf die Vor­

vorbehalten, sie nach eigenem Gefallen mit Möbeln auszustatten, welche ihm die Wirthin nicht lieferte, und so sah es denn wunderlich genug in dem Zimmer aus. Neben dem obligaten Sopha der besseren möblirten Wohnung, dem Kleiderschrank, den Stühlen und der Chiffoniöre aus Mahagoni, dem Spiegel mit Gold­rahmen und dem buntgeblümten geschmacklosen Teppich am Boden sah man einen mächtigen altmodischen Schreibtisch von dunklem Eichen- und Nußbaumholz, ein schönes Stück der Renaissanceperiode, mit gedrehten Füßen, eingelegten Figuren und einer großen Anzahl von Schubfächern mit blanken Schlössern, die stets sorgfältig verschlosfen waren und in denen Frau Hart die Schätze des Geizhalses vermuthete, ebenso ^wie in zwei Truhen von noch dunklerem Holze mit Figuren in halb erhabener Arbeit. Dieselben stellten an der einen Truhe die Auffindung Moses und den Auszug der Kinder Israel aus Aegypten, an der andern die Anbetung des Christuskindes durch die drei Könige und die Flucht Mariä und Josephs mit dem Christ­kinde nach Aegypten dar. An der Wand hingen neben einigen schlechten Lithographien, mit denen Frau Hart ihre Zimmer anszustatten sich nun einmal nicht nehmen ließ, und deren Entfernung sie als eine ihr persönlich zugefügte Beleidigung betrachtet haben würde, sehr chöne Land- und Himmelskarten, die gleichzeitig mit

schlüge des Staatsraths, wurde aber endgiltig erst fertig gestellt nach dem Schluß der Konferenz. Einige Beschlüsse derselben wurden in den Entwurf mit aus­genommen. Inhaltlich bedeutet die Vorlage eine Ab­änderung des Titels 7 der Reichsgewerbeordnung be­züglich der Kinder-, Frauen- und Sonntagsarbeit, ändert die Bestimmungen über die Lehrlingsverhältnisfe, regu- lirt das Arbeitsbücherwesen und neugestaltet das Fcibrik- inspektorat.

* Zn dem Plane, in der Reichshauptstadt dem Fürsten Bismarck ein Denkmal zu errichten, erinnert die ,Voss. Ztg/, daß der Exkanzler am 28. Nov. 1881 im Reichstage sagte: „Was Statuen anbelangt, so muß ich doch sagen, daß ich sür diese Art von Dank gar nicht empfänglich bin. Ich wäre in der größten Verlegenheit, wenn ich beispielsweise in Köln wäre, mit welchem Gesicht ich an meiner Statue Vor­beigehen sollte. Ich erlebe das in Kissingen, es stört mich in Promenaden-Verhältnissen, wenn ich gewisser­maßen fossil neben mir dastehe."

* Das Herrenhaus ist von seinem Präsidenten, dem Herzog von Ratibor, zu einer neuen Serie von Sitzungen einberufen worden, die am 25. April begin­nen wird. Man hofft, daß bis dahin das Abgeord­netenhaus, welches am 15. d. wieder zusammentritt, die 3. Lesung des Etats beendet haben wird.

* Gute Botschaft kommt aus Ostafrika. Sana Heri hat mit Wißmann Frieden geschlossen und kehrt auf dessen Veranlassung nach Saadani MÜck. Ferner: Emin Pascha ist jetzt definitiv in deutsche Dienste ge­treten und tritt in seiner neuen Eigenschaft am 20. o. Mts. mit einer Karawane eine Expedition nach dem Nyagasee an. Major Wißmann hat eine Kundmachung erlassen, in welcher er den Karawanen das Betreten der deutschen Sphäre nördlich vom Tanga ohne beson­dere Erlanbniß untersagt. Endlich wird bestätigt, daß der deutsche General-Konsul in Sansibar, Michahelles, dem Sultan von Witu einen Besuch abstattet. Er ver­läßt bereits morgen, Donnerstag, mit 2 Kanonenbooten Sansibar.

* Lieutenant E hlers, der Ende Dezember mit einer Abtheilung der Wißmann'schen Schutztruppe von Paugani zum Kilimandscharo aufgebrochen ist, meldet der ,Köln. Ztg/ zufolge, daß Dr. Peters und Lieutenant v. Tiedemann nebst 40 Trägern wohl­behalten feien; Tiedemann sei in einem Gefecyt in der Nähe von Kariondo nur leicht verwundet worden.

* Bei der Wichtigkeit, welche eine am Montag im Verein deutscher Spiritus-Interessenten vorge­führte Erfindung in ökonomischer, sowie in steuerlicher Beziehung haben wird, sei dieselbe hier erwähnt. Pro­fessor Wallraf führte in genanntem Verein und in Gegenwart des Finanzministers von Scholz einen Apparat zur Spiritus-Erzeugung vor, der

einem auf einem schwarzen Gestell stehenden Globus andeuteten, daß der Bewohner dieser Räume sich mit Erd- und Himmelskunde beschäftige. Auffallend mußte neben diesen Zeichen wissenschaftlicher Thätigkeit der gänzliche Mangel an Büchern erscheinen, weder auf dem Tische, noch auf dem Schreibtische war davon ein einziges zu bemerken.

Frau Hart war der festen Meinung, die Karten und der Globus seien von ihrem Miether, irgend einem armen Gelehrten, der nicht bezahlen gekonnt, abge­pfändet worden, und sah sie Gringmuth davor stehen, so schwur sie darauf, er sehe sich nur die neuen Eisen­bahnen an und berechne, mit welchen Aktien er am besten spekuliren könne.

„Der Kerl hat Geld wie Heu, seine alten schwarzen Kasten sind vollgepfropft von Gold und Papieren, ich weiß es ganz genau, und dabei lebt er selbst wie ein Hund und gönnt keinem anderen Menschen einen Bissen es ist eine Sünde und Schande!" pflegte sie zu ihrem Manne zu sagen. Trotz dieser Ausfälle hatte sie eine gewisse Zuneigung zu Gringmuth; der Manu verstand ihr zu impouiren, und Frauen, die den eigenen Ehe­herrn unter den Pantoffel zu bringen gewußt, haben um so höheren Respekt, wenn ihnen bei Andern Ene rgie entgegentritt.

Papiere enthielten die Truhen allerdings und